Fenstersicherung zum Nachrüsten: Planen, Systeme vergleichen, Kosten kalkulieren und nachrüsten
Eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer. Im Mittelpunkt: Geräte, Leitungswege, Montage, Prüfungen. Dazu kommen planen, Systeme vergleichen, nachrüsten und sicher prüfen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
- Die Seite trennt alternative Systeme nach einheitlichen Sicherheitskriterien.
- Der Beitrag liefert eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer.
- Ein eigener Abschnitt deckt Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.
- Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
Dieser Ratgeber führt zusammen, was bei Fenstersicherung zum Nachrüsten nacheinander ansteht: Planen, Systeme vergleichen, Kosten kalkulieren, nachrüsten und sicher prüfen.
Planen
Zuerst die Schwachstelle bestimmen, dann das Produkt
Bei Einfamilienhäusern hebeln Täter Fenster und Fenstertüren weit häufiger auf, als sie Glas einschlagen. Der Ansatzpunkt liegt fast immer im Falz zwischen Flügel und Blendrahmen, das Werkzeug ist meist ein Schraubendreher oder ein kleines Brecheisen. Wer das weiß, plant nicht abstrakt “mehr Sicherheit”, sondern verteilt Widerstand entlang der Linie, an der tatsächlich gehebelt wird: Verschlussseite, Bandseite, Kippspalt und Griff.
Die Planung beginnt deshalb mit einer Aufnahme jeder einzelnen Öffnung. Notiert werden Lage über Gelände, Erreichbarkeit ohne Leiter, Sichtschutz durch Hecken oder Nebengebäude, Öffnungsart (Dreh, Dreh-Kipp, Schiebe, Hebe-Schiebe, Festverglasung), Rahmenmaterial, vorhandenes Beschlagsystem und Zustand von Dichtung und Flügelgeometrie. Diese Bestandsaufnahme ist die eigentliche Planungsleistung. Alles Weitere ist Zuordnung von Maßnahmen zu erkannten Schwachstellen.
Was Nachrüstprodukte leisten und was sie ausdrücklich nicht sind
Für nachrüstbare Sicherungen gelten zwei eigene Normenteile. DIN 18104-1 beschreibt aufschraubbare Nachrüstprodukte für Fenster und Türen, also Zusatzschlösser, Stangenschlösser, Bandseitensicherungen und vergleichbare Bauteile, die außen auf Flügel und Rahmen montiert werden. DIN 18104-2 behandelt im Falz eingelassene Nachrüstsysteme, bei denen der vorhandene Beschlag ergänzt oder ersetzt wird. Der entscheidende Unterschied liegt in der Prüfung: Bei Teil 2 wird das nachgerüstete Fenster als Ganzes geprüft, bei Teil 1 im Kern das einzelne aufschraubbare Produkt.
Daraus folgt eine Aussage, die in Angebotsgesprächen oft untergeht: Ein nachgerüstetes Fenster ist kein Element nach DIN EN 1627. Die Widerstandsklassen RC 1 N bis RC 6 werden nur an vollständig geprüften Einheiten aus Rahmen, Flügel, Beschlag, Verglasung und Befestigung vergeben, und zwar nach den Prüfverfahren DIN EN 1628, DIN EN 1629 und DIN EN 1630. Eine Nachrüstung kann das Schutzniveau spürbar heben, sie erzeugt aber keine RC-Klasse und darf auch nicht so beworben werden. Wer eine geprüfte Klasse braucht, etwa weil ein Versicherungsvertrag oder eine Förderbedingung sie verlangt, muss das Element tauschen.
Schutzziel je Öffnung festlegen
Ein einheitliches Niveau für alle Fenster im Haus ist selten sinnvoll und selten bezahlbar. Sinnvoll ist eine Abstufung nach Erreichbarkeit, denn genau daran orientiert sich auch die Empfehlung der polizeilichen Kriminalprävention: Alle leicht erreichbaren Öffnungen werden zuerst und auf gleichem Niveau gesichert, weil der Täter die schwächste davon aussucht.
| Öffnung und Lage | Erreichbarkeit | Mindestanforderung an die Nachrüstung | Verzicht vertretbar, wenn |
|---|---|---|---|
| Erdgeschossfenster zum Garten | ohne Hilfsmittel, uneinsehbar | Sicherung auf Band- und Verschlussseite, abschließbarer Griff | nie |
| Fenstertür oder Terrassentür | ohne Hilfsmittel | mehrere Verriegelungspunkte je Seite, Sicherung gegen Anheben | nie |
| Kellerfenster, Lichtschacht | ohne Hilfsmittel, oft verdeckt | verankertes Gitter oder verschraubte Schachtabdeckung | Öffnung dauerhaft zugemauert |
| Fenster über Garagendach, Vordach, Wintergarten | über feste Aufstiegshilfe | wie Erdgeschoss behandeln | Aufstiegshilfe entfernt oder gesichert |
| Obergeschossfenster ohne Aufstiegshilfe | nur mit mitgebrachter Leiter | abschließbarer Griff, Rollladen-Hochschiebesicherung | keine Leiter oder Gerüst am Haus verfügbar |
| Dachflächenfenster | nur über Dach | im Regelfall nachrangig | ständig zugängliches Flachdach fehlt |
Aus dieser Zuordnung ergibt sich zugleich die Reihenfolge der Umsetzung. Wird das Budget knapp, streichen Sie Zeilen von unten, nicht von oben.
Technische Anforderungen, die vor dem Angebot geklärt sein müssen
Drei Bauteileigenschaften entscheiden darüber, welche Nachrüstung überhaupt in Frage kommt. Erstens das Rahmenmaterial: Kunststoffprofile tragen Zusatzsicherungen nur, wenn im Profil eine Stahlarmierung vorhanden ist und die Befestigungsmittel in diese Armierung greifen. Ohne Armierung reißen Schrauben unter Hebellast aus dem Profil, und die Sicherung täuscht Schutz vor. Zweitens der Beschlag: Falzprodukte nach DIN 18104-2 setzen voraus, dass das vorhandene Beschlagsystem passende Nuten und Schließstücke aufnimmt und dass der Hersteller entsprechende Komponenten anbietet. Drittens die Flügelgeometrie: Ein Flügel, der sich verzogen hat oder dessen Dichtung nicht mehr trägt, muss vor jeder Sicherung justiert werden, sonst arbeiten die neuen Verriegelungspunkte nicht gleichmäßig.
