Eigenkapital beim Immobilienkauf: Wie viel Sie brauchen und wie Banken rechnen

Ohne Eigenkapital steigen Zinsen und Ablehnungsrisiken drastisch. Wie viel Eigenkapital Banken nach § 505a BGB verlangen und welche Nebenkosten Sie bar zahlen müssen.

Euro-Geldscheine auf einer Fläche, darauf gestapelte Euro-Münzen
Euro-Geldscheine auf einer Fläche, darauf gestapelte Euro-MünzenFoto: Christoph Scholz / Wikimedia CommonsCC BY-SA 2.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Banken verlangen beim Hauskauf in der Regel mindestens die Deckung der Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler: ca. 8 bis 12 % des Kaufpreises) aus Eigenkapital.
  • Ein Eigenkapitalanteil von 20 % des Kaufpreises drückt den Beleihungsauslauf auf 80 % und senkt den Sollzins typischerweise um 0,3 bis 0,6 Prozentpunkte.
  • Nach der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (§ 505a BGB) prüfen Kreditinstitute die Schuldendienstfähigkeit streng; die Monatsrate sollte 35 % des Haushaltsnettoeinkommens nicht überschreiten.
  • Eine eiserne Liquiditätsreserve von mindestens 3 bis 6 Monatsnettogehältern darf niemals in die Finanzierung fließen, sondern muss als Puffer auf dem Tagesgeldkonto verbleiben.

Ein Haus oder eine Eigentumswohnung komplett ohne Ersparnisse zu kaufen – eine sogenannte 100- oder 110-Prozent-Finanzierung –, ist in den vergangenen Jahren extrem teuer und für die meisten Haushalte unerreichbar geworden. Nach der Wohnimmobilienkreditrichtlinie und den Vorgaben des § 505a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) dürfen Banken Immobiliendarlehen nur vergeben, wenn die Kreditwürdigkeitsprüfung eine dauerhafte Tragfähigkeit der Monatsrate belegt.

Wer den Kauf eines Eigenheims plant, muss wissen, wie viel Eigenkapital Banken erwarten, wie der Beleihungsauslauf den Zinssatz bestimmt und warum die Nebenkosten immer aus eigener Tasche fließen müssen.

Die goldene Dreiteilung des Eigenkapitals

Freie Ersparnisse auf Sparbüchern, Tagesgeldkonten oder in Aktiendepots dürfen nicht vollständig für den Kaufpreis verplant werden. Eine solide Finanzierungsstruktur gliedert das vorhandene Eigenkapital in drei getrennte Töpfe:

  1. Topf 1: Kaufnebenkosten (Muss-Eigenkapital): Grunderwerbsteuer (3,5 bis 6,5 % je nach Bundesland), Notar- und Grundbuchgebühren nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (ca. 1,5 bis 2,0 %) sowie eventuelle Maklerprovisionen nach § 656c BGB (maximal 3,57 % Käuferanteil). Zusammen machen die Nebenkosten 8,5 bis 12 Prozent des Kaufpreises aus. Da diese Kosten reiner Verwaltungs- und Steueraufwand sind und keinen materiellen Gegenwert im Grundbuch darstellen, finanzieren reguläre Banken sie so gut wie nie mit.
  2. Topf 2: Kaufpreis-Eigenkapital (Zinshebel): Geld, das Sie direkt in den Kaufpreis der Immobilie stecken. Je mehr Sie hier einbringen, desto geringer fällt die Kreditsumme aus – und desto besser stuft die Bank das Ausfallrisiko ein.
  3. Topf 3: Unantastbare Liquiditätsreserve (Notgroschen): Mindestens 3 bis 6 Monatsnettoeinkommen oder eine feste Pauschale von 10.000 bis 15.000 Euro müssen als eiserne Reserve auf dem Tagesgeldkonto verbleiben. Nach dem Einzug fallen regelmäßig unerwartete Ausgaben für Umzug, kleinere Reparaturen, doppelte Miet- und Zinszahlungen oder Grundsteuerbescheide an.

Wie sich die Nebenkosten je nach Bundesland exakt zusammensetzen, schlüsselt der Leitfaden zu den Kaufnebenkosten beim Immobilienkauf auf.

Beleihungsauslauf: Wie Eigenkapital den Kreditzins senkt

Banken bewerten das Risiko eines Immobilienkredits über den sogenannten Beleihungsauslauf. Nach dem Pfandbriefgesetz (§ 14 PfandBG) liegt die gesetzliche Grenze für erststellige Realkredite bei maximal 60 Prozent des ermittelten Beleihungswertes. Alles, was darüber hinausgeht, muss die Bank mit teurerem Eigenkapital absichern – und schlägt diese Kosten auf den Zinssatz auf.

