Einbruchhemmende Haustür: Planen, Widerstandsklassen RC 1 N bis RC 6 im Vergleich, Kosten kalkulieren und nachrüsten

Eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer. Im Mittelpunkt: Geräte, Leitungswege, Montage, Prüfungen. Dazu kommen planen, Widerstandsklassen RC 1 N bis RC 6 im Vergleich, nachrüsten und sicher prüfen.

Auseinandergelegter Tür-Nachrüstsatz mit Schloss, Schließblechen und Schrauben auf weißem Grund
Auseinandergelegter Tür-Nachrüstsatz mit Schloss, Schließblechen und Schrauben auf weißem GrundFoto: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des BundesHonorarfrei für redaktionelle Berichterstattung

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Polizei empfiehlt für Haus- und Wohnungseingangstüren geprüfte Elemente ab Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627; die Normenreihe reicht bis RC 6.
  • Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes empfiehlt für Haus- und Wohnungsabschlusstüren geprüfte einbruchhemmende Elemente ab Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627.
  • Der Beitrag liefert eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer.
  • Ein eigener Abschnitt deckt Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.

Dieser Ratgeber führt zusammen, was bei Einbruchhemmende Haustür nacheinander ansteht: Planen, Widerstandsklassen RC 1 N bis RC 6 im Vergleich, Kosten kalkulieren, nachrüsten und sicher prüfen.

Planen

Die Tür ist ein Bauteil, kein Baukasten

Der häufigste Planungsfehler beginnt mit dem Satz, man wolle “ein Sicherheitsschloss einbauen lassen”. Einbruchhemmung nach DIN EN 1627 ist keine Eigenschaft eines Schlosses, eines Beschlags oder eines Türblatts, sondern eine Eigenschaft der geprüften Einheit aus Türblatt, Zarge, Schloss, Schließblech, Beschlag, Bändern, Verglasung und der vom Hersteller vorgeschriebenen Befestigung im Baukörper. Geprüft wird diese Einheit statisch nach DIN EN 1628, dynamisch nach DIN EN 1629 und im manuellen Einbruchversuch nach DIN EN 1630.

Daraus folgen zwei Konsequenzen für die Planung. Erstens: Eine Klasse lässt sich nicht aus Einzelteilen zusammensetzen. Wer ein zertifiziertes Schloss in eine gewöhnliche Zarge setzt, erhält kein Element der Klasse RC 2. Zweitens: Die Montage ist Teil der Prüfung. Eine korrekt klassifizierte Tür, die entgegen der Montageanleitung befestigt wird, verliert ihre Eigenschaft, ohne dass man es der Tür ansieht.

Die polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt für Haus- und Wohnungseingangstüren im Wohnbereich Elemente ab der Widerstandsklasse RC 2. Diese Empfehlung ist der Ausgangspunkt der Planung, nicht deren Ergebnis.

Was am Bestand aufgenommen werden muss

Bevor eine Klasse festgelegt wird, gehört die Einbausituation aufgenommen. Entscheidend sind sechs Punkte: die Wandkonstruktion, in die die Zarge verankert wird, die Fugenbreite zwischen Zarge und Rohbau, das Vorhandensein von Seitenteilen und Oberlichtern, die Anschlagrichtung und der Schwellenaufbau, die Barrierefreiheitsanforderung sowie der Zustand der Bodenanschlussfuge.

Die Wandkonstruktion ist der kritischste dieser Punkte. Herstellerprüfungen erfolgen in definierten Prüfwänden. Eine Verankerung in Porenbeton, in Hochlochziegel mit dünnen Stegen, in einem Wärmedämmverbundsystem oder in einer Holzständerkonstruktion braucht eine gesonderte Freigabe des Herstellers und in der Regel andere Befestigungsmittel. Klären Sie diese Frage vor der Bestellung; nachträglich lässt sich die Wand nicht ändern.

Der zweite kritische Punkt sind Seitenteile und Oberlichter. Ein Element ist nur dann klassifiziert, wenn die geprüfte Konfiguration diese Anbauteile einschließt. Ein RC-2-Türblatt neben einem ungeprüften Festfeld ist als Ganzes keine RC-2-Situation, weil der Angriff dann schlicht daneben stattfindet.

Anforderungsmatrix für die Klassenfestlegung

Einbausituation Empfohlene Mindestklasse Zusätzlich zwingend Häufiger Fehler
Haustür Einfamilienhaus, straßenseitig einsehbar RC 2 Verglasung als Teil der geprüften Konfiguration Glasfläche nachträglich vergrößert
Haustür Einfamilienhaus, uneinsehbar im Garten oder seitlich RC 2, bei erhöhter Gefährdung RC 3 Schutzbeschlag und Zylinder aus der Prüfkonfiguration Zylinder gegen Komfortmodell getauscht
Nebeneingang, Kellertür, Tür zur Garage wie Haupteingang gleiche Klasse wie schwächste Hauptöffnung Nebentür bewusst schwächer gewählt
Wohnungseingangstür im Mehrfamilienhaus RC 2 Sperrbügel oder Türspion, Panikfunktion beachten Beschluss der Gemeinschaft nicht eingeholt
Tür mit Seitenteil oder Oberlicht Klasse für das gesamte Element Seitenteil und Oberlicht in der Prüfung enthalten nur das Türblatt klassifiziert
Tür in Wärmedämmverbundsystem wie Situation, plus Sonderfreigabe schriftliche Befestigungsfreigabe des Herstellers Standarddübel im Dämmstoff
Barrierefreie Schwelle gefordert wie Situation geprüfte Schwellenlösung, keine bauseitige Improvisation Bodenanschluss offen gelassen
Objekt mit dokumentiertem Vorfall eine Klasse über der Empfehlung Abstimmung mit der polizeilichen Beratungsstelle Klasse ohne Begründung angehoben

Die vorletzte Zeile ist im Bestand der schwierigste Punkt. Barrierefreie Schwellen und Einbruchhemmung stehen in einem technischen Spannungsverhältnis, das nur mit geprüften Systemlösungen aufzulösen ist. Eine bauseits abgeflachte Schwelle unter einem klassifizierten Element hebt die Klassifizierung auf.

Bauteile, die in der Prüfkonfiguration stehen müssen

Für die Ausschreibung sind vier Komponenten gesondert zu benennen, weil sie erfahrungsgemäß im Nachhinein getauscht werden und dann die Klassifizierung entwerten.