Hinzu kommt der Griff. Ein abschließbarer Fenstergriff allein ist keine Sicherung gegen Aufhebeln; er verhindert lediglich, dass der Griff nach einem Loch in der Scheibe oder durch den Falz von außen gedreht wird. Sinnvoll wird er erst zusammen mit Verriegelungen, die den Flügel im Rahmen halten. Achten Sie auf Griffe nach DIN 18267 mit Bohrschutz und darauf, dass der Schlüssel abgezogen und nicht am Fenster gelagert wird.
Reserven und Erweiterbarkeit mitplanen
Eine Nachrüstung, die in fünf Jahren erweitert werden soll, plant man anders. Wenn eine Einbruchmeldeanlage später denkbar ist, lassen Sie an den wichtigsten Öffnungen Leerrohre oder Kabelwege vorsehen und wählen Sie Zusatzschlösser, für die der Hersteller Riegelschaltkontakte anbietet. Diese Kontakte melden nicht nur, dass ein Fenster geschlossen ist, sondern dass es tatsächlich verriegelt wurde, und sind damit die Voraussetzung für eine zwangsläufige Scharfschaltung.
Zweite Reserve: Planen Sie Sicherungen so, dass Fluchtwege nutzbar bleiben. Fenstergitter und abschließbare Beschläge an Räumen, die als zweiter Rettungsweg dienen, schaffen ein Risiko, das den Sicherheitsgewinn aufwiegen kann. Klären Sie diese Frage vor der Produktauswahl, nicht danach.
Dritte Reserve: Bei Mietwohnungen und Eigentumswohnungen gehört die Zustimmung in die Planung. Nach § 554 BGB kann ein Mieter die Erlaubnis für bauliche Veränderungen verlangen, die dem Einbruchsschutz dienen; der Vermieter darf sie nur unter Abwägung der beiderseitigen Interessen verweigern und kann eine Sicherheitsleistung für den späteren Rückbau verlangen. In der Wohnungseigentümergemeinschaft eröffnet § 20 Abs. 2 Nr. 3 WEG einen Anspruch auf Gestattung angemessener Maßnahmen zum Einbruchsschutz, die Kosten trägt dabei regelmäßig derjenige, der die Maßnahme verlangt.
Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot
Verlangen Sie in jedem Angebot folgende Angaben schriftlich, damit Sie Leistungen überhaupt vergleichen können:
- Für jedes Produkt die Angabe, ob es nach DIN 18104-1 oder DIN 18104-2 geprüft ist, mit Nennung der Prüfstelle und der Zertifikatsnummer.
- Öffnungsbezogene Aufstellung: welche Sicherung an welchem Fenster, mit Angabe der Anzahl der Verriegelungspunkte je Flügelseite.
- Nachweis, dass die Befestigung im vorhandenen Rahmenmaterial trägt, bei Kunststoffprofilen mit Aussage zur Armierung.
- Aussage dazu, ob der vorhandene Beschlag Falzprodukte aufnimmt, und wenn nein, welche Alternative vorgesehen ist.
- Behandlung des Griffs, der Kippstellung und der Bandseite als eigene Positionen.
- Angabe, ob Justage der Flügel und Erneuerung von Dichtungen im Preis enthalten sind.
- Erklärung, dass die Montage nach der Montageanleitung des Herstellers erfolgt, sowie eine Montagebescheinigung nach Abschluss.
Grenzen der eigenen Beurteilung
Sie können die Bestandsaufnahme selbst machen, Erreichbarkeiten bewerten, Öffnungsarten zählen und Angebote anhand der obigen Liste sortieren. Auch die Frage, ob Aufstiegshilfen am Haus stehen, beantworten Sie besser als jeder Außenstehende.
Nicht beurteilen können Sie ohne Fachkenntnis, ob ein bestimmtes Profil die Krafteinleitung eines Zusatzschlosses aufnimmt, ob der vorhandene Beschlag mit Falzprodukten eines anderen Herstellers zusammengeht und ob eine Sicherung an dieser konkreten Stelle den geprüften Widerstand erreicht. Diese Fragen gehören zu einem Facherrichter. Eine herstellerneutrale Zweitmeinung erhalten Sie kostenfrei bei den polizeilichen Beratungsstellen für Kriminalprävention, die auch Verzeichnisse geeigneter Errichterbetriebe führen. Nutzen Sie diese Beratung vor der Angebotseinholung, nicht erst, wenn die Montage steht.
Systeme vergleichen
Sechs Wege zu mehr Widerstand am Fenster
Für ein bestehendes Fenster gibt es nicht eine Nachrüstlösung, sondern sechs grundsätzlich verschiedene Ansätze, die unterschiedliche Angriffsarten adressieren. Aufschraubbare Zusatzsicherungen nach DIN 18104-1 arbeiten sichtbar auf Flügel und Rahmen. Falzsysteme nach DIN 18104-2 verändern den Beschlag im Falzbereich. Der vollständige Beschlagumbau ersetzt Rollzapfen durch Pilzkopfzapfen mit Sicherheitsschließstücken. Der Elementtausch ersetzt das gesamte Fenster durch eine geprüfte Einheit nach DIN EN 1627. Mechanische Vorbauten wie Gitter, Rollläden mit Hochschiebesicherung oder Klappläden verlagern den Widerstand vor die Glasebene. Und schließlich verändern Verglasungsmaßnahmen die Scheibe selbst.
Diese Ansätze schließen sich nicht aus, aber sie sind unterschiedlich belastbar, unterschiedlich rückbaubar und unterschiedlich nachweisbar. Der Vergleich lohnt sich deshalb entlang einheitlicher Kriterien statt entlang von Produktnamen.
