Solarthermie warten: Der Ausfall kostet kein Geld — er fällt nur nicht auf

Fällt eine Solarthermieanlage aus, springt der Kessel ein und das Warmwasser bleibt warm. Wie Sie mit drei Zählerablesungen im Sommer feststellen, ob die Anlage überhaupt noch etwas beiträgt.

Röhrenkollektor einer Solarthermieanlage auf dem Ziegeldach – Wartung und Ertrag prüfen
Röhrenkollektor einer Solarthermieanlage auf dem Ziegeldach – Wartung und Ertrag prüfenFoto: Norbert Nagel / Wikimedia Commons, bearbeitet (Zuschnitt)CC BY-SA 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine ausgefallene Solarthermieanlage verursacht keine sichtbare Störung: Der Heizkessel übernimmt lautlos, und nur der Brennstoffverbrauch steigt.
  • Die Gegenprobe gelingt ohne Messtechnik: Liegt der Gasverbrauch von Juni bis August über rund 600 Kilowattstunden, trägt die Anlage im Vier-Personen-Haushalt kaum noch etwas bei.
  • Eine defekte Schwerkraftbremse macht die Kollektoren nachts zur Heizfläche und entlädt den Speicher übers Dach — ein Verlust, den keine Anzeige meldet.
  • Ein Wärmemengenzähler kostet ab rund 150 Euro und ist die einzige Messgröße, die den Solarertrag in Kilowattstunden belegt.
  • Für Wartung, Prüfung und Pumpenstrom rechnet co2online mit 100 bis 200 Euro im Jahr; ein Fluidwechsel kommt alle sieben bis zehn Jahre mit 300 bis 800 Euro dazu.

Wenn eine Photovoltaikanlage ausfällt, steht es am Monatsende auf der Stromrechnung. Fällt eine Solarthermieanlage aus, passiert erst einmal gar nichts: Der Speicher wird kalt, der Kessel merkt das und heizt nach, und um sieben Uhr morgens kommt warmes Wasser aus dem Hahn wie immer. Der Schaden ist unsichtbar, weil das Ergebnis dasselbe bleibt. Nur bezahlt ihn jetzt der Brennstoff.

Genau deshalb laufen viele Anlagen jahrelang mit halbem oder gar keinem Ertrag weiter. Es gibt keine Fehlermeldung, die niemanden erreicht — es gibt schlicht keinen Anlass, hinzusehen. Den muss man sich selbst schaffen, und das geht einfacher, als die meisten annehmen.

Die Gegenprobe am Gaszähler

Die aussagekräftigste Kontrolle braucht kein Werkzeug, sondern zwei Zählerstände und einen Taschenrechner. Sie nutzt aus, dass im Hochsommer der gesamte Brennstoffverbrauch eines Hauses mit Trinkwasser-Solaranlage praktisch nur noch aus Bereitschaftsverlusten besteht — heizen muss niemand mehr.

  1. Notieren Sie den Zählerstand am 1. Juni und noch einmal am 1. September, jeweils in Kubikmetern.
  2. Rechnen Sie die Differenz in Kilowattstunden um: Kubikmeter mal Zustandszahl mal Brennwert. Beide Faktoren stehen auf Ihrer letzten Jahresrechnung; überschlägig ergeben ein Kubikmeter Erdgas rund 10 Kilowattstunden.
  3. Vergleichen Sie das Ergebnis mit der Größenordnung, die ein Vier-Personen-Haushalt ohne Solarunterstützung in diesen drei Monaten allein für Warmwasser braucht: grob 1.000 bis 1.200 Kilowattstunden.
  4. Ziehen Sie den Schluss. Unter etwa 300 Kilowattstunden arbeitet die Anlage, wie sie soll. Zwischen 300 und 600 trägt sie teilweise bei. Darüber ist sie faktisch außer Betrieb — auch wenn die Solarpumpe brummt und die Leitung sich warm anfühlt.

Eine korrekt ausgelegte Trinkwarmwasseranlage deckt von Juni bis August 90 bis 100 Prozent des Bedarfs; die Herleitung dieser Zahl steht im Beitrag zu Solarthermie für Trinkwarmwasser. Ein Kessel, der in diesen Wochen regelmäßig anspringt, widerspricht dieser Erwartung — und ein Widerspruch ist der einzige Befund, den diese Technik von sich aus liefert.

