Überlauf der Zisterne: Das Bauteil, das die Wasserqualität bestimmt – und darüber, ob Kanalwasser zurückkommt

Eine Zisterne, die nie überläuft, liefert schlechteres Wasser als eine, die es mehrmals im Jahr tut. Und ein Überlauf unterhalb der Rückstauebene macht aus dem Regenspeicher im Ernstfall einen Kanalanschluss in Gegenrichtung.

Runde Betonzisterne mit Deckel und Zulaufschacht auf einer Baustelle
Runde Betonzisterne mit Deckel und Zulaufschacht auf einer BaustelleFoto: Spiritualfade ( talk ) 09:37, 23 July 2009 (UTC) / Wikimedia CommonsPublic domain

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Überlaufsiphon zieht mit dem Skimmer-Effekt die Schwimmschicht von der Wasseroberfläche ab; eine Zisterne muss dafür mehrmals im Jahr tatsächlich überlaufen.
  • Der Überlauf liegt unterhalb des Zulaufs und hat mindestens dessen Nennweite – ein kleinerer Querschnitt staut das Wasser in die Regenfallleitung zurück.
  • Liegt der Überlauf unter der Rückstauebene, verlangt DIN 1989-100 am Mischwasserkanal einen Rückstauverschluss vom Typ 2, 3 oder 5, am Regenwasserkanal reichen Typ 0, 1 oder 2.
  • Die Sohle einer Versickerungsanlage muss nach DWA-A 138-1 mindestens einen Meter über dem mittleren höchsten Grundwasserstand liegen, bei Sickerschächten 1,5 Meter.
  • Ob der Überlauf in den Kanal oder ins Erdreich geht, entscheidet über die Niederschlagswassergebühr – je nach Satzung um 10 bis 20 Quadratmeter Abzug je Kubikmeter Speichervolumen.

Die meisten Zisternen werden zu groß gekauft. Das klingt nach einem harmlosen Fehler – mehr Vorrat schadet ja nicht. Beim Regenwasserspeicher schadet er doch, und zwar an der Wasserqualität.

Denn das Rohr, das oben aus dem Behälter herausführt, ist kein Notausgang für Starkregen. Es ist ein Reinigungsorgan, und es arbeitet nur, wenn es benutzt wird.

Der Überlauf zieht ab, was oben schwimmt

Alles, was leichter ist als Wasser – Blütenstaub, Pollen, Feinstaub vom Dach, Fette aus Blattresten –, sammelt sich an der Oberfläche zu einer Schwimmschicht. Bleibt sie liegen, dichtet sie die Wasseroberfläche gegen Sauerstoff ab. Darunter setzen anaerobe Abbauprozesse ein, und die Zisterne fängt an zu riechen.

Dagegen arbeitet ein Überlaufsiphon mit Skimmer. Seine abgeschrägte Überlaufkante zieht das Wasser nicht von unten, sondern von der Oberfläche ab und nimmt die Schwimmschicht mit. Der Siphonbogen hält gleichzeitig eine Wasservorlage vor und damit den Geruch aus Kanal oder Sickerstrang draußen; eine Edelstahlspirale oder Klappe im Auslauf sperrt Ratten und Kleintiere aus.

Daraus folgt die Auslegungsregel, die den meisten Angeboten fehlt: Der Speicher muss mehrmals im Jahr tatsächlich überlaufen, sonst bleibt die dritte Reinigungsstufe wirkungslos. Ein Behälter, der so groß dimensioniert ist, dass er auch nach einem nassen Frühjahr nie die Oberkante erreicht, konserviert seine Schwimmschicht. Rechnen Sie die Speichergröße deshalb nicht auf den trockensten denkbaren Sommer, sondern auf den tatsächlichen Jahresbedarf – die Auslegung für Haus und Garten behandeln die Beiträge zu Regenwasser für Toilette und Waschmaschine und zur Pumpe und den Entnahmestellen.

Zwei Maße sind dabei nicht verhandelbar. Der Überlauf liegt unterhalb des Zulaufs, und seine Nennweite ist mindestens so groß wie die des Zulaufs. Ein DN-100-Zulauf auf einen DN-70-Überlauf ergibt bei Starkregen einen Rückstau in die Regenfallleitung – und der sucht sich seinen Weg an der Stelle, an der die Leitung am undichtesten ist.