Der entscheidende Trennstrich: geprüftes Produkt oder geprüftes Element
Alle Nachrüstwege haben eine gemeinsame Obergrenze. Die Widerstandsklassen RC 1 N bis RC 6 nach DIN EN 1627 werden ausschließlich an vollständigen Elementen vergeben, die als Einheit aus Rahmen, Flügel, Beschlag, Verglasung und vorgeschriebener Befestigung geprüft wurden. Geprüft wird nach DIN EN 1628 gegen statische Last, nach DIN EN 1629 gegen dynamische Last und nach DIN EN 1630 im manuellen Einbruchversuch mit definiertem Werkzeugsatz und definierter Widerstandszeit.
Ein nachgerüstetes Fenster durchläuft dieses Verfahren nicht. Es kann sehr wohl deutlich mehr Widerstand leisten als vorher, aber es trägt keine Klasse. Umgekehrt darf ein geprüftes Element nach der Montage nicht beliebig verändert werden, weil der Austausch eines geprüften Bauteils die Klassifizierung entwertet. Wer Angebote vergleicht, sollte diesen Trennstrich in jeder Zeile mitlesen: Wird ein Produkt zertifiziert oder ein Element klassifiziert?
Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen
| System | Wirkt gegen | Nachweis, den Sie verlangen | Mindestanforderung | Ausschlusskriterium |
|---|---|---|---|---|
| Aufschraubbare Zusatzsicherung | Aufhebeln an Verschluss- und Bandseite | Zertifikat nach DIN 18104-1 mit Prüfstelle | paarweise Montage an beiden Flügelseiten, Verschraubung in tragendem Material | Kunststoffprofil ohne erreichbare Stahlarmierung |
| Falzsystem im Beschlagbereich | Aufhebeln, verdeckt liegend | Zertifikat nach DIN 18104-2 für genau diese Beschlagkombination | Pilzkopfzapfen mit Sicherheitsschließstücken auf beiden Seiten | Beschlagsystem nimmt keine passenden Schließstücke auf |
| Vollständiger Beschlagumbau | Aufhebeln über die gesamte Flügelhöhe | Herstellerfreigabe für Profil und Flügelgewicht | umlaufende Verriegelung, abschließbarer Griff | Flügel verzogen oder Rahmen ausgerissen |
| Elementtausch nach DIN EN 1627 | alle geprüften Angriffsarten der Klasse | Prüfzeugnis einer anerkannten Prüfstelle plus Montageanleitung | mindestens RC 2 an leicht erreichbaren Öffnungen | Denkmalauflage verhindert Profilwechsel |
| Gitter, Rollladen, Klappladen | Zugang vor der Glasebene | Verankerungsnachweis, bei Rollläden Hochschiebesicherung | Verankerung im tragenden Mauerwerk, nicht im Putz oder Dämmstoff | Öffnung ist zweiter Rettungsweg |
| Verglasungsmaßnahme | Durchwurf und Durchgriff | Klassifizierung nach DIN EN 356 | bei Elementen ab RC 2 durchwurfhemmende Verglasung als Teil der Prüfung | nachträgliche Folie ohne geprüfte Randeinfassung |
Die letzte Zeile verdient eine Erläuterung. Nachträglich aufgeklebte Sicherheitsfolien sind kein Ersatz für geprüfte Verglasung, weil die Klassifizierung nach DIN EN 356 an der Scheibe im eingebauten Zustand hängt, einschließlich Klotzung und Halterung. Eine Folie kann das Splitterbild verändern; die Scheibe bleibt aus dem Falz herausdrückbar, wenn die Verglasung nicht entsprechend gesichert ist.
Schnittstellen zu Alarmtechnik und Gebäudetechnik
Nachrüstsysteme unterscheiden sich erheblich darin, wie gut sie sich später in eine Einbruchmeldeanlage einbinden lassen. Aufschraubbare Zusatzschlösser vieler Hersteller sind mit Riegelschaltkontakten erhältlich, die nicht nur den geschlossenen, sondern den verriegelten Zustand melden. Dieser Unterschied ist für die Zwangsläufigkeit einer Alarmanlage wesentlich: Nur ein verriegelt gemeldeter Flügel erlaubt die Scharfschaltung ohne Zwangsöffnung des Sicherungsbereichs.
Falzsysteme lassen sich schwerer nachträglich kontaktieren, weil die Kontakte im Falz liegen und die Leitungsführung durch den Flügel geht. Wer eine spätere Anlage plant, sollte diese Frage vor der Systementscheidung stellen und nicht danach.
Beim Datenschutz spielt die Fenstersicherung selbst keine Rolle, solange keine Sensorik mit Netzanbindung verbaut wird. Sobald Funkkontakte mit Cloudanbindung ins Spiel kommen, verschiebt sich die Bewertung: Dann sind Herstellersupport, Updatefähigkeit und Datenübermittlung Teil des Vergleichs, und die Empfehlungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik zum abgetrennten Netzsegment und zu aktuellen Firmwareständen gelten wie bei jeder vernetzten Gebäudetechnik.
Verhalten bei Fehlfunktion und Verschleiß
Ein Kriterium, das in Prospekten selten auftaucht, ist das Verhalten am Lebensende. Rein mechanische Nachrüstungen fallen nicht plötzlich aus, sie werden schwergängig. Das ist ein Vorteil: Der Nutzer merkt die Verschlechterung, bevor sie zur Schwachstelle wird. Bei Zusatzschlössern mit eigenem Zylinder ist der klemmende Schlüssel das Frühsignal, bei Falzsystemen der Griff, der sich nur noch mit spürbarem Widerstand in die Verschlussstellung bringen lässt.
Kritisch wird es bei Systemen, die im Fehlerfall in der offenen Stellung stehen bleiben. Bei automatisch verriegelnden Beschlägen und bei motorisch angetriebenen Zusatzverriegelungen muss deshalb geklärt sein, wie die Verriegelung von Hand herzustellen ist. Verlangen Sie diese Angabe in der Systembeschreibung.
Bei Gittern und Klappläden ist das Ausfallrisiko die Verankerung. Korrosion an der Befestigung ist von außen schwer zu erkennen, weil sie hinter der Rosette beginnt. Ein System mit sichtbarer, prüfbarer Verankerung ist einem verdeckten vorzuziehen, wenn beide sonst gleichwertig sind.