Der Schließzylinder gehört zur geprüften Einheit. Für Elemente ab RC 2 werden Zylinder mit Bohr- und Ziehschutz nach DIN EN 1303 beziehungsweise nach DIN 18252 eingesetzt. Der Zylinder darf über den Schutzbeschlag nur minimal hinausstehen, weil eine überstehende Zylinderkante das Ansetzen eines Ziehwerkzeugs erst ermöglicht.

Der Schutzbeschlag wird nach DIN 18257 klassifiziert. Für Türelemente der Klasse RC 2 kommt regelmäßig ein Beschlag der Klasse ES 1 zum Einsatz, für RC 3 ein Beschlag der Klasse ES 2. Der Beschlag muss den Zylinder abdecken und von außen nicht demontierbar sein.

Die Verriegelung erfolgt bei einbruchhemmenden Türen mehrfach über die Türhöhe, entweder über eine Mehrfachverriegelung mit Bolzen und Haken oder über ein selbstverriegelndes Schloss. Wichtig ist die Unterscheidung: Eine ins Schloss gefallene Falle ist keine Verriegelung. Selbstverriegelnde Systeme lösen dieses Verhaltensproblem technisch, weil bei jedem Zuziehen die Riegel ausfahren.

Die Verglasung wird nach DIN EN 356 klassifiziert. Für RC 2 gehört durchwurfhemmendes Glas zur geprüften Konfiguration; höhere Klassen verlangen entsprechend höherwertige Verglasung. Ein nachträglicher Glastausch gegen eine gestalterisch schönere Scheibe zerstört die Klassifizierung.

Reserven, Erweiterbarkeit und Nutzung

Planen Sie drei Reserven ein. Erstens die elektrische: Leerrohr von der Zarge zum Verteiler, auch wenn heute weder Motorschloss noch Zutrittskontrolle vorgesehen sind. Nachträgliche Leitungswege durch eine klassifizierte Zarge sind ein Eingriff in das geprüfte Bauteil. Zweitens die schließtechnische: Wenn absehbar mehrere Türen in ein gemeinsames Schließsystem sollen, muss der Zylindertyp von Anfang an dazu passen, sonst wird das Element später geöffnet und verändert. Drittens die nutzungsbezogene: Klären Sie vorab, wie viele Personen regelmäßig Zutritt brauchen, ob Pflegedienste oder Handwerker temporären Zugang benötigen und ob ein Schlüsselverlust das gesamte System entwerten würde.

Berücksichtigen Sie außerdem die Rettungswegfunktion. In Mehrfamilienhäusern kann die Hauseingangstür Teil des Rettungswegs sein; dann gelten bauordnungsrechtliche Anforderungen an die Öffnung von innen ohne Hilfsmittel, die mit der Verriegelungslogik in Einklang gebracht werden müssen.

Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot

  • Klassifizierung des vollständigen Elements nach DIN EN 1627 mit Angabe der Klasse und Nennung der Prüfstelle, nicht nur eine Herstellererklärung
  • Ausdrückliche Angabe, ob Seitenteil und Oberlicht in der geprüften Konfiguration enthalten sind
  • Benennung von Schließzylinder, Schutzbeschlag nach DIN 18257 und Verglasung nach DIN EN 356 als Bestandteile der Prüfkonfiguration
  • Schriftliche Befestigungsfreigabe für die vorhandene Wandkonstruktion, mit Angabe der Befestigungsmittel und Abstände
  • Zusage, dass die Montage nach der Montageanleitung des Herstellers erfolgt, und Übergabe einer Montagebescheinigung
  • Beschreibung des Schwellen- und Bodenanschlusses als geprüfte Lösung
  • Angabe der Verriegelungsart und ob die Verriegelung selbsttätig oder nur durch Schlüsseldrehung erfolgt
  • Aussage zur Rettungswegfunktion und zur Öffnung von innen
  • bei Wohnungseigentum: Hinweis, dass Wohnungseingangstüren regelmäßig zum Gemeinschaftseigentum gehören und ein Beschluss erforderlich ist

Was Sie selbst festlegen können und wo die Fachplanung beginnt

Sie können die Nutzung beschreiben, die Gefährdungslage einschätzen, Erreichbarkeit und Einsehbarkeit bewerten und die Klasse als Zielvorgabe setzen. Sie können außerdem prüfen, ob ein Angebot die oben genannten Punkte überhaupt beantwortet, und Sie können sich die Klassifizierung durch ein Prüfzeugnis belegen lassen.

Nicht beurteilen können Sie, ob eine bestimmte Wandkonstruktion die Verankerungskräfte aufnimmt, ob eine geplante Schwellenlösung die Prüfkonfiguration einhält und ob eine gewünschte Verglasung mit der Klassifizierung vereinbar ist. Diese Fragen gehören zum Hersteller und zum Facherrichter. Eine produktneutrale Einordnung Ihres Schutzziels erhalten Sie kostenfrei bei den polizeilichen Beratungsstellen für Kriminalprävention, die auch bewerten, ob eine höhere Klasse an Ihrem Objekt begründet ist oder ob das Geld an einer anderen Öffnung besser angelegt wäre.

Widerstandsklassen RC 1 N bis RC 6 im Vergleich

Was eine Widerstandsklasse tatsächlich aussagt

Die Klassen RC 1 N bis RC 6 nach DIN EN 1627 beschreiben, wie lange ein Element einem Täter standhält, der mit einem festgelegten Werkzeugsatz und nach einem festgelegten Verfahren angreift. Die Prüfung erfolgt dreistufig: statische Belastung nach DIN EN 1628, dynamische Belastung nach DIN EN 1629 und der manuelle Einbruchversuch nach DIN EN 1630, bei dem geschulte Prüfer versuchen, eine Durchgangsöffnung zu schaffen.

Die Klasse ist damit eine Zeitangabe unter Laborbedingungen, keine Garantie. Sie sagt: Mit diesem Werkzeugsatz und dieser Vorgehensweise war innerhalb der genannten Widerstandszeit kein Durchkommen. Sie sagt nichts darüber, wie ein Täter am konkreten Objekt vorgeht, ob er ein anderes Bauteil daneben angreift und ob die Tür überhaupt abgeschlossen war.

Der Buchstabe N in RC 1 N und RC 2 N ist kein Nebenaspekt. Er bedeutet, dass an die Füllung, also in der Regel die Verglasung, keine Anforderung nach DIN EN 356 gestellt wurde. Bei einer Tür mit großer Glasfläche verlagert sich der Angriff dann genau dorthin.