Drei Wege für das überschüssige Wasser

Wohin der Überlauf führt, ist die Weichenstellung des ganzen Projekts. Es gibt genau drei Möglichkeiten, und jede hat ein eigenes Regelwerk.

  1. Versickerung auf dem eigenen Grundstück – Mulde, Rigole, Sickerschacht oder Flächenversickerung nach DWA-A 138-1. Wasserrechtlich ist das ein Einleiten in das Grundwasser; ob es einer Erlaubnis bedarf, richtet sich nach § 46 Absatz 2 und 3 WHG und damit nach Landesrecht. Mehrere Länder haben die schadlose Versickerung von Niederschlagswasser von Wohngrundstücken freigestellt, andere verlangen eine Anzeige bei der unteren Wasserbehörde. Fragen Sie dort nach, bevor Sie baggern.
  2. Anschluss an einen Regenwasserkanal im Trennsystem. Technisch der einfachste Fall, weil die Rückstauanforderungen milder sind.
  3. Anschluss an einen Mischwasserkanal. Hier gelten die schärfsten Regeln, weil im Rückstaufall häusliches Abwasser in der Leitung steht.

Eine vierte Variante taucht in Angeboten gelegentlich auf und ist unzulässig: der Anschluss des Überlaufs an eine Schmutzwasserleitung.

Rückstauebene: der Punkt, an dem der Überlauf zur Einbahnstraße wird

Die Rückstauebene ist die Höhe, bis zu der Abwasser im Kanal ansteigen kann. Sofern die Gemeinde nichts anderes festgelegt hat, gilt die Straßenoberkante an der Anschlussstelle. Eine Zisterne im Garten liegt fast immer darunter – und damit liegt auch ihr Überlauf darunter.

Ohne Sicherung heißt das: Steigt der Kanal bei Starkregen an, läuft er über den Überlauf in die Zisterne, und aus dem Regenspeicher wird ein Auffangbecken für Mischwasser. Danach ist nicht nur das Wasser unbrauchbar, sondern die gesamte Anlage einschließlich Pumpe, Leitungen und Entnahmestellen kontaminiert.

DIN 1989-100 verlangt deshalb einen Rückstauverschluss nach DIN EN 13564-1, dessen zulässiger Typ vom Kanal abhängt. Am Mischwasserkanal sind Typ 2 (zwei selbsttätige Verschlusselemente plus Notverschluss), Typ 3 (fremdenergiebetrieben mit unabhängigem Notverschluss) oder Typ 5 gefordert. Am reinen Regenwasserkanal genügen Typ 0, 1 oder 2. Fehlt ein Gefälle zur freien Ableitung, bleibt nur eine Hebeanlage nach DIN EN 12050-2 – sicherer als jeder Verschluss, aber teurer in Anschaffung und Wartung und auf Strom angewiesen.

Ein Rückstauverschluss hat allerdings eine Kehrseite, die selten erwähnt wird: Solange er geschlossen ist, kann die Zisterne nicht überlaufen. Genau in dem Moment, in dem am meisten Wasser vom Dach kommt, ist der Weg zu. Der Zulauf muss diesen Fall aushalten, ohne ins Gebäude zurückzudrücken. Das ist der zweite Grund, warum der Überlaufquerschnitt und die Höhenlage der Zisterne so wichtig sind – und ein starkes Argument dafür, den Behälter, wo es das Gelände hergibt, hoch genug zu setzen.

Versickern: Abstände, die den Platz vorgeben

Das Arbeitsblatt DWA-A 138-1 ist im Oktober 2024 erschienen und hat das alte DWA-A 138 von 2005 abgelöst. Es setzt die Randbedingungen, an denen viele Grundstücke scheitern, bevor die erste Zahl gerechnet wird.

Die Sohle der Versickerungsanlage muss mindestens einen Meter über dem mittleren höchsten Grundwasserstand liegen, bei Sickerschächten 1,5 Meter. Zur Grundstücksgrenze sind mindestens zwei Meter einzuhalten. Zu unterkellerten Gebäuden ohne druckwasserdichte Abdichtung soll der Abstand das Anderthalbfache der Baugrubentiefe betragen – bei einem drei Meter tiefen Keller also 4,5 Meter. Und der Boden muss durchlässig genug sein: Flächenversickerung funktioniert sinnvoll erst oberhalb eines Durchlässigkeitsbeiwerts von etwa 1 × 10⁻⁴ Meter je Sekunde, brauchbar sind Böden im Bereich zwischen 1 × 10⁻³ und 1 × 10⁻⁶.

