Notstromaggregat sicher betreiben: Gefahren durch Abgase, Rückeinspeisung und Schieflast

Mobile Stromerzeuger bergen tödliche Risiken durch Kohlenmonoxid und zerstören bei falscher Einspeisung Hausgeräte. Welche Regeln nach DIN VDE 0100-551 und GaVO gelten.

Grafik mit getrennten Datengruppen zu CO-Vergiftungen 2021 und zur BfR-Befragung 2019 sowie Hinweisen gegen Innenraumbetrieb von Notstromaggregaten und zur fehlenden CO-Warnung durch Rauchmelder
Grafik mit getrennten Datengruppen zu CO-Vergiftungen 2021 und zur BfR-Befragung 2019 sowie Hinweisen gegen Innenraumbetrieb von Notstromaggregaten und zur fehlenden CO-Warnung durch RauchmelderFoto: Hausbesitzer News, eigene Vektorgrafik nach BfR-Broschüre: Fallzahlen 2021 und Befragung Februar/März 2019; Seiten 5, 13, 17 und 20Alle Rechte vorbehalten

Das Wichtigste in Kürze

  • Mobile Notstromaggregate dürfen niemals in Innenräumen, Garagen oder Kellern betrieben werden; das geruchlose Abgas Kohlenmonoxid führt rasch zum Ersticken.
  • Optische Rauchmelder warnen nicht vor Kohlenmonoxid; im Haus müssen zertifizierte CO-Melder nach DIN EN 50291 installiert sein.
  • Die Einspeisung ins Hausnetz erfordert nach DIN VDE 0100-551 eine manuelle oder automatische allpolige 1-0-2-Umschalteinrichtung mit voreilendem Neutralleiter.
  • In privaten Kleingaragen dürfen nach den Landesgaragenverordnungen maximal 20 Liter Benzin oder 200 Liter Diesel in dicht verschlossenen Reservekanistern lagern.

Fällt bei Unwetter oder Netzstörungen der Strom aus, sichert ein mobiles Notstromaggregat Licht, Kühltruhe und Heizungspumpe. Doch der unüberlegte Einsatz von Benzin- oder Dieselgeneratoren gehört zu den gefährlichsten Aktionen rund um das Haus. Jedes Jahr kommt es durch unsachgemäß betriebene Stromerzeuger zu tödlichen Vergiftungen und schweren Bränden.

Wer ein Notstromaggregat anschafft oder einsetzt, muss drei elementare Gefahrenbereiche beherrschen: das Atemgift Kohlenmonoxid, die Brand- und Explosionsgefahr bei der Treibstofflagerung und die technischen Vorgaben der DIN VDE 0100-551 bei der Einspeisung ins Hausnetz.

Tödliche Falle Kohlenmonoxid: Warum die Garage tabu ist

Ein Verbrennungsmotor stößt neben Kohlendioxid erhebliche Mengen Kohlenmonoxid (CO) aus. Kohlenmonoxid ist unsichtbar, völlig geruchlos und diffundiert durch Mauerwerk und geschlossene Türen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) registrierte für das Jahr 2021 insgesamt 397 Todesfälle und 2.199 stationäre Krankenhausbehandlungen infolge von CO-Vergiftungen in Deutschland.

Häufiger fataler Irrtum: Eigentümer stellen den Generator bei Regen in die Garage, den Keller oder unter ein Carport und lassen das Garagentor einen Spalt breit offen. Das reicht keineswegs aus. Innerhalb weniger Minuten entstehen im Raum toxische Konzentrationen, die bei Betreten nach wenigen Atemzügen zu Bewusstlosigkeit und Herzstillstand führen.

  • Strikter Aufstellort: Notstromaggregate dürfen ausschließlich im Freien mit mindestens 3 bis 5 Metern Abstand zu Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen betrieben werden.
  • Rauchmelder schützen nicht: Laut BfR besitzen rund 90 Prozent der Haushalte Rauchmelder, aber nur 15 Prozent einen CO-Melder. Ein handelsüblicher optischer Rauchmelder reagiert auf Rußpartikel, schlägt bei reinem Kohlenmonoxid jedoch keinen Alarm. Wer Kamin, Gastherme oder Notstromerzeuger betreibt, benötigt CO-Warnmelder nach DIN EN 50291.

Einspeisung ins Hausnetz nach DIN VDE 0100-551

Soll das Aggregat nicht nur einzelne Geräte über ein Verlängerungskabel speisen, sondern Heizung, Licht und Steckdosen im Haus versorgen, ist ein einfaches Verbindungskabel mit zwei Schuko-Steckern („Einspeise-Kabel“) lebensgefährlich und nach § 19 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) streng verboten.

