Zentrale oder dezentrale Lüftung: Der Unterschied in Kosten, Strom und Platz

Zentral kostet im Neubau 8.000 bis 15.000 Euro, dezentral 3.000 bis 7.000 Euro. Die zentrale Anlage braucht mehr Ventilatorstrom, kann aber Sommerbypass und Feuchterückgewinnung. Im Bestand entscheidet meist eine Frage: Gibt es Platz für die Kanäle?

Verzinkte Lüftungsrohre in einem Installationsschacht, zentrale und dezentrale Lüftung im Vergleich
Verzinkte Lüftungsrohre in einem Installationsschacht, zentrale und dezentrale Lüftung im VergleichFoto: Steffen Lemmerzahl / UnsplashUnsplash License

Das Wichtigste in Kürze

  • Zentral kostet im Neubau 8.000 bis 15.000 Euro, im Bestand nach Marktangaben bis über 20.000 Euro; ein dezentrales System liegt bei 3.000 bis 7.000 Euro.
  • Eine zentrale Anlage mit 150 Kubikmetern je Stunde und 0,30 Wattstunden je Kubikmeter verbraucht rund 390 Kilowattstunden Ventilatorstrom im Jahr; das Passivhaus Institut setzt 0,45 Wh/m³ als Obergrenze.
  • Die zurückgewonnene Wärme übersteigt den Ventilatorstrom um ein Vielfaches: Im Rechenbeispiel stehen rund 3.400 Kilowattstunden Wärme gegen 390 Kilowattstunden Strom.
  • Nur die zentrale Bauart kann einen Sommerbypass und einen Enthalpietauscher für Feuchterückgewinnung besitzen.
  • Ob überhaupt gelüftet werden muss, klärt das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6, etwa wenn mehr als ein Drittel der Fenster getauscht wird.

Der Unterschied zwischen zentraler und dezentraler Lüftung ist zuerst ein baulicher: Die zentrale Anlage hat ein Gerät und ein Kanalnetz durchs ganze Haus, die dezentrale hat mehrere Geräte in der Außenwand und keinen Kanal. Zentral kostet im Neubau 8.000 bis 15.000 Euro, dezentral 3.000 bis 7.000 Euro. Im bewohnten Altbau fällt die Entscheidung meist schon an der Frage, ob sich eine Kanaltrasse ohne Verlust an Raumhöhe unterbringen lässt. Gibt es keinen Platz, bleibt nur dezentral.

Kriterium Zentral Dezentral
Investition Neubau 8.000–15.000 € 3.000–7.000 €
Nachrüstung im Bestand 7.700 bis über 20.000 € etwa wie im Neubau, keine Trasse nötig
Ventilatorstrom je Jahr (Rechnung unten) rund 390–590 kWh rund 80–160 kWh bei sechs Geräten
Filterstellen 1, am Gerät eine je Gerät
Kanalreinigung alle paar Jahre prüfen entfällt
Sommerbypass möglich konstruktiv nicht
Feuchterückgewinnung mit Enthalpietauscher nicht verfügbar
Fassadenöffnungen zwei (Außen- und Fortluft) eine je Gerät
Luftmengen raumweise einstellbar ja nur je Gerät

Die Kosten stammen aus Marktübersichten von luftbude.de und heizsparer.de, die Stromwerte aus der Rechnung weiter unten. Sie zeigen: Dezentral ist günstiger in der Anschaffung und im Strom, zentral leistungsfähiger bei Wärme, Feuchte und Sommerbetrieb.

Erst die Pflicht, dann die Bauart

Ob ein Haus überhaupt eine Lüftungsanlage braucht, klärt das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6. Es ist im Bestand zu erstellen, wenn mehr als ein Drittel der Fenster getauscht oder im Einfamilienhaus mehr als ein Drittel der Dachfläche neu abgedichtet wird. Ergebnis ist eine Luftmenge in Kubikmetern je Stunde für den nutzerunabhängigen Feuchteschutz, keine Bauart. Wann der Nachweis fällig wird, beschreibt der Beitrag zum Lüftungskonzept nach dem Fenstertausch. Beide Bauarten können diese Menge liefern, und beide verfehlen sie ohne Einregulierung.

Die Kanaltrasse entscheidet im Bestand

Ein zentrales Netz braucht Querschnitte, und Querschnitte brauchen Höhe. Im Neubau verschwinden sie in der Betondecke oder im Schacht. Im Bestand führen sie über abgehängte Decken, Vorwände oder den Fußbodenaufbau, und jede dieser Lösungen kostet Raumhöhe, Grundfläche oder einen neuen Estrich. Darum liegt die Nachrüstung zentral bei bis über 20.000 Euro, während das Gerät selbst nur einen Teil davon ausmacht. Wie empfindlich ein Netz auf Querschnitt und Bögen reagiert, zeigt der Beitrag zu den Luftkanälen der zentralen Lüftung.

Prüfen Sie konkret: Welche Räume ließen sich um 15 bis 20 Zentimeter abhängen? Wo stünde das Gerät? Gibt es einen Schacht vom Keller zum Dach? Fällt die Prüfung negativ aus, ist die Entscheidung aus gutem Grund gefallen.

Ventilatorstrom: Die Rechnung

Der Strombedarf folgt einer einfachen Formel: Volumenstrom × spezifische Leistung × Betriebsstunden. Annahme: Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern, Dauerbetrieb mit 150 Kubikmetern je Stunde, 8.760 Stunden im Jahr.