Finanzierungsvariante Kaufpreis 400.000 € (Nebenkosten ca. 40.000 €) Beleihungsauslauf Beispiel-Sollzins (10 Jahre fest) Monatliche Rate (bei 2 % Tilgung) Zinskosten in 10 Jahren
0 % Eigenkapital (110 % Finanzierung) 0 € EK, Darlehen 440.000 € $> 100,%$ ca. 4,20 % 2.273 Euro ca. 165.000 Euro
Nur Nebenkosten (100 % Finanzierung) 40.000 € EK, Darlehen 400.000 € 100 % ca. 3,85 % 1.950 Euro ca. 140.000 Euro
20 % Kaufpreis-EK (80 % Finanzierung) 120.000 € EK, Darlehen 320.000 € 80 % ca. 3,35 % 1.427 Euro ca. 98.000 Euro
40 % Kaufpreis-EK (60 % Finanzierung) 200.000 € EK, Darlehen 240.000 € 60 % ca. 3,05 % 1.010 Euro ca. 67.000 Euro

Der Vergleich zeigt: Wer bei einer 400.000-Euro-Immobilie neben den 40.000 Euro Nebenkosten weitere 80.000 Euro Eigenkapital in den Kaufpreis einbringt (Variante 80 %), spart nicht nur jeden Monat über 500 Euro an Belastung, sondern über die ersten 10 Jahre der Zinsbindung mehr als 40.000 Euro an reinen Zinskosten.

Was Banken als Eigenkapital anerkennen

Neben klassischen Barreserven erkennen Kreditinstitute weitere Vermögenswerte als Eigenkapital an:

  • Guthaben und Wertpapiere: Tagesgeld, Festgeld, Bausparguthaben (zuteilungsreif oder ansparbar), Aktien, ETFs und Fondsanteile (hier ziehen Banken wegen Kursschwankungen meist einen Sicherheitsabschlag von 20 bis 30 Prozent ab).
  • Bereits vorhandenes Baugrundstück: Besitzen Sie das Grundstück bereits schuldenfrei, zählt der volle Bodenwert als Eigenkapital für den anschließenden Hausbau.
  • Eigenleistung („Muskelhypothek“): Eigene handwerkliche Arbeiten (Trockenbau, Malern, Bodenbeläge) erkennen viele Banken bis zu einem Höchstbetrag von 10.000 bis maximal 25.000 Euro als Eigenkapitalersatz an. Voraussetzung ist ein detaillierter Nachweis der Gewerke und die fachliche Qualifikation.
  • Schenkungen und vorgezogenes Erbe: Eigenkapitalzuschüsse von Eltern oder Verwandten können voll eingebracht werden, müssen aber rechtzeitig auf dem Girokonto liegen und dem Notar angezeigt werden.

Was geschieht, wenn nach Ablauf der ersten Zinsbindungsfrist noch eine Restschuld verbleibt, schildert der Ratgeber zur Zinsbindung und Anschlussfinanzierung.

Nächster Schritt für Bauherren und Käufer

Erstellen Sie eine lückenlose Haushaltsrechnung: Addieren Sie Ihre verlässlichen monatlichen Nettoeinkommen und ziehen Sie alle Fixkosten, Kredite und Lebenshaltungskosten ab. Die künftige Darlehensrate plus mindestens 3,50 bis 4,00 Euro je Quadratmeter für nicht umlegbare Bewirtschaftungskosten und Instandhaltungsrücklage sollte maximal 35 Prozent Ihres Haushaltsnettoeinkommens betragen. Fordern Sie bei Ihrer Hausbank oder einem unabhängigen Finanzierungsberater eine Vorabanfrage mit 80-Prozent- und 90-Prozent-Beleihung an, um Ihren individuellen Zinsvorteil exakt zu beziffern.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. § 505a BGB – Pflicht zur Kreditwürdigkeitsprüfung bei Verbraucherdarlehensverträgen (Bundesministerium der Justiz)
  2. § 14 Pfandbriefgesetz (PfandBG) – Beleihungsgrenze (Bundesministerium der Justiz)
  3. Deutsche Bundesbank – Zinsstatistik und Wohnungsbaukredite privater Haushalte
  4. § 656c BGB – Lohnanspruch bei Maklertätigkeit für beide Parteien (Halbteilung)
Weiterlesen

Mehr zum Thema

016 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

026 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

036 Artikel

Den zinsverbilligten KfW-Kredit für Neubauten im Standard Effizienzhaus 55 gibt es nur, solange die Bundesmittel reichen, längstens bis zum Antragseingang am 31.12.2026. Bei Antragstellung muss eine Baugenehmigung vorliegen oder, bei genehmigungsfreien Vorhaben, die Behörde das Vorhaben kennen und die Ausführung zulässig sein. Zinsen: ab 1,00 Prozent effektiv, bis 100.000 Euro je Wohnung. Stand: KfW-Mitteilung vom 30.09.2026; Zinsstand 05.10.2026.