Klassenvergleich mit Widerstandszeit und unterstelltem Vorgehen

Klasse Widerstandszeit im manuellen Versuch Unterstelltes Vorgehen und Werkzeug Anforderung an die Füllung Sinnvoll an
RC 1 N keine, nur statische und dynamische Prüfung körperliche Gewalt: Gegentreten, Gegenspringen, Schulterwurf, Herausreißen keine Öffnungen ohne Erreichbarkeit, Innentüren, Nebengebäude
RC 2 N drei Minuten Gelegenheitstäter mit einfachen Werkzeugen wie Schraubendreher, Zange, Keil keine Türen ohne Glasanteil in geschützter Lage
RC 2 drei Minuten wie RC 2 N durchwurfhemmend nach DIN EN 356 Standard für Haus- und Wohnungseingangstüren
RC 3 fünf Minuten zusätzlich zweiter Schraubendreher und Kuhfuß höhere durchwurfhemmende Stufe erhöhte Gefährdung, abgelegene oder uneinsehbare Lage
RC 4 zehn Minuten erfahrener Täter mit Säge-, Schlag- und Stemmwerkzeug, Akku-Bohrmaschine durchbruchhemmend Objekte mit hohem Sachwert, gewerbliche Nutzung im Haus
RC 5 fünfzehn Minuten zusätzlich Elektrowerkzeuge einschließlich Winkelschleifer kleineren Durchmessers höhere durchbruchhemmende Stufe selten im Wohnbau, meist Sonderräume
RC 6 zwanzig Minuten leistungsfähige Elektrowerkzeuge, Winkelschleifer großen Durchmessers höchste durchbruchhemmende Stufe Sonderanwendungen, im Wohnhaus praktisch nicht erforderlich

Für Wohnhäuser empfiehlt die polizeiliche Kriminalprävention Elemente ab RC 2. Der Sprung von RC 2 auf RC 3 verdoppelt weder Preis noch Schutz linear, sondern verändert vor allem das unterstellte Werkzeug: Erst ab RC 3 wird der Kuhfuß angesetzt, das klassische schwere Hebelwerkzeug. Wer in einer uneinsehbaren Lage wohnt, in der ein Täter ungestört arbeiten kann, entscheidet sich deshalb häufig für RC 3 an der Haupteingangstür.

Die Klasse gilt für das Element, nicht für das Türblatt

Diese Aussage klingt technisch, hat aber die größte praktische Sprengkraft im gesamten Vergleich. Geprüft wird der Aufbau aus Türblatt, Zarge, Bändern, Schloss, Schließblech, Schutzbeschlag, Zylinder, Füllung und der in der Montageanleitung festgelegten Befestigung. Nur diese Kombination trägt die Klasse.

Daraus folgt: Ein Angebot, das ein RC-2-Türblatt in eine vorhandene Altzarge setzt, verkauft kein RC-2-Element. Ein Element, dessen Zylinder gegen ein Komfortmodell ohne Ziehschutz getauscht wird, ist nicht mehr klassifiziert. Und ein Element mit ungeprüftem Seitenteil daneben bietet dem Täter eine ungeprüfte Fläche. Prüfen Sie im Vergleich deshalb immer, welchen Umfang das genannte Prüfzeugnis abdeckt.

Ein zweiter Punkt betrifft den Nachweis selbst. Verlangen Sie ein Prüfzeugnis einer anerkannten Prüfstelle, nicht eine Herstellererklärung, dass ein Produkt “RC 2 entsprechend” sei. Diese Formulierung bedeutet fachlich nichts.

Materialvarianten unter gleicher Klasse

Innerhalb derselben Klasse unterscheiden sich Türen erheblich in Eigenschaften, die mit Einbruchschutz nichts zu tun haben, aber über die Zufriedenheit entscheiden.

Holztüren bieten eine gute Wärmedämmung und lassen sich reparieren, verlangen aber regelmäßige Oberflächenpflege und reagieren auf Feuchte mit Maßänderungen. Aluminiumtüren sind formstabil und wetterfest, benötigen jedoch eine sorgfältig ausgeführte thermische Trennung. Kunststofftüren sind pflegearm und preisgünstig, bei großen Formaten und dunklen Farben aber empfindlich gegenüber Verformung durch Sonneneinstrahlung. Stahltüren erreichen hohe Klassen mit vergleichsweise geringem Aufwand, wirken im Wohnbau aber selten passend und sind schwer.

Das Gewicht ist dabei kein Nebenaspekt: Schwere Türblätter belasten Bänder stärker, was den Justieraufwand über die Jahre erhöht. Fragen Sie im Vergleich nach der Zahl und Bauart der Bänder und danach, ob sie dreidimensional nachstellbar sind.

Verriegelungsvarianten und Ausfallverhalten

Drei Bauarten sind zu unterscheiden. Die klassische Mehrfachverriegelung fährt Riegel und Haken aus, wenn der Schlüssel gedreht wird. Sie ist mechanisch robust und hat kein Ausfallverhalten im eigentlichen Sinn, aber sie hat ein Verhaltensproblem: Wer nur zuzieht, hat lediglich die Falle im Schließblech, und die bietet keinen nennenswerten Widerstand.

Die selbstverriegelnde Mehrfachverriegelung löst dieses Problem, indem die Riegel beim Zuziehen selbsttätig ausfahren. Sie ist die aus Sicherheitssicht überlegene Bauart, weil sie nicht auf Disziplin angewiesen ist. Ihre Mechanik ist komplexer und braucht Wartung.

Das motorisch angetriebene Schloss verriegelt elektrisch und erlaubt die Einbindung in Zutrittssysteme. Hier stellt sich die Frage nach dem Ausfallverhalten konkret: Was passiert bei Stromausfall, was bei defektem Motor? Verlangen Sie die Angabe, ob eine mechanische Rückfallebene über den Schlüssel jederzeit funktioniert und ob die Tür im stromlosen Zustand verriegelt bleibt. Eine Tür, die bei Netzausfall entriegelt, ist im Wohnbau in der Regel nicht akzeptabel; eine Tür, die von innen nicht mehr zu öffnen ist, ebenso wenig.

Elektronische Zusatzfunktionen und ihre Nebenwirkungen

Sobald Kamera, Gegensprechanlage oder Zutrittsprotokollierung im Element stecken, kommen Anforderungen hinzu, die nichts mehr mit DIN EN 1627 zu tun haben. Eine Türstation mit Kamera verarbeitet personenbezogene Daten und darf nur den eigenen Zugangsbereich erfassen, nicht den Gehweg oder das Nachbargrundstück. Für die Auslegung solcher Anlagen sind die Empfehlungen der Datenschutzaufsicht maßgeblich, nicht die Voreinstellung des Herstellers.

