Bundesbank sieht Wachstum trotz Nahost-Krieg, Baukredite werden dennoch teurer
Die Bundesbank sah im zweiten Quartal 2026 leichtes Wachstum trotz des Kriegs im Nahen Osten, Destatis meldet inzwischen plus 0,3 Prozent. Für Käufer zählt die Kehrseite: Die EZB hat zweimal erhöht, und Baukredite mit 5 bis 10 Jahren Zinsbindung kosteten im Juli 3,78 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Bundesbank erwartete für das zweite Quartal 2026 leichtes Wachstum trotz des Kriegs im Nahen Osten; Destatis meldet nach Überarbeitung plus 0,3 Prozent zum Vorquartal.
- Die EZB hob den Einlagensatz im Juni auf 2,25 Prozent, pausierte im Juli und erhöhte am 10. September auf 2,50 Prozent.
- Wohnungsbaukredite mit über 5 bis 10 Jahren Zinsbindung kosteten laut Bundesbank im Juli 2026 effektiv 3,78 Prozent, nach 3,55 Prozent ein Jahr zuvor.
- Bei 300.000 Euro Darlehen und 2 Prozent Tilgung kostet ein halber Prozentpunkt mehr Zins 125 Euro im Monat und rund 13.100 Euro in zehn Jahren.
Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr 2026 gewachsen, obwohl der Krieg im Nahen Osten die Energiepreise nach oben getrieben hat. Die Deutsche Bundesbank schrieb in ihrem Monatsbericht für Juli, das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im zweiten Quartal „etwas zugelegt haben“, das konjunkturelle Grundtempo liege über dem, was sie im Juni prognostiziert hatte. Das Statistische Bundesamt hat die Einschätzung bestätigt: In der Schnellmeldung vom 30. Juli stand ein Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, nach der Überarbeitung mit den ausführlichen Ergebnissen sind es 0,3 Prozent.
Für Eigentümer und Kaufinteressierte hat die gute Nachricht eine Kehrseite. Eine Wirtschaft, die den Energieschock verkraftet, lässt der Europäischen Zentralbank Spielraum für höhere Zinsen. Seit Juni hat die EZB zweimal erhöht, und Baukredite sind seit dem Frühjahr teurer geworden.
Was die Bundesbank zum zweiten Quartal festgestellt hat
Getragen wurde das Wachstum laut Bundesbank von der Industrie, die sich „überraschend robust“ zeigte. Die Auslandsnachfrage blieb dynamisch, besonders nach Vorleistungsgütern aus der Chemie- und Metallindustrie. Die Bundesbank nennt dafür ausdrücklich vorübergehende Gründe: Abnehmer zogen Bestellungen aus Sorge vor Engpässen vor, und Wettbewerber in Asien litten stärker unter fehlenden Vorprodukten.
Ein Fass Rohöl der Sorte Brent kostete zum Redaktionsschluss rund 90 US-Dollar, 25 Prozent mehr als vor Kriegsbeginn. Erdgas am europäischen Handelspunkt TTF lag bei etwa 60 Euro je Megawattstunde und damit fast doppelt so hoch wie vor dem Krieg. Die Inflationsrate nach dem harmonisierten Verbraucherpreisindex sank im Juni auf 2,4 Prozent, nach 2,7 Prozent im Mai. Für das dritte Quartal erwartet die Bundesbank schwächeres Wachstum, weil die stützenden Sonderfaktoren entfallen dürften.
Laut Destatis stiegen die Exporte um 2,0 Prozent, die Ausrüstungsinvestitionen fielen um 1,4 Prozent. Beim Bau blieb das Ergebnis hinter der Bundesbank-Erwartung zurück, die Bauproduktion dürfte „trotz höherer Bauzinsen deutlich zugelegt haben“: Die Bauinvestitionen stiegen nur um 0,1 Prozent.
Die EZB hat seit Juni zweimal erhöht
| Sitzung | Beschluss | Einlagensatz |
|---|---|---|
| 11. Juni 2026 | Anhebung um 25 Basispunkte, gültig ab 17. Juni | 2,25 % |
| 23. Juli 2026 | keine Änderung | 2,25 % |
| 10. September 2026 | Anhebung um 25 Basispunkte, gültig ab 16. September | 2,50 % |
Im Juli begründete der EZB-Rat die Pause damit, dass die Energiepreise zwar deutlich über dem Vorkriegsniveau lägen, sich aber nahe am Basisszenario der Juni-Projektionen bewegten; die volle Inflationswirkung des Schocks stehe noch aus. Im September folgte der zweite Schritt. Die Inflation werde „für längere Zeit deutlich über dem Ziel“ bleiben, heißt es im Beschluss. Die EZB-Fachleute erwarten für den Euroraum 3,0 Prozent Inflation im Jahr 2026. Weitere Schritte legt die EZB nicht fest, sie entscheidet nach eigener Aussage von Sitzung zu Sitzung.
