USV für Router und Haustechnik: Das Gerät verbraucht mehr als die Last, die es schützt
Ein Router zieht 15 Watt, eine 900-VA-USV zieht im Leerlauf ähnlich viel. Wer die Überbrückungszeit ernst meint, rechnet mit Wattstunden statt mit Voltampere — und prüft die Kurvenform.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Voltampere-Angabe auf dem Karton ist keine Wattangabe: Bei Leistungsfaktor 0,6 trägt eine 900-VA-USV nur 540 Watt Wirkleistung.
- DIN EN 62040-3 unterscheidet drei Klassen — VFD, VI und VFI —, die sich in Umschaltzeit, Eigenverbrauch und Preis deutlich unterscheiden.
- Netzteile mit aktiver Leistungsfaktorkorrektur vertragen die treppenförmige Ausgangsspannung billiger Geräte oft nicht und schalten im Batteriebetrieb ab.
- Blei-Vlies-Akkus in USV-Geräten halten typischerweise drei bis fünf Jahre; hohe Umgebungstemperatur verkürzt diese Zeit deutlich.
- Selbst mit gepufferten Endgeräten endet der Festnetzzugang, wenn die Batterien im Straßenverteiler des Netzbetreibers leer sind — genaue Zeiten nennt die Telekom dafür nicht.
Fünfzehn Watt. So viel zieht ein handelsüblicher DSL- oder Glasfaser-Router im Betrieb, ein Medienkonverter und ein kleiner Switch kommen auf ähnliche Größenordnungen. Diese Last soll den Stromausfall überleben, damit Telefonie, Heizungssteuerung und Alarmanlage erreichbar bleiben.
Im Regal steht dafür ein Gerät mit „900 VA“ auf der Front, das mit seinen sechs Kilogramm eher nach Serverschrank aussieht. Beide Zahlen — die auf dem Router und die auf der USV — beschreiben dasselbe Problem, und keine davon sagt, wie lange es reicht.
Erst die Lastliste, dann das Gerät
Bevor eine Leistungsklasse Sinn ergibt, gehört aufgeschrieben, was überhaupt weiterlaufen soll. Typische Größenordnungen im Einfamilienhaus:
| Verbraucher | Dauerleistung |
|---|---|
| Router mit WLAN | 10 bis 20 Watt |
| Glasfaser-Modem oder Medienkonverter | 3 bis 8 Watt |
| Netzwerk-Switch, 8 Ports | 4 bis 10 Watt |
| Alarmzentrale mit Funkmodul | 5 bis 15 Watt |
| Heizungsregelung und Gateway | 5 bis 20 Watt |
| Gasbrennwertgerät mit Umwälzpumpe | 60 bis 140 Watt |
Die ersten fünf Zeilen ergeben zusammen selten mehr als 60 Watt. Erst das Heizgerät verändert die Größenordnung, und spätestens eine Wärmepumpe sprengt jede USV — dafür sind Ersatzstrom aus PV und Batteriespeicher oder ein Notstromaggregat am Wohnhaus die passenden Werkzeuge. Die USV ist das Gerät für die Kleinlast, die keine Sekunde Unterbrechung verträgt.
Voltampere ist nicht Watt
Die Frontangabe in VA ist die Scheinleistung. Wie viel Wirkleistung ein Gerät tatsächlich liefert, ergibt sich erst über den Leistungsfaktor, den das Datenblatt im Kleingedruckten nennt. Günstige USV-Geräte für den Hausgebrauch arbeiten oft mit 0,6, hochwertige mit 0,9 bis 1,0.
Aus 900 VA werden damit je nach Bauart 540 oder 810 Watt. Für eine 60-Watt-Last ist beides reichlich — und genau darin liegt die Falle: Ein überdimensioniertes Gerät hat einen Wechselrichter, der auch im Leerlauf gekühlt, getaktet und beleuchtet werden will. Der Eigenverbrauch einer großen USV liegt schnell im Bereich dessen, was der Router zieht. Über das Jahr bezahlen Sie die Bereitschaft doppelt.