Für die IT-Seite gilt: Prüfen Sie, wie lange der Hersteller Sicherheitsupdates zusagt, ob eine lokale Bedienung ohne Cloudverbindung möglich bleibt und ob das Gerät in ein abgetrenntes Netzsegment gestellt werden kann. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik führt für smarte Sicherheitstechnik ein freiwilliges IT-Sicherheitskennzeichen; es ersetzt keine Prüfung, macht Herstellerzusagen aber überhaupt erst nachlesbar.

Entscheidungsweg

Erstens: Ist die Tür leicht erreichbar und wird sie als Hauptzugang genutzt? Dann ist RC 2 die Untergrenze, nicht die Zielgröße.

Zweitens: Kann ein Täter dort ungestört und unbeobachtet arbeiten? Wenn ja, prüfen Sie RC 3, weil die längere Widerstandszeit genau in dieser Situation zählt.

Drittens: Hat die Tür nennenswerte Glasflächen? Dann scheiden die Klassen mit dem Zusatz N aus, weil die Füllung ungeprüft bliebe.

Viertens: Sollen Seitenteil oder Oberlicht bleiben? Dann muss das Prüfzeugnis diese Konfiguration abdecken, sonst ist die Klasse nur für einen Teil der Fläche belegt.

Fünftens: Ist eine elektrische Verriegelung gewünscht? Dann entscheidet das dokumentierte Verhalten bei Stromausfall und die mechanische Rückfallebene.

Grenzen dieses Vergleichs

Sie können Prüfzeugnisse anfordern, den Umfang der geprüften Konfiguration abgleichen, Widerstandszeiten und Werkzeugsätze gegeneinanderstellen und daraus eine begründete Zielklasse ableiten. Das ist der Teil, den Sie selbst leisten können und sollten.

Nicht beurteilen können Sie, ob ein konkretes Element in Ihre Wandöffnung normgerecht eingebaut werden kann, ob die Befestigungsfreigabe für Ihren Wandaufbau vorliegt und ob eine gewünschte Sonderausstattung die geprüfte Konfiguration verlässt. Diese Fragen beantwortet der Hersteller, verantwortet der Facherrichter, und eine produktneutrale Einordnung Ihrer Zielklasse erhalten Sie bei den polizeilichen Beratungsstellen für Kriminalprävention.

Kosten kalkulieren

Die Rechnung besteht aus fünf Positionen, nicht aus einer

Ein Angebot für eine einbruchhemmende Haustür, das nur eine Summe nennt, ist nicht vergleichbar. Die Gesamtsumme setzt sich aus fünf Blöcken zusammen, die sich unterschiedlich verhalten und unterschiedlich verhandelbar sind.

Der erste Block ist das Element selbst, also Türblatt, Zarge, Beschlag, Schloss, Zylinder und Verglasung in der geprüften Zusammenstellung nach DIN EN 1627. Preisbestimmend sind hier die Klasse, die Größe, das Rahmenmaterial und der Anteil an Glasfläche.

Der zweite Block ist die Demontage der Altanlage einschließlich Entsorgung. Er wird regelmäßig unterschätzt, wenn die alte Zarge einbetoniert oder mit dem Putz verzahnt ist.

Der dritte Block ist die Montage im engeren Sinn: Ausrichten, Verankern, Ausschäumen oder Hinterfüttern, Abdichten der Anschlussfuge. Bei einbruchhemmenden Elementen ist dieser Block überproportional groß, weil die Befestigung Teil der Prüfung ist und nicht abgekürzt werden darf.

Der vierte Block sind die Anschlussarbeiten: Laibung, Innenfutter, Bekleidung, Bodenanschluss, gegebenenfalls Anpassungen an der Elektrik für Klingel, Gegensprechanlage oder Türöffner sowie Maler- und Putzarbeiten.

Der fünfte Block ist der laufende Aufwand über die Nutzungsdauer: Nachjustierung, Pflege der Dichtungen, Wartung der Mehrfachverriegelung, Ersatz von Verschleißteilen und irgendwann der Zylindertausch.

Kostenstruktur über die Nutzungsdauer

Eine Haustür bleibt typischerweise mehrere Jahrzehnte im Gebäude, ihre beweglichen Teile jedoch nicht. Bänder, Dichtungen, Getriebe und Zylinder haben deutlich kürzere Standzeiten als Türblatt und Zarge. Wer nur die Anschaffung vergleicht, vergleicht den kleineren Teil des Problems, wenn das Element täglich mehrfach benutzt wird.

Position Auslöser Wiederkehr Haupttreiber Entscheidungsregel
Aufmaß und Wandprüfung vor Bestellung einmalig Wandaufbau, Zugänglichkeit ohne schriftliche Befestigungsfreigabe nicht bestellen
Element in geprüfter Konfiguration Bestellung Ersatz nach Jahrzehnten Klasse, Größe, Glasanteil, Material Glasanteil senken, wenn Budget die Klasse gefährdet
Demontage und Entsorgung Montagetag einmalig Art der Altbefestigung vorab Öffnung freilegen lassen, wenn Zargenart unklar
Montage nach Herstellervorgabe Montagetag einmalig Anzahl Befestigungspunkte, Wandmaterial niemals gegen Pauschale ohne Bezug auf die Montageanleitung
Anschlussarbeiten innen und außen nach Montage einmalig Laibungstiefe, Bodenaufbau im Angebot als eigene Position verlangen
Nachjustierung nach erster Heizperiode danach nach Bedarf Türgewicht, Setzverhalten einplanen, sobald die Tür schwerer ins Schloss geht
Wartung Mehrfachverriegelung laufend mindestens jährlich Benutzungshäufigkeit vorziehen, wenn Riegel nicht mehr vollständig ausfahren
Dichtungspflege und Ersatz laufend je nach Bewitterung Wetterseite, UV-Belastung ersetzen, sobald das Papierblatt zwischen Blatt und Zarge ohne Widerstand herausgleitet
Zylindertausch Verlust, Verschleiß, Umzug anlassbezogen Schließsystem, Zahl der Schlüssel nur gegen Zylinder aus der Prüfkonfiguration tauschen
Glasersatz nach Bruch Schadenfall anlassbezogen Verglasungsklasse nach DIN EN 356 ausschließlich gleichwertige Verglasung, sonst entfällt die Klassifizierung

Die letzten beiden Zeilen sind die teuersten Fallen. Ein Zylinder oder eine Scheibe aus dem Baumarkt ist günstiger als das Originalbauteil und kostet die Klassifizierung des gesamten Elements. Damit verlieren Sie nicht nur Schutz, sondern auch die Nachweisgrundlage gegenüber Versicherung und Förderstelle.

