Mineralwolle, Holzfaser oder Zellulose: Dämmstoffe im Systemvergleich
Der Systemvergleich umfasst mehr als die Wärmeleitfähigkeit: Einbauform, Brandschutz, Feuchte, Setzung, sommerlicher Komfort und Rückbau müssen zum Bauteil passen.

Das Wichtigste in Kürze
- Mineralwolle dämmt mit λ 0,032 bis 0,035 am dünnsten und ist als Klemmfilz nichtbrennbar (A1); Holzfaser und Zellulose sind meist Klasse E.
- Für U 0,24 nach Anlage 7 GModG reichen im Beispiel 19 bis 21 cm Gefachdämmung; U 0,14 für die BEG gelingt erst mit einer zweiten Dämmebene.
- Beim Hitzeschutz verschiebt 20 cm Holzfaser oder Zellulose die Wärmewelle um rund 5 Stunden, Mineralwolle um knapp 2 – eine Holzfaserplatte außen bringt mehr.
- Material für 20 cm kostet im September 2026 rund 11 bis 21 Euro je m²; bei Zellulose zahlt man vor allem den Einblasbetrieb.
- Mineralwolle aus der Zeit vor 2000 fällt unter TRGS 521, neue Ware trägt das RAL-Gütezeichen mit KI ≥ 40.
Holzfaser oder Mineralwolle? Mineralwolle ist die Wahl, wenn der Aufbau nichtbrennbar sein muss. Holzfaser passt, wenn eine feste Platte zusätzlich Schall- und Hitzeschutz oder die Funktion als Putzträger übernehmen soll. Zellulose spielt ihre Stärke in geschlossenen, unregelmäßigen Gefachen aus. Die drei Dämmstoffe werden allerdings oft wie klar definierte Produkte verglichen. Tatsächlich gibt es Mineralwolle als Matte, Platte oder Einblasdämmung, Holzfaser als flexible Matte, feste Platte oder Flocke und Zellulose überwiegend als lose Einblasdämmung. Dichte, Wärmeleitfähigkeit, Zusatzstoffe und Anwendungsgrenzen variieren innerhalb jeder Gruppe.
Damit die Zahlen unten nicht im Ungefähren bleiben, stützt sich dieser Vergleich auf konkrete, frei zugängliche Datenblätter: Glaswolle-Klemmfilz Isover Integra ZKF 1-035 und Steinwolle Rockwool Klemmrock 035, die flexible Holzfasermatte STEICOflex 036 und die Holzfaser-Unterdeckplatte STEICOspecial dry sowie die Zelluloseflocken STEICOfloc und ISOCELL. Andere Hersteller liegen in derselben Größenordnung, aber nicht auf der Nachkommastelle gleich. Maßgeblich für Ihr Haus ist immer die Leistungserklärung des Produkts, das tatsächlich eingebaut wird.
Die Kennwerte nebeneinander
| Kennwert | Mineralwolle (Klemmfilz) | Holzfaser flexibel | Holzfaser Platte | Zellulose (eingeblasen) |
|---|---|---|---|---|
| Nennwert λD in W/(m·K) | 0,032–0,035 | 0,036 | 0,040 | 0,037–0,038 |
| Bemessungswert λB (Deutschland) | 0,035 (Klemmrock) | 0,038 | 0,042 | 0,039–0,040 |
| Rohdichte in kg/m³ | ca. 20–30 | ca. 50–60 | ca. 140 | 38–57 im Dach |
| spezifische Wärmekapazität in J/(kg·K) | 840 | 2.100 | 2.100 | 2.100 |
| Brandverhalten nach DIN EN 13501-1 | A1, nichtbrennbar | E | E | E oder B-s2,d0 |
| Diffusionswiderstandszahl µ | 1 | 2 | 3 | 1–3 |
| Strömungswiderstand in kPa·s/m² | ≥ 8 (Klemmrock) | ≥ 5 | ≥ 100 | ≥ 5 bei 30 kg/m³ |
| Material für 20 cm, Richtwert 09/2026 | ca. 16 €/m² | ca. 21 €/m² | – | ca. 11–16 €/m² |
Werte aus den genannten Hersteller-Datenblättern, Preise aus Onlinehandel am 22.09.2026 inklusive Mehrwertsteuer. Bei Zellulose ist der Preis aus Sackpreis (1,44 Euro je Kilogramm) und Einbaudichte gerechnet; Sie kaufen die Flocken aber nicht einzeln, sondern mit dem Einblasbetrieb.
