DIHK warnt: Energiekosten treiben Produktion ins Ausland

Das Energiewende-Barometer 2026 der DIHK fällt auf minus 11,5 Punkte. Bei großen Industrieunternehmen setzt rund ein Drittel Verlagerungsmaßnahmen bereits um – mit Folgen für regionale Immobilienmärkte.

Industriehalle mit Maschinen, Stromzählern und Planungsunterlagen – hohe Energiekosten als Standortrisiko
Industriehalle mit Maschinen, Stromzählern und Planungsunterlagen – hohe Energiekosten als StandortrisikoFoto: Generiert für Hausbesitzer NewsAlle Rechte vorbehalten

Das Wichtigste in Kürze

  • Das DIHK-Energiewende-Barometer 2026 liegt bei minus 11,5 Punkten auf einer Skala von minus 100 bis plus 100.
  • 67 Prozent der befragten Unternehmen melden gestiegene Wärmekosten, 49 Prozent gestiegene Stromkosten.
  • Rund 60 Prozent der großen Industrieunternehmen befassen sich mit einer Verlagerung ins Ausland; etwa ein Drittel von ihnen setzt Verlagerungsmaßnahmen bereits um.
  • Befragt wurden rund 3.100 Unternehmen zwischen dem 8. und 29. Juni 2026.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hat am 27. Juli 2026 ihr Energiewende-Barometer 2026 veröffentlicht. Der Kernbefund: Hohe Energiekosten belasten nicht mehr nur das laufende Geschäft, sondern verschieben Investitionen und Produktionsstandorte. Für Haus- und Wohnungseigentümer ist das kein reines Industriethema – es berührt regionale Immobilienmärkte und die eigene Heizkostenerwartung.

Barometerwert liegt bei minus 11,5 Punkten

An der Umfrage haben sich rund 3.100 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Bauwirtschaft beteiligt; erhoben wurde vom 8. bis 29. Juni 2026. Der Barometerwert ist ein Saldo aus negativen und positiven Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit und reicht von minus 100 bis plus 100. Er liegt bei minus 11,5 Punkten. Industrie und Handel weisen darin jeweils einen Wert von minus 22 aus.

Einen Vorjahreswert nennt die DIHK in beiden Mitteilungen nicht. Sie hält aber fest, dass die Bewertung im Westen, Süden und Osten Deutschlands schlechter ausfällt als im Vorjahr. Wer die Entwicklung über mehrere Jahre vergleichen möchte, braucht dafür die vollständige Barometer-Auswertung, nicht die Pressemitteilung.

Zwei Drittel melden höhere Wärmekosten

Die Kostenentwicklung der vergangenen zwölf Monate liefert die Erklärung: Für knapp die Hälfte der Unternehmen – 49 Prozent – sind die Stromkosten erneut gestiegen. Bei Gas und Öl berichten sogar zwei Drittel von höheren Belastungen; im Barometer entspricht das 67 Prozent.

Mehr als 40 Prozent aller Befragten sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende beziehungsweise die damit verbundenen Kosten beeinträchtigt. In der Industrie gilt das für rund zwei Drittel der Betriebe, im Handel für 40 Prozent. Die Belastung verteilt sich also nicht gleichmäßig, sondern trifft energieintensive Branchen deutlich härter.

Jedes dritte Unternehmen verschiebt Investitionen in Kernprozesse

Energiekosten binden Mittel, die sonst in den Betrieb flössen. Rund ein Drittel aller Unternehmen verschiebt Investitionen in die eigenen Kernprozesse, in der Industrie sind es 35 Prozent. Jeder vierte Betrieb stellt Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen zurück, 16 Prozent schieben Forschung und Innovation auf.

DIHK-Präsident Peter Adrian ordnet das so ein: „Es ist besorgniserregend, dass hohe Energiekosten inzwischen nicht nur die laufende Geschäftstätigkeit belasten, sondern auch Zukunftsinvestitionen verhindern. Wer heute nicht investiert, verliert morgen an Innovationskraft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.“

Bei großen Industrieunternehmen setzt ein Drittel Verlagerungen bereits um

Die schärfste Zahl des Barometers betrifft die Produktionsstandorte. Rund 20 Prozent aller Unternehmen beschäftigen sich mit einer Verlagerung ins Ausland, haben entsprechende Maßnahmen bereits umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung. In der Industrie liegt der Anteil bei etwa 40 Prozent, bei großen Industrieunternehmen bei rund 60 Prozent. Von dieser Gruppe gibt etwa ein Drittel an, Verlagerungsmaßnahmen bereits umzusetzen.

