Regentonne oder Zisterne: Die Speichergröße folgt dem Verbrauch, nicht der Dachfläche
Das übliche Berechnungsblatt bemisst den Speicher nach drei Wochen Bedarf. Für reine Gartenbewässerung kommen dabei wenige hundert Liter heraus — die Zisterne rechnet sich erst, wenn das Haus mitversorgt wird.

Das Wichtigste in Kürze
- Das in der Praxis übliche Berechnungsblatt dimensioniert den Speicher als Jahresbedarf mal 21 Tage geteilt durch 365 — Trockenperioden dauern selten länger als drei Wochen.
- Für 200 Quadratmeter Garten mit 60 Litern je Quadratmeter und Jahr ergibt diese Regel rund 690 Liter Nutzvolumen; das leisten drei verbundene Regentonnen.
- Erst WC mit 24, Waschmaschine mit 10 und Putzwasser mit 2 Litern je Person und Tag heben den Bedarf auf ein Niveau, das eine Zisterne rechtfertigt.
- Bei Hausnutzung wird die Dachfläche zur Grenze: 100 Quadratmeter Grundfläche liefern bei 700 Millimetern Niederschlag nach Filterverlust nur rund 50 Kubikmeter im Jahr.
- Eine eingebaute Zisterne für den Garten kostet 2026 meist 3.000 bis 6.500 Euro, eine Regentonne mit Sammler unter 200 Euro.
Die meisten Beratungsgespräche über Regenwasser beginnen mit der falschen Zahl. Gefragt wird nach der Dachfläche — dabei entscheidet sie gar nicht über die Speichergröße. Das Berechnungsblatt, mit dem die Branche seit Jahrzehnten arbeitet, leitet das Volumen aus dem Verbrauch ab und begründet das nüchtern: Trockenperioden dauern in Deutschland selten länger als zwei bis drei Wochen. Der Speicher muss also drei Wochen überbrücken, nicht ein Jahr.
Daraus wird eine Formel, die man auf einem Bierdeckel nachrechnen kann: Jahresbedarf mal 21 Tage geteilt durch 365. Wer sie anwendet, landet bei vielen Grundstücken nicht bei der Zisterne, mit der er gerechnet hat.
Vier Bedarfswerte, aus denen alles folgt
Der Betriebswasserbedarf setzt sich aus wenigen Positionen zusammen, für die belastbare Erfahrungswerte vorliegen.
| Nutzung | Ansatz | Bei 4 Personen und 200 m² Garten |
|---|---|---|
| Toilettenspülung | 24 l je Person und Tag | 35.040 l im Jahr |
| Waschmaschine | 10 l je Person und Tag | 14.600 l im Jahr |
| Putzwasser | 2 l je Person und Tag | 2.920 l im Jahr |
| Gartenbewässerung | 60 l je m² und Jahr | 12.000 l im Jahr |
Die Gartenzahl ist die einzige, die nicht von der Personenzahl abhängt — und sie bezieht sich auf tatsächlich bewässerte Fläche, nicht auf die Grundstücksgröße. Rasen, Staudenbeet und Gemüse fallen darunter, Terrasse, Hecke und Wiese in der Regel nicht. Wie viel davon Sie mit welcher Technik wirklich brauchen, behandelt der Beitrag zur wassersparenden Gartenbewässerung; Tropfschläuche und Bodenfeuchtesteuerung drücken den Ansatz spürbar.
Für den Garten allein endet die Rechnung bei der Tonne
Setzen Sie den Gartenbedarf allein in die Formel ein: 12.000 Liter mal 21 geteilt durch 365 ergibt 690 Liter. Das ist kein Rechenfehler und keine Sparversion — das ist das Volumen, das eine dreiwöchige Trockenphase im Sommer überbrückt. Drei verbundene 300-Liter-Tonnen an zwei Fallrohren leisten es, kosten zusammen selten mehr als 200 Euro und lassen sich an einem Nachmittag aufstellen.
