IEA: Erneuerbare liefern 2026 weltweit mehr Strom als Kohle – Europas Börsenpreise steigen trotzdem

Wind, Sonne, Wasser und Bioenergie erzeugen 2026 laut Internationaler Energieagentur 11.627 Terawattstunden, Kohlekraftwerke 10.974. Die deutschen Großhandelspreise lagen im ersten Halbjahr dennoch 17 Prozent über dem Vorjahr.

Solarpark, Windräder und Wasserkraftwerk in einer Landschaft – Erneuerbare als wichtigste Stromquelle weltweit
Solarpark, Windräder und Wasserkraftwerk in einer Landschaft – Erneuerbare als wichtigste Stromquelle weltweitFoto: Generiert für Hausbesitzer NewsAlle Rechte vorbehalten

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut IEA erzeugen erneuerbare Quellen 2026 weltweit 11.627 TWh Strom und überholen damit Kohle mit 10.974 TWh – ein Vorsprung von rund zwei Prozentpunkten am Strommix.
  • Solarstrom wächst 2026 um 610 TWh, überholt die Windkraft und ist nach der Wasserkraft die zweitgrößte erneuerbare Quelle.
  • Weil hohe Gaspreise Kraftwerke zurück zur Kohle trieben, steigen Kohleverstromung und CO₂-Emissionen der Stromerzeugung 2026 dennoch leicht.
  • In Deutschland deckten Erneuerbare im ersten Halbjahr 2026 58 Prozent des Stromverbrauchs, der Haushaltsstrompreis liegt laut BDEW bei 37,0 ct/kWh.
  • Nur 41 Prozent davon entfallen auf Beschaffung und Vertrieb – billigerer Börsenstrom verändert die Rechnung eines Haushalts deshalb nur um wenige Prozent.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat am 23. Juli 2026 ihren Electricity Mid-Year Update vorgelegt. Die Schlagzeile: Wind, Sonne, Wasserkraft und Bioenergie erzeugen 2026 weltweit zusammen erstmals mehr Strom als Kohlekraftwerke. Nachdem beide 2025 fast gleichauf lagen, erwartet die IEA für 2026 aus erneuerbaren Quellen 11.627 Terawattstunden (TWh), aus Kohle 10.974 TWh.

Auf Ihre Stromrechnung wirkt das nicht so, wie die Nachricht vermuten lässt. Im selben Bericht steht, dass die Großhandelspreise in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 um 17 Prozent über dem Vorjahr lagen. Der Grund ist Erdgas, das nach der Krise um die Straße von Hormus deutlich teurer wurde.

Größte Quelle, aber mit knappem Vorsprung

Addiert man alle im Anhang des Berichts aufgeführten Erzeugungsarten für 2026, ergeben sich rund 33.300 TWh. Die Erneuerbaren kommen damit nach unserer Rechnung auf knapp 35 Prozent, Kohle auf knapp 33 Prozent, Gas auf rund 21 Prozent und Kernkraft auf knapp 9 Prozent. Die Erneuerbaren sind also die größte Stromquelle der Welt, doch fast zwei Drittel des Stroms stammen weiterhin aus anderen, überwiegend fossilen Quellen.

Erzeugung weltweit 2025 (vorläufig) 2026 (Prognose) Veränderung
Erneuerbare gesamt 10.720 TWh 11.627 TWh +8,5 %
Kohle 10.823 TWh 10.974 TWh +1,4 %
Gas 6.962 TWh 6.976 TWh +0,2 %
Kernkraft 2.855 TWh 2.871 TWh +0,6 %

Quelle: IEA, Electricity Mid-Year Update 2026, Anhang; Bruttoerzeugung.

Bis 2027 soll der Anteil der Erneuerbaren laut IEA auf 37 Prozent steigen, nach 33 Prozent im Jahr 2025. Den größten Beitrag leistet die Photovoltaik: Ihre Erzeugung wächst 2026 um 23 Prozent oder 610 TWh. Damit überholt Solarstrom die Windkraft, die um gut 6 Prozent zulegt, und wird nach der Wasserkraft zur zweitgrößten erneuerbaren Quelle. Rund die Hälfte des weltweiten Solarzuwachses entsteht in China.

Warum Kohle und CO₂ trotzdem zulegen

Kohlekraftwerke erzeugen 2026 nicht weniger, sondern 1,4 Prozent mehr Strom. Hauptursache laut IEA: Hohe Gaspreise haben in mehreren Ländern Asiens und Europas Kraftwerksbetreiber von Gas auf Kohle umschwenken lassen, hinzu kamen Wettereffekte. In Deutschland drehte die Kohleverstromung von einem Minus von mehr als 4 Prozent im Januar und Februar auf ein Plus von mehr als 4 Prozent zwischen März und Juni. Zugleich wächst der weltweite Verbrauch: um 3,6 Prozent 2026 und 3,8 Prozent 2027, nach 3,0 Prozent im Jahr 2025. Treiber sind Industrie, Klimaanlagen, Elektroautos, Wärmepumpen und Rechenzentren. Indien legt um 7 Prozent zu, China um 5,5 Prozent, die EU und die USA um jeweils rund 2 Prozent.