Zwei Zeilen erklären den größten Teil der Debatte. Die Wärmeleitfähigkeit entscheidet über die Dicke im Winter. Rohdichte mal Wärmekapazität entscheidet, wie viel Wärme eine Schicht zwischenspeichert, bevor sie weitergereicht wird: Bei Mineralwolle sind das rund 25 kJ je Kubikmeter und Kelvin, bei flexibler Holzfaser rund 105, bei Zellulose mit 45 kg/m³ rund 95 und bei der Holzfaserplatte rund 295. Genau dieser Unterschied steckt hinter dem Argument „Hitzeschutz“.
Wie dick für GModG und Förderung?
Seit dem 29. Juli 2026 heißt das Gebäudeenergiegesetz Gebäudemodernisierungsgesetz. Wer die Dachdeckung erneuert oder das Dach von innen neu dämmt, muss nach § 36 in Verbindung mit Anlage 7 Nummer 5a GModG einen U-Wert von höchstens 0,24 W/(m²·K) erreichen. Die Förderung als Einzelmaßnahme verlangt nach den Technischen Mindestanforderungen der BEG-EM-Richtlinie vom 17. Juli 2026 für Schrägdächer 0,14 W/(m²·K).
Für das Rechenbeispiel gelten folgende Annahmen: Sparren 10 cm breit im Abstand von 70 cm (Holzanteil gut 14 Prozent, λ Holz 0,13), innen 12,5 mm Gipsplatte, außen hinterlüftete Deckung, Berechnung nach DIN EN ISO 6946 als Mittel aus oberem und unterem Grenzwert, Bemessungswerte aus der Tabelle. Luftschichten, Lattung und Befestiger sind nicht angesetzt.
| Aufbau | Mineralwolle λ 0,035 | Holzfaser λ 0,038 | Zellulose λ 0,040 |
|---|---|---|---|
| U-Wert bei 20 cm zwischen den Sparren | 0,226 | 0,238 | 0,246 |
| Gefachtiefe für U 0,24 (GModG) | 19 cm | 20 cm | 20,5 cm |
| Gefachtiefe für U 0,14 (BEG) nur zwischen Sparren | 33,5 cm | 35,5 cm | 36,5 cm |
| 20 cm Gefach plus Holzfaserplatte λ 0,042 für U 0,14 | 12 cm | 12 cm | 14 cm |
Das Ergebnis ist unspektakulär und trotzdem entscheidend: Für die gesetzliche Anforderung genügen bei allen drei Materialien die üblichen 20 bis 22 cm Sparrenhöhe, Mineralwolle hat rund einen Zentimeter Vorsprung. Mit einem Klemmfilz der Stufe 032 sinkt die nötige Tiefe auf 18 cm. Für die Förderung reicht keine der Gefachdämmungen allein; dafür braucht es eine zweite Ebene, entweder als Aufsparrendämmung oder als Untersparrendämmung auf der Innenseite. Sparren aufzudoppeln, bis 35 cm Platz entsteht, ist selten die wirtschaftlichere Lösung.
Ist die Sparrenhöhe baulich begrenzt, lässt Anlage 7 eine Ausnahme zu: Dann genügt die höchstmögliche Dämmschichtdicke mit einem Bemessungswert von 0,035 W/(m·K). Für eingeblasene Dämmstoffe und Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gilt stattdessen 0,045 W/(m·K). Holzfaser und Zellulose erfüllen diese Ausnahme also leichter als man angesichts ihres schlechteren Lambdawerts vermuten würde.
