Schwammgrundstück anlegen: So halten Sie Regen auf dem eigenen Grundstück und sparen Gebühren
Wer 120 m² Dachfläche vom Kanal abkoppelt, spart in Köln rund 167 Euro Niederschlagswassergebühr im Jahr, in Berlin 217 Euro. Welche Abstände und Bodenwerte eine Versickerung nach DWA-A 138-1 braucht.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Schwammgrundstück speichert, versickert und verdunstet Regen dort, wo er fällt; § 55 Abs. 2 WHG nennt die ortsnahe Versickerung als Sollvorgabe für Niederschlagswasser.
- Jeder Quadratmeter Dach, der nicht mehr in den Kanal entwässert, spart die örtliche Niederschlagswassergebühr, 2026 etwa 1,39 Euro in Köln und 1,809 Euro in Berlin je Jahr.
- Nach DWA-A 138-1 soll eine Versickerungsanlage bei Häusern ohne wasserdruckhaltende Abdichtung mindestens das 1,5-Fache der Baugrubentiefe vom Gebäude entfernt liegen und ihre Sohle mindestens 1 Meter über dem höchsten Grundwasserstand.
- Geeignet ist Boden mit einem Durchlässigkeitsbeiwert kf zwischen 1 × 10⁻³ und 1 × 10⁻⁶ m/s; auf dichten Tonböden darunter helfen Speicher und Verdunstung statt Versickerung.
Ein Schwammgrundstück leitet Regen nicht in den Kanal, sondern speichert, versickert und verdunstet ihn auf dem eigenen Grund. Für Sie lohnt das doppelt: Der Garten bleibt in Trockenphasen feuchter, und jede abgekoppelte Fläche senkt die Niederschlagswassergebühr. Koppeln Sie 120 Quadratmeter Dach ab, sparen Sie in Köln 166,80 Euro und in Berlin 217,08 Euro im Jahr. Voraussetzung ist ein Boden, der Wasser aufnimmt, genug Abstand zum Keller und ein sicherer Überlauf für Starkregen.
Was das Abkoppeln spart
Die Niederschlagswassergebühr bemisst sich nach der bebauten und befestigten Fläche, von der Regen in den Kanal fließt. Die Sätze legt jede Kommune selbst fest.
| Stadt | Satz je m² und Jahr | Ersparnis bei 60 m² | Ersparnis bei 120 m² |
|---|---|---|---|
| Köln (2026) | 1,39 € | 83,40 € | 166,80 € |
| Berlin (seit 2022) | 1,809 € | 108,54 € | 217,08 € |
Ihren örtlichen Satz finden Sie im Gebührenbescheid oder in der Abwassersatzung. Viele Satzungen erkennen auch Teilentlastungen an, etwa für Gründächer oder Zisternen mit Überlauf in eine Mulde. Abkoppeln dürfen Sie nicht eigenmächtig: Melden Sie die Änderung dem Entwässerungsbetrieb, sonst bleibt die Fläche im Bescheid. Wie die Gebühr berechnet wird und wo Fehler stecken, erklärt der Beitrag zur Niederschlagswassergebühr.
Das Wasserhaushaltsgesetz unterstützt den Ansatz: Niederschlagswasser soll ortsnah versickert, verrieselt oder ohne Vermischung mit Schmutzwasser eingeleitet werden (§ 55 Abs. 2 WHG). Ob Sie für die Versickerung eine wasserrechtliche Erlaubnis brauchen, regelt Ihr Bundesland. Für Dachwasser von Wohnhäusern ist sie oft erlaubnisfrei, in Wasserschutzgebieten nicht.
