StartGarten & AußenAnleitung

Regengarten anlegen: Niederschläge auffangen, verzögert versickern und sicher ableiten

Eine bepflanzte Mulde hält Regen zeitweise zurück. Bodentest, Abstand zum Gebäude und ein sicherer Überlauf sind für die Planung entscheidend.

06Regenwasser

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Regengarten ist eine flache bepflanzte Senke, in der Niederschlag vorübergehend zurückgehalten und über belebten Boden versickert.
  • Versickerungsfähigkeit, Grundwasser, Altlasten und lokale Entwässerungsregeln müssen vor dem Bau geprüft werden.
  • Ein definierter Notüberlauf verhindert, dass Starkregen unkontrolliert zum Haus oder auf ein Nachbargrundstück fließt.

Ein Regengarten nimmt Wasser von Dach- oder befestigten Flächen auf, hält es vorübergehend in einer flachen, bepflanzten Senke und lässt es über den Boden versickern. Damit kann er Abflussspitzen dämpfen, Pflanzen versorgen und eine abwechslungsreiche Gartenfläche schaffen. Ein dauerhaft nasser Teich ist er normalerweise nicht.

Die Planung darf jedoch nicht bei einer hübschen Mulde enden. Ungeeigneter Boden, ein fehlender Überlauf oder zu geringer Abstand zum Gebäude können Wasser genau dorthin lenken, wo es Schäden verursacht.

Einzugsfläche und Wasserweg aufnehmen

Zeichnen Sie auf, von welchen Dach-, Terrassen- oder Wegeflächen Wasser zufließen soll. Notieren Sie Material, Größe und Gefälle. Stark verschmutzte Abflüsse, etwa von intensiv befahrenen Flächen oder kupfer-, zink- und bleihaltigen Dächern, können besondere Anforderungen an Behandlung und Versickerung auslösen.

Verfolgen Sie den natürlichen Wasserweg bei einem kräftigen Regen. Der Regengarten darf keinen Rückstau an Lichtschächten, Kellerabgängen oder der Fassade verursachen. Leitungen, Baumwurzeln und Grundstücksgrenzen begrenzen den möglichen Standort.

Boden und rechtliche Rahmenbedingungen prüfen

Ein einfacher Versickerungsversuch gibt einen ersten Hinweis, ersetzt bei anspruchsvollen Verhältnissen aber kein Bodengutachten. Sehr dichter Boden nimmt Wasser zu langsam auf; extrem durchlässiger Untergrund bietet unter Umständen zu wenig Filterwirkung. Hoher Grundwasserstand, Altlastenverdacht oder Hanglage verlangen besondere Prüfung.

Kommunale Entwässerungssatzungen, wasserrechtliche Vorgaben und mögliche Genehmigungs- oder Anzeigepflichten unterscheiden sich örtlich. Fragen Sie Gemeinde oder zuständige Wasserbehörde, bevor ein Fallrohr dauerhaft von der Kanalisation getrennt oder eine größere Versickerungsanlage gebaut wird.

Abstand zum Haus nicht nach Gefühl wählen

Versickerndes Wasser darf Gründung und Keller nicht beeinträchtigen. Der erforderliche Abstand hängt von Boden, Unterkellerung, Abdichtung, Gelände und Größe der angeschlossenen Fläche ab. Pauschale Internetwerte sind für eine Schadensfreiheit nicht belastbar.

Lassen Sie bei Kellern, Hangwasser oder unbekannter Abdichtung fachlich beurteilen, ob der Standort geeignet ist. Der tiefste Punkt der Mulde muss vom Gebäude weg liegen; auch der Überlauf braucht einen sicheren Weg.

Mulde und Zulauf erosionsarm gestalten

Ein Regengarten besitzt flache Böschungen und eine belebte, bewachsene Bodenzone. Am Zulauf können Steine, Kies oder dichte Vegetation die Strömung bremsen. Ein Schlammfang oder gut zugänglicher Vorbereich erleichtert es, Sediment zu entfernen, bevor es die Fläche zusetzt.

Dimensionierung und Einstauhöhe richten sich nach angeschlossener Fläche, örtlichem Bemessungsregen und Versickerungsleistung. Für größere Dachflächen sollte eine Fachplanung die nötige Rückhaltekapazität bestimmen. Unser Ratgeber zu Mulde und Rigole erklärt technische Versickerungssysteme.

Pflanzen müssen Trockenheit und Nässe vertragen

Der Muldenboden ist nach Regen kurzzeitig nass und dazwischen oft trocken. Wählen Sie robuste, standortgerechte Pflanzen für diese Wechselbedingungen. Randzonen sind meist trockener als die Mitte. Heimische Stauden und Gräser können Lebensraum bieten, wenn sie zum regionalen Standort passen.

Verzichten Sie auf Arten, die sich invasiv ausbreiten. Eine dichte Pflanzung schützt den Boden, aber der Zulauf und Kontrollbereiche müssen zugänglich bleiben. Mulchmaterial darf nicht beim ersten Einstau fortschwimmen und den Ablauf verstopfen.

Ein Notüberlauf gehört zur Anlage

Jede Anlage hat eine Kapazitätsgrenze. Definieren Sie deshalb, wohin Wasser bei außergewöhnlichem Starkregen fließt. Der Weg darf nicht zum Gebäude, auf öffentliche Verkehrsflächen oder unkontrolliert zum Nachbarn führen. Je nach örtlicher Regel kann ein gedrosselter Anschluss oder eine weitere Rückhaltefläche erforderlich sein.

Prüfen Sie auch, ob aus dem Zulauf Wasser zurück in das Fallrohrsystem stauen kann. Höhenlage und Einlauf müssen zu den angeschlossenen Entwässerungsteilen passen.

Pflege hält die Versickerung offen

Entfernen Sie Laub, Müll und Sediment am Zulauf. Ersetzen Sie ausgefallene Pflanzen, beseitigen Sie invasive Arten früh und kontrollieren Sie nach Starkregen Erosionsrinnen und Überlauf. Verdichtete Bereiche dürfen nicht regelmäßig betreten oder befahren werden.

Ein funktionierender Regengarten bleibt die meiste Zeit eine normale bepflanzte Fläche. Gerade deshalb wird leicht vergessen, dass er Teil der Grundstücksentwässerung ist. Mit dokumentierten Wasserwegen und regelmäßiger Kontrolle wird er vom Dekoelement zu einer belastbaren kleinen Klimaanpassungsmaßnahme.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Umweltbundesamt: Naturnahe Regenwasserbewirtschaftung
  2. Umweltbundesamt: Versickerung und Nutzung von Regenwasser
Weiterlesen

Mehr zum Thema

0118 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

0218 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

0318 Artikel