Lazard 2026: Wind und Solar bleiben am billigsten – doch die Einspeisevergütung deckt die Kosten einer Dachanlage kaum

Neue Solarparks erzeugen Strom in den USA laut Lazard für 40 bis 98 Dollar je Megawattstunde. Eine kleine Dachanlage in Deutschland kostet 6,3 bis 14,4 Cent je Kilowattstunde – wirtschaftlich wird sie erst durch den Strom, den Sie selbst verbrauchen.

Reihen von Solarmodulen auf einer Wiese vor drei Windkraftanlagen unter leicht bewölktem Himmel
Reihen von Solarmodulen auf einer Wiese vor drei Windkraftanlagen unter leicht bewölktem HimmelFoto: Armin Kübelbeck (Kuebi) / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt; Symbolfoto, Windpark Schneebergerhof)CC BY-SA 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Lazard beziffert die unsubventionierten Stromgestehungskosten neuer US-Solarparks auf 40 bis 98 Dollar und neuer Onshore-Windparks auf 37 bis 99 Dollar je Megawattstunde, neue Gas-GuD-Kraftwerke auf 51 bis 129 Dollar.
  • Alle Technologien sind teurer geworden, der Mittelwert für Solarparks um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresbericht; auch große Batteriespeicher kosten wieder mehr.
  • Kleine PV-Dachanlagen in Deutschland erzeugen Strom laut Fraunhofer ISE für 6,3 bis 14,4 Cent je Kilowattstunde, Preisstand 2024.
  • Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart rund 37 Cent, jede eingespeiste bringt bei neuen Anlagen bis 10 kWp nur 7,70 Cent – oft weniger, als sie in der Erzeugung kostet.

Wer über eine Photovoltaikanlage nachdenkt, liest in diesen Wochen wieder die Schlagzeile, Solarstrom sei die billigste Stromquelle. Sie stammt aus dem Levelized Cost of Energy+ Report der US-Investmentbank Lazard, den das Haus am 13. Juli 2026 in 19. Ausgabe veröffentlicht hat.

Die Aussage stimmt – aber für Solarparks in den USA, nicht für das Dach eines Einfamilienhauses in Deutschland. Für Ihre Entscheidung zählt eine andere Rechnung, und die fällt je nach Verwendung des Stroms sehr unterschiedlich aus.

Die Zahlen des Lazard-Berichts

Lazard vergleicht die Stromgestehungskosten neu gebauter Kraftwerke, also alle Kosten über die Lebensdauer geteilt durch die erzeugte Strommenge. Die Hauptwerte gelten ohne US-Steuervergünstigungen und in US-Dollar je Megawattstunde. Eine Megawattstunde sind 1.000 Kilowattstunden; 40 Dollar je Megawattstunde entsprechen also 4,0 US-Cent je Kilowattstunde.

Technologie (Neubau, USA, unsubventioniert) Spanne in Dollar je MWh
Wind an Land 37 bis 99
Solarpark (Utility-Scale) 40 bis 98
Gas-GuD-Kraftwerk 51 bis 129
Solarpark mit Speicher 61 bis 156
Solar für Gewerbe und Quartiere (Community & C&I) 88 bis 197
Wind auf See 105 bis 167
Gasturbine für Spitzenlast 144 bis 276
Neue Kernkraft 175 bis 255

Mit den US-Steuergutschriften sinkt das untere Ende bei Solarparks auf 16 Dollar je Megawattstunde. Aufschlussreich für Hauseigentümer ist die Zeile für kleinere Solaranlagen auf Gewerbedächern und in Quartiersprojekten: Sie liegt mit 88 bis 197 Dollar mehr als doppelt so hoch wie der Solarpark. Größe drückt die Kosten je Kilowattstunde – das gilt auch in Deutschland.

Warum alle Technologien teurer werden

Lazard nennt als Treiber höhere Kapitalkosten, anhaltend hohe Zinsen, weitergegebene Zölle und neu verhandelte Lieferketten. Der Mittelwert der Spanne stieg gegenüber dem Vorjahresbericht bei Solarparks um 18 Prozent, bei Wind an Land um 11 Prozent und bei Gas-GuD-Kraftwerken um 15 Prozent. Die Kosten neuer Gaskraftwerke stehen laut Lazard auf einem 15-Jahres-Hoch.

Zugleich öffnet sich die Schere: Bei Wind und Solar steigen die oberen Enden der Spannen schneller als die unteren. Lazard deutet das so, dass manche Projektentwickler den Kostendruck besser abfangen als andere.

Auch große Batteriespeicher sind wieder teurer geworden, nachdem ihre Kosten im Vorjahr gesunken waren. Ein 100-Megawatt-Speicher mit vier Stunden Kapazität kommt auf 210 bis 292 Dollar je ausgespeicherter Megawattstunde. Als Grund nennt Lazard US-Zölle auf Lithium-Ionen-Batterien, die den Zugang zu günstigen chinesischen Zellen einschränken. Das ist eine Entwicklung des US-Marktes; auf die Preise deutscher Heimspeicher lässt sie sich nicht übertragen.