Eignung prüfen: Boden, Grundwasser, Abstand
Das Arbeitsblatt DWA-A 138-1 der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft ist der technische Maßstab, nach dem Behörden Versickerungsanlagen beurteilen.
| Kriterium | Anforderung nach DWA-A 138 | So prüfen Sie es |
|---|---|---|
| Durchlässigkeit des Bodens | kf zwischen 1 × 10⁻³ und 1 × 10⁻⁶ m/s | Versickerungstest in einer Schurfgrube oder Bodengutachten |
| Abstand zum Grundwasser | Sohle mindestens 1,0 m über dem höchsten Grundwasserstand | Grundwasserkarte der Unteren Wasserbehörde, Bohrprofile der Nachbarschaft |
| Abstand zum unterkellerten Haus ohne wasserdruckhaltende Abdichtung | mindestens 1,5-fache Baugrubentiefe, gemessen vom Baugrubenfuß | Kellertiefe aus Bauplänen; bei 2,5 m Baugrube also 3,75 m |
| Haus ohne Keller | Fundamenttiefe statt Baugrubentiefe | Fundamentplan |
Sandiger Kies und Mittelsand versickern gut. Schluffiger Ton und Ton liegen unter 1 × 10⁻⁶ m/s: Hier läuft eine Mulde nicht rechtzeitig leer, und Sie setzen besser auf Speicher und Verdunstung. Wie eine Mulde oder Rigole bemessen wird, rechnet der Beitrag zu Mulde und Rigole mit Starkregendaten des Deutschen Wetterdienstes durch.
Die vier Bausteine
- Entsiegeln: Pflaster mit offenen Fugen, Rasengitter oder Kies statt Asphalt nehmen Regen direkt auf. Prüfen Sie in der Satzung, mit welchem Faktor solche Beläge in die Gebühr eingehen.
- Speichern: Regentonne oder Zisterne fangen Dachwasser für die Gartenbewässerung auf. Ein Dach mit 120 m² Grundfläche sammelt bei 700 mm Jahresniederschlag rechnerisch 84 m³ Regen, abzüglich Verdunstung und Verlusten am Dach. Den Jahresniederschlag Ihres Standorts liefert der Deutsche Wetterdienst.
- Versickern: Eine bepflanzte Mulde hält Regen kurz zurück und lässt ihn über belebten Oberboden versickern. Ein Regengarten ist die gestaltete Variante davon.
- Verdunsten: Bäume, Beete und Gründächer geben Wasser an die Luft ab und kühlen das Grundstück.
Wasser von befahrenen Flächen oder großen unbeschichteten Kupfer- und Zinkdächern bringt Schadstoffe mit. Leiten Sie es nur über eine bewachsene Bodenschicht ab, nie direkt in einen Schacht.
Notüberlauf für Starkregen
Jede Mulde und jeder Speicher läuft bei Starkregen irgendwann über. Planen Sie den Weg des Überlaufs vorher: weg vom Haus, nicht auf das Nachbargrundstück und nie in Richtung Kellerabgang oder Lichtschacht. Markieren Sie bei einem kräftigen Schauer, wo Wasser heute fließt und sich sammelt. Diese Bestandsaufnahme zeigt, ob Ihr Haus schon ohne Umbau gefährdet ist; die Prüfpunkte dafür stehen im Starkregen-Check für den Keller. Beginnen Sie mit einer Fläche, zum Beispiel einem Fallrohr, beobachten Sie die Mulde ein Jahr lang und erweitern Sie dann.
Quellen und weiterführende Informationen
- Wasserhaushaltsgesetz – § 55 Grundsätze der Abwasserbeseitigung
- Bayerisches Landesamt für Umwelt – Arbeitsblatt DWA-A 138 (Vortrag: Sickerfähigkeit, Grundwasserabstand)
- Leitfaden Niederschlagswasserversickerung nach DWA-A 138 (Abstände zu Gebäuden, kf-Bereich)
- Berliner Wasserbetriebe – Gebühren (Niederschlagswasser 1,809 €/m² seit 01.01.2022)
- Stadtentwässerungsbetriebe Köln – Abwassergebühren 2026
- Umweltbundesamt – Regenwasserbewirtschaftung

