Sommerlicher Hitzeschutz: ein Rechenbeispiel für die Dachschräge
Angaben wie „zwölf Stunden Phasenverschiebung“ stehen in vielen Prospekten ohne Aufbau. Um die Größenordnung greifbar zu machen, haben wir den Gefachbereich einer Dachschräge nach dem Verfahren der DIN EN ISO 13786 gerechnet: 12,5 mm Gipsplatte, 20 cm Dämmung, Tagesperiode 24 Stunden, Werte aus der Kennwerttabelle. Die Sparren selbst, Luftschichten und die Dachdeckung sind nicht enthalten. Der dynamische Wärmedurchgang gibt an, wie viel von einer täglichen Temperaturschwankung außen innen noch als Wärmestrom ankommt.
| Aufbau (Gefach, ohne Sparren) | Phasenverschiebung | dynamischer Wärmedurchgang in W/(m²·K) |
|---|---|---|
| 20 cm Mineralwolle | ca. 2 Stunden | 0,16 |
| 20 cm Zellulose | ca. 5 Stunden | 0,15 |
| 20 cm Holzfaser flexibel | ca. 5 Stunden | 0,13 |
| 20 cm Mineralwolle plus 6 cm Holzfaserplatte | ca. 5 Stunden | 0,10 |
| 20 cm Zellulose plus 6 cm Holzfaserplatte | ca. 8 Stunden | 0,08 |
| 20 cm Holzfaser flexibel plus 6 cm Holzfaserplatte | ca. 9 Stunden | 0,07 |
Die flexible Holzfasermatte und die Zelluloseflocke verschieben die Wärmewelle also deutlich später in den Abend als Mineralwolle. Der Wärmestrom, der dann ankommt, ist aber nur um etwa ein Fünftel kleiner. Den größeren Hebel hat eine dichte Holzfaserplatte auf den Sparren: Sie halbiert den dynamischen Wärmedurchgang gegenüber der reinen Gefachdämmung, und zwar auch dann, wenn darunter Mineralwolle liegt.
Wie klein der Unterschied zwischen den Gefachdämmstoffen im Vergleich zu einem Fenster ist, zeigt eine grobe Überschlagsrechnung. Schwankt die Sonnenlufttemperatur auf einem dunklen Dach um 20 Kelvin um ihren Mittelwert, liefern 30 m² Dachschräge mit Mineralwolle eine Wärmespitze von rund 100 Watt in den Raum, mit Holzfaser rund 80 Watt. Ein unverschattetes Dachfenster von 78 × 140 cm mit einem g-Wert von 0,5 lässt bei 600 W/m² Einstrahlung rund 330 Watt herein. Wer ein heißes Dachgeschoss kühler bekommen will, beginnt deshalb mit außenliegendem Sonnenschutz und Nachtlüftung und wählt den Dämmstoff erst danach. Den Nachweis für den sommerlichen Wärmeschutz regelt DIN 4108-2 über Sonneneintragskennwert oder Simulation, nicht über die Phasenverschiebung einer Schicht.
Brandschutz: A1 gegen Klasse E
Glas- und Steinwolle-Klemmfilze sind nach DIN EN 13501-1 in Klasse A1 eingestuft, also nichtbrennbar; der Schmelzpunkt von Steinwolle liegt laut Rockwool über 1.000 °C. Kaschierte Produkte erreichen oft A2-s1,d0. Holzfaser ist durchweg Klasse E, normalentflammbar. Bei Zellulose hängt es vom Produkt ab: STEICOfloc deklariert E, ISOCELL in seiner Leistungserklärung B-s2,d0 ab 100 mm Schichtdicke.
Für die meisten Ein- und Zweifamilienhäuser ist das keine Ausschlussfrage. In den Gebäudeklassen 1 bis 3 sind normalentflammbare Dämmstoffe im Dach nach den Landesbauordnungen üblicherweise zulässig. Relevant wird die Brandklasse an Gebäudeabschlusswänden von Reihen- und Doppelhäusern, an Außenwänden und Fassaden von Gebäuden der Gebäudeklassen 4 und 5 und dort, wo ein Aufbau mit bestimmter Feuerwiderstandsdauer nachgewiesen werden muss. Holzfaser- und Zelluloseaufbauten erreichen solche Feuerwiderstände über Bekleidungen und geprüfte Konstruktionen; das steht dann in der Zulassung des Systems, nicht auf dem Sack.