Leitzins und Bauzins sind nicht dasselbe
Laufende Darlehen mit fester Zinsbindung berührt keiner dieser Beschlüsse. Für neue Kredite und Anschlussfinanzierungen mit langer Bindung orientieren sich Banken an Kapitalmarktrenditen und ihren Refinanzierungskosten, in die Erwartungen an die EZB schon vorab einfließen. Die Zinsstatistik der Bundesbank zeigt die Bewegung: Wohnungsbaukredite an private Haushalte mit anfänglicher Zinsbindung von über 5 bis 10 Jahren kosteten im Juli 2026 effektiv 3,78 Prozent, im März 3,60 Prozent und im Juli 2025 3,55 Prozent. Mit variablem Zins oder bis zu einem Jahr Bindung lag der Satz im Juli 2026 bei 4,41 Prozent. Wer auf bald sinkende Leitzinsen setzt und deshalb variabel finanziert, zahlt derzeit also mehr als mit fester Bindung.
Was ein halber Prozentpunkt beim Bauzins kostet
Das Beispiel rechnet mit einem Annuitätendarlehen über 300.000 Euro, 2 Prozent anfänglicher Tilgung, monatlicher Zahlung und zehn Jahren Zinsbindung. Der mittlere Satz entspricht dem Bundesbank-Wert für Juli 2026; vereinfacht ist er als Sollzins angesetzt.
| Sollzins | Monatsrate | Zinsen in 10 Jahren | Restschuld nach 10 Jahren |
|---|---|---|---|
| 3,50 % | 1.375 € | rund 93.300 € | rund 228.300 € |
| 3,78 % | 1.445 € | rund 100.600 € | rund 227.200 € |
| 4,00 % | 1.500 € | rund 106.400 € | rund 226.400 € |
Ein halber Prozentpunkt mehr kostet in diesem Fall 125 Euro im Monat und rund 13.100 Euro Zinsen über zehn Jahre. Die Restschuld sinkt dabei nur um etwa 1.900 Euro, weil die höhere Rate fast vollständig in Zinsen fließt. Wer bei 4,0 Prozent die Rate von 1.375 Euro halten will, tilgt anfangs nur 1,5 Prozent. Nach zehn Jahren stehen dann noch rund 244.800 Euro offen, und bis zur vollständigen Rückzahlung vergehen bei gleichbleibendem Zins etwa 32,6 statt 29 Jahre. Eigene Zahlen können Sie im Baufinanzierungs-Rechner durchspielen; wie viel Rate Ihr Haushalt auf Dauer trägt, klärt der Beitrag zur tragbaren Monatsrate.
Was Sie jetzt tun sollten
- Endet Ihre Zinsbindung in den nächsten zwei bis drei Jahren, nehmen Sie die Restschuld aus dem letzten Jahreskontoauszug und rechnen Sie die Anschlussrate mit einem Zins, der einen Prozentpunkt über Ihrem heutigen liegt. Welche Wege es gibt, steht im Beitrag zu Zinsbindung und Anschlussfinanzierung.
- Planen Sie einen Kauf, rechnen Sie die Rate mit einem Puffer von einem halben Prozentpunkt über dem aktuellen Angebot und halten Sie die Kaufnebenkosten aus Eigenkapital bereit.
- Prüfen Sie, ob eine vertraglich erlaubte Sondertilgung vor der Anschlussfinanzierung die Restschuld spürbar senkt; der Sondertilgungs-Rechner zeigt den Effekt.
Die Zinssätze für August veröffentlicht die Bundesbank voraussichtlich am 1. Oktober 2026. Ob sich ein Kauf trotz gestiegener Zinsen lohnt, hängt vor allem von Lage und Preis ab; die Abwägung finden Sie unter Haus kaufen 2026.
Quellen und weiterführende Informationen
- Deutsche Bundesbank: Monatsbericht Juli 2026, Kurzbericht Konjunkturlage
- Statistisches Bundesamt: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2026
- Europäische Zentralbank: Monetary policy decisions, 11. Juni 2026
- Europäische Zentralbank: Monetary policy decisions, 23. Juli 2026
- Europäische Zentralbank: Monetary policy decisions, 10. September 2026
- Deutsche Bundesbank: Zinsstatistik Wohnungsbaukredite an private Haushalte

