Zwei Störgrößen sollten Sie vorher abziehen. Läuft eine Zirkulationspumpe rund um die Uhr, frisst allein sie einen erheblichen Teil des Sommerverbrauchs; was das ausmacht, steht im Beitrag zur Zirkulationsleitung für Warmwasser. Und wer im Juli drei Wochen im Urlaub war, misst einen Wert, der nichts beweist.

Was ein Wärmemengenzähler zeigt

Der Gaszähler misst indirekt. Direkt misst nur ein Wärmemengenzähler im Solarkreis: Er erfasst Volumenstrom und die Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf und rechnet daraus die tatsächlich eingespeiste Wärme in Kilowattstunden. Viele Anlagen haben keinen, weil er beim Bau als verzichtbare Position gestrichen wurde.

Nachrüsten kostet wenig: Geräte gibt es ab rund 150 Euro, der Einbau bei ohnehin geöffnetem Kreis — etwa beim Fluidwechsel — kaum mehr. Manche Solarregler rechnen den Ertrag auch ohne echten Zähler aus, indem sie Pumpenlaufzeit, Fühlerdifferenz und einen hinterlegten Volumenstrom multiplizieren. Diese Zahl ist eine Schätzung und wird falsch, sobald der tatsächliche Durchfluss vom hinterlegten abweicht — was nach jedem Eingriff am Durchflussbegrenzer der Fall sein kann. Lesen Sie deshalb nach, ob Ihr Regler „berechnet“ oder „gemessen“ anzeigt.

Haben Sie einen Zähler, notieren Sie den Jahreswert einmal im Jahr am selben Datum und teilen Sie ihn durch die Kollektorfläche. Das Ergebnis liegt bei gesunden Trinkwarmwasseranlagen in der Größenordnung von 350 bis 450 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr. Ein Wert, der von einem Jahr auf das nächste um mehr als ein Fünftel fällt, ohne dass das Wetter oder die Belegung des Hauses sich geändert haben, ist ein Befund.

Fünf Fehlerbilder und woran Sie sie erkennen

Die Schwerkraftbremse hält nicht. Das ist der teuerste stille Fehler und derjenige, den keine Anzeige meldet. Die Klappe im Solarkreis soll verhindern, dass warmes Medium von selbst nach oben steigt. Klemmt sie offen oder fehlt sie, zirkuliert der Kreis nachts ohne Pumpe weiter, und die Kollektoren auf dem Dach arbeiten als Heizfläche gegen den Nachthimmel — der Speicher entlädt sich also übers Dach. Erkennbar ist das an einer Vorlaufleitung, die nachts oberhalb der Pumpe warm bleibt, und an einer Speichertemperatur, die zwischen Abend und Morgen deutlich stärker fällt, als Zapfung und Dämmung erklären.

Die Pumpe läuft, das Medium nicht. Ein brummender Motor beweist keine Strömung. Der Schauglas- oder Durchflussanzeiger an der Solarstation zeigt, ob tatsächlich etwas fließt. Steht der Schwimmer trotz laufender Pumpe unten, sitzt entweder Luft im Kreis, oder der Rotor ist blockiert.

Luft im Kollektorkreis. Typisch ist ein Gluckern kurz nach dem Pumpenstart und eine Pumpe, die taktet: Sie läuft an, die Temperaturdifferenz bricht nicht ein, sie schaltet ab, kurz darauf wieder ein. Luft ist nicht nur ein Strömungsproblem — Sauerstoff baut die Korrosionsinhibitoren im Wärmeträger ab.

Der Kollektorfühler misst falsch. Zeigt die Regelung an einem klaren Julitag mittags 40 Grad Kollektortemperatur, stimmt etwas nicht. Fühlerbrüche werden von vielen Reglern als Fehlercode gemeldet, Drift dagegen nicht: Ein Fühler, der 15 Kelvin zu niedrig anzeigt, führt dazu, dass die Pumpe zu spät startet und zu früh abschaltet.