Warum die Montage kein Ort zum Sparen ist

Bei gewöhnlichen Türen ist die Montage eine Frage von Optik und Dichtheit. Bei einbruchhemmenden Elementen ist sie Teil der geprüften Eigenschaft. Die Montageanleitung des Herstellers legt fest, mit welchen Befestigungsmitteln, in welchem Abstand und in welchem Untergrund verankert wird, ob die Zarge hinterfüttert werden muss und wie der Bodenanschluss auszuführen ist. Wird davon abgewichen, ist das Element nicht mehr klassifiziert, auch wenn das Typenschild weiterhin daran klebt.

Praktisch bedeutet das drei Dinge für die Kalkulation. Erstens: Ein Angebot, das die Montage pauschal und ohne Bezug auf die Herstellervorgaben ausweist, ist kein günstigeres Angebot, sondern ein anderes Produkt. Zweitens: Bei schwierigen Wandaufbauten entstehen Zusatzkosten für Sonderbefestigungen, Traversen oder Zargenverstärkungen, die vor der Bestellung geklärt werden müssen. Drittens: Bei Wärmedämmverbundsystemen ist ein tragender Anschluss an die Rohbauwand erforderlich, was zusätzliche Arbeit bedeutet.

Förderung, Nachweise und Nebenkosten

Für Maßnahmen zum Einbruchschutz an bestehenden Wohngebäuden steht ein zinsverbilligter Kredit der KfW im Programm Altersgerecht Umbauen zur Verfügung. Unabhängig von der jeweils gültigen Konditionsgestaltung gelten drei Regeln: Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn gestellt werden, die Maßnahme muss die technischen Mindestanforderungen des Programms erfüllen, und die Ausführung ist durch ein Fachunternehmen zu bestätigen. Prüfen Sie den aktuellen Programmstand unmittelbar vor Beauftragung; Zuschussvarianten für Einbruchschutz sind in der Vergangenheit ausgelaufen, während Kreditvarianten fortgeführt wurden.

Kalkulieren Sie zusätzlich zwei Nebenposten, die nicht auf der Handwerkerrechnung stehen. Erstens den Aufwand für die Beschaffung und Aufbewahrung der Nachweise. Zweitens mögliche Auswirkungen auf den Versicherungsvertrag: Manche Verträge honorieren geprüfte Sicherungstechnik, andere knüpfen Obliegenheiten daran. Eine schriftliche Mitteilung an den Versicherer nach dem Einbau kostet nichts und verhindert spätere Diskussionen.

Eigenleistung: wo sie trägt und wo sie die Klasse kostet

Sinnvoll ist Eigenleistung im Umfeld: Freiräumen des Arbeitsbereichs, Demontage von Garderobe und Bekleidung innen, Entfernen alter Beschläge an der Altanlage, Malerarbeiten an der Laibung nach Abschluss, Entsorgung von Kleinteilen. Diese Arbeiten berühren die Prüfkonfiguration nicht.

Ausgeschlossen ist Eigenleistung bei Verankerung, Hinterfütterung, Bodenanschluss und bei jeder Veränderung an Schloss, Zylinder, Beschlag oder Verglasung. Der Grund ist immer derselbe: Diese Bauteile waren Bestandteil des Prüfaufbaus. Sobald daran gearbeitet wird, gilt die Klassifizierung nicht mehr, und der Nachweis, den Sie eigentlich bezahlt haben, ist wertlos.

Eine besondere Konstellation betrifft Wohnungseigentum. Wohnungseingangstüren stehen nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs regelmäßig insgesamt im Gemeinschaftseigentum, weil sie den räumlichen Abschluss zwischen Sondereigentum und Gemeinschaftseigentum bilden. Der Austausch ist deshalb keine rein private Angelegenheit, sondern setzt einen Beschluss voraus. § 20 Abs. 2 Nr. 3 WEG gibt Ihnen einen Anspruch auf Gestattung angemessener Maßnahmen zum Einbruchsschutz; die Kosten trägt in der Regel derjenige, der die Maßnahme verlangt. Kalkulieren Sie den Zeitbedarf für die Beschlussfassung mit ein, denn er bestimmt bei vielen Vorhaben den Termin, nicht die Lieferzeit.

Was Sie selbst rechnen können

Sie können die fünf Blöcke aus den Angeboten herauslösen und einzeln vergleichen, den laufenden Aufwand über Ihre geplante Haltedauer hochrechnen und die Frage beantworten, ob eine höhere Klasse innerhalb Ihres Budgets zulasten von Glasfläche oder Ausstattung darstellbar ist. Sie können außerdem prüfen, ob ein Angebot die Nachweise enthält, deren Fehlen später teuer wird.

Nicht kalkulierbar ist für Sie der Aufwand für Sonderbefestigungen, solange die Wandöffnung nicht geprüft wurde, und der Aufwand für Anschlussarbeiten, solange die alte Zarge im Bauwerk steckt. Verlangen Sie für beides Positionen mit offengelegten Annahmen statt eines späteren Nachtrags. Und lassen Sie sich die Klassenempfehlung nicht vom Verkäufer, sondern von einer neutralen Stelle bestätigen: Die polizeilichen Beratungsstellen prüfen Ihr Schutzziel, ohne ein Produkt zu verkaufen.

Nachrüsten

Der Montagetag entscheidet über die Klasse

Bei einbruchhemmenden Türelementen ist der Einbau kein handwerklicher Anhang zur Lieferung, sondern Teil der geprüften Eigenschaft. DIN EN 1627 klassifiziert das Element einschließlich der Befestigung im Baukörper, wie sie in der Montageanleitung des Herstellers beschrieben ist. Wird abweichend montiert, ist das Element nicht mehr klassifiziert, obwohl das Typenschild unverändert daran hängt.

Praktisch heißt das: Die Montageanleitung gehört vor Arbeitsbeginn auf den Tisch, nicht in den Karton. Sie legt Anzahl, Lage und Art der Befestigungspunkte fest, benennt zulässige Untergründe, schreibt vor, ob und wie die Zarge hinterfüttert wird, und regelt den Anschluss am Boden. Lassen Sie sich diese Unterlage aushändigen und in der Übergabemappe ablegen.