Drei Klassen, definiert in DIN EN 62040-3
Die Produktnorm unterscheidet USV-Geräte nach dem Verhalten des Ausgangs gegenüber dem Netz:
- VFD (Offline, Standby): Der Verbraucher hängt im Normalbetrieb direkt am Netz. Fällt es aus, schaltet ein Relais auf den Wechselrichter um — mit einer kurzen Unterbrechung im Millisekundenbereich. Schützt gegen Ausfall und grobe Störungen, nicht gegen Spannungsschwankungen.
- VI (Line-interaktiv): Zusätzlich korrigiert ein Stelltransformator zu hohe und zu niedrige Netzspannung, ohne den Akku zu belasten. Für Netze mit schwankender Spannung — etwa am Ende einer langen Stichleitung — ist das der praktische Unterschied.
- VFI (Online, Doppelwandler): Die Spannung wird dauerhaft gleichgerichtet und neu erzeugt. Es gibt keine Umschaltzeit, Frequenz und Kurvenform sind unabhängig vom Netz. Dafür läuft der Wechselrichter permanent, mit entsprechendem Verlust und Lüftergeräusch.
Für Router und Steuerungen ist VI in aller Regel die richtige Klasse. VFI lohnt sich, wenn empfindliche Messtechnik, medizinische Geräte oder eine sehr unruhige Netzqualität im Spiel sind — nicht, weil es teurer ist.
Die Kurvenform entscheidet, ob es überhaupt funktioniert
Im Batteriebetrieb erzeugt die USV ihre Ausgangsspannung selbst. Preiswerte Geräte geben dabei keine echte Sinuskurve aus, sondern eine treppenförmige Annäherung. Für einen Heizlüfter ist das gleichgültig, für moderne Schaltnetzteile nicht.
Netzteile mit aktiver Leistungsfaktorkorrektur — heute bei PCs, NAS-Geräten und vielen Steuerungen der Standard — versuchen, dieser Treppe zu folgen. Je nach Gerätekombination werten sie die Spannung als zu niedrig und schalten ab, oder ihre Korrekturversuche belasten die USV im Umschaltmoment so stark, dass diese in den Fehler geht. Der Effekt zeigt sich nicht beim Kauf, sondern beim ersten echten Stromausfall.
Die Konsequenz ist einfach: Wenn ein Gerät mit Aktiv-PFC-Netzteil versorgt werden soll, gehört „reine Sinusspannung“ ins Pflichtenheft. Bei einer 15-Watt-Last aus einem simplen Steckernetzteil ist das entbehrlich.
Was die Laufzeit wirklich hergibt
Rechnen wir eine typische Konstellation durch. Eine USV der 900-VA-Klasse enthält meist zwei Blei-Vlies-Akkus mit 12 Volt und 9 Amperestunden, in Reihe also 24 Volt:
- Bruttoenergie: 24 Volt × 9 Amperestunden = 216 Wattstunden
- Nutzbar bis zur Entladeschlussspannung, ohne die Zellen zu ruinieren: rund 60 Prozent = 130 Wattstunden
- Wirkungsgrad des Wechselrichters: etwa 85 Prozent = 110 Wattstunden am Ausgang
- Last aus Router, Modem, Switch und Alarmzentrale: 40 Watt
Ergebnis: knapp zweieinhalb Stunden. Kommt die Heizungsregelung samt Brennwertgerät dazu, sind es bei 150 Watt noch etwa 45 Minuten. Ein bewusst kleiner gewähltes Gerät mit demselben Akkusatz, aber niedrigerem Eigenverbrauch, hält die Kleinlast länger — die Kapazität steckt im Akku, nicht in der Leistungsangabe.
Wer mehr will, kauft keine größere USV, sondern ein Modell mit Anschluss für externe Akkupacks. Das ist der einzige Weg, bei dem die Laufzeit linear mit dem Geld wächst.
Der Akku ist ein Verschleißteil mit Ablaufdatum
Die Blei-Vlies-Akkus in USV-Geräten halten unter üblichen Bedingungen drei bis fünf Jahre. Sie altern durch Erhaltungsladung, nicht durch Nutzung — ein Gerät, das nie einspringen musste, ist nach sechs Jahren trotzdem leer. Hohe Umgebungstemperatur beschleunigt das erheblich; ein USV-Gerät im geschlossenen Schrank neben dem Wechselrichter steht am falschen Platz.
