Notfallplan für elektrische Haustechnik: Im Notfall handeln, einordnen, planen und Schutzmaßnahmen vergleichen

Eine Maßnahmenmatrix mit Mindestanforderungen. Im Mittelpunkt: alternative Schutzmaßnahmen, Wirksamkeit, Fehlalarm- oder Ausfallrisiko, Bedienbarkeit. Dazu kommen im Notfall handeln, einordnen, planen und kontrollieren.

Geöffneter Zählerschrank mit Stromzähler und Sicherungsautomaten
Geöffneter Zählerschrank mit Stromzähler und SicherungsautomatenFoto: Сизарев Евгений / Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Alarmierung, Evakuierung oder Bereichssicherung, Abschalten nur wenn gefahrlos.
  • Ein eigener Abschnitt beantwortet, welches Risiko in welcher Situation besteht.
  • Der Beitrag liefert einen Schutzplan mit Prioritäten und Verantwortlichkeiten.
  • Alternative Schutzmaßnahmen, Wirksamkeit, Fehlalarm- oder Ausfallrisiko.
  • Ein eigener Abschnitt prüft den vorhandenen Schutz und leitet keinen gefährlichen Eingriff an.

Dieser Ratgeber führt zusammen, was bei Notfallplan für elektrische Haustechnik nacheinander ansteht: Im Notfall handeln, einordnen, planen, Schutzmaßnahmen vergleichen und kontrollieren.

Im Notfall handeln

Die ersten drei Minuten entscheiden über den Rest

Im Ereignisfall gibt es keine Zeit für eine Analyse. Deshalb beginnt jeder brauchbare Ablauf mit einer einzigen Weichenstellung: Handelt es sich um einen reinen Ausfall der Versorgung oder um einen Fehler in der Anlage?

Das Unterscheidungsmerkmal ist einfach und in Sekunden feststellbar. Riecht, raucht, knistert oder wärmt etwas? Ist irgendwo ein Lichtbogen oder eine Verfärbung zu sehen? Dann liegt ein Fehler vor, und es gilt der Ablauf für die Gefahrensituation. Ist es nur dunkel und still, liegt ein Ausfall vor, und es gilt der Ablauf für die Versorgungsunterbrechung.

Diese Weiche steht am Anfang, weil die beiden Abläufe gegenläufig sind. Beim Fehler bringen Sie zuerst Menschen aus dem Bereich und rufen Hilfe. Beim Ausfall verschaffen Sie sich zuerst Licht und einen Überblick.

Ablauf bei Gefahr in der Anlage

Schritt eins: Personen aus dem betroffenen Bereich bringen und die Tür schließen. Bei Rauchentwicklung gilt das für die gesamte Etage.

Schritt zwei: Notruf 112. Nennen Sie ausdrücklich, dass es sich um ein elektrisches Ereignis handelt, und wo sich Zählerschrank und Hausanschluss befinden. Diese Angabe verkürzt den Einsatz erheblich.

Schritt drei: Abschalten nur dann, wenn es gefahrlos möglich ist. Gefahrlos bedeutet: Der Schalter ist erreichbar, ohne den gefährdeten Bereich zu betreten, es steht kein Wasser, es sind keine sichtbaren Beschädigungen an der Verteilung, und es ist kein Rauch im Raum. Trifft auch nur eine dieser Bedingungen nicht zu, wird nicht geschaltet. Die Feuerwehr kann die Anlage spannungsfrei setzen; ein Bewohner, der in einen verrauchten Raum zurückgeht, um einen Hauptschalter zu erreichen, gefährdet sich ohne Nutzen.

Schritt vier: Nicht mit Wasser löschen. Wenn ein geeigneter Feuerlöscher vorhanden ist und der Entstehungsbrand klein und der Fluchtweg frei ist, kann ein Löschversuch aus sicherer Entfernung sinnvoll sein. Feuerlöscher für den Einsatz an elektrischen Anlagen tragen dafür eine Angabe zur Prüfspannung und zum einzuhaltenden Mindestabstand, üblicherweise ein Meter bis 1000 Volt. Bleiben Sie im Zweifel draußen.

Schritt fünf: Nach dem Einsatz wird nichts wieder zugeschaltet, bevor eine Elektrofachkraft die Anlage geprüft hat. Auch dann nicht, wenn nur ein Schutzorgan gefallen ist und der Rest unbeschädigt aussieht.

Ablauf bei Ausfall der Versorgung

Schritt eins: Licht. Greifen Sie zu der Leuchte am festgelegten Platz, nicht zur Kerze. Offenes Feuer in einer unübersichtlichen Lage ist eine zusätzliche Gefahrenquelle.

Schritt zwei: Reichweite feststellen. Ist nur ein Stromkreis betroffen, ein Gebäudeteil oder die Umgebung? Ein Blick zu den Nachbarn und auf die Straßenbeleuchtung beantwortet das schneller als jeder Verteilerbesuch. Ist nur Ihr Gebäude betroffen, prüfen Sie im Verteiler, ob ein Schutzorgan ausgelöst hat. Ist die Umgebung ebenfalls dunkel, liegt eine Netzstörung vor, und Sie melden sie beim Störungsdienst des Netzbetreibers.

Schritt drei: Personen zählen. Ist jemand im Aufzug? Ist jemand auf technische Hilfsmittel angewiesen? Ist jemand allein in einem oberen Geschoss? Diese Frage kommt vor jeder technischen Handlung, weil sie den Notruf auslösen kann.

Schritt vier: Große Verbraucher abschalten. Herd, Backofen, Ladeeinrichtung, Wärmepumpe, Bügeleisen und Heizlüfter werden ausgeschaltet oder vom Netz genommen. Grund ist die Wiederkehr der Spannung: Wenn alle Verbraucher gleichzeitig anlaufen, entsteht eine Belastungsspitze, und ein unbeaufsichtigtes Heizgerät kann in einem inzwischen veränderten Raum brennen.

Schritt fünf: Substanz sichern. Bei Frostlage die Räume zusammenlegen und die Innentemperatur beobachten. Bei stillstehender Abwasserhebeanlage den Wasserverbrauch im Haus einstellen, damit nichts nachläuft, das nicht abgeführt werden kann.

