Regengarten anlegen: Der Boden entscheidet, ob 5 oder 20 Quadratmeter Mulde nötig sind
Für 80 Quadratmeter Dach genügen auf sehr durchlässigem Boden gut 5 Quadratmeter Regengarten, auf dichtem, gering durchlässigem Boden werden es rund 20. Ein Versickerungstest mit Spaten und Zollstock zeigt vorher, welcher Fall bei Ihnen vorliegt.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Versickerungsmulde darf nach dem Arbeitsblatt DWA-A 138-1 höchstens 30 Zentimeter hoch einstauen, daraus ergibt sich ihre nötige Fläche.
- Für 80 Quadratmeter Dach reichen bei sehr durchlässigem Boden rund 5 Quadratmeter Mulde, bei gering durchlässigem Boden sind etwa 20 Quadratmeter nötig.
- In Bayern ist die Versickerung erlaubnisfrei, wenn höchstens 1.000 Quadratmeter angeschlossen sind und die Mulde mindestens ein Fünfzehntel davon misst – hydraulisch reicht dieses Minimum oft nicht.
- In Bielefeld kostet ein an den Kanal angeschlossenes 80-Quadratmeter-Dach 2026 genau 89,60 Euro Niederschlagswassergebühr im Jahr, die bei vollständiger Abkopplung entfallen.
Das Fallrohr an der Gartenseite endet im Kanal, und jeder Sommerschauer rauscht ungenutzt hindurch. Ein Regengarten fängt dieses Wasser in einer flachen, bepflanzten Senke auf und lässt es über belebten Oberboden versickern. Ob das funktioniert, entscheidet weniger die Pflanzenauswahl als eine einzige Größe: wie schnell Ihr Boden Wasser aufnimmt.
Davon hängt ab, ob für 80 Quadratmeter Dach ein Beet von gut 5 Quadratmetern genügt oder eine Fläche von der Größe eines Gartenhauses nötig wird. Das lässt sich an einem Nachmittag abschätzen.
Die Mulde ist ein Zwischenspeicher mit 30 Zentimetern Obergrenze
Seit Oktober 2024 gilt für Versickerungsanlagen das Arbeitsblatt DWA-A 138-1, das die Fassung von 2005 abgelöst hat. Es begrenzt den Einstau in Mulden auf 30 Zentimeter. Geeignet sind Böden mit einem Durchlässigkeitsbeiwert kf zwischen 1·10⁻³ und 1·10⁻⁶ Metern pro Sekunde; darunter ist eine zusätzliche Ableitung einzuplanen.
Die Bemessung ist eine Bilanz: Regen von Dach und Mulde fließt zu, über die Sohle versickert Wasser ab. Der Speicher muss die größte Differenz fassen, erhöht um einen Zuschlagsfaktor von 1,1 bis 1,2. Den anzusetzenden Regen liefert der Deutsche Wetterdienst im Datensatz KOSTRA-DWD-2020 für jedes Rasterfeld. Die Tabelle zu einem Wilhelmshavener Bebauungsplan nennt für einen Regen, der statistisch einmal in fünf Jahren erreicht wird, 15,2 Millimeter in 15 Minuten – das sind 168,9 Liter pro Sekunde und Hektar. In 90 Minuten fallen 24,6 Millimeter, in 6 Stunden 35,4 Millimeter.
Daraus folgt: Bei durchlässigem Boden ist der kurze Wolkenbruch maßgebend, bei dichtem Boden der lange Landregen. Eine Mulde im Lehm muss einen ganzen nassen Tag schlucken.
Versickerungstest mit Spaten und Zollstock
- Graben Sie an der vorgesehenen Stelle eine Grube von etwa 30 mal 30 Zentimetern und rund 50 Zentimetern Tiefe. So erreichen Sie den Unterboden unter der späteren Muldensohle, der das Wasser dauerhaft abnehmen muss.
- Stellen Sie einen Zollstock senkrecht an die Grubenwand und füllen Sie etwa eine Stunde lang immer wieder Wasser nach. Erst durchfeuchteter Boden liefert brauchbare Werte.
- Füllen Sie auf 15 bis 20 Zentimeter Wasserstand, notieren Sie Uhrzeit und Pegel und lesen Sie nach 30 und nach 60 Minuten ab. Wiederholen Sie den Durchgang zweimal und werten Sie den letzten aus.
- Rechnen Sie um: 1 Zentimeter Absenkung pro Stunde entspricht 2,8·10⁻⁶ m/s, 3,6 Zentimeter pro Stunde entsprechen 1·10⁻⁵ m/s, 36 Zentimeter pro Stunde 1·10⁻⁴ m/s.