Entscheidungsweg in vier Fragen
Erstens: Verlangt eine Versicherungspolice oder eine Förderbedingung ein Element mit Klassifizierung nach DIN EN 1627? Wenn ja, entfallen alle Nachrüstwege, und die Entscheidung lautet Elementtausch.
Zweitens: Ist der vorhandene Flügel in einem Zustand, der zusätzliche Krafteinleitung aufnimmt? Wenn Bänder ausgeschlagen sind, der Flügel schleift oder das Holz im Falzbereich weich ist, ist eine Instandsetzung vorgeschaltet oder der Tausch die ehrlichere Lösung.
Drittens: Nimmt der vorhandene Beschlag Falzkomponenten auf? Wenn ja, ist der Falzweg optisch und funktional der unauffälligste. Wenn nein, sind aufschraubbare Sicherungen der belastbarste Weg, sofern die Verschraubung trägt.
Viertens: Ist die Öffnung ein Rettungsweg? Dann scheiden Gitter und dauerhaft abgeschlossene Beschläge aus, unabhängig davon, wie gut sie sonst abschneiden.
Grenzen des Vergleichs durch Laien
Sie können Zertifikate anfordern, Prüfstellen und Zertifikatsnummern gegenprüfen, Angebote auf gleiche Sicherungspunkte normieren und die Rettungswegfrage klären. Das deckt den größten Teil der Auswahl ab.
Nicht beurteilen können Sie, ob die Krafteinleitung in ein konkretes Profil trägt, ob ein Falzsystem mit dem vorhandenen Beschlag eine geprüfte Kombination bildet und ob eine vorhandene Verglasung im Falz ausreichend gehalten wird. Für diese Punkte brauchen Sie einen Facherrichter, der die Kombination verantwortet. Eine herstellerunabhängige Einschätzung liefern die polizeilichen Beratungsstellen für Kriminalprävention, die zu allen sechs Wegen Stellung nehmen, ohne ein Produkt zu verkaufen.
Kosten kalkulieren
Warum die Stückzahl den Preis bestimmt und nicht das Produkt
Wer Angebote für nachgerüstete Fenstersicherungen vergleicht, stolpert regelmäßig über dieselbe Verzerrung: Zwei Angebote nennen dasselbe Produkt, unterscheiden sich aber deutlich, weil das eine mit zwei Verriegelungspunkten je Flügel rechnet und das andere mit vier. Die Kostenrechnung muss deshalb nicht in Produkten geführt werden, sondern in Sicherungspunkten. Ein Sicherungspunkt ist eine Stelle, an der Flügel und Rahmen zusätzlich formschlüssig verbunden werden.
Aus dieser Zählweise ergibt sich das Mengengerüst: Anzahl der zu sichernden Flügel, je Flügel die Punkte auf der Verschlussseite und auf der Bandseite, dazu Griff, Kippsicherung und gegebenenfalls Anhebesicherung bei Schiebeelementen. Erst wenn dieses Mengengerüst steht, sind Angebote überhaupt vergleichbar. Verlangen Sie es als Anlage zum Angebot und nicht als Pauschalzeile.
Die vier Kostenblöcke über die Nutzungsdauer
Rechnen Sie nicht über den Anschaffungszeitpunkt, sondern über die Zeit, die das gesicherte Fenster im Haus bleibt. Bei Kunststoff- und Holzfenstern liegt diese Spanne meist bei mehreren Jahrzehnten, bei Beschlägen und Dichtungen deutlich darunter. Vier Blöcke bestimmen die Summe.
Der erste Block ist das Material: Zusatzschlösser, Falzsicherungen, Schließstücke, Griffe, Gitter. Er skaliert linear mit der Zahl der Sicherungspunkte und wird nur durch die Produktqualität moduliert.
Der zweite Block ist die Montage. Er skaliert nicht linear, weil Anfahrt, Aufmaß und Einrichtung als Grundaufwand einmal anfallen. Deshalb wird die Sicherung des zehnten Flügels je Stück günstiger als die des zweiten, und deshalb ist es fast immer teurer, eine Nachrüstung über drei Jahre in drei Etappen zu verteilen.
Der dritte Block ist die Vorarbeit am Bestand. Verzogene Flügel, ausgeschlagene Bänder, gealterte Dichtungen und ausgerissene Schrauben im Blendrahmen müssen instand gesetzt werden, bevor Sicherungen greifen. Dieser Block ist der häufigste Grund für Nachträge, weil er sich seriös erst nach der Aufnahme vor Ort beziffern lässt.
Der vierte Block ist der laufende Aufwand: Nachjustierung, Schmierung, Ersatz von Schließzylindern der Zusatzschlösser, Ersatz verlorener Schlüssel, gelegentlich der Austausch beschädigter Bauteile.
Kostenmatrix mit Intervallen und Auslösern
| Position | Wann sie anfällt | Wiederkehr | Haupttreiber | Entscheidungsregel |
|---|---|---|---|---|
| Aufmaß und Beratung vor Ort | einmalig vor Beauftragung | entfällt | Anzahl Öffnungen, Anfahrt | bei mehr als einem Angebot immer separat beauftragen oder Anrechnung vereinbaren |
| Zusatzschlösser aufschraubbar | bei Beauftragung | Austausch nur bei Beschädigung | Zahl der Sicherungspunkte | nur mit Prüfnachweis nach DIN 18104-1 |
| Falzprodukte im Beschlag | bei Beauftragung | mit dem Beschlagwechsel | Beschlagsystem, Zugänglichkeit | nur wählen, wenn Hersteller Prüfung nach DIN 18104-2 für dieses System nachweist |
| Instandsetzung Flügel und Bänder | vor der Montage | alle acht bis zwölf Jahre je nach Nutzung | Alter, Flügelgewicht, Bewitterung | vorziehen, wenn Flügel nachschleift oder Dichtung nicht mehr trägt |
| Abschließbare Griffe | mit der Montage | bei Verschleiß des Schließmechanismus | Zahl der Flügel | ersetzen, sobald der Schlüssel nur noch mit Kraft dreht |
| Kellergitter oder Schachtabdeckung | einmalig | Korrosionsschutz alle paar Jahre | Verankerungsart, Schachtmaß | erneuern, sobald Rost an der Verankerung sichtbar ist |
| Nachjustierung durch Fachbetrieb | nach der ersten Heizperiode | danach nach Bedarf | Setzverhalten des Gebäudes | einplanen, wenn Türen und Fenster nach Winter schwerer schließen |
| Schlüsselnachbestellung | bei Verlust | anlassbezogen | Anzahl gleichschließender Zylinder | gleichschließende Systeme senken diesen Posten deutlich |
Die vorletzte Zeile wird fast immer vergessen. Nachrüstsysteme mit Schließzylinder arbeiten nach der ersten Heizperiode nicht mehr exakt wie am Montagetag, weil sich Bauteile setzen. Ein vereinbarter Nachjustiertermin ist billiger als der spätere Austausch eines verkanteten Riegels.