Schritt sechs: Kommunikation sparen. Mobilgeräte in den Energiesparbetrieb, ein Gerät als aktives Kommunikationsmittel bestimmen, die übrigen ausschalten. Für das Lagebild nutzen Sie ein batteriebetriebenes Radio; das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt es in seiner Bürgerinformation zum Stromausfall genau deshalb, weil Mobilfunk und Internet nach einiger Zeit ebenfalls ausfallen.

Stoppschilder im Ablauf

Situation Stoppschild Begründung Richtige Handlung
Wasser im Bereich elektrischer Betriebsmittel nicht betreten, nicht schalten Stromweg über den Boden möglich Bereich absperren, Notruf, Netzbetreiber
Rauch oder Brandgeruch im Raum mit dem Verteiler nicht zum Hauptschalter gehen Rauchgasvergiftung binnen weniger Atemzüge Bereich verlassen, Tür schließen, Notruf
Schutzorgan ausgelöst, Ursache unbekannt nicht mehrfach zuschalten wiederholtes Zuschalten auf einen Fehler erzeugt Brandgefahr Verbraucher trennen, einmal versuchen, sonst Fachkraft
Person im Aufzug Tür nicht aufhebeln Absturzgefahr im Schacht Notruf, Sprechkontakt halten, Aufzugnotdienst
Stromerzeuger vorhanden nicht in Garage oder Keller betreiben Kohlenmonoxid ist geruchlos und tödlich Aufstellung im Freien, Abstand zu Öffnungen
Einspeisung improvisieren keine beidseitig bestückte Leitung verwenden Lebensgefahr für Personen am Netz nur geprüfte Umschalteinrichtung nutzen
Beschädigte Leitung oder freiliegender Leiter nicht berühren, nicht abdecken Berührungsspannung möglich Bereich sichern, Fachkraft oder Feuerwehr
Hausanschlusskasten, plombierter Bereich nicht öffnen Verantwortungsbereich des Netzbetreibers Störungsdienst anrufen
Photovoltaikanlage im Ereignisfall Gleichstromseite bleibt bei Tageslicht spannungsführend Abschalten des Wechselrichters genügt nicht Feuerwehr informieren, Freischaltkonzept bereithalten
Rückkehr der Spannung nicht alles gleichzeitig einschalten Belastungsspitze und unbeaufsichtigte Geräte gestuft zuschalten, Geräte kontrollieren

Wiederkehr der Spannung: der unterschätzte Moment

Der Ausfall endet nicht mit dem Licht, sondern mit einer geordneten Rückkehr. Gehen Sie gestuft vor. Zuerst kontrollieren Sie, ob die Verteilung unauffällig ist. Dann schalten Sie Beleuchtung und kleine Verbraucher zu. Danach folgen Kühl- und Gefriergeräte, danach die Wärmeversorgung, zuletzt die großen Verbraucher wie Ladeeinrichtung und Wärmepumpe. Zwischen den Stufen liegt jeweils eine kurze Beobachtungspause.

Kontrollieren Sie anschließend die Anlagen, die eigenständig neu starten: Heizungsregelung mit Uhrzeit und Programm, Wechselrichter, Hebeanlage, Alarmtechnik, Türsprechanlage, Netzwerktechnik. Lesen Sie die Fehlerspeicher aus, solange die Ereignisse noch darin stehen; viele Geräte überschreiben ihre Einträge innerhalb weniger Tage.

Prüfen Sie zuletzt die Statusanzeigen der Überspannungs-Schutzeinrichtungen. Ein Modul, das während des Ereignisses angesprochen und sich thermisch abgetrennt hat, wird sonst monatelang nicht bemerkt.

Nachbereitung und die Grenze zur Fachkraft

Halten Sie unmittelbar nach dem Ereignis fest: Zeitpunkt und Dauer, welche Bereiche betroffen waren, welche Schutzorgane ausgelöst haben, welche Geräte danach nicht mehr funktionierten, und was am Ablauf nicht geklappt hat. Der letzte Punkt ist der wertvollste, weil er in die nächste Fassung des Plans einfließt. Fast immer zeigt sich dasselbe Muster: Eine Leuchte lag nicht an ihrem Platz, eine Nummer war veraltet, oder niemand wusste, wo die Notentriegelung des Tores sitzt.

Die Grenze zur Fachkraft verläuft unverändert an der Verteilerabdeckung. Jede Prüfung der Anlage nach einem Ereignis, jede Messung und jede Instandsetzung sind nach DIN VDE 0105-100 Arbeiten an der elektrischen Anlage. Beauftragen Sie diese Prüfung immer dann, wenn ein Schutzorgan ohne erklärbaren Verursacher ausgelöst hat, wenn Betriebsmittel Wärme oder Geruch entwickelt haben, wenn Wasser im Spiel war oder wenn die Feuerwehr im Einsatz war. Bis dahin bleibt der betroffene Bereich abgeschaltet.

Einordnen

Was in einem Haus zuerst ausfällt, wenn der Strom weg ist

Der Ausfall der Stromversorgung ist im Wohngebäude selten ein einzelnes Ereignis, sondern eine Kette. Sie beginnt an Stellen, die im Alltag unsichtbar sind, und wird erst nach Stunden spürbar. Wer den Notfallplan einordnen will, muss diese Kette kennen, denn sie bestimmt, welches Risiko wann eintritt.

In der ersten Minute fallen Beleuchtung, Netzwerktechnik, elektrische Türöffner und motorisch betriebene Tore aus. In den ersten Stunden folgt die Wärmeversorgung: Auch eine Gas- oder Ölheizung braucht Strom für Regelung, Brenner und Umwälzpumpe und steht ohne Netz still. Eine Wärmepumpe ebenso. Danach betrifft es die Wasserführung: Druckerhöhungsanlagen in höheren Gebäuden, Hebeanlagen für Abwasser aus Kellergeschossen und Pumpen in Nassbereichen arbeiten nicht mehr. Nach mehreren Stunden verlieren Kühl- und Gefriergeräte ihre Reserve, batteriegepufferte Alarm- und Kommunikationstechnik geht in den Notbetrieb und schließlich aus, und Mobilfunkstandorte fallen nach Erschöpfung ihrer Notstromversorgung ebenfalls aus.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe stellt für diese Lage Vorsorgeempfehlungen bereit, die bewusst auf Selbsthilfefähigkeit über mehrere Tage abzielen: unter anderem ein Getränkevorrat von etwa zwei Litern je Person und Tag sowie ein Lebensmittelvorrat, der ohne Kühlung und ohne Zubereitung auf einem Elektroherd auskommt. Die Empfehlung ist keine technische Anforderung an das Gebäude, aber sie beschreibt den Zeithorizont, für den ein Plan tragen sollte.

