Fußbodenheizung oder Heizkörper: Was mit der Wärmepumpe funktioniert

Wärmepumpen benötigen keine Fußbodenheizung, solange die Vorlauftemperatur unter 55 Grad liegt. JAZ-Vergleich, Kosten fürs Einfräsen und Heizkörper-Alternativen.

Verlegte Heizungsrohre mit Rohrschellen – Fußbodenheizung und Heizkörper im Vergleich für die Wärmepumpe
Verlegte Heizungsrohre mit Rohrschellen – Fußbodenheizung und Heizkörper im Vergleich für die WärmepumpeFoto: Pedro Forester Da Silva / UnsplashUnsplash License

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Wärmepumpe funktioniert im Bestand auch ohne Fußbodenheizung, sofern die maximale Vorlauftemperatur am kältesten Tag 55 Grad Celsius nicht überschreitet.
  • Mit einer Fußbodenheizung (30 bis 35 Grad Vorlauf) erreichen Luft-Wasser-Wärmepumpen im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,8 bis 4,3, mit passend dimensionierten Heizkörpern (45 bis 50 Grad) 3,1 bis 3,6.
  • Jedes Grad Celsius geringere Vorlauftemperatur spart rund 2,5 Prozent Verdichterstrom.
  • Der gezielte Austausch einzelner Engpass-Heizkörper gegen 3-lagige Flachheizkörper (Typ 33) kostet 300 bis 700 Euro pro Raum und vermeidet teure Bodensanierungen.

Die weit verbreitete Annahme, eine Wärmepumpe sei nur in Kombination mit einer Fußbodenheizung wirtschaftlich betreibbar, ist technisch widerlegt. Langjährige Feldmessungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) an über 300 realen Bestandsgebäuden belegen: Auch mit klassischen Heizkörpern erzielen Luft-Wasser-Wärmepumpen durchschnittliche Jahresarbeitszahlen (JAZ) von 3,1 bis 3,6, sofern die Vorlauftemperatur am Auslegungstag maximal 55 Grad Celsius beträgt.

Eine Flächenheizung bleibt dennoch das thermische Optimum. Die Systemunterschiede im direkten Leistungsvergleich:

Vergleichsmerkmal Fußbodenheizung (Flächenheizung) Bestehende Kompaktheizkörper (Typ 22) Tieftemperatur-Heizkörper (Typ 33 / Gebläse)
Vorlauftemperatur (Norm-Außentemperatur) 30 bis 35 °C 50 bis 55 °C 40 bis 45 °C
Mittlere JAZ (Luft-Wasser nach Fraunhofer ISE) 3,8 bis 4,3 3,1 bis 3,4 3,4 bis 3,8
Jährliche Stromkosten (140 m², 15.000 kWh Wärme, 0,30 €/kWh) ca. 1.050–1.180 € ca. 1.320–1.450 € ca. 1.180–1.320 €
Wärmeübertragung 90 % Strahlung, 10 % Konvektion 60 % Konvektion, 40 % Strahlung 70 % Konvektion (unterstützt), 30 % Strahlung
Reaktionszeit auf Thermostatverstellung Träge (2 bis 4 Stunden Aufheizzeit) Schnell (15 bis 30 Minuten) Sehr schnell (5 bis 15 Minuten)
Typische Nachrüstkosten 45 bis 80 €/m² (Einfräsen in Bestandsestrich) 0 € (vorhanden) 350 bis 800 € pro Stück inkl. Montage

Thermodynamik: Warum jedes Grad Vorlauftemperatur bares Geld spart

Der Verdichter einer Wärmepumpe muss das Temperaturniveau aus der Umwelt (Außenluft, Erdreich oder Grundwasser) auf das im Heizkreis benötigte Niveau anheben. Je kleiner dieser Temperaturhub ist, desto weniger elektrische Antriebsleistung benötigt der Kompressor.

Als physikalische Faustregel gilt: Jedes Grad Celsius, um das die Vorlauftemperatur und Heizflächen abgesenkt werden können, senkt den Jahresstromverbrauch der Wärmepumpe um rund 2,5 bis 3,0 Prozent.

Eine Fußbodenheizung nach DIN EN 1264 nutzt den gesamten Raum als Übertragungsfläche. Bei einem Rohrabstand von 10 bis 15 Zentimetern genügen bereits Oberflächentemperaturen von 23 bis 26 Grad Celsius, um bei 32 Grad Vorlauftemperatur eine Raumtemperatur von 20 Grad sicherzustellen.

Klassische Heizkörper besitzen eine wesentlich kleinere Wärmeaustauschfläche. Um dieselbe Wärmeleistung nach DIN EN 442 an den Raum abzugeben, muss das Heizungswasser heißer durchströmen. Beträgt die Vorlauftemperatur 52 Grad statt 32 Grad (ein Unterschied von 20 Kelvin), verbraucht die Wärmepumpe für denselben Raum rund 40 bis 50 Prozent mehr elektrischen Strom.