Schallschutz und Feuchte
Im Gefach kommt es beim Schallschutz vor allem auf den längenbezogenen Strömungswiderstand an, der nach DIN EN ISO 29053 gemessen wird. Klemmrock deklariert mindestens 8, die Holzfasermatte und die Zelluloseflocke mindestens 5 kPa·s/m². Alle drei füllen das Gefach damit schalltechnisch ordentlich. Einen hörbaren Unterschied gegen Fluglärm oder Straßenlärm macht erst Masse: eine Holzfaserplatte mit 140 kg/m³ auf den Sparren, eine zweite Gipslage innen oder eine entkoppelte Lattung. Ein bewertetes Schalldämmmaß gibt es nur für den gesamten Aufbau.
Beim Feuchteverhalten sind die Unterschiede kleiner, als das Marketing nahelegt. Alle drei Materialien sind mit µ-Werten zwischen 1 und 3 diffusionsoffen. Holzfaser und Zellulose können Feuchte im Faserverband puffern und kurzfristige Spitzen besser abfedern, Mineralwolle nimmt praktisch keine Feuchte auf, gibt eingedrungenes Wasser aber auch schnell wieder ab. Keines der Materialien ersetzt die Luftdichtheitsebene: Warme Raumluft, die durch eine undichte Dampfbremse strömt, bringt ein Vielfaches der Feuchte, die per Diffusion ins Bauteil gelangt. Durchfeuchtete Holzfaser und Zellulose verlieren Dämmwirkung und können schimmeln; nasse Mineralwolle verliert ebenfalls ihre Dämmwirkung.
Welcher Dämmstoff an welche Stelle?
Zwischen den Sparren. Alle drei funktionieren. Klemmfilz aus Mineralwolle ist am leichtesten zu verarbeiten und am dünnsten. Holzfasermatten klemmen fester, müssen aber genauer zugeschnitten werden. Zellulose wird in ein geschlossenes Gefach geblasen und füllt dabei auch Ecken um Pfetten, Kehlbalken und Leitungen, die bei Matten gern offen bleiben. Worauf es beim Einbau ankommt, steht im Beitrag zur Zwischensparrendämmung.
Auf den Sparren. Hier dominiert die Holzfaserplatte, weil sie druckfest ist, als Unterdeckplatte eine regensichere Behelfsdeckung bilden kann und die Sparren als Wärmebrücke überdeckt. Für Aufsparrensysteme gibt es auch druckfeste Mineralwolleplatten und Hartschaum.
Oberste Geschossdecke und Holzbalkendecken. Zellulose ist hier stark: Sie wird offen auf die Decke geblasen (STEICOfloc nennt dafür 30 bis 34 kg/m³) oder in die Balkenzwischenräume. Soll der Dachboden begehbar bleiben, braucht es druckfeste Platten oder eine Laufschicht. Wann die Decke statt der Dachschräge gedämmt werden sollte, erklärt der Beitrag zur obersten Geschossdecke.
Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk. Das ist kein Einsatzgebiet für Zellulose oder Holzfaserflocken. In die Luftschicht hinter der Vormauerschale kommen wasserabweisende Granulate aus Mineralwolle, EPS oder Silikatleichtschaum mit Zulassung für diesen Zweck; Details stehen im Beitrag zur Kerndämmung.
Fassade. Beim Wärmedämmverbundsystem konkurrieren Mineralwolle-Lamellen und Steinwolleplatten mit Holzfaserplatten. Mineralwolle ist gesetzt, wo die Fassade nichtbrennbar sein muss. Holzfaser-WDVS sind vor allem im Holzbau verbreitet und nur als zugelassenes System aus Platte, Dübel und Putz zulässig.
Innendämmung. Hier sind diffusionsoffene, kapillaraktive Holzfaserplatten mit Kalk- oder Lehmputz eine anerkannte Lösung, neben Kalziumsilikat. Mineralwolle hinter einer Vorsatzschale funktioniert nur mit sorgfältig geplanter Dampfbremse. Ob eine Innendämmung überhaupt sinnvoll ist, hängt vom Schlagregenschutz der Wand ab; das beschreibt der Beitrag zur Innendämmung im Altbau.
