Gasspeicher bei 60,6 Prozent: Versorgung stabil, Gastarif prüfen

Stand 5. November 2026: Gasspeicher bei 60,6 Prozent, Versorgung laut Bundesnetzagentur stabil. Prüfen Sie beim Gastarif die Jahreskosten; der Füllstand allein ist kein Wechselgrund.

Obertägige Anlagen des Erdgasspeichers Rehden: fünf weiße, hohe Schornsteine und ein flaches Betriebsgebäude mit Rohrleitungen hinter Bäumen und einer Wiese
Obertägige Anlagen des Erdgasspeichers Rehden: fünf weiße, hohe Schornsteine und ein flaches Betriebsgebäude mit Rohrleitungen hinter Bäumen und einer WieseFoto: Axel Hindemith / Wikimedia Commons, bearbeitet (Zuschnitt)CC BY-SA 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Die BNetzA-Lagebewertung vom 5. November nennt 60,6 Prozent Speicherfüllstand; die Versorgungsgefahr bleibt nach ihrer Einschätzung gering.
  • Ein niedrigerer Arbeitspreis kann durch einen höheren Grundpreis aufgezehrt werden; entscheidend sind die Kosten bei Ihrem Verbrauch.
  • Bei angekündigten Preisänderungen bestehen je nach Vertragsform Sonderkündigungsrechte.

Die Gasspeicher sind laut Lagebewertung der Bundesnetzagentur vom 5. November zu 60,6 Prozent gefüllt. Die Behörde hält die Versorgung weiter für stabil und das Risiko einer angespannten Lage für gering. Der niedrige Füllstand ist deshalb allein kein Grund, den Gastarif zu wechseln. Entscheidend für Ihre Rechnung bleiben Verbrauch, Vertrag und die vollständigen Jahreskosten.

Gasspeicher bei 60,6 Prozent: Was die neue Bewertung bedeutet

Nach den Berichten über verfehlte Speicherziele zum Novemberbeginn lautet die wichtigste Unterscheidung: Ein niedrig gefüllter Speicher ist ein Risikofaktor, aber noch kein Nachweis einer bevorstehenden Unterbrechung der Gasversorgung. Die Bundesnetzagentur nimmt die niedrigen Füllstände ausdrücklich ernst. Zugleich erklärt sie, dass sich die Speicher im Rahmen der marktlichen und wetterbedingten Erwartungen entleeren. Abnehmende Füllstände seien kein Indiz für eine Mangellage.

Die Angaben der BNetzA-Lagebewertung vom 5. November 2026 lassen sich so einordnen:

Kennzahl Berichtswert Was daraus folgt
Speicherfüllstand 60,6 % Anteil der gefüllten Speicherkapazität, nicht Anteil des gesicherten Winterbedarfs
Gespeicherte Energie 149,8 TWh Bestand zu diesem Berichtsstand, keine Reichweitenzusage
Pipelineimporte, 28. Oktober bis 3. November 17,9 TWh Zufluss einer Woche
LNG-Importe über deutsche Terminals, gleiche Woche 1,5 TWh Zusätzlicher Zufluss; Pipelines plus LNG ergeben 19,4 TWh Wochenzufluss, nicht zum Bestand addieren
Durchschnittliche LNG-Terminalauslastung, gleiche Woche 34,5 % Gemessene Nutzung, keine Garantie für beliebig steigerbare Lieferungen

Die Behörde verweist auf das Zusammenspiel von Pipelineimporten, Speichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage. Auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar; auch Importmöglichkeiten seien ausreichend vorhanden. Das ist ihre aktuelle Lageeinschätzung und keine Zusicherung, dass jeder denkbare weitere Krisenverlauf folgenlos bleibt.

Für die sichere Versorgung ist nach dieser Bewertung auch das Erreichen der Speicherziele zum 1. Februar nicht zwingend. Das bedeutet nicht, dass Speicherziele abgeschafft oder niedrige Reserven bedeutungslos wären. Es bedeutet, dass die Behörde die Versorgung nicht aus einer einzelnen Prozentzahl ableitet. Die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas gilt laut BNetzA seit dem 1. Juli 2025; die frühere Alarmstufe ist aufgehoben.

