Fensterrahmen aus Holz, Kunststoff oder Aluminium: Beim großen Element ist das Material fast egal — beim kleinen entscheidet es alles

Bei einem Fenster von zwei mal zwei Metern sind zwei Drittel der Fläche Glas, beim Badfenster ist es knapp die Hälfte. Deshalb verändert dasselbe Rahmenmaterial den U-Wert einmal um 0,15 und einmal um 0,41 W/(m²K).

Aufgeschnittenes Fensterrahmenprofil aus Holz mit sichtbaren Falzen und Nuten
Aufgeschnittenes Fensterrahmenprofil aus Holz mit sichtbaren Falzen und NutenFoto: Sebastian Möricke / Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Normprüfmaß 1.230 × 1.480 mm macht der Rahmen rund ein Drittel der Fensterfläche aus, beim kleinen Badfenster knapp sechzig Prozent.
  • Typische Uf-Werte liegen bei 1,1 W/(m²K) für Fichte, 1,2 für Kiefer, Lärche und Meranti, 1,5 für Eiche und ab 1,3 aufwärts für Metallrahmen.
  • Anlage 7 zum GModG begrenzt beim Ersatz von Fenstern in Wohngebäuden den Uw-Wert auf 1,3 W/(m²K), bei Dachflächenfenstern auf 1,4 und bei Hebe- und Schiebeelementen auf 1,6.
  • Kunststoff dehnt sich mit rund 70 bis 80 · 10⁻⁶ je Kelvin etwa dreimal so stark wie Aluminium und ein Vielfaches von Holz in Faserrichtung — bei dunklen Oberflächen ist das ein Konstruktionsthema.
  • Fertig montiert liegen die Preise je Quadratmeter grob bei 200 bis 640 Euro für Kunststoff, 300 bis 750 für Holz, 450 bis 1.000 für Aluminium und 550 bis 1.200 für Holz-Aluminium.

Im Ausstellungsraum stehen die Materialien nebeneinander und wirken vergleichbar: ein Holzprofil, ein weißes Kunststoffprofil, ein schlankes Aluminiumprofil, daneben die Holz-Alu-Variante. Dazu gehört ein Merkblatt mit dem Uw-Wert des Herstellers, und dieser Wert gilt für ein Fenster von 1.230 mal 1.480 Millimetern — dem Prüfmaß, auf das sich die Branche für die Vergleichbarkeit geeinigt hat.

Ihr Haus hat solche Fenster vielleicht drei. Es hat außerdem ein Badfenster von 60 mal 80 Zentimetern und ein Wohnzimmerelement von zwei mal zwei Metern. Und genau zwischen diesen beiden liegt der Unterschied, den kein Prospekt zeigt.

Dasselbe Material, drei verschiedene Ergebnisse

Der Uw-Wert eines Fensters entsteht nach DIN EN ISO 10077-1 aus drei Anteilen: der Glasfläche mit ihrem Ug-Wert, der Rahmenfläche mit ihrem Uf-Wert und der Länge des Glasrandes mit dem Wärmebrückenzuschlag Ψg des Randverbunds. Der Rahmen ist bei jedem Fenster ungefähr gleich breit — rund zwölf Zentimeter im sichtbaren Bereich. Was sich ändert, ist sein Flächenanteil.

Die folgende Rechnung setzt überall dasselbe Dreifachglas mit Ug = 0,6 W/(m²K) und denselben warmen Randverbund mit Ψg = 0,04 W/(mK) an. Nur der Rahmen wechselt:

Fenster Rahmenanteil Uf 1,1 Uf 1,3 Uf 1,5 Uf 1,8
0,60 × 0,80 m (Bad) 58 % 1,04 1,16 1,28 1,45
1,23 × 1,48 m (Prüfmaß) 33 % 0,86 0,93 0,99 1,09
2,00 × 2,20 m (Wohnraum) 22 % 0,78 0,82 0,86 0,93

Alle Werte in W/(m²K), eigene Rechenwerte nach der Normformel; Ihr konkretes Profil weicht ab. Die Aussage bleibt: Beim großen Element spreizt das Rahmenmaterial das Ergebnis um 0,15 W/(m²K), beim Badfenster um 0,41 — fast das Dreifache. Und die Förderschwelle der Bundesförderung für effiziente Gebäude, die bei Uw ≤ 0,95 W/(m²K) liegt, erreicht das große Element mit jedem dieser Rahmen, das kleine mit keinem.

