Emissionsarme Baustoffe wählen: Was nach der Renovierung in der Raumluft bleibt
Farben, Kleber, Böden und Holzwerkstoffe können Stoffe an die Raumluft abgeben. Produktnachweise sollten deshalb schon in die Ausschreibung.

Das Wichtigste in Kürze
- Geruch ist kein zuverlässiger Maßstab für alle Emissionen aus Bauprodukten.
- Nachweise wie Blauer Engel oder geeignete Emissionsprüfungen müssen produktscharf vorliegen.
- Nicht nur der Oberbelag, sondern auch Grundierung, Kleber, Spachtel und Dichtstoffe bilden das Innenraumsystem.
Nach einer Renovierung riecht es häufig „neu“. Dieser Geruch kann rasch verschwinden, lange bleiben oder täuschen: Manche flüchtigen Stoffe sind deutlich wahrnehmbar, andere nicht. Die Nase allein kann deshalb weder gesundheitliche Unbedenklichkeit bestätigen noch ein Produkt zuverlässig bewerten.
Das Umweltbundesamt empfiehlt für Innenräume emissions- und geruchsarme Bauprodukte. In dichten, energieeffizienten Gebäuden ist die Auswahl besonders relevant, weil unkontrollierter Luftaustausch geringer ist und großflächig eingebaute Materialien die Raumluft dauerhaft prägen können.
Die ganze Schichtfolge ausschreiben
Ein Boden besteht nicht nur aus Parkett, Linoleum oder Teppich. Grundierung, Ausgleichsmasse, Klebstoff, Unterlage und Oberflächenbehandlung kommen hinzu. Ähnlich bilden Putz, Spachtel, Farbe und Dichtstoffe ein Wandsystem. Ein emissionsarmer Oberbelag verliert an Aussagekraft, wenn darunter beliebige Hilfsstoffe eingesetzt werden.
Benennen Sie Produkte oder nachprüfbare Anforderungen in der Leistungsbeschreibung. Formulierungen wie „ökologisch“, „natürlich“ oder „lösemittelfrei“ sind ohne Kriterien zu ungenau. Auch Naturmaterialien können Gerüche oder flüchtige Stoffe abgeben.
Nachweise produktscharf prüfen
Der Blaue Engel kennzeichnet in mehreren Produktgruppen emissionsarme Alternativen und stellt strengere Anforderungen als eine bloße Eigenaussage. Je nach Bauprodukt können außerdem Nachweise nach dem Bewertungsschema des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten oder andere technische Dokumentationen relevant sein.
Wichtig ist, dass Zertifikat und Datenblatt exakt zum gelieferten Produkt, Farbton und Anwendungsbereich passen. Ein allgemeines Herstellerlogo oder ein Nachweis für eine andere Produktlinie genügt nicht. Bewahren Sie technische Merkblätter und Chargenangaben in der Hausakte auf.
Verarbeitung beeinflusst das Ergebnis
Untergrundfeuchte, falsche Mischung und zu kurze Ablüftzeiten können Emissionen und Gerüche verstärken. Herstellerangaben zu Temperatur, Luftfeuchte, Auftragsmenge und Trocknung gehören deshalb zum geschuldeten Ablauf. Produktkombinationen sollten freigegeben sein, damit keine unerwarteten Reaktionen entstehen.
Während der Arbeiten werden belastete Bereiche gelüftet und von bewohnten Räumen getrennt. Arbeitsschutz und Innenraumschutz sind dabei nicht identisch, ergänzen sich aber.
Bei Beschwerden strukturiert vorgehen
Treten nach der Renovierung anhaltende Gerüche oder Beschwerden auf, dokumentieren Sie Zeitpunkt, Räume, Nutzung und Lüftung. Sammeln Sie Produktlisten, Sicherheitsdatenblätter und Rechnungen, bevor vorschnell einzelne Bauteile entfernt werden. Eine fachkundige Innenraumuntersuchung braucht eine klare Fragestellung; wahllose Messpakete liefern oft schwer interpretierbare Ergebnisse.
Die beste Innenraumluft entsteht nicht durch ein einzelnes Siegel. Sie entsteht, wenn Planung, Produktauswahl, Verarbeitung, Trocknung und Lüftung als zusammenhängende Qualitätskette behandelt werden.


