Der eingebaute Selbsttest prüft die Spannung unter kurzer Last und meldet lange nichts. Verlässlicher ist ein eigener Termin: einmal im Jahr Netzstecker ziehen und mit der Stoppuhr messen, wie lange die reale Last durchhält. Fällt die Zeit unter die Hälfte des Ausgangswerts, ist der Satz fällig. Ersatzakkus kosten je nach Baugröße etwa 30 bis 80 Euro und sind bei den meisten Geräten ohne Werkzeug zugänglich. Modelle mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen sind in der Anschaffung deutlich teurer, halten aber ein Mehrfaches an Jahren und Zyklen.
Nicht jede Buchse ist gepuffert
Auf der Rückseite vieler Geräte sitzen zwei Gruppen von Steckdosen, die sich äußerlich nicht unterscheiden. Nur die eine Gruppe liegt am Akku; die andere ist ausschließlich überspannungsgefiltert und im Stromausfall tot. Wer den Router in die falsche Reihe steckt, merkt es erst, wenn es darauf ankommt. Die Buchsen sind beschriftet, oft aber nur geprägt und nicht farblich abgesetzt — ein Aufkleber am Kabel hilft mehr als der Blick ins Handbuch zwei Jahre später.
Ein zweiter Punkt, der im Wohnhaus gern übergangen wird: Die USV sollte dem Haus mitteilen können, dass sie auf Akku läuft. Fast alle Geräte haben dafür einen USB- oder seriellen Anschluss, den ein angeschlossenes NAS, ein Kleinserver oder ein Smart-Home-Controller auswertet. Damit lässt sich zweierlei erreichen — ein geordnetes Herunterfahren, bevor der Akku leer ist, und eine Benachrichtigung aufs Mobiltelefon, solange der Router noch läuft. Ohne diese Verbindung fährt ein Dateiserver bei leerem Akku hart herunter, und genau dann entsteht der Datenschaden, den die USV verhindern sollte.
Bei einer Alarmanlage ist die Reihenfolge umgekehrt zu bedenken: Zertifizierte Zentralen haben nach ihren Anforderungen ohnehin eine eigene Notstromversorgung an Bord. Eine vorgeschaltete USV verlängert dann die Laufzeit des Übertragungswegs — also von Router und Modem —, nicht die der Zentrale selbst. Was die Zentrale ihrerseits leisten muss, steht im Beitrag zur Alarmanlage im Eigenheim.
Wogegen eine USV nicht hilft
Zwei Erwartungen enttäuscht sie regelmäßig. Erstens ist sie kein Blitzschutz. Die eingebauten Filter fangen Schaltspitzen ab, aber kein Ableiter in einem Kunststoffgehäuse ersetzt den mehrstufigen Überspannungsschutz im Zählerschrank. Was nach einem Gewitter tatsächlich auf der Leitung ankommt, beschreibt der Beitrag zur Überspannung nach Gewitter.
Zweitens rettet sie den Internetzugang nur bis zur Grundstücksgrenze. Bei einem großflächigen Stromausfall hängt der Anschluss an der Technik im Straßenverteiler und in der Vermittlungsstelle. Die Telekom bestätigt Batteriepufferung an dezentralen Standorten, nennt für die grauen Kästen am Straßenrand aber keine Zeiten. Für den Notruf bleibt deshalb das Mobiltelefon die realistischere Rückfallebene — dessen Basisstationen halten laut Betreiberangaben ebenfalls nur einige Stunden.
Der sinnvolle erste Schritt ist damit unspektakulär: Messen Sie mit einem Zwischenstecker nach, was Router, Modem und Steuerung zusammen ziehen. Diese eine Zahl entscheidet über Gerätegröße, Akkuausbau und Preis — und sie ist fast immer kleiner, als der Verkaufsprospekt nahelegt.
Quellen und weiterführende Informationen
- ChannelPartner — USV-Klassifizierung nach IEC 62040-3
- Thomas-Krenn — USV-Produktnorm IEC 62040-3 (PDF)
- teltarif.de — Wie lange halten Telekom-Stationen bei Katastrophen durch?
- Elektronik-Kompendium — Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)
- Allround-PC — USV mit reiner Sinusspannung und Aktiv-PFC-Netzteilen im Test
- Verivox — Internetausfall bei Blackout: So sorgen Sie vor

















