Außenliegender Sonnenschutz: Die Windwiderstandsklasse sinkt mit jeder Handbreit Elementbreite
Ein Rollladenpanzer, der bei einem Meter Breite Klasse 6 erreicht, fällt bei zwei Metern auf Klasse 3 — und in Kunststoff auf Klasse 0. Die Anforderung am Standort bleibt dieselbe.

Das Wichtigste in Kürze
- DIN EN 13659 teilt äußere Abschlüsse in sechs Windwiderstandsklassen ein; der nominale Prüfdruck reicht von unter 50 bis 400 Newton je Quadratmeter.
- Die erreichbare Klasse hängt stark von der Elementbreite ab: derselbe Aluminiumpanzer schafft bei einem Meter Breite Klasse 6 und bei 2,50 Metern nur noch Klasse 2.
- Kunststoffprofile fallen schneller ab — ein PVC-Panzer 37/8 erreicht ab zwei Metern Breite rechnerisch Klasse 0.
- Deutschland ist in vier Windzonen mit Referenzgeschwindigkeiten von 22,5 bis 30 Metern je Sekunde eingeteilt; zusammen mit Geländekategorie und Einbauhöhe ergibt sich die geforderte Klasse.
- Energetisch zählt der Gesamtenergiedurchlassgrad gtot als Produkt aus g-Wert der Verglasung und Abminderungsfaktor Fc der Sonnenschutzvorrichtung.
Zwei Rollläden können identisch aussehen, aus demselben Werk stammen und trotzdem drei Windwiderstandsklassen auseinanderliegen. Der Unterschied ist die Breite. Ein Panzer aus Aluminiumprofil 37/8 erreicht bei einem Meter Elementbreite Klasse 6, bei zwei Metern noch Klasse 3 und bei 2,50 Metern gerade noch Klasse 2. In Kunststoff fällt die Kurve steiler: Ein PVC-Panzer desselben Profilmaßes schafft bei einem Meter Klasse 4, bei 1,50 Metern Klasse 2 und ab zwei Metern rechnerisch Klasse 0.
Die Anforderung an Ihrem Standort ändert sich dabei nicht. Sie hängt an Windzone, Geländekategorie und Einbauhöhe — nicht daran, wie breit die Terrassentür ist, vor der das Element hängt. Genau dort entsteht der häufigste Planungsfehler beim außenliegenden Sonnenschutz: Das größte Fenster bekommt den schwächsten Behang.
Sechs Klassen, ein Prüfdruck
Seit dem 1. April 2006 gilt DIN EN 13659 für äußere Abschlüsse verbindlich, und der Windwiderstand ist darin die einzige mandatierte Eigenschaft. Geprüft wird statisch nach DIN EN 1932; das Ergebnis ist eine Klasse von 0 bis 6.
| Klasse | Nominaler Prüfdruck | Sicherheitsprüfdruck (1,5 p) |
|---|---|---|
| 0 | < 50 N/m² | < 75 N/m² |
| 1 | 50 N/m² | 75 N/m² |
| 2 | 70 N/m² | 100 N/m² |
| 3 | 100 N/m² | 150 N/m² |
| 4 | 170 N/m² | 250 N/m² |
| 5 | 270 N/m² | 400 N/m² |
| 6 | 400 N/m² | 600 N/m² |
Zwischen Klasse 2 und Klasse 4 liegt also nicht ein kleiner Zuschlag, sondern der Faktor 2,4 im zulässigen Winddruck. Klasse 0 bedeutet praktisch, dass der Behang bei aufkommendem Wind eingefahren werden muss — was bei einem manuell bedienten Element voraussetzt, dass jemand zu Hause ist.
Welche Klasse Ihr Standort verlangt
Deutschland ist in vier Windzonen eingeteilt, definiert über die Referenzwindgeschwindigkeit als maximales Zehn-Minuten-Mittel in zehn Metern Höhe: Zone 1 mit 22,5, Zone 2 mit 25,0, Zone 3 mit 27,5 und Zone 4 mit 30,0 Metern je Sekunde. Dazu kommt die Geländekategorie — von offener See und glattem flachem Land über landwirtschaftliches Gebiet und Vorstädte bis zu dicht bebauten Stadtgebieten mit über 15 Metern mittlerer Gebäudehöhe — und die Einbauhöhe des Abschlusses.
Aus diesen drei Angaben leitet die Einsatzempfehlung der Industrievereinigung Rollladen-Sonnenschutz-Automation die erforderliche Klasse ab. Ein Haus in Geländekategorie 2, Windzone 2, mit dem Element unter neun Metern Höhe braucht Klasse 3. Dasselbe Haus an der Nordseeküste in Zone 4 und Kategorie 1 braucht Klasse 4. In einer Großstadt derselben Zone reicht Kategorie 4 mit Klasse 3.
Halten Sie diese Zahl gegen die Herstellertabelle für Ihr konkretes Maß. Das Ergebnis ist häufig unbequem: Ein Kunststoffpanzer vor einer zwei Meter breiten Terrassentür verfehlt die Anforderung um mehrere Klassen. Abhilfe schaffen ein stärkeres Aluminiumprofil, eine Teilung in zwei Elemente oder der Wechsel der Bauart — nicht ein zusätzlicher Windwächter, der nur das Einfahren automatisiert.
Was der Behang energetisch bringt
Der zweite Kennwert ist der Abminderungsfaktor Fc. Er beschreibt, welcher Anteil der Sonnenenergie trotz Sonnenschutz durch das Fenster kommt, und wird mit dem g-Wert der Verglasung zum Gesamtenergiedurchlassgrad gtot multipliziert. Ohne Sonnenschutz ist Fc gleich 1,0. Für einen außenliegenden Raffstore nennt DIN 4108-2 den Wert 0,25, für eine außen angebrachte Markise mit nicht parallel zur Verglasung geführter Bespannung 0,5 — und für eine innenliegende Vorrichtung in dunkler Farbe mit hoher Transparenz 0,9.