Zwei Gefahrenarten, die getrennt betrachtet werden müssen

Der Notfallplan für elektrische Haustechnik deckt zwei sehr verschiedene Situationen ab, die im Sprachgebrauch oft vermischt werden.

Die erste ist der Ausfall: Die Anlage ist unbeschädigt, aber ohne Energie. Hier entstehen Risiken durch Folgeausfälle, also durch Kälte, durch nicht abgeführtes Wasser, durch verdorbene Lebensmittel, durch fehlende Kommunikation und durch Personen, die auf technische Hilfsmittel angewiesen sind. Ein Aufzug, in dem jemand steckt, gehört ebenfalls hierher.

Die zweite ist der Fehler in der Anlage selbst: Ein Kurzschluss, ein Isolationsfehler, eine überhitzte Klemmstelle, ein Kabelbrand. Hier entstehen Risiken durch Feuer, durch Brandrauch und durch elektrischen Schlag. Die Gegenmaßnahmen sind vollständig andere, und die Reihenfolge des Handelns ist umgekehrt: Beim Ausfall verschaffen Sie sich Zeit, beim Fehler verschaffen Sie sich Abstand.

Besonders tückisch ist die Kombination. Nach einem Netzausfall mit Wiederkehr der Spannung schalten sich viele Verbraucher gleichzeitig ein. Ein Gerät, das durch den Vorfall vorgeschädigt wurde, fällt genau in diesem Moment aus, und dann liegt ein Fehler in einer Situation vor, in der die Aufmerksamkeit bereits erschöpft ist.

Risikomatrix mit Dringlichkeitsstufen

Situation Betroffene Personen oder Bereiche Zeit bis zur Wirkung Dringlichkeitsstufe Erste richtige Reaktion
Person im Aufzug eingeschlossen eingeschlossene Person sofort höchste Stufe Notruf 112, Sprechkontakt halten, Tür nicht aufhebeln
Ausfall bei Nutzung medizinischer Geräte pflegebedürftige Bewohner Minuten höchste Stufe vorbereitete Ersatzversorgung nutzen, Rettungsdienst informieren
Brandgeruch, Rauch oder sichtbarer Lichtbogen im Verteiler gesamtes Gebäude sofort höchste Stufe Bereich verlassen, Notruf, nicht mit Wasser löschen
Warme oder verfärbte Steckdose, Geruch nach heißem Kunststoff betroffener Raum Minuten bis Stunden hoch Stromkreis abschalten, Elektrofachkraft, nicht wieder zuschalten
Ausfall der Abwasserhebeanlage im Keller Kellergeschoss, Bausubstanz Stunden hoch Wasserverbrauch im Haus einstellen, Fachbetrieb informieren
Ausfall der Heizung bei Frostlage gesamtes Gebäude, Leitungen Stunden bis ein Tag hoch Räume zusammenlegen, Wasserleitungen beobachten
Wiederholte Auslösung eines Fehlerstromschutzschalters betroffene Stromkreise sofort erkennbar hoch Verbraucher trennen, bei Wiederholung Fachkraft
Ausfall von Kühl- und Gefriergeräten Haushalt mehrere Stunden mittel Türen geschlossen halten, Inhalt nach Wiederkehr bewerten
Ausfall von Telefonie und Internet Erreichbarkeit sofort mittel batteriebetriebenes Radio, Mobilgerät sparsam nutzen
Torantrieb ohne Funktion, Fahrzeug eingeschlossen Mobilität sofort mittel Notentriegelung nutzen, Zugang vorher kennen
Ausfall der Beleuchtung in Treppenhaus und Keller alle Bewohner sofort mittel netzunabhängige Leuchten an festen Plätzen
Rückkehr der Spannung nach längerem Ausfall gesamte Anlage Sekunden mittel große Verbraucher vorher abschalten, gestuft zuschalten
Ausfall der Türsprechanlage und des elektrischen Türöffners Zugang, Rettungskräfte sofort niedrig bis mittel mechanischen Schlüsselzugang sicherstellen
Ausfall der Lüftungsanlage Innenräume ohne Fenster Stunden niedrig Fensterlüftung, Feuchteräume beobachten

Die Stufen beschreiben die Dringlichkeit der Reaktion, nicht die Eintrittswahrscheinlichkeit. Ein Ereignis der höchsten Stufe verlangt sofortiges Handeln, auch wenn es selten ist; ein Ereignis der mittleren Stufe verträgt eine geordnete Reaktion in der richtigen Reihenfolge.

Frühe Warnzeichen, die einem Ereignis vorausgehen

Nicht jeder Ausfall kommt ohne Ankündigung. Vier Beobachtungen sind ernst zu nehmen, weil sie einem Fehler in der Anlage regelmäßig vorausgehen.

Erstens Schutzeinrichtungen, die ohne erkennbaren Anlass auslösen und sich beim ersten Wiedereinschalten wieder fangen. Der Fehler ist damit nicht weg, er ist nur nicht dauerhaft. Zweitens flackernde Beleuchtung oder Helligkeitsschwankungen beim Zuschalten großer Verbraucher; das kann auf lose Klemmstellen oder einen unzureichenden Leitungsquerschnitt hindeuten. Drittens Wärme an Schaltern, Steckdosen und Verteilerabdeckungen; elektrische Betriebsmittel dürfen sich im normalen Betrieb nicht auffällig erwärmen. Viertens ein Geruch nach heißem Kunststoff, der wieder verschwindet, aber wiederkehrt.

Diese Zeichen sind kein Notfall, sondern eine Vorwarnung mit einer klaren Frist: Sie gehören zeitnah zur Elektrofachkraft, bevor daraus ein Ereignis der höchsten Dringlichkeitsstufe wird.

Wer besonders betroffen ist

Ein Notfallplan wird brauchbar, wenn er Personen zuordnet und nicht nur Technik. Drei Gruppen brauchen eine eigene Betrachtung.