Das Ergebnis ist grob, denn auch die Seitenwände geben Wasser ab. Die DWA-A 138-1 rechnet Messwerte deshalb über Korrekturfaktoren für Messmethode und Bodenstreuung auf eine Bemessungs-Infiltrationsrate ki herunter. Setzen Sie für die eigene Abschätzung nur die Hälfte des Messwerts an – eine Vorsichtsannahme der Redaktion, kein Normwert. Sinkt das Wasser um weniger als einen Zentimeter pro Stunde, planen Sie einen Überlauf mit geordneter Ableitung fest ein oder lassen einen Bodengutachter nachmessen.
Durchgerechnet: 80 Quadratmeter Dach auf vier Böden
Angenommen sind 80 Quadratmeter voll abflusswirksames Dach, der fünfjährliche Regen aus der Wilhelmshavener Tabelle, Zuschlagsfaktor 1,2 und senkrechte Muldenwände; mit Böschungen wird die Oberkante etwas größer. Die ki-Werte sind bereits halbierte Messwerte.
| Bemessungswert ki | Muldenfläche | Anteil an der Dachfläche | Speichervolumen | Einstau | Leer nach etwa |
|---|---|---|---|---|---|
| 1·10⁻⁴ m/s (sehr durchlässig) | 5,3 m² | 6,7 % | 1,0 m³ | 19 cm | unter 1 Stunde |
| 1·10⁻⁵ m/s (gut durchlässig) | 10 m² | 12,5 % | 2,0 m³ | 20 cm | 6 Stunden |
| 5·10⁻⁶ m/s (mäßig durchlässig) | 12 m² | 15 % | 2,5 m³ | 21 cm | 12 Stunden |
| 1·10⁻⁶ m/s (gering durchlässig) | 20 m² | 25 % | 4,1 m³ | 21 cm | 57 Stunden |
Der Rechenweg für die zweite Zeile: Maßgebend ist hier der 90-Minuten-Regen. 24,6 Millimeter auf 90 Quadratmeter Dach plus Mulde ergeben 2,21 Kubikmeter. In derselben Zeit versickern 10 Quadratmeter × 1·10⁻⁵ m/s × 5.400 Sekunden = 0,54 Kubikmeter. Es bleiben 1,67 Kubikmeter, mit Zuschlag 2,0 Kubikmeter – verteilt auf 10 Quadratmeter also 20 Zentimeter Einstau.
Die bayerische Mindestgröße von einem Fünfzehntel der angeschlossenen Fläche, hier 5,3 Quadratmeter, reicht nur in der ersten Zeile. Auf gut durchlässigem Boden stünde das Wasser darin rechnerisch 44 Zentimeter hoch. Auf gering durchlässigem Boden steht der Regengarten nach langem Regen mehr als zwei Tage unter Wasser – das bestimmt die Pflanzenwahl stärker als jede Gestaltungsidee.
Abstand zu Keller, Grundwasser und Nachbar
Bei Gebäuden ohne wasserdruckhaltende Abdichtung soll eine Versickerungsanlage nach DWA-A 138-1 mindestens das 1,5-Fache der Baugrubentiefe vom Baugrubenfußpunkt entfernt liegen und nicht im verfüllten Bereich am Haus. Bei einer 2,5 Meter tiefen Kellerbaugrube sind das 3,75 Meter ab dem Fuß der damaligen Grube, der außerhalb der Kellerwand liegt. Weil dessen Lage selten dokumentiert ist, sind rund 5 Meter zur Außenwand eine sinnvolle eigene Reserve.
Zwischen Muldensohle und dem mittleren höchsten Grundwasserstand sollte mindestens 1 Meter Sickerraum bleiben; bei weniger ist das mit der Wasserbehörde abzustimmen. Die bayerischen TRENGW verlangen für die erlaubnisfreie Versickerung genau diesen Meter und verbieten, schützende Lehmschichten zu durchstoßen.
Dazu gehört ein Notüberlauf: eine abgesenkte, mit Steinen befestigte Stelle am Muldenrand, die in Rasen oder Beet führt – nie zu Haus, Lichtschacht oder Nachbarn. Wie Mulde, Rigole und Überlauf technisch zusammenspielen, erklärt der Beitrag Regenwasser auf dem Grundstück versickern.
Erlaubnisfrei versickern und Gebühr sparen
In Bayern brauchen Sie nach der Niederschlagswasserfreistellungsverordnung (NWFreiV) keine wasserrechtliche Erlaubnis, wenn die Versickerung außerhalb von Wasser- und Heilquellenschutzgebieten liegt, das Regenwasser nicht mit Abwasser vermischt ist und es nach § 3 Abs. 1 NWFreiV flächenhaft über Oberboden versickert – mit höchstens 1.000 Quadratmetern befestigter Fläche je Anlage. Die TRENGW verlangen für Dachflächen mindestens 20 Zentimeter bewachsenen Oberboden und die Mindestgröße von einem Fünfzehntel; für unbeschichtete Kupfer-, Zink- oder Bleidächer über 50 Quadratmetern 30 Zentimeter. In anderen Ländern regeln Landeswassergesetz und Satzung, ob Anzeige oder Erlaubnis nötig ist; fragen Sie vor dem Abklemmen des Fallrohrs die untere Wasserbehörde.