Kosten: Material ist der kleinere Posten
Für 20 cm Dämmung kostete das Material im Onlinehandel am 22.09.2026 rund 16 Euro je m² für den Glaswolle-Klemmfilz und rund 21 Euro je m² für die Holzfasermatte. Zelluloseflocken kosten 1,44 Euro je Kilogramm; bei 38 bis 57 kg/m³ Einbaudichte im Dach entspricht das 11 bis 16 Euro je m² und 20 cm. Das sind Richtwerte für einzelne Produkte, Staffelpreise und regionale Händler weichen ab.
Bei Mineralwolle und Holzfasermatten ist Eigenleistung möglich, Zellulose dürfen nach der Europäischen Technischen Bewertung nur lizenzierte Betriebe einblasen. Ein Anbieter von Einblasdämmung nennt für 2026 inklusive Einbau 45 bis 70 Euro je m² für die Dachschräge, 30 bis 50 Euro je m² für die oberste Geschossdecke und 35 bis 55 Euro je m² für Kerndämmung. Einblasen spart dafür Zuschnitt und Verschnitt; bei geschlossenen Bestandsgefachen, die sonst für Matten geöffnet werden müssten, ist es oft die einzige Methode ohne Abriss der Innenbekleidung.
Gesundheit und Verarbeitung
Mineralwolle. Neue Glas- und Steinwolle muss die Freizeichnungskriterien der Gefahrstoffverordnung erfüllen, etwa einen Kanzerogenitätsindex KI von mindestens 40 oder eine entsprechend kurze Verweildauer der Fasern in der Lunge. Das RAL-Gütezeichen nach RAL-GZ 388, vergeben seit 1999, macht solche Produkte erkennbar. Beim Einbau reizen die Fasern Haut und Augen; Handschuhe, langärmelige Kleidung, Schutzbrille und eine FFP2-Maske beim Zuschneiden über Kopf sind sinnvoll.
Anders ist alte Mineralwolle. Material, das vor 1996 eingebaut wurde, gilt nach TRGS 521 als alte Mineralwolle. Zwischen 1996 und Juni 2000 kam alte und neue Ware nebeneinander auf die Baustelle, seitdem sind Herstellung und Verwendung der alten Fasern verboten. Wer eine Dachschräge aus den 1970er- bis 1990er-Jahren öffnet, arbeitet deshalb mit potenziell krebserzeugenden Fasern. Die TRGS 521 regelt Schutzausrüstung, staubarme Verfahren und die Entsorgung als gefährlicher Abfall. Für Fachbetriebe ist das Routine, als Heimwerkerprojekt ist es ungeeignet.
Holzfaser. Beim Sägen und Schleifen entsteht Holzstaub. Die TRGS 553 verlangt in Betrieben, 2 mg/m³ einatembaren Holzstaub einzuhalten, und Absaugung statt trockenem Kehren. Wer selbst schneidet, nutzt eine Handsäge oder eine abgesaugte Maschine und trägt eine Staubmaske, so steht es auch im STEICO-Merkblatt. Als Zusatzstoffe nennt STEICO für die Matte Polyolefinfasern als Stützfaser und Ammoniumsulfat, für die Unterdeckplatte PUR-Harz und Paraffin.
Zellulose. Viele Zelluloseflocken enthalten noch Borsäure oder Borsalze als Brand- und Schimmelschutz. Borsäure ist EU-weit als fortpflanzungsgefährdend eingestuft; die in Dämmstoffen eingesetzten Mengen liegen nach WECOBIS in der Regel unter der Einstufungsgrenze von 5,5 Prozent. Einige Hersteller verwenden inzwischen Ammoniumphosphat oder bieten borfreie Varianten an. Im eingebauten Zustand ist das unkritisch; beim Einblasen entsteht jedoch viel Staub, weshalb der Betrieb mit Absaugung und Atemschutz arbeitet und Räume vorher abgeklebt werden.
Ökobilanz ohne Schönfärberei
Die Umweltdaten der ÖKOBAUDAT und der Umweltproduktdeklarationen nach DIN EN 15804 sind der richtige Maßstab, nicht Werbebegriffe wie „klimapositiv“. Laut Datenblatt enthält STEICOflex 036 biogenen Kohlenstoff im Umfang von rund 82 kg CO₂-Äquivalent je Kubikmeter, STEICOfloc rund 64. Dieser Kohlenstoff ist gespeichert, solange das Material eingebaut bleibt; bei Verbrennung am Lebensende wird er wieder frei. Er gleicht deshalb nicht automatisch die Emissionen aus Herstellung, Trocknung und Transport aus.