Personen, die auf technische Hilfsmittel angewiesen sind, etwa auf Sauerstoffkonzentratoren, Beatmungsgeräte oder einen Treppenlift, haben eine sehr kurze Toleranzzeit. Für sie ist im Vorfeld zu klären, welche Ersatzversorgung besteht und wie lange sie trägt. Personen mit eingeschränkter Mobilität sind bei ausgefallenem Aufzug in oberen Geschossen faktisch eingeschlossen; das betrifft Versorgung und Fluchtwege gleichermaßen. Und Kinder oder ortsunkundige Gäste brauchen jemanden, der sie führt, weil ein dunkles Treppenhaus mit ungewohnter Orientierung ein reales Sturzrisiko darstellt.

Halten Sie außerdem fest, wer im Gebäude überhaupt anwesend sein kann. In einem Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung ist die Antwort eine andere als bei einer nur zeitweise genutzten Immobilie.

Wo Ihre eigene Beurteilung endet

Sie können erkennen, dass etwas warm ist, riecht, flackert oder ausgelöst hat. Sie können Betroffenheiten benennen, Zeitpunkte notieren und Prioritäten setzen. Sie können Schutzorgane von außen bedienen, also einen Leitungsschutzschalter wieder einschalten oder die Prüftaste eines Fehlerstromschutzschalters betätigen; das ist bestimmungsgemäße Bedienung.

Sie können nicht beurteilen, ob ein Auslöseverhalten von einem Isolationsfehler, einem defekten Verbraucher oder einer Störung im Netz herrührt, ob eine Klemmstelle bereits geschädigt ist oder ob die Schutzmaßnahmen der Anlage im Fehlerfall noch wirksam abschalten. Jede Antwort darauf setzt Messungen an der Anlage voraus, und diese sind nach DIN VDE 0105-100 Arbeiten an der elektrischen Anlage, die einer Elektrofachkraft vorbehalten sind. Dasselbe gilt für alles im plombierten Bereich vor dem Zähler; dort ist auch nicht jede Elektrofachkraft zuständig, sondern nur ein beim Netzbetreiber eingetragenes Installationsunternehmen.

Eine letzte Grenze betrifft die Selbsthilfe im Ausfall: Der Betrieb eines Stromerzeugers, der Anschluss von Ersatzstromquellen an die Hausinstallation und jede Einspeisung in vorhandene Stromkreise sind keine Sofortmaßnahmen, sondern Anlagentechnik, die vorher geplant, errichtet und geprüft sein muss.

Planen

Der Plan beginnt mit einer Liste, nicht mit einem Gerät

Der häufigste Fehler bei der Vorsorge besteht darin, mit der Anschaffung zu beginnen. Ein Stromerzeuger im Schuppen ersetzt keinen Plan, und eine Powerstation im Regal löst kein Problem, das niemand benannt hat. Beginnen Sie stattdessen mit einer Liste der Funktionen, die im Ausfall aufrechterhalten werden sollen, und zwar in einer Rangfolge.

Ganz oben stehen Funktionen, deren Ausfall Personen gefährdet: medizinische Geräte, Treppenlift, Beleuchtung von Flucht- und Treppenwegen, Kommunikationsfähigkeit für einen Notruf. Darunter folgen Funktionen, deren Ausfall Substanzschäden erzeugt: Abwasserhebeanlage, Sumpfpumpe, Frostschutz für Leitungen, Trocknung in Feuchtbereichen. Erst danach kommen Komfort- und Versorgungsfunktionen: Kühlung von Lebensmitteln, Warmwasser, Internetzugang, Ladeinfrastruktur.

Diese Rangfolge entscheidet über alles Weitere, denn sie bestimmt, welche Leistung, welche Überbrückungsdauer und welche Anschlussart überhaupt gebraucht werden. Eine Hebeanlage braucht kurzzeitig eine erhebliche Anlaufleistung, ein Sauerstoffkonzentrator eine kleine Leistung über viele Stunden. Beides mit demselben Gerät abdecken zu wollen, führt zu einer Lösung, die für beides schlecht passt.

Bauliche und organisatorische Vorbereitung vor der Technik

Drei Vorbereitungen sind unabhängig von jeder Anschaffung wirksam.

Die erste betrifft die Zugänglichkeit. Zählerschrank, Unterverteilungen, Hauptabsperrungen für Wasser und Gas und die Notentriegelungen von Toren und Aufzügen müssen ohne Umräumen erreichbar sein, auch im Dunkeln. Ein Verteiler hinter einem Schrank ist im Ereignisfall nicht vorhanden. Halten Sie an jedem dieser Punkte eine netzunabhängige Leuchte bereit, nicht in einer zentralen Schublade.

Die zweite betrifft die Beschriftung. Jeder Stromkreis im Verteiler sollte eindeutig bezeichnet sein, und zwar so, dass eine ortsfremde Person damit arbeiten kann. Ergänzen Sie eine laminierte Übersicht an der Innenseite der Verteilertür: welcher Schalter versorgt was, wo liegen die Absperrungen, wo die Notentriegelungen.

Die dritte betrifft die Kommunikation. Notieren Sie auf einem Blatt, das ohne Strom lesbar ist: die Störungsnummer des Netzbetreibers, den Elektrofachbetrieb, den Heizungs- und den Sanitärnotdienst, die Aufzugnotrufzentrale, den Verwalter sowie Kontakte zu Nachbarn, die im Ereignisfall helfen können. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt in seiner Bürgerinformation zum Stromausfall ausdrücklich ein netzunabhängiges Radio mit Batterien, weil im großflächigen Ausfall auch Mobilfunk und Internet nach einiger Zeit nicht mehr verfügbar sind.

Wenn eine Ersatzstromquelle eingebunden werden soll

Sobald eine Ersatzstromquelle nicht nur ein einzelnes Gerät über eine Verlängerung versorgen, sondern in die Hausinstallation einspeisen soll, verlässt der Plan den Bereich der Selbsthilfe und wird zur Anlagentechnik. DIN VDE 0100-551 Beiblatt 1 behandelt genau diesen Fall für mobile Stromerzeugungseinrichtungen und benennt die kritischen Punkte.

Erstens muss eine Rückspeisung in das Versorgungsnetz sicher ausgeschlossen sein. Das setzt eine Umschalteinrichtung voraus, die zwischen Netz und Ersatzstromquelle umschaltet und dabei eine gleichzeitige Verbindung konstruktiv verhindert. Improvisierte Lösungen über eine beidseitig mit Steckern versehene Leitung sind lebensgefährlich für Personen, die am Netz arbeiten, und in jeder Hinsicht unzulässig.