Wo Eigenleistung Geld spart und wo sie Geld vernichtet
Eigenleistung ist bei Vorbereitung und Nacharbeit sinnvoll: Räumen der Fensterbänke, Freilegen der Laibungen, Entfernen alter Aufkleber, Reinigung, Erneuerung von Anstrichen nach der Montage. Diese Arbeiten reduzieren Stundenanteile ohne fachliches Risiko.
Unwirtschaftlich wird Eigenleistung bei der Befestigung selbst. Der Grund ist nicht handwerklicher Anspruch, sondern die Krafteinleitung. Ein Zusatzschloss überträgt die Hebelkraft eines Werkzeugs in den Rahmen; hält die Verschraubung nicht, reißt das Bauteil bei der ersten ernsthaften Belastung aus. Bei Kunststoffprofilen muss die Schraube in die Stahlarmierung greifen, deren Lage von außen nicht sichtbar ist. Bei Holzfenstern entscheidet der Zustand des Holzes hinter dem Anstrich. Wer hier falsch bohrt, beschädigt zusätzlich die Profilkammern oder verletzt die Dichtebene, was Feuchteschäden nach sich zieht.
Die zweite Verlustquelle ist die Produktauswahl ohne Prüfnachweis. Sicherungen ohne Zertifikat nach DIN 18104-1 oder DIN 18104-2 kosten weniger und leisten in der Regel weniger; im Schadenfall fehlt zudem die Grundlage, gegenüber dem Versicherer die getroffene Maßnahme zu belegen. Bei Zusatzsicherungen ist der Prüfnachweis der eigentliche Gegenwert, nicht das Gehäuse.
Förderung und Nebenkosten der Finanzierung
Für Maßnahmen zum Einbruchschutz steht im Rahmen des Förderprogramms Altersgerecht Umbauen ein zinsverbilligter Kredit der KfW zur Verfügung. Zwei Punkte sind dabei entscheidend und unabhängig von der jeweils gültigen Konditionsstufe: Der Antrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden, und die ausgeführten Maßnahmen müssen den technischen Mindestanforderungen des Programms entsprechen, was regelmäßig eine Bestätigung des ausführenden Fachunternehmens erfordert. Prüfen Sie die aktuell geltenden Programmbedingungen unmittelbar vor der Beauftragung, weil Zuschussvarianten in der Vergangenheit ausgelaufen sind und Kreditvarianten fortgeführt wurden.
Rechnen Sie zusätzlich mit Nebenkosten, die nicht auf der Handwerkerrechnung stehen: Zeitaufwand für die Antragstellung, gegebenenfalls Bereitstellungsprovisionen bei verzögertem Abruf und die Anforderung, Rechnungen und Nachweise über mehrere Jahre aufzubewahren.
Was Sie selbst kalkulieren können und wo die Rechnung endet
Sie können das Mengengerüst selbst erstellen, Angebote auf gleiche Stückzahlen normieren, Grundaufwand von Stückkosten trennen und den laufenden Aufwand über die geplante Haltedauer hochrechnen. Sie können außerdem beurteilen, ob eine Etappenlösung sinnvoll ist, indem Sie den Grundaufwand je Etappe gegen die Ersparnis stellen.
Nicht kalkulierbar ist für Sie der dritte Block, die Instandsetzung am Bestand, solange kein Fachbetrieb die Flügel geprüft hat. Ebenso wenig können Sie beurteilen, ob ein angebotenes Falzsystem zum vorhandenen Beschlag passt und ob die Verschraubung im konkreten Profil trägt. Verlangen Sie deshalb Angebote, die diesen Block ausdrücklich als Position mit Annahmen ausweisen, statt ihn als Nachtrag offenzulassen. Eine unabhängige Einordnung der geplanten Maßnahmen erhalten Sie bei den polizeilichen Beratungsstellen, die weder Produkte verkaufen noch Provisionen erhalten.
Eine letzte Abgrenzung: Eine Nachrüstung erzeugt keine Widerstandsklasse nach DIN EN 1627, weil diese Klassen nur an vollständig geprüften Elementen vergeben werden. Wenn eine Versicherungspolice oder eine Förderbedingung ausdrücklich ein Element ab RC 2 verlangt, ist der Kostenvergleich zwischen Nachrüstung und Fenstertausch keine Preisfrage mehr, sondern eine Frage der Zulässigkeit.
Nachrüsten
Vor dem ersten Bohrloch: Zustimmung, Unterlagen, Reihenfolge
Drei Dinge müssen vorliegen, bevor der Errichter anrückt. Erstens die rechtliche Grundlage, wenn Sie nicht alleiniger Eigentümer sind. Mieter können nach § 554 BGB die Zustimmung zu baulichen Veränderungen verlangen, die dem Einbruchsschutz dienen; der Vermieter kann sie verweigern, wenn die Maßnahme ihm auch unter Würdigung der Mieterinteressen nicht zuzumuten ist, und er kann die Zustimmung von einer Sicherheitsleistung für den Rückbau abhängig machen. Holen Sie die Zustimmung schriftlich ein und lassen Sie darin festhalten, welche Bauteile am Ende des Mietverhältnisses zurückgebaut werden und welche verbleiben dürfen. In der Wohnungseigentümergemeinschaft brauchen Sie einen Beschluss; § 20 Abs. 2 Nr. 3 WEG gibt Ihnen einen Anspruch auf Gestattung angemessener Maßnahmen zum Einbruchsschutz, die Kosten trägt in der Regel derjenige, der die Maßnahme verlangt hat.