Die 55-Grad-Grenze: Der „Niedertemperatur-Ready“-Standard

Das Umweltbundesamt hat für Bestandsgebäude den wissenschaftlich fundierten „Niedertemperatur-Ready“-Standard definiert:

  • Zielwert: Ein Gebäude gilt als bereit für die Wärmepumpe, wenn an den kältesten Tagen des Jahres (der sogenannten Norm-Außentemperatur nach DIN EN 12831-1, regional zwischen minus 8 und minus 14 Grad Celsius) keine Vorlauftemperatur über 55 Grad Celsius erforderlich ist.
  • Wirtschaftlichkeitsschwelle: Bei 55 Grad Vorlauf erreicht eine moderne modulierende Wärmepumpe im Altbau eine Jahresarbeitszahl von über 3,0. Ab einer JAZ von 3,0 erzeugt die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom mehr als drei Kilowattstunden Nutzwärme, womit sie bei aktuellen Strom- und Gaspreisen günstiger heizt als ein fossiler Kessel.
  • Problembereich über 55 Grad: Steigt die Vorlauftemperatur auf 65 oder 70 Grad (wie bei alten Schwerkraft-Gliederheizkörpern aus den 1960er-Jahren), fällt die JAZ unter 2,5. In diesem Bereich droht ein drastischer Anstieg der Stromkosten, und der interne elektrische Heizstab springt häufiger an.

Eigentümer können diesen Wert vor dem Heizungstausch ohne Fachbetrieb testen: Stellen Sie an kalten Wintertagen bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt die Heizkurve an der bestehenden Heizung testweise auf maximal 50 bis 55 Grad Celsius Vorlauf. Werden alle Wohnräume bei voll aufgedrehten Thermostatventilen ausreichend warm, ist das vorhandene Heizkörpersystem ohne Sanierung wärmepumpentauglich.

Pragmatischer Altbau-Umbau: Gezielter Heizkörpertausch statt Komplettsanierung

Ergibt der Test, dass zwei oder drei Räume im Haus (typischerweise das Badezimmer, ein Eckzimmer im Dachgeschoss oder das Wohnzimmer) mit 50 Grad Vorlauf nicht warm genug werden, ist das kein Grund, den gesamten Estrich im Haus herauszureißen.

In 80 Prozent der Bestandsgebäude reicht ein punktueller Eingriff an den sogenannten Engpass-Räumen aus:

  1. Austausch gegen Typ 33: In den meisten Wohnungen hängen zweilagige Plattenheizkörper mit zwei Konvektionsblechen (Typ 22). Wird dieser durch einen dreilagigen Heizkörper (Typ 33) gleicher Länge und Höhe ersetzt, steigt die Wärmeübertragungsfläche um rund 40 bis 50 Prozent. Dadurch erbringt der Heizkörper bei 45 Grad Vorlauf dieselbe thermische Leistung wie der alte Typ 22 bei 55 Grad.
  2. Niedertemperatur-Konvektoren mit Mikrolüftern: Reicht der Platz an der Wand für größere Heizkörper nicht aus, schaffen Gebläseradiatoren Abhilfe. Integrierte, nahezu geräuschlose 12-Volt-Querstromgebläse verstärken die Konvektion um das Zwei- bis Dreifache.
  3. Flächenheizung einfräsen: Soll im Erdgeschoss ohnehin der Bodenbelag erneuert werden, bietet das nachträgliche Fräsen von Rohrschlitzen in den bestehenden Estrich eine saubere Option. Spezialfräsen schneiden Kanäle direkt in den Untergrund, in die 14- oder 16-Millimeter-Kunststoffrohre eingelegt werden. Die Kosten liegen bei rund 45 bis 75 Euro pro Quadratmeter und vermeiden störende Türanpassungen.

Mischsysteme: Fußbodenheizung im Erdgeschoss, Heizkörper im Obergeschoss

In vielen Ein- und Zweifamilienhäusern wird eine Kombination gewählt: Fußbodenheizung im Wohn- und Essbereich des Erdgeschosses sowie klassische Heizkörper in den Schlafräumen des Obergeschosses.

Hierbei ist hydraulisch zwingend zu beachten:

  • Zwei Heizkreise vermeiden: Wird die Wärmepumpe mit zwei getrennten Vorlauftemperaturen betrieben (z. B. 32 Grad für den Fußboden und 50 Grad für die Heizkörper), muss die Wärmepumpe das gesamte Wasser auf das höhere Temperaturniveau aufheizen. Für die Fußbodenheizung wird das Wasser anschließend über einen Mischer heruntergekühlt. Der Effizienzvorteil der Fußbodenheizung geht dabei thermodynamisch verloren.
  • Auslegung auf ein einheitliches Niveau: Das Ziel bei Mischsystemen muss sein, die Heizkörper im Obergeschoss so großzügig zu dimensionieren, dass das gesamte Haus mit einer gemeinsamen Vorlauftemperatur von maximal 40 bis 42 Grad Celsius auskommt.

Entscheidungskriterien für Eigentümer

Bevor Sie eine Entscheidung treffen, ermitteln Sie die Raumheizlasten durch eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1 im Rahmen des hydraulischen Abgleichs:

  • Bestehende Heizkörper weiter nutzen: Wenn der thermische Abgleich zeigt, dass 50 bis 52 Grad Vorlauf genügen und keine Bodenbelagsarbeiten anstehen.
  • Heizkörper gezielt austauschen (Typ 33): Wenn lediglich 1 bis 3 Räume die Vorlauftemperatur unnötig nach oben treiben.
  • Fußbodenheizung einfräsen: Wenn eine grundlegende Renovierung der Böden geplant ist oder das Gebäude im Sommer über die Wärmepumpe zugfrei gekühlt werden soll.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Fraunhofer ISE – Feldtest Wärmepumpen im Bestand (WP-Monitor)
  2. Umweltbundesamt (UBA) – Operationalisierung des Niedertemperatur-Ready-Standards (NT-Ready)
  3. DIN EN 12831-1: Energetische Bewertung von Gebäuden – Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast
  4. DIN EN 442-1 und 442-2: Radiatoren und Konvektoren – Prüfverfahren und Leistungsangaben
Weiterlesen

Mehr zum Thema

016 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

026 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

036 Artikel