Zweitens muss der Neutralleiter in der Umschaltung mitgeführt werden, damit im Ersatzbetrieb keine unzulässigen Verhältnisse mit doppelter Erdung entstehen. Drittens, und das ist der am häufigsten übersehene Punkt: Viele mobile Stromerzeuger sind ab Werk ohne Erdbezug ausgeführt und damit für die Versorgung eines einzelnen Verbrauchers über eine Leitung gedacht. In dieser Betriebsart wirken Fehlerstromschutzschalter in der Hausinstallation nicht wie gewohnt, weil der erste Fehler keinen Fehlerstrom zur Erde treibt. Für die Einspeisung in eine Gebäudeinstallation muss die Quelle deshalb so betrieben werden, dass die vorhandenen Schutzmaßnahmen wirksam bleiben; das verlangt eine planerische Entscheidung und eine Prüfung, keine Improvisation am Ereignistag.

Viertens gehört zur Ersatzstromversorgung immer der Aufstellort. Verbrennungsmotoren dürfen niemals in geschlossenen Räumen, in Garagen oder in Kellern betrieben werden. Kohlenmonoxid ist geruchlos, und die tödliche Konzentration wird schneller erreicht, als es die Erfahrung nahelegt.

Schutzplan mit Prioritäten und Verantwortlichkeiten

Maßnahme Priorität Verantwortlich Voraussetzung Nachweis, dass sie wirkt
Funktionsliste mit Rangfolge erstellen vor allem anderen Eigentümer Kenntnis der Bewohner und Nutzungen schriftliche Liste mit Leistung und Dauer je Funktion
Netzunabhängige Beleuchtung an festen Plätzen hoch Eigentümer feste Ablageorte, geprüfte Batterien halbjährlicher Funktionstest, dokumentiert
Zugänglichkeit von Verteiler und Absperrungen hoch Eigentümer keine Möbel oder Lagerung davor Sichtkontrolle mit Datum
Beschriftung der Stromkreise und Übersichtsplan hoch Elektrofachkraft, Pflege durch Eigentümer aktuelle Stromkreisliste Plan an der Verteilertür, mit Aktualisierungsdatum
Notfallkontaktliste ohne Strom lesbar hoch Eigentümer Ausdruck an bekanntem Ort jährliche Kontrolle der Nummern
Versorgung für Personen mit medizinischem Bedarf höchste Eigentümer mit behandelndem Arzt Kenntnis der Gerätelaufzeit im Akkubetrieb dokumentierte Überbrückungsdauer
Sicherung von Kellergeschossen gegen Rückstau hoch Eigentümer, Ausführung Fachbetrieb Prüfung der Entwässerungssituation Funktionsprüfung der Rückstausicherung
Umschalteinrichtung für Ersatzstrom mittel bis hoch Elektrofachbetrieb Planung nach DIN VDE 0100-551 Beiblatt 1 Prüfprotokoll und Einweisung
Aufstellort für Stromerzeuger festlegen zwingend bei Erzeugerbetrieb Eigentümer Freifläche im Freien, Abgasführung geklärt dokumentierter Aufstellort im Plan
Kraftstoff- oder Energievorrat mittel Eigentümer zulässige Lagermenge und Lagerort Bestandsliste mit Prüfdatum
Vorrat an Getränken und Lebensmitteln mittel Eigentümer Empfehlung des Bevölkerungsschutzes als Maßstab Vorratsliste mit Haltbarkeitsdaten
Übung des Ablaufs mit allen Bewohnern mittel Eigentümer Plan liegt vor Datum der letzten Durchsprache
Rückkehrprozedur nach Netzwiederkehr mittel Eigentümer, Beratung Fachkraft Kenntnis der großen Verbraucher schriftliche Zuschaltreihenfolge

Zuständigkeiten sauber trennen

Ein Plan, in dem alles “der Eigentümer” macht, funktioniert im Ereignisfall nicht, weil der Eigentümer möglicherweise nicht da ist. Legen Sie deshalb für jede Maßnahme eine Person und eine Vertretung fest.

Im Mehrparteienhaus kommt eine zweite Trennlinie hinzu: die zwischen Sondereigentum und Gemeinschaftseigentum. Aufzug, Treppenhausbeleuchtung, Hebeanlage, Heizzentrale und der Hausanschlussraum liegen regelmäßig im Gemeinschaftseigentum und damit im Zuständigkeitsbereich der Verwaltung. Wer dort eigenmächtig eine Ersatzstromlösung installiert, greift in fremde Anlagen ein. Klären Sie vor jeder Maßnahme, wessen Anlage betroffen ist.

Eine dritte Trennlinie verläuft am Hausanschluss. Alles vor dem Zähler gehört zum Bereich des Netzbetreibers und ist plombiert. Störungen dort werden über den Störungsdienst gemeldet, nicht selbst behoben, und Arbeiten in diesem Bereich dürfen nur Installationsunternehmen ausführen, die in das Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen sind.

Was der Plan nicht leisten kann

Zwei Erwartungen sollten Sie ausdrücklich ausschließen. Erstens ersetzt kein Notfallplan eine ordnungsgemäß errichtete und regelmäßig geprüfte elektrische Anlage. Wenn Schutzeinrichtungen unklar auslösen, Klemmstellen warm werden oder die Anlage seit Jahrzehnten unverändert ist, hilft Vorsorge für den Ausfall nicht gegen den Fehler.

Zweitens ersetzt kein Plan die fachliche Prüfung der Ersatzstromlösung. Ob eine Umschalteinrichtung richtig ausgewählt ist, ob die Schutzmaßnahmen im Ersatzbetrieb wirksam bleiben und ob die Belastung der Quelle zur angeschlossenen Last passt, sind Fragen, die vor der ersten Nutzung beantwortet und protokolliert sein müssen. Der Ereignistag ist der schlechteste denkbare Zeitpunkt für die erste Inbetriebnahme.

Schutzmaßnahmen vergleichen

Die entscheidende Vorfrage: Einzelverbraucher oder Hausnetz

Alle Lösungen für den Ausfall der Stromversorgung zerfallen in zwei Familien, und die Grenze zwischen ihnen ist keine Frage der Leistung, sondern eine Frage des Rechts und der Sicherheit.

