Regentonne: Nach einer Viertelstunde Starkregen läuft sie über

Die Jahresernte einer Regentonne hängt nicht an ihrem Volumen, sondern an der Zahl der Entnahmen. Wer sie stehen lässt, sammelt einmal 300 Liter — und danach Algen.

Grüne Wassertonne unter einem Fallrohr an einer Hauswand, zwei Äste liegen quer über der Öffnung
Grüne Wassertonne unter einem Fallrohr an einer Hauswand, zwei Äste liegen quer über der ÖffnungFoto: Gerd Eichmann / Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei 15 Litern Regen je Quadratmeter und Stunde — der Schwelle, ab der der Deutsche Wetterdienst vor Starkregen warnt — liefert ein 100 Quadratmeter großes Ziegeldach rund 1.200 Liter pro Stunde; eine 300-Liter-Tonne ist dann in etwa einer Viertelstunde voll.
  • Nicht das Fassungsvermögen bestimmt den Jahresertrag, sondern wie oft die Tonne zwischen zwei Regenfällen leer gegossen wird.
  • Ein gefüllter 300-Liter-Behälter drückt mit rund einer Tonne je Quadratmeter auf seine Standfläche und kippt, sobald der Untergrund einseitig nachgibt.
  • Beim Gefrieren dehnt sich Wasser um etwa neun Prozent aus; der Auslaufhahn hat dafür keinen Ausweichraum und reißt deshalb vor dem Behälter.
  • Trinkwasser und Abwasser kosten zusammen meist 3,50 bis 5,00 Euro je Kubikmeter — ein angemeldeter Gartenwasserzähler streicht davon den Abwasseranteil.

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Starkregen, sobald in einer Stunde 15 Liter je Quadratmeter fallen. Ein Satteldach mit 100 Quadratmetern Grundfläche nimmt in dieser Stunde also 1.500 Liter auf. Etwa 80 Prozent davon erreichen tatsächlich das Fallrohr — der Rest verdunstet, bleibt in Pfannenfugen stehen oder benetzt die Rinne. Bleiben rund 1.200 Liter. Eine handelsübliche 300-Liter-Tonne ist damit nach knapp einer Viertelstunde randvoll, und die übrigen dreieinhalb Stunden eines länger anhaltenden Ereignisses laufen an ihr vorbei.

Daraus folgt eine Zahl, die beim Kauf selten jemand ausrechnet: Nicht das Volumen bestimmt, wie viel Regenwasser Sie in einem Jahr wirklich nutzen, sondern wie oft der Behälter dazwischen leer wird. Eine 300-Liter-Tonne, die von Mai bis September zweimal pro Woche vollständig ausgegossen wird, liefert in dieser Zeit rund 12 Kubikmeter. Dieselbe Tonne, die im Frühjahr einmal volläuft und dann bis Oktober steht, liefert 0,3 Kubikmeter — und daneben Algen. Eine doppelt so große Tonne ändert an diesem Verhältnis wenig; sie hilft nur dem, der ohnehin viel entnimmt und dabei zwischen zwei Regenereignissen trockenfällt.

Der Anschluss am Fallrohr entscheidet über den Rest des Wassers

Ein durchgesägtes Fallrohr über einem offenen Fass ist die schlechteste Variante: Sie fängt alles ab, was das Dach liefert, auch wenn die Tonne längst überläuft, und das überschüssige Wasser sucht sich seinen Weg an der Hauswand. Ein Regensammler oder Füllautomat wird stattdessen in das Fallrohr eingesetzt und arbeitet nach dem Rückstauprinzip: Er leitet Wasser seitlich in die Tonne, solange deren Füllstand unter dem Abzweig liegt. Steht das Wasser in der Tonne so hoch wie der Anschluss, fließt der Zulauf von selbst wieder im Fallrohr nach unten. Die Tonne bekommt damit keinen eigenen Überlauf — sie braucht keinen.

Das ist der technische Unterschied zwischen einer Tonne und einer Zisterne. Bei einem Erdspeicher muss der Überlauf als eigenes Bauteil geplant werden, samt Rückstausicherung und Versickerungsfläche. Bei der Tonne erledigt das die Schwerkraft, solange der Sammler richtig sitzt. Wer stattdessen einen Schlauch aus dem Tonnendeckel ins Beet legt, hat eine Dauerfeuchtstelle an derselben Stelle des Grundstücks — meist nah am Sockel.

Die meisten Regensammler haben zusätzlich ein grobes Sieb und eine Winterstellung, die den seitlichen Abzweig verschließt. Beides ist kein Filter im Sinne der Regenwassertechnik: Für die Entnahme aus einem größeren Speicher übernimmt diese Aufgabe ein eigener Filter mit definierter Maschenweite.

