EU-ETS2: Zehn Länder warnen vor CO₂-Kosten für Heizung und Gebäude
Zehn EU-Staaten warnen davor, CO₂-Preise auf Heiz- und Kraftstoffe auszuweiten. Die EU-Kommission plant die Reform des Emissionshandels für Gebäude und Verkehr. Was das für deutsche Eigentümer bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze
- Zehn EU-Mitgliedstaaten haben die EU-Kommission vor zusätzlichen Kosten für Haushalte durch den geplanten CO₂-Preis auf Heiz- und Kraftstoffe gewarnt.
- Der ETS2-Emissionshandel für Gebäude und Straßenverkehr soll die Emissionen bis 2030 um 42 Prozent gegenüber 2005 senken.
- Die Reform wurde um ein Jahr auf 2028 verschoben; konkrete Auswirkungen auf deutsche Eigentümer sind noch unklar.
Zehn EU-Mitgliedstaaten haben die Europäische Kommission vor spürbaren Mehrkosten für Haushalte gewarnt, falls der geplante CO₂-Preis auf Heiz- und Kraftstoffe ausgeweitet wird. Die Warnung kommt im Vorfeld einer umfassenden Reform des europäischen Emissionshandels, die auch Gebäude und Straßenverkehr erfasst.
Was genau steht zur Debatte
Die EU-Kommission bereitet eine aktualisierte ETS2-Richtlinie vor, die den Emissionshandel für Gebäudeheizung und Straßenverkehr regelt. ETS2 ist ein separates System vom bestehenden EU-ETS, das Industrie und Stromerzeugung abdeckt. Während das klassische ETS bereits seit 2005 läuft, ist ETS2 ein relativ junger Mechanismus, der Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe in Gebäuden und im Straßenverkehr erfasst.
Zehn Länder – Italien, Griechenland, Polen, Bulgarien, Zypern, die Tschechische Republik, Estland, Ungarn, Rumänien und die Slowakei – haben der Kommission schriftlich mitgeteilt, dass Haushalte keine zusätzlichen Kosten durch CO₂-Preise auf Heiz- und Kraftstoffe tragen sollten. Die Länder verweisen auf volatile Energiepreise und geopolitische Unsicherheit als Begründung.
Was bedeutet das für deutsche Eigentümer
Für deutsche Hausbesitzer ist die direkte Auswirkung noch unklar. Der ETS2 soll die Emissionen bis 2030 um 42 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 senken. Die EU-Kommission hat betont, dass es sich um ein „Cap-and-Trade“-System handelt, bei dem vor allem die Lieferanten – nicht die Endverbraucher – Emissionen erfassen und melden müssen.
Die Kosten können sich jedoch mittelbar auf die Preise für Gas und Heizöl durchschlagen. Eigentümer mit Gas- oder Ölheizung sind potenziell betroffen, wenn Lieferanten ihre CO₂-Kosten an die Endkunden weitergeben. Wer bereits auf eine Wärmepumpe umgestellt hat, ist von diesem Mechanismus kaum betroffen, da der Stromverbrauch einer Wärmepumpe nicht unter ETS2 fällt.
Die geplante Aktualisierung der ETS2-Richtlinie wurde ursprünglich für 2027 angesetzt. Sie wurde um ein Jahr auf 2028 verschoben, um die Energiepreisentwicklung zu beobachten.
Parallel: Schwächung des Haupt-ETS
Gleichzeitig hat die EU-Kommission eine Reform des bestehenden Emissionshandels vorgestellt, der Industrie und Stromerzeugung erfasst. Die Vorschläge sehen vor, das Tempo der Emissionsreduktion nach 2030 zu verlangsamen und kostenlose Zertifikate für energieintensive Industrien bis 2038 zu verlängern – statt wie geplant 2034 zu beenden. Die Reduktionsrate soll ab 2031 von 4,3 auf 3,7 Prozent sinken und ab 2036 auf 1,7 Prozent.
Diese Lockerung trifft auf gemischte Reaktionen. Polen bezeichnete sie als Erfolg, während grüne Politiker wie der deutsche Europaabgeordnete Michael Bloss von „gigantischem Klimamüll“ sprachen. Die Vorschläge müssen noch von den EU-Staaten und dem Europäischen Parlament genehmigt werden – ein Prozess, der ein Jahr dauern kann.
Was Sie jetzt prüfen sollten
Eigentümer mit fossiler Heizung sollten die Entwicklung beobachten. Eine Umstellung auf eine Wärmepumpe isoliert nicht nur von möglichen CO₂-Kosten über ETS2, sondern profitiert von stabilen Strompreisen. Nutzen Sie den Heizkosten-Vergleich, um Gasheizung und Wärmepumpe bei Ihren aktuellen Energiepreisen gegenüberzustellen.
Die politische Debatte wird in den kommenden Monaten intensiver. Bis die ETS2-Richtlinie tatsächlich in Kraft tritt, liegen noch Jahre – genug Zeit, um die eigene Energieversorgung zu überprüfen.

