Was eine Kilowattstunde vom eigenen Dach in Deutschland kostet

Die maßgebliche deutsche Quelle ist die Studie „Stromgestehungskosten erneuerbare Energien“ des Fraunhofer ISE. Die aktuelle Ausgabe stammt vom Juli 2024 und rechnet mit Preisen des Jahres 2024 ohne Mehrwertsteuer, 30 Jahren Lebensdauer für PV-Anlagen und 15 Jahren für Batteriespeicher.

Anlage in Deutschland Cent je kWh
Wind an Land 4,3 bis 9,2
PV-Freiflächenanlage über 1 MWp 4,1 bis 6,9
Kleine PV-Dachanlage unter 30 kWp, Süddeutschland 6,3 bis 10,6
Kleine PV-Dachanlage unter 30 kWp, Norddeutschland 8,7 bis 14,4
Kleine PV-Dachanlage mit Batteriespeicher 9,1 bis 22,5
Gas-GuD-Kraftwerk 10,9 bis 18,1

Die Spanne bei kleinen Dachanlagen treiben vor allem zwei Größen: der Anlagenpreis, den die Studie mit 1.000 bis 2.000 Euro je Kilowattpeak ansetzt, und die Sonneneinstrahlung am Standort. Beim Speicher kommt der Batteriepreis hinzu, angesetzt mit 500 bis 1.200 Euro je Kilowattstunde Speicherkapazität.

Rechenbeispiel: 1.000 Kilowattstunden in Euro

Den Gestehungskosten stehen zwei ganz verschiedene Erlöse gegenüber. Die BDEW-Strompreisanalyse vom Herbst 2026 nennt für Haushalte im bisherigen Jahresverlauf durchschnittlich 37,0 Cent je Kilowattstunde. Für neue Anlagen auf Gebäuden bis 10 kWp mit Teileinspeisung, die zwischen dem 1. August und dem 31. Dezember 2026 in Betrieb gehen, zahlt die EEG-Vergütung laut Bundesnetzagentur 7,70 Cent.

Gerechnet für je 1.000 Kilowattstunden aus einer kleinen Dachanlage, am günstigsten Ende der Spanne (6,3 Cent) und am teuersten Ende (14,4 Cent):

1.000 kWh … Wert Erzeugungskosten Ergebnis
selbst verbraucht 370 Euro vermiedener Strombezug 63 bis 144 Euro 226 bis 307 Euro Vorteil
eingespeist 77 Euro Vergütung 63 bis 144 Euro 14 Euro Plus bis 67 Euro Minus

Der eingespeiste Strom deckt seine eigenen Kosten also nur bei günstigen Anlagen an sonnigen Standorten. Das Geld verdient eine kleine Dachanlage mit dem Strom, den der Haushalt selbst nutzt. Wie hoch dieser Anteil ohne Batterie realistisch ist und welche Verbraucher ihn tatsächlich verschieben, zeigt unser Beitrag zum Eigenverbrauch ohne Speicher.

Eine Einschränkung: Der BDEW-Wert enthält den Grundpreis anteilig, bezogen auf 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Selbst verbrauchter Solarstrom spart aber nur den Arbeitspreis. Setzen Sie deshalb den Arbeitspreis aus Ihrer eigenen Stromrechnung ein.

Was Sie aus dem Bericht mitnehmen

Der Lazard-Bericht sagt viel über die Strompreise der kommenden Jahre, weil neue Wind- und Solarparks günstiger bleiben als neue Gaskraftwerke. Über die Wirtschaftlichkeit Ihrer eigenen Anlage sagt er nichts. Die hängt an drei Zahlen, die Sie selbst ermitteln können:

  1. Anlagenpreis je Kilowattpeak aus einem konkreten Angebot – er entscheidet, ob Sie am unteren oder oberen Ende der Fraunhofer-Spanne liegen.
  2. Ihr Arbeitspreis aus der letzten Stromabrechnung; wie sich der Durchschnitt 2026 zusammensetzt, steht im Beitrag zum Haushaltsstrompreis von 37 Cent.
  3. Ihr Vergütungssatz, der vom Inbetriebnahmetermin abhängt – Details zur gesunkenen Einspeisevergütung ab August 2026.

Mit diesen Werten überschlägt der Photovoltaik-Rechner Ertrag, Eigenverbrauch und Amortisationszeit. Wer bereits eine Anlage betreibt und über eine Batterie nachdenkt, findet die Rechnung für Speicher an der bestehenden PV-Anlage. Den globalen Ausbau ordnet unser Beitrag zur IEA-Prognose für erneuerbare Energien ein.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Lazard: Pressemitteilung zum Levelized Cost of Energy+ Report 2026 (13. Juli 2026)
  2. Lazard: Levelized Cost of Energy+ 2026, vollständiger Bericht (PDF)
  3. Fraunhofer ISE: Studie Stromgestehungskosten erneuerbare Energien (Juli 2024)
  4. BDEW: Strompreisanalyse Herbst 2026
  5. Bundesnetzagentur: EEG-Fördersätze für Solaranlagen
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