Zweitens die Unterlagen zum Bestand: Fensterhersteller, Beschlagmarke, Baujahr der Elemente. Diese Angaben stehen häufig auf einem Aufkleber im Falz oder auf der Stirnseite des Beschlags und entscheiden darüber, welche Falzkomponenten überhaupt freigegeben sind.
Drittens die Reihenfolge. Instandsetzung geht immer vor Sicherung: Bänder justieren, Dichtungen erneuern, Flügel einstellen. Werden Zusatzsicherungen auf einen verzogenen Flügel montiert, arbeiten die Verriegelungspunkte ungleich, und die schwächste Stelle bestimmt weiterhin den Widerstand.
Montagefolge am einzelnen Flügel
Der Facherrichter arbeitet je Flügel in einer festen Reihenfolge, die Sie als Auftraggeber nachvollziehen können sollten. Zunächst wird die Verschlussseite gesichert, weil dort der Hebel typischerweise ansetzt. Anschließend folgt die Bandseite, die häufig unterschätzt wird: Ein Flügel, der auf der Verschlussseite hält, wird sonst auf der Scharnierseite aus dem Rahmen gedrückt. Erst danach kommen Griff und Kippstellung an die Reihe.
Bei aufschraubbaren Produkten nach DIN 18104-1 ist die Verschraubung der kritische Schritt. In Kunststoffprofilen müssen die Befestigungsmittel in die Stahlarmierung greifen; deren Lage wird vorher ermittelt, nicht geschätzt. In Holzprofilen entscheidet die Holzqualität hinter dem Anstrich, weshalb ein weicher Falzbereich vor der Montage ausgebessert oder das Element getauscht wird. Bei Aluminiumprofilen sind Kammerlagen und die Gefahr des Anbohrens von Entwässerungsebenen zu beachten.
Bei Falzsystemen nach DIN 18104-2 wird der Beschlag geöffnet, die vorhandenen Rollzapfen werden gegen Pilzkopfzapfen getauscht und am Blendrahmen kommen Sicherheitsschließstücke an die Stelle der bisherigen Aufnahmen. Entscheidend ist hier die gleichmäßige Verteilung: Verriegelungspunkte werden über die gesamte Flügelhöhe gesetzt, nicht nur in Griffnähe.
Was während der Montage aufgezeichnet werden muss
Verlangen Sie, dass der Errichter je Flügel festhält, welches Produkt mit welcher Zertifikatsnummer montiert wurde, wie viele Verriegelungspunkte auf welcher Seite entstanden sind und mit welchen Befestigungsmitteln gearbeitet wurde. Diese Aufzeichnung ist keine Formalie: Sie ist die einzige Grundlage, auf der später ein Versicherer, ein Käufer oder ein Nachfolgeerrichter das Schutzniveau nachvollziehen kann.
Ergänzen Sie die Aufzeichnung um eine Fotodokumentation vor dem Verschließen: geöffneter Falzbereich mit sichtbaren Schließstücken, Rückseite der montierten Bauteile, Lage der Verschraubungen. Nach dem Zusammenbau ist keine dieser Stellen mehr einsehbar.
Funktionsprüfung nach der Montage
Die Abnahme erfolgt nicht durch Hinsehen, sondern durch eine feste Prüffolge an jedem einzelnen Flügel.
| Prüfschritt | Erwartetes Ergebnis | Nicht bestanden, wenn |
|---|---|---|
| Flügel schließen und verriegeln | Griff läuft ohne Kraftaufwand in die Endlage | Griff hakt oder lässt sich nur über den letzten Punkt drücken |
| Flügel an vier Ecken andrücken und ziehen | überall gleiches, geringes Spiel | eine Ecke bewegt sich deutlich weiter als die übrigen |
| Verriegelte Stellung von außen prüfen | Zapfen hinterfassen sichtbar das Schließstück | Zapfen steht neben oder auf der Aufnahme |
| Abschließbaren Griff schließen | Griff lässt sich nicht mehr drehen | Griff dreht mit spürbarem Widerstand doch weiter |
| Kippstellung einnehmen und Flügel anheben | Kippsicherung begrenzt die Bewegung | Flügel lässt sich am Kippspalt aufdrücken |
| Zusatzschloss zehnmal betätigen | gleichbleibender Widerstand, Riegel fährt voll ein | Riegel bleibt in Zwischenstellung stehen |
| Bauteil mit der Hand belasten | keine Bewegung des Gehäuses gegenüber dem Rahmen | Gehäuse kippt oder Schraube dreht durch |
| Dichtung nach dem Verriegeln prüfen | umlaufend gleichmäßig angedrückt | Dichtung an einer Stelle nicht belastet |
Führen Sie diese Prüfung gemeinsam mit dem Errichter durch und lassen Sie das Ergebnis je Flügel abzeichnen. Ein Mangel, der bei der Abnahme protokolliert ist, wird nachgebessert; ein Mangel, der erst Monate später auffällt, wird zur Verschleißdiskussion.
Einweisung der Bewohner
Nachrüstungen scheitern in der Praxis häufiger an der Bedienung als an der Technik. Die Einweisung muss deshalb vier Punkte abdecken. Erstens: Welche Sicherung wird wann geschlossen? Zusatzschlösser wirken nur im abgeschlossenen Zustand, abschließbare Griffe nur mit abgezogenem Schlüssel. Zweitens: Wo werden Schlüssel aufbewahrt? Nicht am Fenster, nicht auf der Fensterbank, nicht im Blumentopf daneben. Drittens: Die Kippstellung ist keine Sicherheitsstellung. Wer das Haus verlässt, schließt Fenster vollständig, auch bei kurzer Abwesenheit. Viertens: Rettungswege bleiben frei. Wenn ein Raum als zweiter Rettungsweg dient, muss allen Bewohnern klar sein, wie die dortige Öffnung im Notfall schnell zu öffnen ist.
Halten Sie die Einweisung schriftlich fest, mit Datum und Teilnehmern. Bei vermieteten Objekten ist dieser Nachweis auch für den Vermieter relevant.
