Rollladenkasten am neuen Fenster: Der Uw-Wert im Angebot gilt für das Fenster, nicht für den Kasten darüber

Beim Fenstertausch wird über den Rollladenkasten mitentschieden – meist beim Aufmaß und ohne dass jemand darüber spricht. Dabei bestimmt er, wie viel Fensterfläche übrig bleibt und ob die Anschlussfuge oben überhaupt dicht wird.

Antriebsmotor und Lamellenpaket in einem geöffneten Rollladenkasten
Antriebsmotor und Lamellenpaket in einem geöffneten RollladenkastenFoto: Cschirp / Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0 de

Das Wichtigste in Kürze

  • Der auf dem Fenster ausgewiesene Uw-Wert schließt den Rollladenkasten nicht ein; dieser geht mit einem eigenen Wert Usb und seiner eigenen Fläche in die Rechnung ein.
  • DIN 4108-2 verlangt für Rollladenkästen einen Usb von höchstens 0,85 W/(m²K) – das ist Mindestwärmeschutz, nicht Sanierungsstandard.
  • Ein Aufsatzkasten nimmt die Fensteröffnung von oben weg, also an der Kante mit der größten Wirkung auf das Tageslicht in der Raumtiefe; Art. 45 BayBO verlangt ein Rohbaumaß der Fensteröffnungen von mindestens einem Achtel der Netto-Grundfläche.
  • Drei Seiten der Anschlussfuge liegen am Mauerwerk, die vierte am Kasten – dort scheitert die innere Luftdichtheitsebene am häufigsten.
  • Gurtdurchführung, Motorkabel und Revisionsdeckel sind drei geplante Öffnungen in derselben Ebene; sie gehören in die Ausschreibung, nicht in die Improvisation vor Ort.

Im Angebot steht eine Zahl, auf die sich das ganze Gespräch konzentriert: Uw 0,95 W/(m²K), Dreifachverglasung, Warme Kante. Über jedem dieser Fenster wird ein Kasten sitzen, für den diese Zahl nicht gilt – und über den im selben Angebot oft nur eine Zeile steht, meist eine Position mit Stückzahl.

Das ist kein Nebenschauplatz. Der Kasten entscheidet, wie groß das Fenster am Ende wird, wie gut die Fuge oben abgedichtet werden kann und was die Fassade akustisch taugt. Die Entscheidung darüber fällt beim Aufmaß, also Wochen bevor jemand sie bemerkt.

Drei Wege, und die Wahl fällt schon beim Aufmaß

Beim Fenstertausch im Bestand gibt es im Kern drei Möglichkeiten.

Der vorhandene Kasten bleibt, nur das Fenster wird getauscht. Das ist der schnellste Weg und der mit der schlechtesten Bilanz: Der alte Kasten bleibt die kälteste Stelle der Fassade, und zwischen dem neuen Fenster und der Kastenunterseite entsteht eine Fuge, die es vorher in dieser Form nicht gab. Was an einem Bestandskasten überhaupt zu retten ist und warum die reine Dämmschale das Problem nicht löst, steht im Beitrag zum Rollladenkasten im Bestand.

Ein Aufsatzkasten wird werkseitig auf das neue Fensterelement gesetzt und mit ihm zusammen eingebaut. Fenster und Kasten sind dann ein Bauteil mit einer durchgehenden Anschlussebene – bauphysikalisch der sauberste Weg. Der Preis dafür ist Fensterfläche: Die Rohbauöffnung ist gegeben, und der Kasten nimmt oben den Platz, den er braucht.

Ein Vorbaurollladen sitzt außen vor der Fassade. Er lässt die Fensteröffnung unangetastet, verlangt aber Platz in der Laibung oder auf der Fassade, verändert das Fassadenbild und muss bei einer späteren Außendämmung mitgeplant werden.

Welcher Weg passt, entscheidet fast immer die Rohbauöffnung – und die misst der Monteur, nicht Sie. Deshalb ist der Aufmaßtermin der richtige Zeitpunkt für die Frage, nicht die Montagewoche.

Der Aufsatzkasten nimmt das Licht an der wirksamsten Kante weg

Ein Aufsatzkasten baut je nach Fensterhöhe und Panzerstärke rund 15 bis 24 Zentimeter hoch. Diese Höhe geht der Verglasung verloren, und sie geht ihr oben verloren.