Vorbereitung: fünf Punkte vor dem Liefertermin

Erstens die Rechtslage. In der Wohnungseigentümergemeinschaft gehören Wohnungseingangstüren nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs regelmäßig zum Gemeinschaftseigentum; ein Austausch setzt daher einen Beschluss voraus. § 20 Abs. 2 Nr. 3 WEG gibt Ihnen einen Anspruch auf Gestattung angemessener Maßnahmen zum Einbruchsschutz, die Kosten trägt in der Regel derjenige, der die Maßnahme verlangt hat. Als Mieter benötigen Sie die Erlaubnis des Vermieters; § 554 BGB gibt Ihnen dafür einen Anspruch, erlaubt dem Vermieter aber, eine Sicherheitsleistung für den Rückbau zu verlangen. Regeln Sie in beiden Fällen schriftlich, was bei Auszug oder Verkauf geschieht.

Zweitens die Wandfreigabe. Für den vorhandenen Wandaufbau muss eine schriftliche Aussage des Herstellers zu Befestigungsmitteln und Verankerungstiefen vorliegen. Bei Wärmedämmverbundsystemen, Porenbeton, Hochlochziegeln mit dünnen Stegen und Holzständerwänden ist das ein eigener Klärungspunkt.

Drittens der Zugang. Klären Sie, wie das Element ins Haus kommt, ob Treppenhaus oder Vorbau ausreichen und wo das Altelement zwischengelagert wird.

Viertens die Provisorien. Zwischen Ausbau und fertiger Montage ist das Haus offen. Vereinbaren Sie, dass die Montage an einem Tag abgeschlossen wird oder dass ein verschließbarer Provisoriumszustand hergestellt wird.

Fünftens die Anschlüsse. Klingel, Gegensprechanlage, Türöffner und Beleuchtung sind vor dem Ausbau zu erfassen und nach dem Einbau wiederherzustellen. Ein Leerrohr für spätere Elektrifizierung wird jetzt gelegt, nicht später durch die neue Zarge gebohrt.

Montagefolge und die Punkte, an denen Sie hinsehen sollten

Nach dem Ausbau des Altelements wird die Öffnung geprüft: Maße, Ebenheit, Tragfähigkeit des Untergrunds, Zustand der Laibung. Erst dann wird die neue Zarge gesetzt, ausgerichtet und in Lage fixiert. Achten Sie darauf, dass die Zarge lot- und fluchtgerecht steht, bevor verankert wird, denn ein verzogener Rahmen bringt die Verriegelungspunkte dauerhaft aus ihrer Lage.

Die Verankerung ist der Kernschritt. Die Befestigungspunkte liegen dort, wo die Montageanleitung sie vorsieht, insbesondere auf Höhe der Schlosskästen und der Bänder, weil dort die Angriffskräfte eingeleitet werden. Zwischen Zarge und Mauerwerk wird an diesen Punkten hinterfüttert, damit die Zarge sich unter Hebellast nicht eindrücken lässt. Ein reines Ausschäumen ohne Hinterfütterung ist keine tragende Verbindung, sondern nur Dämmung und Abdichtung.

Anschließend folgen Bodenanschluss, Fugenabdichtung innen und außen sowie das Einhängen und Einstellen des Türblatts. Erst danach werden Beschlag, Zylinder und gegebenenfalls elektrische Komponenten montiert. Beim Zylinder wird die Länge so gewählt, dass er außen bündig oder nur minimal übersteht.

Halten Sie den Zustand vor dem Verschließen der Fugen mit einer Fotodokumentation fest: sichtbare Befestigungspunkte, Hinterfütterung, Bodenanschluss. Nach dem Verputzen ist keine dieser Stellen mehr einsehbar.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfschritt Erwartetes Ergebnis Nicht bestanden, wenn
Türblatt öffnen und schließen gleichmäßiger Lauf, kein Schleifen an Zarge oder Boden Blatt streift oder fällt von allein zu
Schlüssel vollständig drehen alle Riegel und Haken fahren hörbar und vollständig aus ein Verriegelungspunkt bleibt zurück
Bei selbstverriegelndem Schloss nur zuziehen Riegel fahren selbsttätig aus nur die Falle greift
Zylinder von außen abtasten bündig oder minimal überstehend Zylinder umgreifbar
Schutzbeschlag prüfen von außen nicht demontierbar, Zylinder abgedeckt Schraubenköpfe außen sichtbar
Falzluft umlaufend prüfen gleichmäßiger Spalt über die gesamte Höhe Spalt oben und unten deutlich verschieden
Dichtung prüfen umlaufend anliegend, gleichmäßiger Anpressdruck Papierblatt lässt sich an einer Stelle widerstandslos ziehen
Öffnen von innen ohne Hilfsmittel funktioniert bei verriegelter Tür in einem Zug Schlüssel von innen erforderlich, obwohl Rettungsweg
Elektrische Komponenten testen Türöffner, Klingel, Beleuchtung arbeiten Funktion nur zeitweise oder mit Verzögerung
Verhalten bei Stromausfall prüfen Tür bleibt verriegelt, mechanische Öffnung funktioniert Tür entriegelt oder lässt sich nicht mehr öffnen
Typenschild und Prüfzeugnis abgleichen Klasse und Konfiguration stimmen überein Zeugnis deckt Seitenteil oder Verglasung nicht ab

Gehen Sie diese Liste gemeinsam mit dem Errichter durch und lassen Sie das Ergebnis abzeichnen. Prüfen Sie die letzten drei Zeilen besonders sorgfältig, weil sie nach Abschluss der Arbeiten kaum noch nachverhandelbar sind.

Einweisung der Nutzer

Die Einweisung hat vier Inhalte, die in dieser Reihenfolge vermittelt werden sollten. Erstens die Bedienung: Wie wird verriegelt, wie wird entriegelt, was bedeutet welches Geräusch? Bei nicht selbstverriegelnden Schlössern gehört der Hinweis dazu, dass Zuziehen keine Verriegelung ist.

Zweitens die Schlüsselordnung: Wer hat wie viele Schlüssel, wo werden Reserveschlüssel aufbewahrt, an wen ist ein Verlust zu melden? Ein Schlüssel unter der Fußmatte oder im Blumenkasten entwertet jedes Element.

Drittens die Pflege: Welche Bauteile werden in welchem Intervall gefettet, wie werden Dichtungen behandelt, welche Reinigungsmittel sind für die Oberfläche zugelassen?