Übergabemappe: was Sie am Ende in der Hand haben müssen
- Zertifikate aller montierten Produkte nach DIN 18104-1 oder DIN 18104-2, mit Prüfstelle und Nummer
- Montagebescheinigung des Errichters mit Aufstellung je Flügel
- Fotodokumentation aus der Montagephase
- Abnahmeprotokoll der Funktionsprüfung, abgezeichnet
- Bedienungsanleitungen und Angaben zur Schlüsselnachbestellung
- Angaben zu Wartungsintervallen und empfohlenem Nachjustiertermin
- bei Miet- und Eigentumswohnungen: Zustimmung beziehungsweise Beschluss in Kopie
- bei Förderung: Fachunternehmererklärung und Rechnungen für den Verwendungsnachweis
Vereinbaren Sie zusätzlich einen Nachjustiertermin nach der ersten Heizperiode. Bauteile setzen sich, und ein Riegel, der im Winter nur noch mit Kraft einfährt, wird sonst irgendwann gar nicht mehr benutzt.
Grenzen der Eigenleistung beim Betriebsstart
Sie können die Vorbereitung übernehmen, die Zustimmungen einholen, die Prüffolge selbst durchgehen und die Übergabemappe führen. Sie können auch die spätere Pflege leisten: Beschlagteile nach Herstellerangabe reinigen und schmieren, Dichtungen behandeln, den Zustand jährlich dokumentieren.
Nicht in Eigenleistung gehören die Befestigung selbst, das Öffnen des Beschlags und jede Veränderung an Schließstücken. Der Grund liegt in der Krafteinleitung: Eine Sicherung, die die Hebellast nicht in tragendes Material überträgt, sieht aus wie Schutz und ist keiner. Ebenfalls nicht in Eigenleistung gehört die Nachrüstung an Elementen, die eine Klassifizierung nach DIN EN 1627 tragen. Dort entwertet jede Veränderung am geprüften Aufbau die Klassifizierung, weil das Element als Einheit geprüft wurde. Wenn Sie unsicher sind, ob ein vorhandenes Fenster klassifiziert ist, klären Sie das anhand des Prüfzeugnisses, bevor Sie eine Nachrüstung beauftragen.
Sicher prüfen
Der Zweiminutentest am geschlossenen Fenster
Beginnen Sie die Prüfung nicht mit dem Werkzeug, sondern mit der Hand am geschlossenen und verriegelten Flügel. Drücken Sie den Flügel an der Verschlussseite in Griffhöhe gegen den Rahmen und ziehen Sie ihn anschließend zu sich. Ein Flügel, der dabei spürbar Spiel im Falz zeigt, ist nicht ausreichend verriegelt, unabhängig davon, wie viele Sicherungen montiert sind. Wiederholen Sie den Griff an der Bandseite, oben und unten, und achten Sie darauf, ob sich der Flügel an einer Ecke weiter bewegen lässt als an der gegenüberliegenden.
Dieser Test verrät mehr als jede Sichtprüfung, weil er das eigentliche Angriffsmuster nachbildet: Der Täter erzeugt Spiel im Falz und setzt dort das Werkzeug an. Wo Sie mit der Hand Spiel finden, findet der Hebel Ansatz. Notieren Sie das Ergebnis je Flügel, damit Sie beim späteren Fachgespräch konkrete Stellen benennen können.
Sichtbarer Zustand: worauf der Blick fallen muss
Prüfen Sie anschließend in dieser Reihenfolge. Zuerst die Verschraubungen der Zusatzsicherungen: Sitzen alle Schrauben fest, ist der Rahmen um die Bohrung herum unbeschädigt, hat sich das Bauteil verdreht? Ein Zusatzschloss, das sich mit der Hand um wenige Millimeter kippen lässt, hat seine Verankerung bereits verloren.
Zweitens der Falzbereich: Öffnen Sie den Flügel und sehen Sie sich die Schließstücke am Blendrahmen an. Blanke Schleifspuren an einer Zapfenaufnahme zeigen, dass der Beschlag nicht mehr mittig arbeitet. Ausgeschlagene Aufnahmen, in denen der Zapfen nicht mehr hinterfasst, sind der häufigste stille Mangel an älteren Fenstern.
Drittens die Bänder und der Flügelfall: Ein Flügel, der sich beim Schließen an der unteren Verschlusskante anhebt oder der in halboffener Stellung von allein zufällt, hat Bandspiel. Bandspiel verschiebt sämtliche Verriegelungspunkte gleichzeitig aus ihrer Lage.
Viertens der Griff: Lässt sich der Griff bei geschlossenem Fenster in die Verschlussstellung bringen, ohne dass Widerstand entsteht, greifen die Zapfen nicht mehr. Prüfen Sie beim abschließbaren Griff, ob der Schlüssel ohne Kraft dreht und ob sich der Griff im abgeschlossenen Zustand tatsächlich nicht bewegen lässt.
Fünftens die Kellerabschlüsse: Gitter und Schachtabdeckungen prüfen Sie an der Verankerung, nicht am Stab. Rost, der an der Rosette austritt, kommt aus dem Anker. Eine Abdeckung, die sich am Rand mit dem Fuß anheben lässt, ist keine Sicherung.
Warnzeichen und ihre Bedeutung
Bestimmte Beobachtungen sind keine Verschleißerscheinungen, sondern Hinweise auf einen zurückliegenden Versuch. Frische, blanke Kerben im Falzbereich, gestauchte Dichtungen an einzelnen Stellen, verbogene Zapfen oder abgeplatzter Lack an der Rahmenaußenkante deuten auf einen Hebelansatz hin. Halten Sie solche Befunde mit einer Fotodokumentation fest und melden Sie sie der Polizei, auch wenn kein Eindringen erfolgt ist. Abgebrochene Versuche sind ein starkes Signal für die Gefährdung des Objekts und ein Grund, die Sicherung des betroffenen Bereichs vorzuziehen.