Der kf-Wert steht in keinem Prospekt. Er kommt aus einer Bodenuntersuchung, und wer sie sich spart, baut einen Sickerschacht, der im Lehm nach dem zweiten Herbst ein stehendes Gewässer ist. Ein fachgerecht eingebauter Sickerschacht kostet je nach Größe und Erdarbeiten rund 1.000 bis 2.500 Euro, mit Fachfirma und aufwendigen Anschlüssen auch 1.500 bis 5.000 Euro. Gegen die Kosten einer nachträglichen Kanalverbindung ist das meist der günstigere Weg.

Was der Überlauf auf der Abwasserrechnung bewegt

In den meisten Kommunen wird die Abwassergebühr getrennt erhoben: Schmutzwasser nach Frischwasserverbrauch, Niederschlagswasser nach versiegelter Fläche. Die Sätze liegen üblicherweise zwischen etwa 0,70 und 1,80 Euro je Quadratmeter und Jahr; bei 150 Quadratmetern angerechneter Fläche sind das 105 bis 270 Euro jährlich.

Wie die Zisterne dabei zählt, regelt die kommunale Satzung, und die Regeln gehen weit auseinander. Läuft der Überlauf nicht in den Kanal, bleibt die angeschlossene Fläche in der Regel unberücksichtigt. Mit Überlauf in den Kanal gewähren manche Kommunen einen Abzug von 10 Quadratmetern je Kubikmeter Speichervolumen ab einer Mindestgröße von zwei Kubikmetern; die Stadtwerke Ostfildern rechnen mit 20 Quadratmetern je Kubikmeter, begrenzt auf höchstens 50 Prozent der Berechnungsfläche. Für eine Versickerungsanlage mit Notüberlauf in den Kanal setzen manche Satzungen die Fläche mit dem Faktor 0,3 an.

Das ist keine Nebenrechnung. Zwischen „Überlauf versickert vollständig“ und „Überlauf geht in den Kanal“ können bei einem Einfamilienhaus über 20 Jahre mehrere Tausend Euro liegen. Fordern Sie die Entwässerungssatzung Ihrer Gemeinde an, bevor Sie den Überlauf festlegen – der Text steht meist online und nennt die Abzugsregel wörtlich.

Was Sie zweimal im Jahr kontrollieren sollten

Öffnen Sie den Zisternendeckel im Frühjahr und im Spätherbst und prüfen Sie vier Dinge: ob auf der Wasseroberfläche eine geschlossene Schicht liegt, ob der Siphon frei ist und Wasser hält, ob die Tiersperre unbeschädigt sitzt und ob der Filter im Zulauf sauber ist. Eine geschlossene Schwimmschicht bei vollem Behälter bedeutet, dass der Speicher zu groß ist oder der Siphon falsch sitzt – nicht, dass gereinigt werden muss; die Selbstreinigung des Wassers lebt gerade davon, dass die Zisterne nicht regelmäßig leergepumpt und ausgeschrubbt wird. Prüfen Sie zusätzlich einmal jährlich den Rückstauverschluss auf Gängigkeit und Dichtsitz; das ist eine Zwei-Minuten-Handlung, die im Ernstfall die gesamte Anlage rettet.

Wenn Sie neu bauen, legen Sie die Höhenlage der Zisterne vor dem Aushub fest und lassen Sie sich Überlaufnennweite, Siphontyp, Rückstausicherung und Einleitungsweg im Angebot einzeln ausweisen. Wie das Wasser vor der Zisterne aufbereitet wird, steht im Beitrag zum Filter der Regenwasseranlage; was der Behälter selbst können muss, klärt der Beitrag zur unterirdischen Zisterne.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. SHK Profi: Rückstau im Zisternenüberlauf – Anforderungen nach DIN 1989-100
  2. Haustec: Regenwassernutzungsanlagen – die wichtigsten Punkte der DIN 1989-100
  3. DWA: Arbeitsblatt DWA-A 138-1 – Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser
  4. Wasserhaushaltsgesetz § 46 – erlaubnisfreie Benutzungen des Grundwassers
  5. WISY: Zisterne reinigen und sauber halten – Skimmer-Effekt und Schwimmschicht
  6. Stadtwerke Ostfildern: Gesplittete Abwassergebühr – Anrechnung von Zisternen
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