Die erste Familie versorgt einzelne Verbraucher über eine Leitung. Das Gerät bleibt ein Betriebsmittel, es wird nichts an der Hausinstallation verändert, und jeder darf es aufstellen und benutzen. Zu dieser Familie gehören Handleuchten, Powerstations mit Steckdosenausgang, kleine unterbrechungsfreie Stromversorgungen und tragbare Stromerzeuger, an die ein Verlängerungskabel angeschlossen wird.

Die zweite Familie speist in die Hausinstallation ein. Sobald das geschieht, entsteht eine Anlage: Es braucht eine Umschalteinrichtung, die eine Rückspeisung ins Versorgungsnetz sicher ausschließt und den Neutralleiter mitschaltet, es braucht eine Betrachtung der Schutzmaßnahmen im Ersatzbetrieb, und es braucht eine Prüfung mit Protokoll. DIN VDE 0100-551 Beiblatt 1 behandelt diese Ausführung für mobile Stromerzeugungseinrichtungen. Die Errichtung ist Sache eines Elektrofachbetriebs, nicht des Eigentümers.

Wer diese Grenze kennt, kann Angebote sofort einordnen. Ein Gerät mit Einspeisesteckdose, das ohne Umschalteinrichtung angeboten wird, ist entweder unvollständig oder als Einzelverbraucherlösung gedacht.

Notstrom und Ersatzstrom sind nicht dasselbe

Bei Speichersystemen zu einer Anlage auf dem Dach wird häufig mit zwei Begriffen geworben, die sehr Unterschiedliches bedeuten. Die Notstromfunktion stellt im Netzausfall eine oder wenige separate Steckdosen bereit, meist mit begrenzter Leistung und häufig erst nach einer manuellen Handlung. Alle übrigen Stromkreise bleiben dunkel.

Der Ersatzstrombetrieb versorgt dagegen die Hausinstallation oder abgegrenzte Teile davon weiter und schaltet dazu automatisch auf Inselbetrieb um. Dafür sind eine geeignete Umschalteinrichtung, eine ausreichende Leistungsreserve für Anlaufströme und eine Betrachtung der Schutzmaßnahmen im Inselbetrieb erforderlich. Ob eine Anlage im Ersatzstrombetrieb auch die Erzeugung aus dem Dach weiter nutzen kann, hängt vom System ab und ist im Winterhalbjahr ohnehin nur begrenzt hilfreich.

Fragen Sie deshalb bei jedem Speicherangebot konkret nach: Welche Stromkreise sind im Ausfall versorgt, wie hoch ist die abgebbare Dauerleistung, wie hoch die kurzzeitige Anlaufleistung, wie lange dauert die Umschaltung, und ist die Umschaltung automatisch oder manuell? Ein Werbebegriff ohne diese vier Angaben ist keine Antwort.

Maßnahmenmatrix mit Mindestanforderungen

Lösung Wirkung Realistische Überbrückung Typisches Ausfallrisiko Wartungsbedarf Mindestanforderung
Netzunabhängige Leuchten an festen Plätzen Orientierung, Sturzvermeidung Stunden bis Tage leere oder ausgelaufene Batterien halbjährlicher Test, Batteriewechsel ein Gerät je Geschoss, feste Ablage
Batteriegepuffertes Radio Lagebild bei ausgefallenem Mobilfunk Tage fehlende Ersatzbatterien jährlicher Test Batterien getrennt gelagert
Powerstation mit Steckdosenausgang kleine Verbraucher, Kommunikation, medizinische Kleingeräte Stunden Ladezustand zu niedrig, Anlaufleistung überschritten regelmäßiges Nachladen, Ladezustandskontrolle Dauerleistung und Anlaufleistung dokumentiert
Unterbrechungsfreie Stromversorgung Überbrückung kurzer Ausfälle für Regelung und Netzwerktechnik Minuten gealterte Batterien ohne Warnung Batterietausch nach Herstellerangabe Selbsttestfunktion vorhanden
Tragbarer Stromerzeuger für Einzelverbraucher einzelne Geräte über Leitung so lange Kraftstoff vorhanden Startprobleme nach langer Standzeit, Kraftstoffalterung Probelauf, Kraftstoffpflege Betrieb ausschließlich im Freien
Stromerzeuger mit Einspeisung in die Hausinstallation mehrere Stromkreise so lange Kraftstoff vorhanden unzulässige Rückspeisung bei falscher Ausführung jährlicher Probelauf mit Last, Prüfung der Umschaltung Umschalteinrichtung mit Neutralleiter, Errichtung durch Fachbetrieb
Fest installierte Netzersatzanlage automatische Versorgung definierter Bereiche Tage bei ausreichendem Vorrat ausbleibender Start, ungeprüfte Automatik wiederkehrende Prüfung nach Herstellervorgabe dokumentierte Lastverteilung und Probelaufintervall
Speicher mit Notstromsteckdose wenige Kleingeräte an einem Punkt Stunden Ladezustand bei Ereignisbeginn Kontrolle der Verfügbarkeit Leistungsangabe der Notstromsteckdose
Speicher mit Ersatzstrombetrieb ausgewählte Stromkreise im Inselbetrieb Stunden bis Tage, wetterabhängig Anlaufströme großer Verbraucher jährliche Funktionsprüfung Liste der versorgten Stromkreise, Umschaltzeit
Überspannungs-Schutzeinrichtungen verhindert Geräteschäden bei Netzereignissen dauerhaft wirksam unbemerkt abgetrenntes Modul Sichtkontrolle der Statusanzeige Typ, Schutzpegel und Einbauort dokumentiert
Nicht elektrische Wärmequelle Frostschutz, Aufenthaltsraum Tage fehlender Brennstoff, ungeprüfter Schornstein Schornsteinfegerprüfung, Brennstoffvorrat Betrieb nur mit geprüfter Abgasführung
Rückstausicherung und Handpumpe Schutz des Kellers bei stillstehender Hebeanlage ereignisbezogen verklemmte Klappe durch Ablagerungen Funktionsprüfung nach Herstellerangabe Zugänglichkeit im Dunkeln

Überspannungsschutz gehört in denselben Plan

Auf den ersten Blick hat der Schutz gegen Überspannungen wenig mit Vorsorge für einen Stromausfall zu tun. Praktisch treten beide Ereignisse jedoch häufig gemeinsam auf: Eine Gewitterlage erzeugt Netzstörungen, Spannungseinbrüche und transiente Überspannungen im selben Zeitfenster. Wenn nach dem Wiederkehren der Spannung die Heizungsregelung und der Router beschädigt sind, verlängert sich der Ausfall um die Beschaffungszeit der Ersatzgeräte.