Viertens das Verhalten im Notfall: Wie wird die Tür von innen geöffnet, wenn Strom oder Elektronik ausfallen? Wo liegt der Notschlüssel? Diese Frage stellt sich bei elektrisch verriegelten Türen anders als bei rein mechanischen und muss vor dem ersten Ernstfall beantwortet sein.

Übergabemappe und Meldungen nach Abschluss

  • Prüfzeugnis der anerkannten Prüfstelle mit Angabe der Klasse und der geprüften Konfiguration
  • Montageanleitung des Herstellers
  • Montagebescheinigung des Errichters mit Bestätigung, dass nach dieser Anleitung befestigt wurde
  • Fotodokumentation der Befestigungspunkte vor dem Verschließen
  • abgezeichnetes Abnahmeprotokoll
  • Bedienungs- und Wartungsanleitung, Angaben zum Wartungsintervall
  • Schlüsselliste und Sicherungskarte für die Schlüsselnachbestellung
  • bei Wohnungseigentum der Beschluss, bei Miete die Zustimmung des Vermieters
  • bei Förderung die Fachunternehmererklärung und die Rechnungen

Melden Sie den Einbau anschließend Ihrer Hausratversicherung. Sicherungstechnik kann Vertragsbedingungen berühren, und eine schriftliche Mitteilung mit Kopie des Prüfzeugnisses verhindert spätere Auseinandersetzungen darüber, welches Niveau vorhanden war.

Was Sie selbst übernehmen können und wo Schluss ist

Eigenleistung ist bei Vor- und Nacharbeiten sinnvoll: Freiräumen, Demontage von Garderobe und Bekleidung, Entsorgung von Kleinteilen, Malerarbeiten an der Laibung nach abgeschlossener Montage, Pflege der Oberflächen und der Dichtungen im laufenden Betrieb.

Ausgeschlossen sind Verankerung, Hinterfütterung, Bodenanschluss, das Einstellen der Bänder, der Zylindertausch und jede Veränderung an Beschlag oder Verglasung. Diese Bauteile und Arbeitsschritte waren Bestandteil des Prüfaufbaus; ein Eingriff hebt die Klassifizierung auf. Wer die Tür selbst einbaut, kauft ein klassifiziertes Element und erhält ein nicht klassifiziertes Bauteil. Wenn Sie unsicher sind, ob eine geplante Änderung die Konfiguration verlässt, fragen Sie beim Hersteller nach oder holen Sie sich eine neutrale Einschätzung bei der polizeilichen Beratungsstelle für Kriminalprävention.

Sicher prüfen

Erst klären, was Sie überhaupt vor sich haben

Bevor eine Haustür bewertet werden kann, muss geklärt sein, ob sie ein klassifiziertes Element ist oder eine gewöhnliche Tür mit einzelnen Sicherheitsbauteilen. Der Nachweis steckt im Prüfzeugnis, das dem Element bei der Lieferung beilag, und häufig zusätzlich in einem Typenschild an der Falzseite von Türblatt oder Zarge, sichtbar bei geöffneter Tür. Fehlen beide, gehen Sie davon aus, dass keine Klassifizierung nach DIN EN 1627 vorliegt, egal wie massiv die Tür wirkt.

Diese Unterscheidung bestimmt den weiteren Prüfumfang. Bei einem klassifizierten Element prüfen Sie, ob der geprüfte Zustand noch besteht. Bei einer gewöhnlichen Tür prüfen Sie, welche Schwachstellen bestehen und ob eine Nachrüstung oder ein Tausch die richtige Antwort ist.

Die Prüfung von außen nach innen

Beginnen Sie außen und arbeiten Sie sich in dieser Reihenfolge vor.

Zylinder und Schutzbeschlag: Steht der Schließzylinder mehr als geringfügig über den Beschlag hinaus, ist er mit einem Ziehwerkzeug angreifbar. Fassen Sie den Zylinder mit den Fingern; lässt er sich erfühlen und umgreifen, ist er zu lang. Prüfen Sie außerdem, ob der Beschlag von außen verschraubt ist. Sichtbare Schraubenköpfe auf der Außenseite bedeuten, dass der Beschlag von außen demontierbar sein kann.

Bänder und Bandseite: Öffnen Sie die Tür und heben Sie das Türblatt am äußeren Rand an. Bewegt es sich spürbar, sind die Bänder ausgeschlagen. Prüfen Sie außerdem, ob auf der Bandseite Sicherungen gegen das Aushebeln vorhanden sind, etwa feststehende Zapfen, die beim Schließen in die Zarge eingreifen.

Schloss und Schließblech: Schließen Sie die Tür und drehen Sie den Schlüssel vollständig. Bei einer Mehrfachverriegelung müssen alle Riegel und Haken hörbar und vollständig ausfahren. Sehen Sie sich anschließend bei geöffneter Tür die Schließbleche an: Schleifspuren, ausgeweitete Aufnahmen oder ein Blech, das nur mit kurzen Schrauben im Zargenfalz sitzt, sind Befunde.

Zarge und Anschluss: Klopfen Sie die Zarge auf ihrer gesamten Höhe ab. Klingt sie über weite Strecken hohl, ist sie nicht hinterfüttert, und die Verankerung trägt nur punktuell. Prüfen Sie die Anschlussfuge außen auf Risse und Feuchtespuren.

Füllung und Seitenteile: Sind Glasflächen vorhanden, prüfen Sie, ob im Randbereich der Scheibe ein Aufdruck oder ein Etikett auf eine Klassifizierung nach DIN EN 356 hinweist. Ein ungeprüftes Seitenteil neben einer klassifizierten Tür ist die häufigste ungesicherte Fläche an ansonsten guten Anlagen.

Schwelle und Bodenanschluss: Ein Spalt unter der Tür, durch den ein Hebelwerkzeug passt, ist ein Angriffspunkt. Prüfen Sie, ob die Dichtung durchgehend aufliegt.