Die CO₂-Emissionen der weltweiten Stromerzeugung steigen 2026 um rund 1 Prozent auf 14.209 Millionen Tonnen. Für 2027 erwartet die IEA eine Stagnation.

Negative Preise: Rekord in Spanien, Rückgang im Norden

In Spanien war der Börsenstrompreis im ersten Halbjahr 2026 in 17 Prozent der Stunden negativ, nach 10 Prozent im Vorjahreszeitraum. In Südaustralien und Kalifornien blieb der Anteil bei rund 20 Prozent. In Schweden und Finnland sank er dagegen auf nur noch 1 bis 2 Prozent. Die IEA führt das unter anderem auf den seit März 2025 gemeinsamen nordischen Regelenergiemarkt zurück, der Wind- und Solarparks belohnt, wenn sie bei Minuspreisen drosseln, sowie auf Batteriespeicher und Elektrokessel. Am Feiertag 1. Mai näherte sich der Preis auch in Deutschland minus 500 Euro je Megawattstunde. Wie häufig das hierzulande wirklich vorkommt, zeigt unsere Auswertung der negativen Strompreise 2026.

Deutschland: 58 Prozent Ökostrom, 37 Cent am Zähler

Nach vorläufigen Berechnungen von BDEW und ZSW deckten erneuerbare Energien im ersten Halbjahr 2026 58,0 Prozent des Bruttostromverbrauchs, nach 55,8 Prozent im Gesamtjahr 2025. Photovoltaikanlagen lieferten 52,4 Milliarden Kilowattstunden, Windräder an Land 52,9 Milliarden.

Dass billiger Solarstrom den Haushaltspreis nicht spürbar drückt, hat zwei Gründe. Erstens setzt an der Börse in vielen Stunden ein Gaskraftwerk den Preis – deshalb stiegen die deutschen Großhandelspreise, obwohl der Ökostromanteil wuchs. Zweitens ist der Einkauf nur ein Teil der Rechnung. Die BDEW-Strompreisanalyse vom August 2026 nennt für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch im Schnitt 37,0 ct/kWh. Davon entfallen 15,2 ct (41 Prozent) auf Beschaffung und Vertrieb, 9,2 ct (25 Prozent) auf Netzentgelte und 12,6 ct auf Steuern, Abgaben und Umlagen, darunter 5,9 ct Mehrwertsteuer und 2,05 ct Stromsteuer. Gesunken ist der Preis gegenüber 2025 vor allem, weil ein Bundeszuschuss die Netzentgelte um 1,7 ct gedrückt hat. Den Anstieg der Großhandelspreise sieht der BDEW in den Neukundentarifen bisher nicht nennenswert.

Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung: Bei 3.500 kWh und 37,0 ct zahlen Sie rund 1.295 Euro im Jahr. Könnte Ihr Versorger dauerhaft 1 ct/kWh günstiger einkaufen – an der Börse 10 Euro je Megawattstunde –, wären das mit Mehrwertsteuer 1,19 ct weniger, also rund 42 Euro im Jahr oder gut 3 Prozent der Rechnung. Vorausgesetzt, er gibt die Ersparnis vollständig weiter. Mehr zu den Preisbestandteilen 2026.

Was Sie jetzt prüfen können

Nehmen Sie Ihre letzte Abrechnung und rechnen Sie Grundpreis und Arbeitspreis auf Ihren Jahresverbrauch um. Liegt das deutlich über dem BDEW-Durchschnitt von 37,0 ct/kWh, lohnt ein Tarifvergleich eher als das Warten auf sinkende Börsenpreise.

Betreiben Sie eine Photovoltaikanlage, zählt vor allem der selbst verbrauchte Strom: Er ersetzt den vollen Bezugspreis samt Netzentgelt und Steuern, während eingespeister Strom nur die Vergütung bringt. Wie viel ein Haus ohne Batterie realistisch selbst nutzt, steht im Beitrag PV ohne Speicher. Was eine Dachanlage je Kilowattstunde kostet, zeigt der Lazard-Kostenvergleich. Ihre eigene Anlage können Sie im Photovoltaik-Rechner durchrechnen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. IEA – Electricity Mid-Year Update 2026 (veröffentlicht am 23. Juli 2026)
  2. IEA – Electricity Mid-Year Update 2026, vollständiger Bericht mit Anhangtabellen (PDF)
  3. BDEW/ZSW – Rekord: Erneuerbare decken 58 Prozent des Stromverbrauchs im 1. Halbjahr 2026
  4. BDEW-Strompreisanalyse Haushalte und Industrie, August 2026
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