Das ist die ungünstigste Stelle. Der obere Streifen einer Fensteröffnung ist derjenige mit dem freiesten Blick zum Himmel; von dort aus fällt Licht am flachsten und damit am weitesten in den Raum. Alles, was sich oberhalb des Fenstersturzes vorbaut, schneidet genau diesen Anteil ab – die Planungsgrundlagen zum Tageslicht behandeln diesen Effekt als eigene Verbauung. DIN 5034-1 gilt Wohnräume dann als ausreichend hell, wenn der Tageslichtquotient auf einer horizontalen Bezugsebene in 0,85 m Höhe, in halber Raumtiefe und 1 m Abstand von den Seitenwänden im Mittel mindestens 0,9 Prozent beträgt. Zwanzig Zentimeter unten fehlen dieser Größe fast nichts; zwanzig Zentimeter oben fehlen ihr viel.

Daneben steht eine harte bauordnungsrechtliche Grenze. Art. 45 BayBO verlangt für Aufenthaltsräume Fenster mit einem Rohbaumaß der Fensteröffnungen von mindestens einem Achtel der Netto-Grundfläche des Raums; die anderen Länder regeln das ähnlich. Wird die Öffnung durch einen Aufsatzkasten verkleinert, kann ein Raum, der vorher knapp darüber lag, darunterfallen. Rechnen Sie das nach, bevor Sie bestellen – bei kleinen Fenstern und tiefen Räumen ist der Abstand zur Grenze oft geringer, als man denkt.

Der Kasten hat eine eigene Kennzahl, und sie heißt nicht Uw

Der Wärmedurchgangskoeffizient eines Fensters, Uw, beschreibt Rahmen und Glas. Der Kasten darüber ist darin nicht enthalten. Er wird in der Nachweisrechnung mit einem eigenen Wert geführt: Usb, ermittelt nach DIN EN 12412-4, zusammen mit seiner eigenen Fläche Asb.

DIN 4108-2 gibt für Rollladenkästen als Mindestwärmeschutz einen Usb von höchstens 0,85 W/(m²K) vor. Das ist eine Untergrenze und kein Zielwert: Ein neues Fenster mit Uw um 0,95 trifft auf einen Kasten, der mit 0,85 die Anforderung gerade erfüllt und damit schlechter dasteht als das Fenster darunter. Gute Aufsatzkästen liegen deutlich darunter, und der Unterschied kostet in erster Linie Bauhöhe, weil die Dämmstärke im Kasten mit dem Wickelraum konkurriert.

Verlangen Sie deshalb im Angebot zwei Zahlen statt einer: den Uw des Fensters und den Usb des Kastens, jeweils mit Bezug auf das konkret angebotene Produkt. Steht der Usb nicht drin, ist das kein Versehen. Dasselbe gilt für die Verglasung selbst, deren Kennwerte im Beitrag zur Fensterverglasung im Bestand aufgeschlüsselt sind.

Die vierte Seite der Anschlussfuge besteht nicht aus Mauerwerk

Ein fachgerechter Fensteranschluss braucht drei Ebenen: innen luftdicht, in der Mitte gedämmt, außen schlagregendicht und dampfdurchlässiger als innen. Das ist auf drei Seiten Routine, weil dort Mauerwerk oder Putz ansteht, auf dem Folien und Bänder halten. Wie diese Ebenen aufgebaut werden, ist im Beitrag zu Fensterfuge und Anschlussabdichtung beschrieben.

Oben ist die Lage eine andere. Dort stößt das Fenster an einen Kasten aus Kunststoff, Holzwerkstoff oder Leichtbeton, dessen Unterseite häufig nicht eben ist, einen Schlitz für den Panzer hat und sich unter Last des Mauerwerks bewegt. Ein Klebeband, das auf dieser Unterseite dauerhaft halten soll, braucht einen Untergrund, den man vorbereiten muss – reinigen, grundieren, gegebenenfalls eine Anputzleiste setzen. Das kostet Zeit und wird deshalb gern ausgelassen.

