Negative Strompreise auf Rekordkurs: 2026 könnte alle Rekorde brechen

Deutschland steuert auf ein Rekordjahr bei negativen Strompreisen zu: Bereits 242 Minusstunden bis Mai. Was das bedeutet und wer davon profitiert.

Windkraftanlagen und Solarpaneele auf einem Feld bei Sonnenuntergang
Windkraftanlagen und Solarpaneele auf einem Feld bei SonnenuntergangFoto: iStock / bearbeitet (Zuschnitt)Lizenz

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis Mai 2026 gab es bereits 242 Stunden mit negativen Strompreisen an der Börse.
  • Ursache: Zu viel Wind- und Solarstrom bei geringer Nachfrage, vor allem an sonnigen Wochenenden.
  • Direkt betroffen sind nur Großverbraucher und Erzeuger – nicht der durchschnittliche Haushalt.
  • Eigentümer mit Stromspeicher und dynamischem Tarif können indirekt profitieren.

An der Strombörse geht der Preis ins Minus – und das immer häufiger. Deutschland steuert ungebremst auf einen neuen Rekord bei negativen Strompreisen zu: In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 lag der Börsenstrompreis bereits 242 Stunden lang unter null. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 248 Stunden. Der bisherige Rekord steht damit kurz vor dem Bruch.

Warum wird Strom negativ?

Negative Strompreise entstehen, wenn das Angebot an Strom die Nachfrage übersteigt. Das passiert vor allem an sonnigen Wochenenden oder an Feiertagen, wenn Wind- und Solaranlagen deutlich mehr Strom erzeugen, als tatsächlich verbraucht wird. Da Strom schwer speicherbar ist und viele Kraftwerke nicht einfach abgeschaltet werden können, zahlen die Erzeuger die Verbraucher quasi dafür, ihren Strom abzunehmen.

Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°, erklärt: „Negative Strompreise an der Börse entstehen immer dann, wenn das Angebot an Strom die Nachfrage übersteigt.“

Ein Zeichen für den Ausbau der Erneuerbaren

Auf den ersten Blick wirken negative Strompreise wie ein Paradoxon: Wie kann etwas, das Deutschland so teuer ist, plötzlich nichts mehr kosten? Die Antwort liegt im Strukturwandel des Energiesystems. Je mehr Wind- und Solarkapazitäten ans Netz gehen, desto häufiger gibt es Situationen mit Überschuss. Negative Preise sind kein Fehler, sondern ein normales Phänomen in einem System mit hohem Anteil erneuerbarer Energien.

Sie zeigen, dass der Ausbau von Wind- und Solarenergie funktioniert – auch wenn das System noch nicht vollständig auf die Volatilität vorbereitet ist.

Wer profitiert von negativen Strompreisen?

Direkt betroffen sind vor allem zwei Gruppen:

  • Großverbraucher wie Industrie und dataintensive Rechenzentren können ihre Last gezielt in die Minusstunden verlagern und so erhebliche Kosten einsparen.
  • Stromerzeuger ohne flexible Steuerung müssen während dieser Zeiten entweder ihre Produktion drosseln oder sogar bezahlen, um Strom ins Netz zu geben.

Für den durchschnittlichen Haushalt spielen negative Strompreise keine direkte Rolle. Festpreis- und Sondertarife sind nicht an die Börsenpreise gekoppelt.

Indirekter Nutzen für Eigentümer mit Speicher und dynamischem Tarif

Eigentümer mit Photovoltaikanlage, Stromspeicher und einem dynamischen Tarif können jedoch indirekt von der Entwicklung profitieren. Anbieter wie Tibber bieten Tarife, die an die Börsenpreise angepasst sind. In Stunden mit sehr niedrigen oder negativen Preisen lässt sich der Speicher laden oder das Elektroauto laden – und damit teureren Strom zu anderen Zeiten vermeiden.

Eine Tibber-Analyse aus März 2026 zeigt: Die 25 Prozent der Kunden mit der besten Verbrauchssteuerung zahlten sogar weniger Strom als im Vormonat, obwohl die Großhandelspreise durch den Konflikt im Nahen Osten gestiegen waren.

Was kommt als Nächstes?

Die Zahl der negativen Stunden wird voraussichtlich weiter steigen. Der Ausbau von Wind- und Solarkapazitäten geht voran, und auch die Speicherkapazitäten wachsen – aber langsamer als die Erzeugung. Das bedeutet: Negative Strompreise werden zum Normalfall, nicht zur Ausnahme.

Für Eigentümer, die über eine Photovoltaikanlage mit Speicher nachdenken, ist das ein zusätzliches Argument: Wer seinen eigenen Strom erzeugt und speichert, ist weniger abhängig von den Schwankungen an der Börse und profitiert von der steigenden Eigenversorgung.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Merkur: Negative Strompreise auf Rekordkurs
  2. TopAgrar: Neuer Rekord der negativen Strompreise
  3. pv magazine: Tibber-Analyse Strompreis-Volatilität
  4. BDEW-Strompreisanalyse April 2026
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