Warum fühlt sich das trotzdem zu klein an? Weil die Formel eine Bedingung hat, die stillschweigend mitläuft: Der Speicher muss zwischen den Trockenphasen wieder voll werden. Bei 200 Quadratmetern Garten und 690 Litern Vorrat heißt das, dass rund achtzehnmal im Jahr nachgefüllt werden muss. Ein Schauer von fünf Millimetern auf 60 Quadratmeter angeschlossene Dachfläche bringt etwa 240 Liter — dafür reichen normale Regentage. Was die Tonne wirklich begrenzt, ist nicht der Ertrag, sondern der Moment, in dem sie voll ist und der Rest im Fallrohr weiterläuft. Über das Jahr nutzt sie deshalb nur einen kleinen Teil dessen, was das Dach hergibt.
Genau da liegt der ehrliche Vorteil der Zisterne: Sie fängt die Spitzen ab, die der Tonne durchgehen. Ob sich das lohnt, entscheidet sich aber nicht im Garten. Praxisfragen zu Aufstellung, Frostschutz und Verbindung mehrerer Behälter behandelt der Beitrag zur Regentonne.
Mit Hausnutzung wird die Dachfläche zur Grenze
Kommen WC, Waschmaschine und Putzwasser dazu, springt der Jahresbedarf im Beispielhaushalt von 12.000 auf 64.560 Liter. Die Formel ergibt dann 3.714 Liter — also den handelsüblichen Vier-Kubikmeter-Behälter. Erst an dieser Stelle wird die Zisterne zur richtigen Antwort, und zwar nicht knapp, sondern deutlich.
Jetzt aber lohnt der zweite Blick, den die Formel nicht verlangt: Gibt das Dach das überhaupt her? Der Ertrag ergibt sich aus der Dachgrundfläche in Projektion, dem örtlichen Niederschlag, dem Abflussbeiwert und einem Abschlag von rund zehn Prozent für den Zulauffilter. Die üblichen Praxiswerte für den Abflussbeiwert liegen bei 0,8 für Giebeldächer über 15 Prozent Neigung, 0,7 für flachere Giebeldächer und 0,5 für Kiesschüttdächer.
Ein Haus mit 100 Quadratmetern Dachgrundfläche und Ziegeldeckung kommt bei 700 Millimetern Jahresniederschlag auf 100 × 0,7 × 0,8 = 56 Kubikmeter, nach Filterverlust rund 50 Kubikmeter. Dem stehen 64,5 Kubikmeter Bedarf gegenüber. Die Anlage deckt also gut drei Viertel — die Trinkwassernachspeisung ist kein Notbehelf für Dürresommer, sondern läuft jedes Jahr mehrere Wochen mit.
Und der Niederschlag ist keine Konstante. Das Umweltbundesamt weist für 2025 eine Jahressumme von 642 Millimetern aus, Platz 15 der trockensten Jahre seit 1881. Setzen Sie deshalb den Wert Ihrer eigenen DWD-Station ein und rechnen Sie zusätzlich mit einem Abschlag von zehn Prozent. Was der Anschluss ans Hausnetz rechtlich verlangt — Anzeige beim Gesundheitsamt, strikte Trennung, Kennzeichnung — steht in der Betrachtung zu Regenwasser für Toilette und Waschmaschine.
DIN 1989-100 trennt die Tonne von der Anlage
Ab dem Moment, in dem der Speicher mehr tut als eine Gießkanne zu füllen, greift ein eigenes Regelwerk. DIN 1989-100 in der Ausgabe 2022 behandelt Regenwassernutzungsanlagen in Gebäuden und auf Grundstücken und beschreibt auf rund fünfzig Seiten, was zwischen Dachrinne und Zapfstelle liegen muss: Filter im Speicherzulauf, beruhigter Zulauf, schwimmende Entnahme, Überlauf, Nachspeisung und Kennzeichnung.