Beim Aufsatzkasten fällt dieses Problem weg, weil Fenster und Kasten werkseitig verbunden sind und die Anschlussebene um den Kasten herum geführt wird. Genau darin liegt sein eigentlicher Vorteil, nicht im Dämmwert. Bleibt der alte Kasten dagegen stehen, ist der obere Anschluss die Position, auf die Sie im Angebot ausdrücklich bestehen sollten – mit Beschreibung, wie sie ausgeführt wird.

Gurt, Kabel, Deckel: drei geplante Löcher in einer Ebene

Die Luftdichtheitsebene wird am Rollladenkasten dreimal absichtlich durchbrochen. Der Gurt läuft durch eine Führung in den Raum. Beim Motorantrieb ersetzt ein Kabel den Gurt, was die Sache vereinfacht, aber nicht erledigt. Und der Revisionsdeckel ist ein Bauteil, das geöffnet werden können muss – eine dauerhaft dichte Klappe ist ein Widerspruch, der konstruktiv gelöst werden muss und nicht mit Dichtstoff.

Für alle drei gibt es Systemlösungen: abgedichtete Gurtdurchführungen, Kabeldurchführungen mit Manschette, umlaufend gedichtete Deckel. Sie kosten wenig und werden trotzdem selten ausdrücklich beauftragt. Schreiben Sie sie in den Auftrag, und lassen Sie sich nach der Montage zeigen, wie jede der drei Stellen ausgeführt wurde.

Ein Nebeneffekt betrifft das ganze Gebäude: Ein sauber abgedichtetes Fenster samt Kasten senkt die unkontrollierte Luftwechselrate erheblich, und genau darauf stützt sich die Pflicht zum Lüftungskonzept – nachzulesen im Beitrag zum Lüftungskonzept nach Fenstertausch.

Akustisch ist der Kasten die schwächste Stelle der Fassade

Bei Schall zählt nicht der beste Teil eines Bauteils, sondern die Summe aus allen Teilflächen – und eine kleine, schlechte Fläche zieht das Ergebnis überproportional herunter. Das resultierende Schalldämm-Maß einer Außenwand wird aus den Einzelwerten von Wand, Fenster und Kasten mit ihren jeweiligen Flächen berechnet.

Ein Fenster der Schallschutzklasse 4 mit einem bewerteten Schalldämm-Maß ab 40 dB verliert seinen Sinn, wenn darüber ein Kasten mit deutlich schlechterem Wert sitzt. Wer an einer befahrenen Straße wohnt, braucht deshalb für den Kasten eine eigene Herstellerangabe zum Schalldämm-Maß – und zwar für die Ausführung mit Gurtdurchführung, weil genau die den Wert verschlechtert. Ein Motorantrieb ist hier nicht nur Komfort, sondern eine akustische Entscheidung.

Was vor dem Aufmaß feststehen muss

Klären Sie vier Punkte, bevor der Monteur mit dem Zollstock kommt. Erstens: Bleibt der vorhandene Kasten, oder wird er ersetzt – und wenn ersetzt, durch einen Aufsatzkasten oder einen Vorbaurollladen? Zweitens: Wie viel Glasfläche kostet die gewählte Lösung je Fenster, und bleibt der Raum über der Grenze der Landesbauordnung? Drittens: Welchen Usb hat der angebotene Kasten, und welchen Schalldämm-Wert – einschließlich Gurtdurchführung? Viertens: Wie wird der obere Anschluss ausgeführt, wenn der alte Kasten bleibt?

Notieren Sie die Antworten und lassen Sie sie ins Angebot übernehmen. Ein Fenstertausch ist eine Maßnahme für dreißig Jahre; der Kasten darüber ist derselbe Zeitraum, nur ohne Etikett.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. ZUB Systems – Berechnung von Rollladenkästen nach DIN 4108-2 und DIN 4108 Beiblatt 2
  2. Art. 45 BayBO – Aufenthaltsräume, Fensterflächen und lichte Höhe
  3. DIN 5034-1:2021-08 – Tageslicht in Innenräumen, Allgemeine Anforderungen
  4. BauNetz Wissen – Tageslicht: Planungsgrundlagen
  5. bba – Rollladenkästen energetisch richtig planen und ausführen
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