Befundmatrix mit Prioritäten

Befund Wirkung Dringlichkeit Zuständig
Zylinder steht deutlich über den Beschlag hinaus Kernziehen möglich sofort Facherrichter, Zylinder aus Prüfkonfiguration
Riegel fährt nicht mehr vollständig aus Verriegelung wirkt nur teilweise sofort Fachbetrieb für Türtechnik
Frische Hebelspuren an Falz oder Zarge abgebrochener Versuch sofort, zusätzlich Anzeige Polizei und Fachbetrieb
Schutzbeschlag von außen verschraubt oder lose Beschlag demontierbar sofort Facherrichter
Türblatt hängt, Bänder ausgeschlagen Falz öffnet sich, Angriffsfläche wächst bald Fachbetrieb
Zarge klingt hohl, nicht hinterfüttert Verankerung trägt nur punktuell bald, im Zweifel mit Elementtausch verbinden Facherrichter
Schließblech mit kurzen Schrauben im Falz Blech reißt bei Hebelbelastung aus bald Fachbetrieb
Seitenteil oder Oberlicht ohne Nachweis ungeschützte Fläche neben geprüfter Tür bald Fachplanung, gegebenenfalls Nachrüstung
Dichtung hart, Türblatt schließt ohne Anpressdruck Falzspiel wächst, Zugluft und Hebelansatz planbar Fachbetrieb
Kein Prüfzeugnis auffindbar Schutzniveau nicht belegbar planbar, aber vor jedem Versicherungsfall Hersteller oder Errichter, Unterlagen anfordern
Türspion fehlt oder Sichtfeld verdeckt Identitätsprüfung vor dem Öffnen nicht möglich planbar einfache Nachrüstung möglich

Sofort bedeutet in dieser Aufstellung: Die Tür bietet derzeit nicht den Widerstand, für den sie ausgelegt wurde. Bald bedeutet: Die Wirkung nimmt messbar ab, aber es besteht noch Restschutz. Planbar bedeutet: einordnen in die nächste ohnehin anstehende Maßnahme.

Warnzeichen, die keine Verschleißerscheinungen sind

Bestimmte Beobachtungen deuten auf gezieltes Ausspähen oder auf einen Versuch hin. Dazu gehören frische Kratzer rund um den Zylinder, Klebemarkierungen oder Kreidezeichen an Klingelschild, Briefkasten oder Zargenkante, ein Papierstreifen im Türfalz und aufgebogene Schließbleche. Auch ein Zylinder, der plötzlich schwergängig wird, kann auf einen Manipulationsversuch hindeuten.

Dokumentieren Sie solche Funde mit einer Fotodokumentation samt Datum und melden Sie sie der Polizei, auch ohne Schaden. Ein zweites Warnzeichen liegt in der Umgebung: Wenn in der Nachbarschaft mehrere Versuche stattgefunden haben, ändert sich die Gefährdungslage Ihres Objekts, ohne dass sich an der Tür etwas verändert hat.

Was ein Prüfprotokoll enthalten soll

Führen Sie ein einfaches, wiederverwendbares Protokoll mit festen Zeilen: Datum, geprüftes Element, Zylinderüberstand, Zustand Beschlag, Funktion aller Verriegelungspunkte, Bandspiel, Zustand Schließbleche, Zustand Dichtung, Zustand Anschlussfuge, Auffälligkeiten, Maßnahme, Erledigungsdatum.

Legen Sie dem Protokoll drei Unterlagen bei: das Prüfzeugnis des Elements, die Montagebescheinigung des Errichters und die Rechnung. Diese drei Dokumente sind im Schadenfall die Grundlage dafür, das vorhandene Sicherungsniveau überhaupt zu belegen. Bei Wohnungseigentum kommt der Beschluss hinzu, mit dem die Tür genehmigt wurde.

Legen Sie außerdem eine Zeile für die Nutzung an: Wird beim Verlassen des Hauses abgeschlossen? Bei Türen ohne selbstverriegelndes Schloss ist die zugezogene Tür lediglich durch die Falle gehalten. Das ist der häufigste Grund, weshalb ein technisch gutes Element im Ernstfall nichts nützt, und es ist der einzige Punkt der gesamten Prüfung, der nichts kostet.

Was Sie prüfen dürfen und was der Fachkraft vorbehalten ist

Alles bisher Beschriebene lässt sich gefahrlos mit der Hand, dem Auge und einem Blatt Papier durchführen. Sie öffnen dabei kein Bauteil und verändern nichts.

Drei Dinge gehören nicht in Eigenarbeit. Erstens: der Austausch des Schließzylinders an einem klassifizierten Element. Der Zylinder gehört zur geprüften Einheit; ein Ersatzteil ohne entsprechende Angriffswiderstandsklasse nach DIN EN 1303 beziehungsweise DIN 18252 hebt die Klassifizierung auf, selbst wenn er mechanisch passt. Zweitens: das Nachstellen der Mehrfachverriegelung und der Bänder. Werden Riegel und Schließbleche gegeneinander verspannt, verschleißt das Getriebe schnell, und der Reparaturaufwand übersteigt die Ersparnis deutlich. Drittens: jeder Belastungsversuch mit Werkzeug. Die Widerstandszeit eines Elements wird ausschließlich unter den Bedingungen von DIN EN 1630 mit definiertem Werkzeugsatz ermittelt; ein Versuch am eigenen Objekt liefert keine verwertbare Aussage, beschädigt aber die Anlage.

Ebenfalls außerhalb der Eigenbeurteilung liegt die Frage, ob eine vorhandene Zarge nachträglich ertüchtigt werden kann oder ob der Elementtausch die einzige belastbare Lösung ist. Diese Bewertung setzt Kenntnis der Verankerungssituation voraus und gehört zum Facherrichter. Für eine neutrale Zweiteinschätzung Ihrer Befundliste stehen die polizeilichen Beratungsstellen für Kriminalprävention kostenfrei zur Verfügung; nehmen Sie Ihr ausgefülltes Protokoll und die Fotodokumentation zu diesem Termin mit.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes — Technische Sicherung gegen Einbruch
  2. K-EINBRUCH (Polizeiliche Kriminalprävention) — Haus- und Wohnungstür sichern
  3. § 554 BGB — Barrierereduzierung, E-Mobilität, Einbruchsschutz
  4. § 20 WEG — Bauliche Veränderungen
  5. KfW — Einbruchschutz, Investitionszuschuss (455-E)
  6. Polizeidirektion Hannover – Einbruchhemmende Türelemente nach DIN EN 1627–1630
  7. Bundeskriminalamt – Polizeiliche Kriminalstatistik 2025
  8. KfW – Einbruchschutz für die Bestandsimmobilie
  9. DIN EN 1627:2021-11 – Türen, Fenster, Vorhangfassaden, Gitterelemente und Abschlüsse – Einbruchhemmung – Anforderungen und Klassifizierung (DIN Media)
  10. DIN EN 1630:2021-11 – Einbruchhemmung – Prüfverfahren für die Ermittlung der Widerstandsfähigkeit gegen manuelle Einbruchversuche (DIN Media)
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