Ein zweites Warnzeichen ist die Veränderung des Umfelds: eine neu gepflanzte Hecke, die eine Öffnung der Sicht entzieht, eine abgestellte Leiter, ein Gerüst am Nachbarhaus, ein neu gebauter Anbau mit begehbarem Flachdach. Diese Veränderungen verschieben die Erreichbarkeit einer Öffnung und damit deren Schutzbedarf, ohne dass am Fenster selbst etwas passiert ist.
Prüfmatrix mit Dringlichkeit
| Befund | Was er bedeutet | Dringlichkeit | Zuständig |
|---|---|---|---|
| Zusatzschloss lässt sich von Hand bewegen | Verankerung im Rahmen versagt | sofort | Facherrichter |
| Frische Hebelspuren am Blendrahmen | abgebrochener Einbruchversuch | sofort, zusätzlich Anzeige | Polizei und Facherrichter |
| Schließstück ausgeschlagen, Zapfen greift nicht | Verriegelung ohne Wirkung | sofort | Fensterbauer |
| Flügel schleift, Griff nur mit Kraft drehbar | Flügel verzogen oder Band gesetzt | bald | Fensterbauer |
| Abschließbarer Griff dreht schwer | Schließmechanismus verschlissen | bald | Fensterbauer, Tausch möglich |
| Rost an Gitteranker oder Schachtabdeckung | Verankerung verliert Tragfähigkeit | bald | Metallbau |
| Dichtung hart, Flügel schließt ohne Anpressdruck | Falzspiel wächst | planbar | Fensterbauer |
| Rollladen ohne Hochschiebesicherung | Panzer von außen anhebbar | planbar | Rollladenbauer |
| Neue Aufstiegshilfe am Gebäude entstanden | Schutzbedarf der Öffnung gestiegen | planbar, aber vor der nächsten Saison | eigene Entscheidung, Beratung durch Polizei |
Die Dringlichkeitsstufe richtet sich nicht nach der Höhe der Kosten, sondern danach, ob die betroffene Sicherung ihre Funktion aktuell noch erfüllt. Alles, was in der Spalte sofort steht, bedeutet, dass an dieser Öffnung derzeit kein wirksamer Widerstand besteht.
Was Prüfprotokolle leisten sollen
Halten Sie jede Prüfung in einer einfachen, immer gleich aufgebauten Aufstellung fest: Datum, Öffnung mit Raumbezeichnung, geprüfte Punkte, Befund, Maßnahme, Erledigungsdatum. Diese Aufstellung hat drei Funktionen. Sie zeigt Ihnen Entwicklungen über die Jahre, sie ist die Grundlage für ein präzises Angebot statt einer Pauschale, und sie belegt im Schadenfall gegenüber dem Versicherer, dass Sicherungseinrichtungen gepflegt wurden.
Ergänzen Sie die Aufstellung um die Unterlagen, die bei der Montage übergeben wurden: Zertifikate der Produkte nach DIN 18104-1 oder DIN 18104-2, Montagebescheinigung des Errichters, Bedienungsanleitungen und Schlüsselnummern. Fehlen diese Unterlagen, ist ihre Beschaffung die erste Maßnahme, denn ohne sie ist im Streitfall nicht belegbar, welches Schutzniveau überhaupt hergestellt wurde.
Nehmen Sie in das Protokoll auch eine Zeile zur Nutzung auf. Die beste Sicherung wirkt nicht, wenn Fenster in Kippstellung bleiben. Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster, und viele Hausratversicherungen behandeln es entsprechend. Dokumentieren Sie deshalb, ob die Bewohner die abschließbaren Griffe beim Verlassen des Hauses tatsächlich nutzen.
Was Sie selbst prüfen dürfen und wo Schluss ist
Alle oben beschriebenen Prüfungen sind gefahrlos möglich, weil sie mit der Hand und mit dem Auge erfolgen und keine Bauteile geöffnet werden. Sie dürfen Flügel bewegen, Griffe betätigen, Schließstücke betrachten und Verankerungen abtasten.
Nicht selbst durchführen sollten Sie drei Dinge. Erstens: Belastungsversuche mit Werkzeug. Ein Hebelversuch am eigenen Fenster beschädigt Dichtebene und Beschlag und liefert keine belastbare Aussage über die Widerstandszeit, weil diese nur unter den Bedingungen von DIN EN 1630 mit definiertem Werkzeugsatz ermittelt wird. Zweitens: das Nachziehen oder Versetzen von Befestigungsschrauben an Zusatzsicherungen. Eine einmal ausgerissene Verschraubung wird durch eine längere Schraube nicht wieder tragfähig, sondern beschädigt zusätzlich die Profilkammern. Drittens: Arbeiten an Gittern und Schachtabdeckungen im Bereich der Verankerung.
Ebenfalls außerhalb der Eigenprüfung liegt die Bewertung, ob eine vorhandene Nachrüstung insgesamt noch dem Schutzziel entspricht. Diese Beurteilung setzt die Kenntnis der Prüfgrundlagen und der Produktfreigaben voraus. Eine kostenfreie und herstellerneutrale Zweiteinschätzung erhalten Sie bei den polizeilichen Beratungsstellen für Kriminalprävention; einen technischen Befund am Bauteil liefert der Fachbetrieb, der auch die Instandsetzung verantwortet.
Quellen und weiterführende Informationen
- DIN 18104-1:2017-08 – Einbruchhemmende Nachrüstprodukte – Teil 1: Aufschraubbare Nachrüstprodukte für Fenster und Türen (DIN Media)
- DIN 18104-2:2021-12 – Einbruchhemmende Nachrüstprodukte – Teil 2: Im Falz eingelassene Nachrüstprodukte für Fenster und Türen (DIN Media)
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes – Technische Sicherung gegen Einbruch
- KfW – Einbruchschutz fördern lassen, Kredit „Altersgerecht Umbauen“ (159)
- § 554 BGB – Barrierereduzierung, E-Mobilität, Einbruchsschutz und Steckersolargeräte (Bundesamt für Justiz)
- § 20 WEG – Bauliche Veränderungen, Absatz 2 Nummer 3 Einbruchsschutz (Bundesamt für Justiz)
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes – Einbruch (mit PKS-Zahlen 2025)
- Bundeskriminalamt – Polizeiliche Kriminalstatistik 2025

