Eine volle Tonne wiegt so viel wie vier Personen

Wasser wiegt ein Kilogramm je Liter. Ein gefüllter 300-Liter-Behälter bringt mit Eigengewicht rund 310 Kilogramm auf eine Standfläche von etwa 0,3 Quadratmetern — das entspricht knapp einer Tonne je Quadratmeter. Zum Vergleich: Für Balkone und Terrassen wird üblicherweise mit 400 Kilogramm je Quadratmeter Nutzlast gerechnet.

Praktisch ist weniger die Belastung das Problem als die Setzung. Steht die Tonne auf Rasen, auf lose verlegten Gehwegplatten oder auf einem Streifen Rindenmulch, sackt eine Seite nach wenigen Regenmonaten ab. Ein Behälter mit hohem Schwerpunkt kippt dann, und 300 Kilogramm in Bewegung reißen den Regensammler, den Schlauch und meist auch das Fallrohr mit. Tragfähig ist eine verdichtete Splittbettung mit einer durchgehenden Platte oder ein kleines Betonfundament; bei einem Standort auf gewachsenem, frostempfindlichem Boden gelten dieselben Überlegungen wie beim frostsicheren Unterbau anderer Außenbauteile.

Der zweite Grund für einen festen Stand ist kein statischer. Offene Wasserbehälter im Garten sind eine der häufigsten Gefahrenquellen für Kleinkinder, weil zum Ertrinken wenige Zentimeter Wassertiefe genügen und es lautlos geschieht. Ein Deckel, der nur aufliegt, ist keine Sicherung — er muss verschraubt, verriegelt oder so schwer sein, dass ein Kind ihn nicht verschiebt. Die übrigen Sicherungsmaßnahmen am Wasser im Garten folgen derselben Logik.

Zwischen zwei Regenfällen arbeitet die Biologie

Regenwasser verlässt die Wolke nahezu keimfrei. Was in der Tonne passiert, entscheiden drei Einträge: Licht, organisches Material und Wärme. Licht lässt Algen wachsen, weshalb ein lichtundurchlässiger Behälter an einem schattigen Platz deutlich länger klar bleibt als ein heller im Süden. Laub, Blütenstaub und Vogelkot sinken zu Boden und bilden dort eine faulende Schicht, die den Geruch erzeugt, den man mit stehendem Wasser verbindet.

Der dritte Punkt hat eine Frist. Stechmücken legen ihre Eier auf stehendes Wasser; bei rund 25 Grad dauert das Larvenstadium fünf bis zehn Tage, die gesamte Entwicklung bis zum flugfähigen Tier etwa drei Wochen. Regentonnen gehören deshalb zu den Brutstätten, die die Gesundheitsämter bei der Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke ausdrücklich benennen. Ein passgenauer Deckel ohne Spalt oder ein straff gespanntes, feinmaschiges Netz unterbricht diesen Zyklus vollständig — eine wöchentliche Entnahme im Sommer tut es ebenfalls, weil sie das Wasser bewegt und den Ansatz stört.

Für die Bewässerung selbst gibt das Umweltbundesamt Entwarnung: Die hygienische Qualität von Regenwasser ist nicht mit der von Trinkwasser vergleichbar, für den Garten aber unbedenklich. Eine Einschränkung bleibt, und sie ist konkret: Gießen Sie abgestandenes Regenwasser nicht über die roh verzehrte Blattmasse von Salat, Spinat oder Kräutern, sondern in den Wurzel- und Bodenbereich. Für Rhododendren, Hortensien und Geranien ist das kalkarme Wasser ohnehin die bessere Wahl als hartes Leitungswasser.

Kupfer- und Zinkdächer gehören nicht an die Tonne

Nicht jede Dachfläche eignet sich als Einzugsgebiet. Unbeschichtetes Kupfer- und Zinkblech gibt bei jedem Regen Metallverbindungen ab, die sich im Behälter anreichern und über das Gießwasser in den Boden gelangen; das Umweltbundesamt rät von der Sammlung solcher Flächen ab und verweist auf Aluminium oder Edelstahl als unproblematische Alternativen. Ebenfalls ungeeignet sind Bitumenbahnen, denen zum Wurzelschutz Herbizide wie Mecoprop oder MCPA zugesetzt wurden — diese Stoffe werden ausgewaschen und tauchen regelmäßig in Gewässeranalysen auf.

Ein begrüntes Dach liefert deutlich weniger Wasser als ein Ziegeldach, weil Substrat und Vegetation einen erheblichen Teil zurückhalten, und färbt das Ablaufwasser durch gelöste Huminstoffe bräunlich. Zum Gießen ist das unbedenklich, für Wäsche oder Toilette nicht ohne Weiteres geeignet.