Daraus folgt eine Planungsregel, die dem Verkaufsgespräch widerspricht: Sparen Sie beim Rahmenmaterial dort, wo viel Glas ist, und investieren Sie dort, wo wenig Glas ist. Wer an einem Badfenster die Förderfähigkeit braucht, kommt nicht um ein hochwärmedämmendes Profil und einen sehr guten Randverbund herum — oder er schlägt das Fenster der Maßnahme gar nicht erst zu. Da sich die Förderbedingungen zuletzt mehrfach geändert haben, lassen Sie sich den bei Antragstellung geltenden Stand schriftlich bestätigen.

Was die vier Bauarten unterscheidet

Kunststoff ist der Marktstandard und der Preisanker. Die Dämmwirkung entsteht aus den Luftkammern im Profil; gute Systeme erreichen Uf-Werte um 1,0 bis 1,2 W/(m²K). Die Profile brauchen eine Stahl- oder Glasfaserarmierung, weil PVC selbst zu weich ist. Der physikalische Haken sitzt in der Wärmedehnung: PVC dehnt sich mit rund 70 bis 80 · 10⁻⁶ je Kelvin, Aluminium mit etwa 23 · 10⁻⁶, Holz in Faserrichtung mit einem Bruchteil davon. Bei dunklen Oberflächen und starker Sonneneinstrahlung wird das zum Thema für die Konstruktion und für die Elementgröße — Hersteller begrenzen dunkle Farben deshalb auf bestimmte Abmessungen.

Holz liegt beim Uf-Wert nach Holzart: Fichte rund 1,1, Kiefer, Lärche und Meranti rund 1,2, Eiche rund 1,5 W/(m²K). Der dichte Eichenrahmen dämmt also schlechter als der leichte Fichtenrahmen — der Zusammenhang ist Rohdichte, nicht Qualität. Holz nimmt Maßänderungen aus Feuchte auf, ist reparierbar und lässt sich im Bestand in Ansichtsbreiten und Profilierungen fertigen, die Kunststoff nicht abbildet.

Aluminium dämmt für sich genommen gar nicht; die Wärmeleitfähigkeit liegt bei über 100 W/(mK). Brauchbare Werte entstehen nur über die thermische Trennung mit Isolierstegen. Referenzwerte für Metallrahmen setzen daher erst bei Uf = 1,3 W/(m²K) an. Dafür trägt Aluminium Lasten, die kein anderes Material bei gleicher Ansichtsbreite trägt — bei großen Festverglasungen und Hebe-Schiebe-Elementen ist es oft die einzige Bauart, die statisch funktioniert.

Holz-Aluminium kombiniert den Holzkern mit einer außen vorgesetzten Aluminiumschale. Der Uf-Wert entspricht ungefähr dem reinen Holzfenster, die Bewitterung trifft das Metall. Es ist die teuerste und zugleich wartungsärmste Bauart.

Wartung hängt an der Bewitterung, nicht am Etikett

Die Aussage „Holz muss man streichen, Kunststoff nicht“ ist zu grob. Entscheidend ist, wie stark ein Fenster bewittert wird: Südwestseite ohne Dachüberstand, Schlagregen, volle Sonne — oder Nordseite unter einem halben Meter Überstand. Für Holzfenster bedeutet das Renovierungsintervalle, die je nach Lage, Beschichtungssystem und Farbton von wenigen Jahren bis zu einem guten Jahrzehnt reichen; Marktquellen nennen für die deckende Beschichtung häufig fünf bis acht Jahre als Mittelwert. Lasierte helle Oberflächen brauchen häufiger Zuwendung als deckend beschichtete.

Kunststofffenster erreichen Nutzungsdauern von 30 bis 40 Jahren, Holz-Alu wird mit 50 Jahren und mehr angegeben. Was bei allen Bauarten zuerst verschleißt, ist aber weder Rahmen noch Glas, sondern die Beschlag- und Dichtungsebene: Dichtungen härten aus, Beschläge verstellen sich. Ein Wartungsgang alle zwei bis drei Jahre — reinigen, fetten, nachstellen — verlängert die Lebensdauer jedes Materials mehr als die Materialwahl selbst.