Der Durchfluss ist verstellt. Nach jedem Eingriff am Tacosetter oder nach einem Pumpentausch sollte der eingestellte Volumenstrom mit dem Auslegungswert des Planers verglichen werden. Zu wenig Durchfluss bedeutet hohe Kollektortemperaturen und schlechten Wirkungsgrad, zu viel bedeutet, dass der Speicher nicht mehr sauber schichtet.

Was Sie selbst prüfen dürfen — und was nicht

Ablesen, fotografieren, notieren: unbegrenzt. Fotografieren Sie Manometer und Reglerdisplay monatlich aus derselben Perspektive; ein langsam fallender Druck wird nur im Vergleich sichtbar. Kontrollieren Sie Rohrdämmungen im Keller und am Dachanschluss, achten Sie auf Feuchtigkeit, Verfärbungen oder kristalline Rückstände an Verschraubungen und auf sichtbare Schäden oder dauerhafte Verschattung der Kollektoren.

Nicht selbst: den geschlossenen Solarkreis öffnen, Medium nachfüllen, entlüften oder am Sicherheitsventil arbeiten. Das Gemisch steht unter Druck und kann im Betrieb weit über 100 Grad heiß sein. Vor allem aber: Ein fallender Druck ist ein Symptom, keine Aufgabe. Wer ihn durch Nachfüllen wegdrückt, verdeckt entweder eine Undichtigkeit oder ein Ausdehnungsgefäß, das seinen Vordruck verloren hat — warum dieses Gefäß im Solarkreis eine Sonderrolle spielt, steht im Beitrag zu Solarfluid und Solarkreis.

Was in das Wartungsprotokoll gehört

Für Wartung, Prüfung und Pumpenstrom rechnet co2online mit 100 bis 200 Euro im Jahr. Eine ausführliche Wartung liegt je nach Anlagengröße bei 100 bis 250 Euro; der Austausch des Wärmeträgers, alle sieben bis zehn Jahre fällig und abhängig vom Messbefund, bei 300 bis 800 Euro. Die VDI 6002 Blatt 1 beschreibt den fachlichen Rahmen für Planung, Inbetriebnahme und Instandhaltung solcher Anlagen.

Verlangen Sie im Protokoll fünf Angaben, sonst haben Sie nur eine Rechnung: Anlagendruck vor und nach der Arbeit, gemessener pH-Wert und gemessene Frostsicherheit des Fluids, den eingestellten Volumenstrom, den Vordruck des Ausdehnungsgefäßes im drucklosen Zustand und den Zählerstand des Wärmemengenzählers, falls vorhanden. Nachgefüllte Mengen gehören mit Produktnamen dokumentiert.

Planen Sie die Kontrolle außerdem nach jedem Eingriff am Dach ein. Dachdecker-, Fassaden- und Schornsteinarbeiten berühren Leitungen, Fühlerkabel und Befestigungen; Fotos vor Baubeginn helfen, hinterher zu klären, was sich verändert hat.

Der nächste Schritt

Lesen Sie an diesem Wochenende den Gaszählerstand ab und notieren Sie ihn mit Datum. Machen Sie dasselbe am 1. Juni und am 1. September kommenden Jahres — dann haben Sie erstmals eine Zahl, die etwas über Ihre Anlage aussagt, statt über das Wetter des letzten Nachmittags.

Und wenn dabei herauskommt, dass der Kessel im Juli durchheizt: Prüfen Sie zuerst die Regelung, bevor Sie über Bauteile nachdenken. Eine Nachheizung, die den Speicher morgens komplett durchlädt, macht jede intakte Solaranlage wirkungslos — eine Warmwassertemperatur, die nur so hoch liegt wie hygienisch nötig, ist dabei die Grenze nach unten.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. co2online – Solarthermie: Monitoring und Betrieb
  2. heizung.de – Solarthermie-Wartung: Inhalt und Kosten
  3. Verbraucherzentrale – Solarthermie für Heizung und Warmwasser
  4. Paradigma – Der Rückflussverhinderer im Solarkreis
  5. Umweltbundesamt – Bewusster Umgang mit Warmwasser
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