Der Auslaufhahn reißt vor dem Behälter

Beim Gefrieren dehnt sich Wasser um etwa neun Prozent aus: Aus 100 Litern Wasser werden 109 Liter Eis. In einem oben offenen oder nur lose abgedeckten Behälter ist das zunächst harmlos, weil die Ausdehnung nach oben ausweichen kann. Kritisch sind die Stellen, an denen das Eis eingeschlossen ist — allen voran der Auslaufhahn. Er hat einen kleinen Querschnitt, sitzt tief, wird von allen Seiten von erstarrendem Wasser umgeben und hat keinen Ausweichraum. Deshalb ist er fast immer das erste Bauteil, das aufreißt, oft ohne dass man es vor dem ersten warmen Tag im März bemerkt.

Die Reihenfolge im Herbst ist deshalb: Regensammler auf Winterstellung drehen, damit kein Wasser mehr zuläuft; Behälter über den Hahn vollständig entleeren; Hahn danach offen stehen lassen oder ausbauen; Schlauchverbindungen trennen; den leeren Behälter gegen Wind sichern oder umgedreht abstellen. Der Hinweis eines Herstellers, das Material sei frostfest, bezieht sich auf die Kunststoffwand — nicht auf Armaturen, Verschraubungen und den Bodenauslauf.

Was der Gartenwasserzähler zusätzlich bringt

Trinkwasser kostet je nach Versorger meist zwischen 2,00 und 2,60 Euro je Kubikmeter, die Schmutzwassergebühr liegt in einer ähnlichen Größenordnung; zusammen ergeben sich verbrauchsabhängig grob 3,50 bis 5,00 Euro je Kubikmeter (Stand 2025, regional erhebliche Unterschiede). Was viele Eigentümer übersehen: Auch das Wasser, das im Beet versickert und den Kanal nie erreicht, wird über den Hauptzähler mit der Schmutzwassergebühr belastet, solange kein separater, bei der Kommune angemeldeter Gartenwasserzähler vorhanden ist. Dessen Anschaffung und Eichgebühren rechnen sich üblicherweise ab einem Gartenverbrauch von etwa sechs Kubikmetern im Jahr. Für den Zähler gilt dabei dieselbe Grenze wie für jede Eigengewinnung: Nach § 3 Absatz 2 AVBWasserV müssen Rückwirkungen auf das öffentliche Netz ausgeschlossen sein — eine Regentonne oder ihre Pumpe wird deshalb unter keinen Umständen mit der Trinkwasserinstallation verbunden, auch nicht über einen Schlauch mit Rückschlagventil.

Die Regentonne selbst liegt je nach Volumen, Material und Ausführung meist zwischen 30 und 250 Euro, der Regensammler bei 20 bis 50 Euro. Bei konsequenter Entnahme über eine Gartensaison ersetzt sie ohne Weiteres mehrere Kubikmeter Trinkwasser und ist damit nach ein bis zwei Jahren bezahlt. Das unterscheidet sie grundlegend von einer Regenwasseranlage für Toilette und Waschmaschine: Dort nennt das Umweltbundesamt Investitionen von 2.500 bis 5.000 Euro bei rund 160 bis 200 Euro jährlicher Ersparnis für einen Vier-Personen-Haushalt und Wartungskosten um 100 Euro — eine Amortisation jenseits von zehn Jahren.

Bevor Sie bestellen, legen Sie drei Dinge fest: welches Fallrohr angeschlossen wird und ob dessen Dachfläche aus geeignetem Material besteht; wie oft Sie realistisch entnehmen werden, denn daraus folgt die sinnvolle Größe; und worauf der Behälter steht. Wenn sich dabei herausstellt, dass Sie das Wasser schneller brauchen, als eine Tonne es vorhalten kann, ist die nächste Frage nicht „größere Tonne“, sondern der Vergleich zwischen Tonne und Zisterne nach tatsächlichem Bedarf. Und wer den Verbrauch zuerst senken will, kommt mit wassersparender Bewässerungstechnik oft weiter als mit zusätzlichem Speichervolumen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Umweltbundesamt — Tipps für eine nachhaltige Regenwassernutzung
  2. Deutscher Wetterdienst — Warnkriterien für Starkregen und Unwetter
  3. Gesundheitsämter Baden-Württemberg — Asiatische Tigermücke, Entwicklung und Brutstätten
  4. § 3 AVBWasserV — Bedarfsdeckung und Eigengewinnungsanlagen
  5. Umweltbundesamt — Wassernutzung privater Haushalte
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