Finanziell zählt die gesplittete Abwassergebühr. Bielefeld berechnet 2026 je angeschlossenem befestigtem Quadratmeter 1,12 Euro im Jahr, für das 80-Quadratmeter-Dach also 89,60 Euro. Versickert es vollständig ohne Kanalanschluss, fällt diese Fläche aus der Gebühr. Behält die Mulde einen Notüberlauf in den Regenwasserkanal, gewährt die Stadt bei erfüllten Satzungsvoraussetzungen 30 Prozent Ermäßigung, also 26,88 Euro. Zisternen und versickerungsfähiges Pflaster sind davon ausgenommen. Wie Sie den eigenen Bescheid lesen, zeigt der Artikel zur Niederschlagswassergebühr.
Pflanzen für Sohle, Böschung und Rand
Bepflanzte Versickerungsflächen versickern nach Angaben des BUND Berlin bis zu einem Drittel mehr Regen als Rasenmulden. Ein Regengarten hat drei Standorte:
- Sohle: wochenlang trocken, nach Starkregen Stunden bis Tage überstaut. Geeignet sind Gemeiner Wasserdost, Blutweiderich, Mädesüß, Rasen-Schmiele und Pfeifengras.
- Böschung: kurz überflutet, schnell wieder abgetrocknet. Hier passen Wiesen-Platterbse, Kuckucks-Lichtnelke und Großer Wiesenknopf.
- Rand: nie eingestaut, im Sommer trocken. Wiesen-Salbei, Wiesen-Margerite und Gewöhnliche Schafgarbe kommen damit zurecht, als Strauch der Gemeine Schneeball.
Im ersten Sommer müssen die Stauden trotz Mulde gegossen werden, bis sie eingewurzelt sind; Hinweise dazu stehen im Beitrag Garten bei Trockenheit bewässern. Am Zulauf verhindert eine Steinschüttung, dass der Strahl aus dem Fallrohr die Sohle ausspült.
Was der Eigenbau kostet
Zum Vergleich: Die Regenwasseragentur Berlin setzt für eine neu gebaute Versickerungsmulde auf freier Fläche 84 Euro je Quadratmeter Muldenfläche an, dazu 0,43 bis 4,31 Euro je Quadratmeter jährlich für den Betrieb (Preisstand Q2 2025).
Für die 10-Quadratmeter-Mulde aus der Tabelle ergibt sich im Eigenbau ein Richtwert (Stand 2026, Menge mal üblichem Marktpreis):
- Aushub rund 3 Kubikmeter: von Hand an ein bis zwei Wochenenden, Minibagger-Miete etwa 100 bis 200 Euro am Tag. Als Randwall modelliert, fällt keine Entsorgung an.
- Oberboden-Sand-Gemisch für 20 Zentimeter Sohle, etwa 2 Kubikmeter: 130 bis 250 Euro mit Lieferung.
- Stauden bei 6 bis 9 Pflanzen je Quadratmeter zu 3 bis 5 Euro: 180 bis 450 Euro.
- Zulauf mit Fallrohrabzweig, Rinne und Steinen: 60 bis 150 Euro.
Zusammen sind das etwa 370 bis 850 Euro ohne Maschine; die Spanne treiben Bodenaustausch, Entsorgung und Topfgröße. Gegen die Bielefelder Gebühr gerechnet trägt sich ein vollständig abgekoppeltes Dach nach 4 bis 10 Jahren, mit Kanalüberlauf erst nach 14 bis 32 Jahren.
Machen Sie als Nächstes den Versickerungstest am geplanten Standort und fragen Sie bei der Gemeinde Gebührensatzung und örtliche KOSTRA-Werte ab. Damit lesen Sie Ihre Muldengröße aus der Tabelle ab. Wer das Wasser lieber zum Gießen sammelt, findet den Vergleich unter Regentonne oder Zisterne; für Wege und Stellplätze ist versickerungsfähiges Pflaster die Ergänzung.
Quellen und weiterführende Informationen
- GGU Software: Regenwasserversickerung nach DWA-A 138-1 (kf-Bereich, Einstauhöhe, Gebäudeabstand, Zuschlagsfaktor)
- Bayern: Technische Regeln zum schadlosen Einleiten von gesammeltem Niederschlagswasser in das Grundwasser (TRENGW) mit Bezug zur NWFreiV
- Stadt Wilhelmshaven: KOSTRA-DWD-2020-Tabellen, Rasterfeld Spalte 118, Zeile 81 (Bebauungsplan 225)
- Stadt Bielefeld: Niederschlagswassergebühr 2026
- BUND Berlin: Regengärten für Berlin – bepflanzte Versickerungsflächen
- Regenwasseragentur Berlin: Kostenszenarien Regenwasserbewirtschaftung

