Die Einspeisung darf nur über eine fest installierte Einspeisesteckdose (CEE-Gerätestecker) und eine zertifizierte Netzumschaltung erfolgen:

Bauteil Technische Vorschrift nach VDE 0100-551 Funktion und Sicherheitsnachweis
Netzumschalter (1-0-2) Allpolige Umschaltung („Break before Make“) Trennt alle Außenleiter ($L_1, L_2, L_3$) und den Neutralleiter ($N$) vollständig vom öffentlichen Stromnetz, bevor auf Generator umgeschaltet wird.
Voreilender Neutralleiter Kontaktüberdeckung beim Schalten Verhindert eine gefährliche Sternpunktverschiebung, die 400 Volt auf 230-Volt-Haushaltsgeräte leiten und diese zerstören würde.
Einspeisesteckdose (CEE) Schutzart mindestens IP44, Wandmontage außen Verpolungssicherer Stecker (männliche Pins), der erst unter Spannung steht, wenn das Aggregat läuft.
Erdung / Erdspieß Schutzleiter-Verbindung nach DIN VDE 0100-410 Mobiler Generator muss je nach Schutzleiterkonzept (IT- oder TN-Netz) über einen Tiefenerder geerdet werden, damit FI-Schalter im Haus auslösen.

Einen tieferen Einblick in Schutzkonzepte bei dezentraler Eigenversorgung bietet die Fachanalyse zu Ersatzstromanlagen mit PV und Batteriespeicher. Welche Ausrüstung das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für längere Ausfälle empfiehlt, finden Sie im Leitfaden Notfallvorsorge zu Hause bei Stromausfall.

Das Risiko der Schieflast bei 400-Volt-Generatoren

Viele Eigenheimbesitzer kaufen vermeintlich zukunftssichere 3-phasige Stromerzeuger (400 V Drehstrom), um das gesamte Haus zu versorgen. Im Notbetrieb lauert hier jedoch die Schieflast-Falle:

Wird an einem 3-phasigen Generator auf einer Phase eine große 230-Volt-Last betrieben (z. B. Wasserkocher oder Waschmaschine mit 2.000 Watt), während die anderen beiden Phasen kaum belastet sind, gerät das magnetische Drehfeld des Synchrongenerators aus dem Gleichgewicht. Die Spannung auf den unbelasteten Phasen schießt auf 270 bis 300 Volt hoch. Diese Überspannung zerstört empfindliche Elektronik von Heizungssteuerungen, Routern oder TV-Geräten schlagartig. Zum Schutz empfindlicher Geräte vor Spannungsspitzen sollte die Anlage zusätzlich abgesichert werden, wie im Ratgeber Überspannung nach Gewitter und Geräteschutz beschrieben.

Für normale Wohnhäuser ohne Drehstrommotoren empfehlen Elektrofachbetriebe daher meist 1-phasige Inverter-Generatoren (230 V). Beim Umschalten auf Notstrom werden im Verteilerkasten alle drei Hausphasen auf die eine Generatorphase gebrückt (Phasenkopplung). Dadurch steht im ganzen Haus saubere, frequenzstabile 230-Volt-Spannung ohne jedes Schieflastrisiko zur Verfügung.

Kraftstofflagerung: Gesetzliche Grenzen nach GaVO

Benzin und Diesel altern im Kanister und bilden brennbare Dämpfe. Die Landesgaragenverordnungen (GaVO) der Bundesländer setzen enge Grenzen für Privatleute:

  • Kleingaragen (bis 100 m²): Erlaubt sind maximal 20 Liter Benzin und bis zu 200 Liter Diesel in dicht verschlossenen, bruchsicheren Metall- oder Sicherheitskanistern.
  • Keller und Wohnräume: Nach den Landesfeuerungsverordnungen dürfen in Wohnungs- oder Kellerabteilen in der Regel maximal 20 Liter brennbare Flüssigkeiten gelagert werden.
  • Kraftstoffalterung: Normales Tankstellenbenzin (E5/E10) zersetzt sich durch Feuchtigkeit und Additive innerhalb von 3 bis 6 Monaten und verklebt Vergaser und Einspritzdüsen. Verwenden Sie für Notstromaggregate daher Alkylatbenzin (Sonderkraftstoff wie Aspen) oder geben Sie dem Kraftstoff einen Benzinstabilisator bei.

Nächster Schritt für Eigentümer

Kaufen Sie kein Notstromaggregat, ohne zuvor mit einem eingetragenen Elektroinstallateur zu sprechen. Lassen Sie prüfen, ob Ihr Zählerschrank Platz für einen allpoligen 1-0-2-Umschalter hat und ob eine 1-phasige Phasenkopplung für Ihr Haus die sicherere Wahl ist. Installieren Sie vor der ersten Inbetriebnahme mindestens einen zertifizierten Kohlenmonoxid-Melder nach DIN EN 50291 im Treppenhaus und in Heizungsnähe.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE 0100-551:2017-02 – Errichten von Niederspannungsanlagen: Niederspannungserzeugungsanlagen (DKE)
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Gesundheitsrisiken durch Kohlenmonoxid (Broschüre)
  3. § 19 NAV – Unzulässige Rückwirkungen und Arbeiten an der Anlage (Bundesministerium der Justiz)
  4. DGUV Information 203-032 – Auswahl und Betrieb von Stromerzeugern (DGUV Publikationen)
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