DIN VDE 0100-443 behandelt den Schutz bei transienten Überspannungen infolge atmosphärischer Einflüsse und infolge von Schaltvorgängen und stellt dafür die Anforderung an die Errichtung von Niederspannungsanlagen. Für die Notfallplanung folgt daraus ein einfacher Punkt: Prüfen Sie, ob die Betriebsmittel, die Ihr Plan im Ereignisfall braucht, überhaupt geschützt sind. Eine Ersatzstromversorgung nützt wenig, wenn die Steuerung des Wärmeerzeugers durch dasselbe Ereignis zerstört wurde.

Bedienbarkeit ist ein Auswahlkriterium, kein Detail

Alle beschriebenen Lösungen haben eine gemeinsame Schwachstelle: Sie werden selten benutzt, und im Ereignisfall bedient sie oft nicht die Person, die sie ausgesucht hat. Drei Anforderungen sollten deshalb in jede Auswahl einfließen.

Erstens die Anzahl der Handgriffe bis zur Wirkung. Eine Lösung, die im Dunkeln vier Schritte in der richtigen Reihenfolge verlangt, wird falsch bedient. Zweitens die Rückmeldung: Erkennt die bedienende Person, ob die Umschaltung erfolgt ist und ob die Quelle Leistung abgibt? Drittens die Anleitung am Gerät: Eine kurze, laminierte Bedienfolge direkt an der Anlage ist wirksamer als jedes Handbuch im Ordner.

Ergänzen Sie außerdem eine feste Testroutine. Ein Probelauf einmal jährlich unter realistischer Last deckt genau die Fehler auf, die im Ernstfall auftreten: gealterte Batterien, gealterter Kraftstoff, ein Erzeuger, der nach zwei Jahren Standzeit nicht anspringt, und eine Umschaltung, die klemmt.

Wo die Auswahl an fachliche Grenzen stößt

Sie können Bedarf, Rangfolge, Bedienbarkeit und Wartungsaufwand selbst bewerten und Angebote anhand der Matrix vergleichen. Sie können Leistungsangaben einfordern und feststellen, ob eine Lösung zur Einzelverbraucher- oder zur Anlagenfamilie gehört.

Nicht selbst beurteilen können Sie, ob die Schutzmaßnahmen der Hausinstallation im Ersatzbetrieb wirksam bleiben, ob eine Umschalteinrichtung richtig dimensioniert und angeschlossen ist und ob die Belastung der Quelle zu den Anlaufströmen der angeschlossenen Verbraucher passt. Diese Punkte gehören zur Planung und Prüfung durch einen Elektrofachbetrieb, und sie sind vor der ersten Nutzung zu klären. Improvisierte Einspeisungen über beidseitig bestückte Leitungen sind kein Grenzfall, sondern eine unmittelbare Lebensgefahr für Dritte und dürfen unter keinen Umständen erwogen werden.

Kontrollieren

Ein Plan verfällt leiser, als er entsteht

Notfallvorsorge altert unauffällig. Batterien entladen sich, Telefonnummern ändern sich, Bewohner ziehen aus, ein Verteiler wird umgebaut, vor dem Zählerschrank steht plötzlich ein Regal, und der Stromerzeuger hat seit vier Jahren keinen Kraftstoff gesehen. Nichts davon macht sich bemerkbar, bis es darauf ankommt.

Deshalb braucht ein Notfallplan eine wiederkehrende Kontrolle, die sich in einer halben Stunde durchführen lässt und die dokumentiert wird. Die Dokumentation ist kein Selbstzweck: Erst die Datumsreihe zeigt, ob eine Batterie zwei Jahre oder acht Jahre alt ist und ob ein Probelauf tatsächlich stattgefunden hat.

Sinnvoll ist ein zweigeteilter Rhythmus. Eine kurze Kontrolle halbjährlich, die sich auf Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Funktionsfähigkeit beschränkt. Und eine ausführliche Kontrolle jährlich, die zusätzlich einen Lastprobelauf, die Aktualität der Kontaktliste und die Übereinstimmung des Plans mit der tatsächlichen Nutzung des Gebäudes umfasst.

Kontrolle mit Ampellogik

Prüfpunkt Grün Gelb Rot
Netzunabhängige Leuchten alle Geräte am Platz, leuchten voll ein Gerät schwach oder verlegt mehr als ein Gerät ohne Funktion
Batterievorrat ausreichend, Haltbarkeit weit entfernt Haltbarkeit im laufenden Jahr ausgelaufene Zellen im Fach
Zugänglichkeit von Verteiler und Absperrungen frei, im Dunkeln erreichbar teilweise zugestellt Verteiler nur nach Umräumen erreichbar
Beschriftung der Stromkreise vollständig und aktuell einzelne Kreise unklar Beschriftung fehlt oder passt nicht zum Bestand
Notfallkontaktliste ausgedruckt, geprüft, aktuell älter als ein Jahr nicht auffindbar oder nur digital
Prüftaste des Fehlerstromschutzschalters löst zuverlässig aus Auslösung verzögert oder unsicher keine Auslösung
Statusanzeigen der Überspannungs-Schutzeinrichtungen alle grün eine Anzeige unklar erkennbar mindestens eine Anzeige rot
Powerstation oder Speicher Ladezustand hoch, Selbsttest ohne Fehler Ladezustand unter der Hälfte Fehlermeldung oder keine Abgabe
Stromerzeuger startet im Probelauf, läuft unter Last rund startet erst nach mehreren Versuchen startet nicht oder Kraftstoff überaltert
Umschalteinrichtung schaltet in beide Richtungen sauber, verriegelt schwergängig keine Verriegelung erkennbar oder Funktion unklar
Aufstellort für Erzeugerbetrieb im Freien, Abstand zu Fenstern und Türen geklärt Ort nicht eindeutig festgelegt Aufstellung in Garage oder Keller vorgesehen
Rückstausicherung und Entwässerung geprüft, Klappe frei Prüfung überfällig Klappe blockiert oder Zugang versperrt
Kohlenmonoxid- und Rauchwarnmelder Funktionstest bestanden Testtermin überfällig Signalton für Batterieende oder kein Test möglich
Übereinstimmung des Plans mit der Nutzung Bewohner und Geräte stimmen mit der Liste überein kleinere Abweichungen neue Person mit medizinischem Bedarf nicht berücksichtigt

Rot bedeutet: Die Maßnahme steht im Ereignisfall nicht zur Verfügung, der Punkt wird vor allen anderen erledigt. Gelb bedeutet: bis zur nächsten Kontrolle abstellen. Grün wird mit Datum abgehakt, nicht aus Erinnerung.

