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Radon im Haus: Warum Messen vor Abdichten, Lüften und Sanieren kommt

Radon gelangt aus dem Boden durch Undichtigkeiten ins Gebäude. Erst eine ausreichend lange Messung zeigt, ob und wo bauliche Maßnahmen nötig sind.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Radon ist geruchlos; weder ein trockener Keller noch eine dichte wirkende Bodenplatte schließen erhöhte Werte aus.
  • Der gesetzliche Referenzwert für die über das Jahr gemittelte Radon-222-Aktivitätskonzentration in Aufenthaltsräumen liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter.
  • Maßnahmen sollten an Messwert, Eintrittspfad und Nutzung ansetzen; ungezieltes Dauerlüften ist kein belastbarer Sanierungsplan.

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das natürlich im Boden entsteht. Es kann durch Fugen, Leitungsdurchführungen, Risse oder offene Bodenbereiche in ein Gebäude gelangen. Weil es weder sichtbar noch riechbar ist, lässt sich die Belastung nicht durch eine Besichtigung beurteilen.

Für Aufenthaltsräume gilt in Deutschland ein Referenzwert von 300 Becquerel Radon-222 pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Ein Referenzwert ist kein Grenzwert, unterhalb dessen jedes Risiko verschwindet. Er markiert eine Schwelle, an der Maßnahmen besonders geprüft werden müssen.

Regionalkarte ersetzt keine Hausmessung

Radonvorsorgegebiete und Karten zeigen, wo erhöhte Konzentrationen im Boden häufiger auftreten. Zwei benachbarte Häuser können trotzdem sehr unterschiedliche Innenraumwerte haben. Bauweise, Untergrund, Luftdruck und Lüftung beeinflussen den Eintritt.

Messen Sie deshalb in den niedrigsten regelmäßig genutzten Geschossen: etwa im Souterrainbüro, Schlafzimmer im Erdgeschoss oder Hobbyraum im Keller. Reine Lagerräume sind für die persönliche Exposition weniger wichtig, können aber Hinweise auf Eintrittspfade liefern.

Langzeitmessung bildet den Alltag ab

Radonwerte schwanken mit Wetter, Jahreszeit und Nutzung. Ein kurzer elektronischer Test kann Auffälligkeiten zeigen, für eine belastbare Bewertung ist eine Langzeitmessung über viele Monate besser. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, möglichst über zwölf Monate zu messen, damit ein Jahresmittel abgeleitet werden kann.

Passive Exposimeter sind klein und benötigen keinen Strom. Sie werden nach Anleitung im Raum platziert und anschließend von einer anerkannten Stelle ausgewertet. Während der Messung soll das Gebäude normal genutzt werden. Fenster dauerhaft offen zu lassen, um einen besseren Wert zu erzeugen, macht das Ergebnis wertlos.

Dokumentieren Sie Raum, Geschoss, Messbeginn, Messende und ungewöhnliche Leerstands- oder Bauzeiten. Bei mehreren Messpunkten müssen die Geräte eindeutig zugeordnet sein.

Eintrittspfade systematisch suchen

Erhöhte Werte bedeuten nicht automatisch eine Komplettsanierung. Zuerst wird untersucht, wo Radon eintritt und wie es sich verteilt. Typische Stellen sind:

  • Risse und Arbeitsfugen in Bodenplatten,
  • undichte Rohr- und Kabeldurchführungen,
  • Pumpensümpfe, Schächte und Bodenabläufe,
  • Naturboden oder undichte Kellerböden,
  • offene Verbindungen zwischen Keller und Wohnbereich.

Eine dichte Tür zwischen Keller und Treppenhaus kann die Ausbreitung begrenzen, beseitigt aber nicht die Quelle. Auch Unterdruck durch Abluftanlagen oder Kamine kann die Strömung aus dem Boden beeinflussen.

Maßnahmen von einfach bis technisch

Je nach Befund kommen regelmäßiges oder technisches Lüften, das Abdichten einzelner Eintrittsstellen, eine radondichte Trennung zum Keller, Unterbodenabsaugung oder andere Druck- und Lüftungslösungen infrage. Die Auswahl hängt von Konzentration, Bauweise und Nutzung ab.

Ungezieltes Dauerlüften kann Heizenergie verschwenden und im Sommer Feuchtigkeit in den Keller bringen. Abdichtungen wirken nur, wenn Material und Anschluss für den Untergrund geeignet sind. Bei höheren Werten sollte eine radonerfahrene Fachperson ein Konzept erstellen.

Nach energetischer Sanierung erneut messen

Neue Fenster und luftdichte Bauteile senken den unbeabsichtigten Luftwechsel. Dadurch kann sich auch die Radonsituation verändern. Untersuchungen des Bundesamts für Strahlenschutz zeigen, dass energetische Sanierungen ohne Berücksichtigung des Radonschutzes ungünstige Effekte haben können.

Planen Sie bei Arbeiten an Bodenplatte, Kellerwänden oder Lüftung daher Radonschutz mit ein. Eine Messung vor der Sanierung liefert den Ausgangswert, eine Kontrollmessung danach belegt die Wirkung.

Wirkung immer nachweisen

Eine abgedichtete Fuge sieht überzeugend aus, eine neue Lüftung läuft hörbar – beides beweist noch keine ausreichende Senkung. Nach Abschluss der Maßnahmen wird unter normaler Nutzung erneut gemessen. Erst der Vergleich zeigt, ob das Konzept funktioniert.

Radonvorsorge folgt damit einer nüchternen Reihenfolge: langfristig messen, Eintrittspfade verstehen, passende Maßnahmen planen und ihre Wirkung kontrollieren. Das verhindert sowohl unnötige Bauarbeiten als auch falsche Sicherheit.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesamt für Strahlenschutz: Radon in Gebäuden
  2. Gesetze im Internet: § 124 Strahlenschutzgesetz
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