Rechnen Sie das an einem Fenster durch. Angenommen, auf die Scheibe treffen 500 Watt je Quadratmeter — eine Größenordnung, die eine Ost- oder Westfassade an einem klaren Sommertag erreicht, wenn die Sonne tief steht und fast senkrecht auf das Glas fällt. Bei zwei Quadratmetern Fensterfläche und einer Dreifachverglasung mit einem g-Wert von 0,50 gelangen ohne Sonnenschutz rund 500 Watt in den Raum. Ein dunkles Innenrollo senkt das auf etwa 450 Watt, eine Markise auf 250 Watt, ein außenliegender Raffstore auf rund 125 Watt.
Die Differenz zwischen innen und außen beträgt bei diesem einen Fenster also mehr als 300 Watt — bei vier gleichartigen Fenstern über ein Kilowatt Dauerlast, die im Raum als Wärme ankommt und anschließend weggelüftet oder weggekühlt werden muss. Deshalb ist die Reihenfolge eindeutig: erst außen verschatten, dann über Lüftung oder Kühlung nachdenken. Wo der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes überhaupt verlangt wird und welche Rolle geneigte Fenster dabei spielen, behandelt der Beitrag zum Dachfenster im sanierten Dach.
Rollladen, Raffstore, Screen oder Markise
Die vier Bauarten unterscheiden sich weniger im Hitzeschutz als in dem, was sie nebenbei leisten und verhindern.
Der Rollladen verdunkelt vollständig, trägt zum Einbruchschutz bei und verbessert den Wärmeschutz des Fensters in der Nacht. Sein Nachteil ist genau diese Dichtheit: Wer beschattet, sitzt im Dunkeln. Bei geschlossenem Panzer mit Lichtschlitzen bleibt ein Rest Tageslicht, aber kein Ausblick.
Der Raffstore mit drehbaren Lamellen löst das, weil er das direkte Licht aussperrt und den Blick nach außen erhält. Er ist die energetisch und gestalterisch stärkste Lösung und zugleich die windempfindlichste — viele Systeme werden bei mäßigem Wind automatisch eingefahren.
Textile Screens hängen straff gespannt vor der Scheibe, sind flach im Aufbau und daher an schlanken Fassaden gut nachrüstbar. Sie dämpfen das Licht, statt es zu blockieren, und behalten je nach Gewebe eine Durchsicht nach außen.
Die Markise schattet nicht die Scheibe, sondern die Fläche davor. Sie ist deshalb an der Terrasse stark und am Obergeschossfenster schwach — und sie erhält ihre Klassifizierung nach einer eigenen Norm für gelenkarmgeführte Abschlüsse.
Bei allen vieren gilt: Ein motorisierter Behang braucht Strom am Fenster, und die Steuerung will Wetterdaten. Was die Automatik an Mechanik voraussetzt, steht im Beitrag zur Motorisierung von Rollläden; ob der vorhandene Kasten überhaupt Platz bietet, klärt die Betrachtung zum Rollladenkasten im Bestand.
Kosten, Befestigung und der Punkt vor der Bestellung
Ein manueller Raffstore für den Außenbereich beginnt bei rund 300 Euro je Fenster, die elektrische Variante bei etwa 600 Euro; die reine Montage schlägt je nach Aufwand mit 50 bis 80 Euro je Fenster zu Buche. Ein nachgerüsteter Rollladen liegt einschließlich Montage meist zwischen 300 und 1.200 Euro je Fenster, für elektrische Ausführungen typischerweise bei 450 bis 800 Euro. Die Spanne treibt fast immer die bauliche Situation: Vorbaukasten oder Aufsatzelement, Fassadenaufbau, Leitungsweg.
Ein Punkt wird dabei regelmäßig übersehen. Der Behang bringt zusätzliches Gewicht in der Größenordnung von acht bis zwölf Kilogramm je Quadratmeter auf Sturz und Laibung, und bei Windlast kommt eine erhebliche Sogkraft hinzu. An einer gedämmten Fassade müssen die Konsolen die Last am Dämmstoff vorbei ins Mauerwerk führen; die Verankerung allein in der Dämmebene trägt sie nicht. Wie der Anschluss dort sauber ausgeführt wird, zeigt der Beitrag zu Fensteranschlüssen an der gedämmten Fassade.
Fangen Sie mit dem Standort an, nicht mit dem Produkt. Notieren Sie Windzone, Geländekategorie und Einbauhöhe Ihres Hauses und leiten Sie daraus die geforderte Windwiderstandsklasse ab. Messen Sie dann für jedes Fenster die tatsächliche Elementbreite und lassen Sie sich vom Anbieter schriftlich bestätigen, welche Klasse das jeweilige Element in genau diesem Maß erreicht. Eine Angabe wie „Windwiderstandsklasse 6“ ohne Breitenbezug ist wertlos.
Quellen und weiterführende Informationen
- Schlotterer Planungshilfe: Windwiderstandsklassen nach DIN EN 13659
- Bornemann Planungshilfe Windwiderstandsklassen Rollladen
- Alukon Planungshandbuch Rollladen (Windwiderstand, Elementbreiten)
- BauNetz Wissen: Abminderungsfaktor Fc
- BauNetz Wissen: Sommerlicher Wärmeschutz – der g-Wert der Verglasung
- Alulux: Rollladenelemente nach DIN EN 13659 und Windlastzonen
- Industrievereinigung Rollladen-Sonnenschutz-Automation

















