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Blower-Door-Test bei der Sanierung: Leckagen finden, solange sie erreichbar sind

Eine Luftdichtheitsmessung liefert mehr als einen Kennwert. Zum richtigen Bauzeitpunkt hilft sie, undichte Anschlüsse vor dem Verkleiden zu finden.

02Fenster & Türen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Luftdichtheitsebene muss vor der Messung festgelegt und im Gebäude durchgehend nachvollziehbar sein.
  • Eine baubegleitende Leckagesuche vor Bekleidungen ist für Nacharbeiten oft wertvoller als eine einzige Schlussmessung.
  • Der Messwert beschreibt die Gebäudehülle unter Prüfdruck, ersetzt aber weder Lüftungskonzept noch Feuchte- und Detailplanung.

Bei einem Blower-Door-Test erzeugt ein Ventilator in einer Außentür eine definierte Druckdifferenz zwischen innen und außen. Aus dem nötigen Luftstrom lässt sich ableiten, wie luftdurchlässig die Gebäudehülle ist. Der bekannte Kennwert ist nützlich – für eine Sanierung ist die Suche nach konkreten Leckagen oft noch wertvoller.

Der richtige Zeitpunkt liegt dann, wenn die luftdichte Ebene fertig, aber noch zugänglich ist. Nach Gipskarton, Estrich und Einbaumöbeln kann ein Fehler zwar gemessen, aber nur mit großem Aufwand repariert werden.

Vorher die Luftdichtheitsebene einzeichnen

Jedes beheizte Volumen braucht eine geschlossene innere Begrenzung. Auf Plänen sollte sich diese Ebene ohne Absetzen nachzeichnen lassen: über Außenwände, Dach, Boden und alle Anschlüsse. Unklarheiten entstehen häufig an Anbauten, Gauben, Abseiten, Kellerabgängen und Installationsschächten.

Ein Messdienst kann fehlende Planung nicht nachträglich ersetzen. Legen Sie vor der Ausführung fest, welches Material an welcher Stelle die Luftdichtheit übernimmt und wie Übergänge hergestellt werden.

Zwei Messzeitpunkte erfüllen verschiedene Aufgaben

Eine baubegleitende Messung findet statt, bevor die luftdichte Ebene verdeckt wird. Mit Luftströmungsmessern, Rauch oder Thermografie können Fachleute Undichtigkeiten lokalisieren. Typische Stellen sind Folienanschlüsse, Fensterfugen, Steckdosen in Außenwänden, Dachbodentreppen und Rohrdurchführungen.

Die Schlussmessung dokumentiert den fertigen Zustand und kann für einen energetischen Nachweis oder Förderanforderungen nötig sein. Sie zeigt jedoch nicht automatisch, wo ein ungünstiger Wert verursacht wird. Bei größeren Projekten sind deshalb beide Termine sinnvoll.

Das Gebäude muss definiert vorbereitet sein

Für vergleichbare Ergebnisse werden Außentüren und Fenster geschlossen, Innentüren nach Messkonzept geöffnet und vorgesehene Öffnungen der Lüftungs- und Abgassysteme normgerecht behandelt. Unfertige Bauteile, fehlende Siphons oder offene Installationsrohre können den Wert verfälschen.

Stimmen Sie mit dem Messdienst schriftlich ab:

  • welches Volumen gemessen wird,
  • welcher Bauzustand vorausgesetzt ist,
  • wer Öffnungen vorbereitet,
  • ob eine reine Messung oder ausführliche Leckagesuche beauftragt ist,
  • welche Dokumentation und Fotoliste geliefert wird.

Feuerstätten benötigen besondere Beachtung. Sie dürfen während Unterdruckmessungen keine Abgase in das Gebäude ziehen. Der Messdienst muss über alle raumluftabhängigen Geräte informiert sein.

Ein guter Kennwert schließt lokale Fehler nicht aus

Ein Gebäude kann den geforderten Gesamtwert erreichen und trotzdem an einem Anschluss eine starke lokale Leckage besitzen. Dort kann feuchte Raumluft in ein Bauteil strömen und kondensieren. Umgekehrt muss ein schlechter Gesamtwert nicht bedeuten, dass jede Fläche mangelhaft ist; wenige große Öffnungen können dominieren.

Bestehen Sie deshalb auf einer Leckageliste mit Lage, Bewertung und empfohlener Nacharbeit. Nach wesentlichen Reparaturen kann eine Kontrollmessung nötig sein.

Luftdicht ist nicht gleich luftlos

Die Gebäudehülle soll unkontrollierte Strömung verhindern. Frische Luft muss trotzdem planmäßig zugeführt und Feuchtigkeit abgeführt werden. Nach Fenstertausch oder umfassender Abdichtung ist daher zu prüfen, ob ein Lüftungskonzept und gegebenenfalls technische Lüftung erforderlich sind.

Fensterfalzlüfter oder Lüftungsanlagen werden in der Messung nicht beliebig zugeklebt, sondern entsprechend Norm und Nachweis behandelt. Das Ergebnis muss zum geplanten Betrieb passen.

Vertraglich an Nacharbeiten denken

Wer die Messung erst nach Fertigstellung bestellt, hat oft keine klare Regelung, wer Leckagen beseitigt. Nehmen Sie deshalb Luftdichtheitskonzept, Zwischenprüfung, Zuständigkeiten und Wiederholungsmessung in Leistungsverzeichnisse auf. Fotos der verdeckten Ebene ergänzen den Prüfbericht.

Der Blower-Door-Test ist kein Qualitätssiegel für alle Gewerke. Richtig eingesetzt ist er ein präzises Werkzeug für eine entscheidende Eigenschaft der Gebäudehülle – und am wirksamsten, solange der Handwerker die undichte Stelle noch erreichen kann.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Gebäudeforum klimaneutral: Luftdichtheit – Planung, Ausführung und Messung
  2. Gesetze im Internet: Gebäudeenergiegesetz
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