System Kennwert Rechnung Strom im Jahr Kosten bei 35 ct/kWh
Zentral, gutes Gerät und Netz 0,30 Wh/m³ 150 × 0,30 × 8.760 394 kWh 138 €
Zentral, an der PHI-Grenze 0,45 Wh/m³ 150 × 0,45 × 8.760 591 kWh 207 €
Dezentral, 6 Geräte à 1,5 W (Annahme) 9 W gesamt 9 × 8.760 79 kWh 28 €
Dezentral, 6 Geräte à 3 W (Annahme) 18 W gesamt 18 × 8.760 158 kWh 55 €

Das Passivhaus Institut setzt für die Elektroeffizienz einer Lüftungsanlage höchstens 0,45 Wattstunden je Kubikmeter als Kriterium. Die Leistungen der dezentralen Geräte sind Annahmen für die mittlere Stufe; maßgeblich ist das Datenblatt des konkreten Geräts. Der Grund für den Abstand: Ein Radialventilator muss den Druckverlust des ganzen Kanalnetzes überwinden, ein Axialventilator in der Außenwand fördert gegen fast nichts. Ein schlecht geplantes Netz mit engen Bögen treibt den zentralen Wert nach oben, ohne dass es am Gerät liegt.

Wärmerückgewinnung: Warum sich der Mehrstrom trotzdem lohnt

Ohne Rückgewinnung verliert das Haus mit der Abluft Wärme. Überschlag mit der Wärmekapazität von Luft (0,34 Wh je Kubikmeter und Kelvin) und rund 84.000 Kelvinstunden Heizperiode, was etwa 3.500 Gradtagen entspricht (Annahme für einen mittleren deutschen Standort):

Größe Rechnung Ergebnis
Lüftungswärmeverlust ohne Rückgewinnung 0,34 × 150 × 84.000 4.284 kWh
Zurückgewonnen bei 80 % 4.284 × 0,80 3.427 kWh
Zurückgewonnen bei 70 % 4.284 × 0,70 2.999 kWh
Ventilatorstrom zentral (aus Tabelle oben) 394 kWh

Auch die zentrale Anlage gewinnt also ein Mehrfaches ihres Stroms als Wärme zurück. Wie Prospektwerte zum Wärmebereitstellungsgrad entstehen und warum sie nur innerhalb derselben Prüfmethode vergleichbar sind, steht im Beitrag zur Wärmerückgewinnung.

Wo zentral technisch vorn liegt

Sommerbypass: Eine Klappe umgeht den Wärmetauscher, damit kühle Nachtluft ungewärmt ins Haus kommt. Ein Pendellüfter mit Keramikspeicher kann das nicht, weil sein Speicher im einzigen Luftweg liegt; Hersteller bieten stattdessen einen Querlüftungsbetrieb ohne Rückgewinnung.

Enthalpietauscher: Er holt neben Wärme auch Feuchte zurück und hilft gegen trockene Raumluft im Januar.

Winddruck: Ein zentrales Gerät ist druckstark genug, dass Wind die Luftmenge kaum verschiebt. Dezentrale Axialgeräte reagieren empfindlicher; der Beitrag zu dezentralen Lüftungsgeräten beschreibt, wie stark Stördrücke an der Fassade wirken.

Wartung: Die Zahl der Filterstellen

Acht dezentrale Geräte bedeuten acht Filterkontrollen zwei- bis viermal im Jahr. Ein Filter hinter einem Schrank wird nicht gewechselt, und ein zugesetzter Filter senkt den Volumenstrom. Welche Filterklassen sinnvoll sind, behandelt der Beitrag zu den Filtern der Wohnraumlüftung.

Im Mehrfamilienhaus

Quert ein zentrales Netz Geschossdecken oder Brandabschnitte, kommen Brandschutzklappen und Abschottungen hinzu. Dezentrale Geräte lösen das nicht aus, werfen aber Fragen an der Fassade auf: Abstände der Öffnungen zu Fenstern und Abgasmündungen. In der WEG gehört eine zentrale Anlage meist zum Gemeinschaftseigentum. Dezentrale Geräte in der Wohnung sind Sondereigentum, Wanddurchbruch und Außenhaube aber nicht; die Montage braucht einen Beschluss.

Unabhängig von der Bauart gilt: Eine raumluftabhängige Feuerstätte und eine Abluftanlage können gemeinsam gefährlichen Unterdruck erzeugen. Das klären Fachplaner und Schornsteinfeger vor der Planung.

So entscheiden Sie

  1. Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 erstellen lassen und die nötige Luftmenge festhalten.
  2. Trasse prüfen: abhängbare Räume, verbleibende Höhe, Technikraum.
  3. Beide Varianten über 20 Jahre mit Investition, Nebenarbeiten, Strom, Filtern und Ersatz vergleichen.
  4. Für beide ein Schallkonzept für die Nachtstufe verlangen.
  5. Nach dem Einbau die Luftmengen messen und protokollieren lassen; wie das abläuft, steht im Beitrag zur Einregulierung der Luftmengen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Umweltbundesamt – Anforderungen an Lüftungskonzeptionen in Wohngebäuden
  2. Umweltbundesamt – Entwicklung des Qualitätssiegels Raumlufttechnik
  3. Passivhaus Institut – Zertifizierungskriterien EnerPHit (Elektroeffizienz Lüftung ≤ 0,45 Wh/m³)
  4. Verordnung (EU) Nr. 1253/2014 – Ökodesign-Anforderungen an Lüftungsanlagen
  5. Haustec – Lüftungskonzept nach DIN 1946-6: Wann eine Anlage Pflicht ist
  6. luftbude.de – Kosten einer zentralen Lüftungsanlage
  7. heizsparer.de – Kosten einer Wohnraumlüftung im Bestand und im Neubau
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