Preise und gesetzliche Untergrenze

Fertig montiert bewegen sich die Quadratmeterpreise grob zwischen 200 und 640 Euro für Kunststoff, 300 bis 750 Euro für Holz, 450 bis 1.000 Euro für Aluminium und 550 bis 1.200 Euro für Holz-Aluminium. Als Aufpreis gerechnet liegt Holz meist 20 bis 40 Prozent über Kunststoff. Getrieben werden die Spannen von Bautiefe und Kammerzahl, Beschlagqualität und Einbruchhemmung, Farbton und Oberfläche, Elementgröße und Öffnungsart sowie vom Aufwand für Ausbau, Anschluss und Entsorgung.

Unabhängig davon gilt eine Untergrenze: Nach Anlage 7 zum GModG darf beim Ersatz oder erstmaligen Einbau in Wohngebäuden der Uw-Wert von Fenstern und Fenstertüren 1,3 W/(m²K) nicht überschreiten, bei Dachflächenfenstern 1,4 und bei Fenstertüren mit Klapp-, Falt-, Schiebe- oder Hebemechanismus 1,6 W/(m²K). Für neue Außentüren liegt der Wert bei 1,8. Mit Zweifachverglasung ist die Fenstergrenze nur noch in Ausnahmen zu halten; welche Verglasungsaufbauten im Bestand sinnvoll sind, behandelt der Beitrag zur Fensterverglasung im Bestand.

Was am Ende der Nutzungsdauer passiert

Die Materialwahl entscheidet auch darüber, was in dreißig Jahren mit dem Fenster geschieht — und was jetzt mit dem alten.

Kunststoffprofile werden inzwischen flächendeckend zurückgenommen, zu Mahlgut aufbereitet und in den Kern neuer Profile eingebracht. Bei Altfenstern aus der Zeit vor der Jahrtausendwende ist allerdings zu klären, welche Stabilisatoren im Profil stecken: Blei- und cadmiumhaltige Rezepturen waren lange üblich und wurden von der europäischen Kunststoffindustrie erst im Zuge einer Selbstverpflichtung bis 2015 vollständig ersetzt. Für die Entsorgung heißt das nicht Sondermüll, wohl aber, dass der Rückbaubetrieb den Verwertungsweg benennen können muss.

Aluminium ist in der Herstellung energieintensiv, im Kreislauf dagegen stark: Die Wiederverwertung von Sekundäraluminium benötigt nur einen Bruchteil der Energie der Primärgewinnung, und Fensterprofile sind sortenrein trennbar. Holz ist nachwachsend und speichert Kohlenstoff, aber alte Rahmen tragen häufig Beschichtungen aus einer Zeit, in der Bleiweiß und chemischer Holzschutz üblich waren; sie gehören dann nicht ins Altholz für die thermische Verwertung der niedrigen Kategorien.

Verlangen Sie im Angebot eine eigene Position für Ausbau und Entsorgung mit Angabe des Verwertungswegs. Pauschal eingepreiste Entsorgung ist der Posten, der bei Nachträgen am häufigsten auftaucht.

Bevor Sie sich festlegen

Nehmen Sie die Fensterliste Ihres Hauses zur Hand und notieren Sie je Öffnung Maß, Himmelsrichtung und Bewitterung. Erst daraus ergibt sich, wo ein teureres Profil etwas bringt und wo nicht. Klären Sie parallel drei Dinge, die vom Rahmenmaterial unabhängig sind, den Erfolg aber stärker bestimmen: die Anschlussfuge, zu der der Beitrag zu Fensterfuge und Anschlussabdichtung die Anforderungen nennt; das Lüftungskonzept, das ab einem Drittel getauschter Fenster fällig wird und im Beitrag zum Lüftungskonzept nach Fenstertausch beschrieben ist; und den sommerlichen Wärmeschutz, für den außenliegende Verschattung mehr leistet als jedes Glas, wie der Beitrag zum Hitzeschutz an Fenstern zeigt. Steht das Haus unter Denkmalschutz, beginnt die Materialfrage ohnehin an anderer Stelle — dazu der Beitrag zum Fenstertausch im Denkmal.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Anlage 7 GModG — Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten bei Bauteilerneuerung
  2. Fensterversand — Uw-, Ug- und Uf-Werte von Holzfenstern
  3. EGE — Dämmwerte von Holz-Aluminium-Fenstern
  4. Aroundhome — Fensterpreise im Materialvergleich
  5. BAFA — Technische FAQ zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (PDF)
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