DIHK warnt: Energiekosten treiben Produktion ins Ausland
Das DIHK-Energiewende-Barometer 2026 zeigt: Ein Drittel der großen Industrieunternehmen verlagert bereits Produktion ins Ausland. Was das für Eigentümer bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze
- Das DIHK-Energiewende-Barometer 2026 sinkt auf minus 11,5 Punkte – ein deutliches Signal wachsender Belastung.
- 67 Prozent der Unternehmen verzeichnen steigende Wärmekosten, 49 Prozent steigende Stromkosten.
- Ein Drittel der großen Industrieunternehmen hat Produktionsverlagerungen bereits umgesetzt.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hat am 27. Juli 2026 ihr Energiewende-Barometer 2026 veröffentlicht. Die Ergebnisse zeichnen ein beunruhigendes Bild: Hohe Energiekosten treiben Unternehmen an die Belastungsgrenze, und ein Drittel der großen Industriebetriebe verlagert bereits Produktionskapazitäten ins Ausland. Für Haus- und Wohnungseigentümer sind die Folgen direkter als sie auf den ersten Blick scheinen.
Die Zahlen im Überblick
An der Umfrage haben sich rund 3.100 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Bauwirtschaft beteiligt. Der Barometerwert – ein Saldo aus negativen und positiven Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit – liegt bei minus 11,5 Punkten. Im Vorjahr stand er noch bei minus 8,3. Die Tendenz ist klar.
Die Kostensteigerungen der vergangenen zwölf Monate liefern die Erklärung: 49 Prozent der Unternehmen verzeichnen höhere Stromkosten, 67 Prozent höhere Wärmekosten für Gas, Fernwärme oder Heizöl. Vor allem Industrie und Handel bewerten die Entwicklung mit jeweils minus 22 als besonders negativ.
Investitionen werden verschoben
Die Energiekosten binden finanzielle Spielräume, die andernfalls in den eigenen Betrieb fließen würden. Rund ein Drittel aller Unternehmen verschiebt Investitionen in Kernprozesse. In der Industrie liegt dieser Anteil bei 35 Prozent. Auch Klimaschutzmaßnahmen und Forschung leiden: Ein Viertel der Klimaschutzinvestitionen und 16 Prozent der F&E-Investitionen werden zurückgestellt.
Produktion wandert ab
Die eigentliche Warnung des Barometers betrifft die Verlagerung von Produktionskapazitäten. 20 Prozent aller Unternehmen beschäftigen sich mit einer Verlagerung ins Ausland, haben sie bereits umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung. In der Industrie sind es 40 Prozent, unter großen Industrieunternehmen sogar 60 Prozent.
DIHK-Präsident Peter Adrian fasst es zusammen: „Globale Krisen treffen auf weiterhin ungelöste strukturelle Herausforderungen am Wirtschaftsstandort Deutschland. Das hält die Energiekosten hoch. Die Folgen sind sinkende Wettbewerbsfähigkeit, aufgeschobene Investitionen und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland.“
Regionale Unterschiede
Norddeutschland fällt positiv aus: Hier sehen die Unternehmen wieder mehrheitlich positive Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. Erneuerbare Energien sind in der Region längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Im Westen, Süden und Osten verschlechtert sich die Bewertung gegenüber dem Vorjahr.
Was das für Eigentümer bedeutet
Die Produktion wandert nicht spurlos ab. Wenn Unternehmen Standorte reduzieren oder verlagern, sinkt die Nachfrage nach gewerblichen Flächen. Das wirkt sich auf Mietpreise, Leerstandsquoten und letztlich auf den Verkehrswert von Gewerbeimmobilien aus – besonders in Regionen, die stark von energieintensiver Industrie abhängen.
Für Wohnimmobilien ist der Effekt indirekter, aber nicht zu vernachlässigen. Wenn die regionale Wirtschaftskraft schwindet, folgen auch Wohnstandorte diesem Trend. Gleichzeitig steigen die Energiekosten, die Sie als Eigentümer selbst tragen – für Heizung, Warmwasser und Strom.
Die Unternehmen fordern nach den Barometerergebnissen drei Dinge: Senkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis, Stärkung der Energieinfrastruktur und mehr Verlässlichkeit bei staatlichem Engagement. Eine weitere Ausweitung des Emissionshandels mit steigenden CO₂-Preisen stoßen sie klar zurück.
Den eigenen Energieverbrauch prüfen
Sie können die Energiekosten Ihres Hauses nicht direkt beeinflussen, aber ihre Entwicklung antizipieren. Wenn 67 Prozent der Unternehmen steigende Wärmekosten verzeichnen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihre nächsten Heizkosten höher ausfallen.
Nutzen Sie den Energiekosten-Rechner, um zu berechnen, wie sich eine Preissteigerung bei Strom oder Gas auf Ihre jährlichen Kosten auswirkt. Ein realistisches Szenario hilft, das Sanierungsbudget und die Prioritäten zu setzen.




