Ein Punkt daraus betrifft jeden, der den Überlauf an den Kanal anschließt. Die Norm verlangt einen Rückstauverschluss nach DIN EN 13564-1, dessen zulässiger Typ von der Kanalart abhängt: Bei Mischwasserkanälen sind die Typen 2, 3 oder 5 zugelassen, bei reinen Regenwasserkanälen die Typen 0, 1 oder 2. Diese Unterscheidung entscheidet darüber, ob bei einem Starkregen Kanalwasser in den Speicher drückt. Welche Höhe die Rückstauebene hat und welche Bauteile darunter liegen dürfen, behandelt der Beitrag zum Rückstauschutz.
Die Regentonne fällt nicht unter diese Anforderungen, solange sie ein offener Behälter am Fallrohr bleibt und nichts an eine Hausinstallation angeschlossen wird. Das ist einer der unterschätzten Unterschiede zwischen beiden Lösungen: Die Tonne ist ein Gegenstand, die Zisterne mit Hausanschluss eine anzeige- und dokumentationspflichtige Anlage — mit Betreiberpflichten, die nach der Trinkwasserverordnung auch dann bestehen bleiben, wenn die Pumpe jahrelang störungsfrei läuft.
Was die Formel nicht abbildet
Drei Dinge entscheiden mit und tauchen in keiner Bilanz auf.
Der Überlauf ist kein Zubehör, sondern das Bauteil, das über Wasserqualität und Rückstausicherheit bestimmt. Ein Speicher, der nie überläuft, sammelt an der Oberfläche Schwebstoffe, die nur der Überlauf abzieht. Wohin das Wasser darf und was unterhalb der Rückstauebene passiert, klärt der Beitrag zum Überlauf der Zisterne.
Der Behälter selbst bringt Randbedingungen mit, die die Wunschgröße überstimmen können — Grundwasserstand, zulässige Erddeckung, Zufahrt für Kran und Bagger. Diese Prüfung gehört vor die Bestellung und ist Thema der Darstellung zur unterirdischen Zisterne.
Und die Gebührenseite läuft in die Gegenrichtung: Wer Regenwasser ins Haus führt, leitet es anschließend als Schmutzwasser ab und zahlt dafür. Wer es versickert, kann bei der Niederschlagswassergebühr entlastet werden. Der reine Trinkwasserpreis bildet die Rechnung nicht ab.
So entscheiden Sie in einer halben Stunde
Rechnen Sie zuerst den Jahresbedarf mit den vier Werten aus der Tabelle, für Ihre Personenzahl und Ihre tatsächlich bewässerte Fläche. Multiplizieren Sie mit 21 und teilen Sie durch 365 — das ist Ihr Nutzvolumen. Liegt es unter etwa 1.000 Litern, sind verbundene Tonnen die wirtschaftlich richtige Lösung; die 3.000 bis 6.500 Euro, die eine eingebaute Gartenzisterne 2026 üblicherweise kostet, amortisieren sich bei diesem Bedarf über die Trinkwasserersparnis nicht.
Liegt es darüber, prüfen Sie im zweiten Schritt den Ertrag: Dachgrundfläche mal Niederschlag mal Abflussbeiwert mal 0,9. Deckt er den Bedarf nicht, planen Sie die Nachspeisung von Anfang an mit freiem Auslauf ein, statt sie später zu improvisieren. Und holen Sie das Angebot mit getrennt ausgewiesenen Positionen für Aushub, Bodenabfuhr, Bettung, Kran, Zulauf, Überlauf, Filter, Pumpe, Elektroanschluss und Wiederherstellung der Oberfläche — der Behälterpreis macht nur einen kleinen Teil der Summe aus.
Quellen und weiterführende Informationen
- Berechnungsformblatt Zisternengröße (Abflussbeiwerte, Bedarfswerte, 21-Tage-Regel)
- DIN 1989-100: Neue Bestimmungen für Regenwassernutzungsanlagen
- Umweltbundesamt: Trends der Niederschlagshöhe in Deutschland
- Umweltbundesamt: Tipps für eine nachhaltige Regenwassernutzung
- Trinkwasserverordnung § 13 – Nichttrinkwasseranlagen
- Zisterne einbauen: Kosten im Überblick

