Mineralwolle hat keinen gespeicherten Kohlenstoff, braucht aber auch deutlich weniger Masse: 20 cm Klemmfilz wiegen rund 5 kg je m², die gleiche Fläche Holzfasermatte rund 10 kg. Ein fairer Vergleich bezieht sich deshalb auf gleiche Dämmwirkung und Lebensdauer, zählt Befestiger und Bekleidungen mit und betrachtet den Rückbau. Zellulose aus Altpapier nutzt einen Sekundärrohstoff und lässt sich absaugen und wiederverwenden, sofern sie trocken und sauber geblieben ist.
So entscheiden Sie
Mineralwolle ist die richtige Wahl, wenn Brandschutz verlangt ist, wenn wenig Sparrenhöhe zur Verfügung steht oder wenn Sie selbst dämmen und auf den Preis schauen. Holzfaser lohnt sich, wo eine Platte mehrere Aufgaben übernimmt: Unterdeckung, Putzträger, Wärmebrückenschutz und Hitzeschutz in einer Lage. Zellulose ist die erste Wahl für geschlossene, verwinkelte Gefache und für Decken, die sich großflächig einblasen lassen.
Legen Sie Angebote nebeneinander, indem Sie für jeden Aufbau den U-Wert, den Bemessungswert λ, die Brandklasse und bei Einblasdämmung die Einbaudichte und das Einblasprotokoll mit Materialmenge verlangen. Soll die Maßnahme gefördert werden, gehört ein Energieeffizienz-Experte von Anfang an dazu, der den U-Wert von 0,14 rechnet und bestätigt. Dann vergleichen Sie zulässige Aufbauten mit Zahlen – und nicht grüne gegen graue Materialbilder.
Quellen und weiterführende Informationen
- Gesetze im Internet: Anlage 7 GModG (zu § 36), Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten bei Änderung bestehender Gebäude
- BMWE: Richtlinie BEG Einzelmaßnahmen vom 17. Juli 2026 mit Technischen Mindestanforderungen (Schrägdach U 0,14)
- STEICO: Technisches Merkblatt STEICOflex 036, Version 8 vom 21.09.2026
- STEICO: Technisches Merkblatt STEICOspecial dry (Unterdeckplatte), Version 7 vom 21.09.2026
- STEICO: Technisches Merkblatt STEICOfloc (Zellulose, ETA-16/0141), Version 9 vom 21.09.2026
- ROCKWOOL: Datenblatt Klemmrock 035 (Steinwolle, A1)
- ISOVER: Technisches Datenblatt Integra ZKF 1-035 (Glaswolle, A1)
- ISOCELL: Leistungserklärung Zellulosefaser nach ETA-06/0076
- DIBt – Europäische Bewertung für Zellulose-Dämmstoff, ETA-04/0080
- BAuA – TRGS 521: Arbeiten mit alter Mineralwolle
- BAuA – TRGS 553: Holzstaub
- RAL: Gütezeichen Erzeugnisse aus Mineralwolle (RAL-GZ 388)
- WECOBIS: Zellulosefaser-Dämmstoffe (Flammschutzmittel, Verarbeitung)
- ÖKOBAUDAT – Datenbank für Bauprodukte
- DIBt – Wärmedämmung und Schalldämmung
- Preisbeispiel Glaswolle: Integra ZKF 1-035, 200 mm, 16,12 €/m² (dachgewerk.de, abgerufen 22.09.2026)
- Preisbeispiel Holzfaser: STEICOflex 036, 200 mm, 20,95 €/m² (baunativ-shop.de, abgerufen 22.09.2026)
- Preisbeispiel Zellulose: STEICOfloc, 15-kg-Sack 21,60 € (baunativ-shop.de, abgerufen 22.09.2026)
- VARM: Kosten Einblasdämmung nach Bauteil, Stand 2026

