Diese Abstufung ist wichtig: „Sich mit einer Verlagerung beschäftigen“ und „bereits verlagern“ sind nicht dasselbe. Die DIHK trennt beides ausdrücklich. Peter Adrian fasst die Gesamtlage zusammen: „Globale Krisen treffen auf weiterhin ungelöste strukturelle Herausforderungen am Wirtschaftsstandort Deutschland. Das hält die Energiekosten hoch. Die Folgen sind sinkende Wettbewerbsfähigkeit, aufgeschobene Investitionen und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland.“

Norddeutschland bewertet die Energiewende wieder mehrheitlich positiv

Die regionale Spreizung fällt deutlich aus. Zu Norddeutschland heißt es im Barometer, dort sähen die Unternehmen „wieder mehrheitlich positive Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit – auch wenn die Lage keineswegs nur positiv beurteilt wird“. Die DIHK führt das darauf zurück, dass erneuerbare Energien in der Region vielfach selbst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Geschäftsbereich geworden sind. Im Westen, Süden und Osten fällt die Bewertung dagegen schlechter aus als im Vorjahr.

Was schwächere Industrienachfrage für Immobilienwerte bedeutet

Wenn Unternehmen Standorte reduzieren oder verlagern, sinkt zuerst die Nachfrage nach gewerblichen Flächen. Das wirkt auf Mieten, Leerstand und den Verkehrswert von Gewerbeimmobilien – besonders in Regionen, die stark von energieintensiver Industrie abhängen. Für Wohnimmobilien ist der Zusammenhang mittelbar: Wo Arbeitsplätze und Kaufkraft wegfallen, folgt der Wohnungsmarkt mit Verzögerung.

Diese Kette ist eine Erwartung, keine gemessene Größe. Das Barometer erhebt Unternehmensangaben zu Kosten und Planungen, keine Immobilienpreise. Wer den Effekt für einen konkreten Standort einschätzen will, braucht lokale Daten zu Beschäftigung, Gewerbeleerstand und Baulandnachfrage. Welches Wertermittlungsverfahren dabei überhaupt trägt, ordnet der Beitrag Immobilienwert verstehen ein.

Was die Unternehmen von der Politik verlangen

Die Forderungen der Befragten sind im Barometer mit Anteilen hinterlegt. Vier von fünf Unternehmen verlangen mehr Priorität und Verlässlichkeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur. 78 Prozent befürworten eine Senkung der Steuern und Abgaben auf den Strompreis. Knapp drei Viertel wünschen sich ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates, und ebenfalls rund drei Viertel halten Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit für die richtigen Leitprinzipien.

Zum Emissionshandel formuliert die DIHK zurückhaltender als oft berichtet wird: Besonders kritisch beurteilen die Unternehmen demnach eine weitere Ausweitung des Emissionshandels, wenn diese mit steigenden CO₂-Preisen verbunden ist. Das ist keine pauschale Ablehnung des Instruments. Welche Änderungen auf EU-Ebene tatsächlich in Arbeit sind, ordnet der Beitrag zur EU-ETS-Reform ein; die Auswirkungen des zweiten Emissionshandels auf Heizung und Gebäude behandelt der Beitrag zu ETS2 und CO₂-Kosten.

Die eigene Heizkostenerwartung durchrechnen

Als privater Eigentümer beeinflussen Sie weder Netzentgelte noch Industriestrompreise. Sie können aber die Bandbreite abschätzen, in der sich Ihre Kosten bewegen. Wenn zwei Drittel der Unternehmen von gestiegenen Wärmekosten berichten, ist ein unveränderter Abschlag im nächsten Jahr die unwahrscheinlichere Annahme.

Rechnen Sie deshalb mit Szenarien statt mit einem Punktwert: aktueller Verbrauch, dazu je eine Variante mit moderat und mit deutlich höherem Arbeitspreis. Der Energiekosten-Rechner macht daraus eine Jahressumme. Für die Gegenrichtung – sinkende Preise – lohnt der Blick in den Beitrag zum Strompreis für Haushalte: Haushalts- und Industriepreise entwickeln sich nicht zwingend parallel, weil sie unterschiedlich zusammengesetzt sind.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIHK: Energiewende-Barometer 2026 – Energiekosten als Standort-Risiko (27. Juli 2026)
  2. DIHK: Energiekosten – Jedes dritte große Industrieunternehmen verlagert bereits Produktion ins Ausland (27. Juli 2026)
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