Was Sie gefahrlos selbst prüfen dürfen

Der zulässige Kontrollumfang ist größer, als viele annehmen, endet aber an einer klaren Linie. Zur bestimmungsgemäßen Bedienung gehören: das Betätigen der Prüftaste eines Fehlerstromschutzschalters, das Aus- und Wiedereinschalten von Leitungsschutzschaltern, das Ablesen von Statusanzeigen durch die geschlossene Abdeckung, das Prüfen von Steckdosen mit einem geeigneten Prüfgerät, das Bedienen von Notentriegelungen an Toren, das Auslösen von Selbsttests an Speichern und unterbrechungsfreien Stromversorgungen sowie der Probelauf eines Stromerzeugers im Freien.

Nicht dazu gehört alles, was das Öffnen einer Verteilerabdeckung, das Berühren von Klemmen oder das Messen an aktiven Teilen verlangt. DIN VDE 0105-100 ordnet das als Arbeiten an der elektrischen Anlage ein und behält es Elektrofachkräften vor, die vorher freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, die Spannungsfreiheit feststellen und benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken.

Eine besondere Grenze gilt für den Bereich vor dem Zähler. Der Hausanschlusskasten und die Vorzählerabsicherung sind plombiert und gehören zum Verantwortungsbereich des Netzbetreibers. Selbst ein Sicherungswechsel dort ist keine Eigenleistung.

Die Prüfung der Umschaltung ist der wichtigste Einzelpunkt

Wenn Ihr Plan eine Einspeisung in die Hausinstallation vorsieht, ist die Umschalteinrichtung das Bauteil, dessen Versagen die schwersten Folgen hat. Ihre Kontrolle sollte deshalb nie ausfallen und immer dokumentiert werden.

Prüfbar durch Sie ist: ob die Umschaltung mechanisch leichtgängig ist, ob die Stellungen eindeutig beschriftet sind, ob eine gleichzeitige Verbindung beider Quellen konstruktiv ausgeschlossen bleibt und ob eine verständliche Bedienanleitung direkt an der Anlage hängt. Prüfbar nur durch die Fachkraft ist, ob der Neutralleiter korrekt mitgeschaltet wird, ob die Schutzmaßnahmen im Ersatzbetrieb wirksam bleiben und ob die vorgesehene Last zur Quelle passt.

Der jährliche Probelauf sollte unter realistischer Last erfolgen, nicht im Leerlauf. Ein Erzeuger, der ohne Last rund läuft, sagt nichts darüber aus, wie er reagiert, wenn eine Umwälzpumpe und eine Hebeanlage gleichzeitig anlaufen. Notieren Sie beim Probelauf, welche Verbraucher angeschlossen waren und wie sich die Spannung und die Drehzahl verhalten haben.

Eskalation: wann aus einer Kontrolle ein Auftrag wird

Nicht jeder gelbe Punkt braucht einen Fachbetrieb. Vier Befunde jedoch führen unmittelbar zu einer Beauftragung, unabhängig davon, wie gut alles andere aussieht.

Erstens ein Fehlerstromschutzschalter, der bei Betätigung der Prüftaste nicht auslöst. Die Schutzfunktion, auf die sich die gesamte Anlage stützt, ist dann nicht nachgewiesen. Zweitens eine rote Statusanzeige an einer Überspannungs-Schutzeinrichtung: Das Modul hat sich thermisch abgetrennt, die Anlage läuft ungeschützt weiter. Drittens jede Erwärmung, Verfärbung oder Geruchsentwicklung an Betriebsmitteln. Viertens jede wiederkehrende Auslösung eines Schutzorgans ohne erkennbaren Verursacher.

In allen vier Fällen gilt: Der betroffene Bereich wird abgeschaltet und nicht wiederholt zugeschaltet, um zu sehen, ob es diesmal hält. Die wiederholte Zuschaltung auf einen bestehenden Fehler ist der Weg, auf dem aus einem Mangel ein Brand wird.

Die Kontrolle in den Jahreslauf einbetten

Damit die Routine nicht einschläft, koppeln Sie sie an feste Termine, die ohnehin stattfinden. Die halbjährliche Kurzkontrolle passt gut an die Zeitumstellung oder an den Wechsel der Heizperiode. Die jährliche Vollkontrolle passt an den Termin der Heizungswartung oder des Schornsteinfegers, weil dann ohnehin jemand technische Anlagen im Haus betrachtet.

Führen Sie die Ergebnisse in einer einfachen Tabelle mit Datum, Prüfpunkt und Ampelfarbe. Nach drei Jahren erkennen Sie daran mehr als aus jeder Einzelprüfung: welche Batterien schneller altern als erwartet, welcher Punkt regelmäßig auf Gelb steht, weil er im Alltag stört, und ob der Plan noch zu den Menschen passt, die im Haus leben. Genau diese Entwicklung ist es, die einen Notfallplan im Ernstfall trägt oder eben nicht.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe — Stromausfall: Vorsorge und Selbsthilfe, Bürgerinformation, Stand Januar 2019
  2. DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2015-10 — Betrieb von elektrischen Anlagen
  3. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe — Vorsorge und Handeln bei Stromausfall
  4. DIN VDE 0100-551 Beiblatt 1 (VDE 0100-551 Beiblatt 1):2019-06 — Ausführungen von Notstromeinspeisungen mit mobilen Stromerzeugungseinrichtungen
  5. DIN VDE 0100-443 (VDE 0100-443):2016-10 — Errichten von Niederspannungsanlagen, Abschnitt 443: Schutz bei transienten Überspannungen infolge atmosphärischer Einflüsse oder von Schaltvorgängen
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