Warum die Speicherzahl keine Winterreichweite ergibt

Eine naheliegende Rechnung wäre: 149,8 TWh Bestand geteilt durch einen angenommenen Tagesverbrauch. Als Vorhersage wäre das irreführend. Während Gas entnommen wird, kommen neue Lieferungen an; gleichzeitig gibt es Exporte und wechselnde Nachfrage. Ein kalter Zeitraum und ein milder Zeitraum belasten dieselbe Reserve unterschiedlich.

Auch 19,4 TWh Importe dürfen Sie nicht einfach zum Bestand als zusätzliche Winterreserve addieren. Die Wochenimporte werden nicht vollständig eingespeichert. Ein Teil deckt den laufenden Bedarf oder fließt weiter. Bestand und Zufluss sind verschiedene Größen. Aus ihnen allein lässt sich weder ein Datum für leere Speicher noch eine sichere Versorgung bis zu einem bestimmten Monat berechnen.

Die Gasspeicher bei 60,6 Prozent bedeuten ebenso wenig, dass genau 39,4 Prozent Gas für den Winter fehlen. Der Prozentwert beschreibt die Speicherkapazität und nicht den gesamten Winterverbrauch. Die BNetzA erwartet zwar einen vergleichsweise niedrigen Füllstand am Winterende. Das bleibt eine Prognose, kein gemessener Endstand.

Versorgung stabil heißt nicht: Gasrechnung günstig

Die Bundesnetzagentur beobachtet weiter die Entwicklungen im Nahen Osten. Ob höhere Weltmarktpreise bei Haushalten ankommen, hängt laut Behörde von Konfliktdauer, Beschaffung der Lieferanten und Vertragsregeln ab. Eine allgemeine Prozentprognose für Ihre nächste Rechnung lässt sich daraus nicht seriös ableiten.

Für Eigentümer ergeben sich deshalb zwei getrennte Fragen: Ist die Versorgungslage angespannt? Und ist mein eigener Gastarif noch günstig? Die aktuelle Behördeneinschätzung beantwortet die erste Frage. Für die zweite brauchen Sie Ihre Vertragsunterlagen. Ein stabil versorgtes Haus kann einen teuren Vertrag haben; ein günstiger Vertrag wird durch einen niedrigeren Speicherstand nicht automatisch schlechter.

Warum die Wechselstatistik keine persönliche Sparzusage ist

Die SMARD-Auswertung der Bundesnetzagentur vom 27. Oktober schätzt die jährliche Entlastung der Gaswechsler im ersten Halbjahr 2026 auf rund 455 Millionen Euro. Das sind Modellwerte, keine Rechnungsprüfung: Verglichen werden der erhobene Bestandskundenpreis vom 1. April und ein modellierter Neukundenpreis für das erste Halbjahr.

Für Ihre Entscheidung ist die Methode wichtiger als die große Summe. Die Behörde setzt 20.000 kWh Jahresverbrauch an. Aus 12,16 minus 10,13 ct/kWh ergeben sich 2,03 ct/kWh Preisabstand. Unsere Nachrechnung mit diesen gerundeten Eingaben ergibt 20.000 × 0,0203 = 406 Euro jährlich je Modellhaushalt. Multipliziert mit den genannten rund 1,1 Millionen Wechseln sind das 446,6 Millionen Euro, nicht exakt 455 Millionen. Die veröffentlichten gerundeten Werte reichen somit nicht, um die Gesamtschätzung exakt zu reproduzieren.

Die Nachrechnung im Überblick, jeweils mit den gerundeten SMARD-Angaben:

Schritt Rechnung Ergebnis Methode und Abgrenzung
Preisabstand 12,16 − 10,13 ct/kWh 2,03 ct/kWh Bestandskundenpreis 1. April minus modellierter Neukundenpreis, beide gerundet
Jahresentlastung je Modellhaushalt 20.000 kWh × 0,0203 €/kWh 406 € pro Jahr Modellverbrauch der Behörde, nicht Ihr Haushalt
Hochrechnung auf Wechsler 406 € × rund 1,1 Mio. Wechsel 446,6 Mio. € Rundungsnäherung, keine Einzelfallsumme
Veröffentlichte Gesamtschätzung laut SMARD rund 455 Mio. € Aus den gerundeten Angaben nicht exakt reproduzierbar; Ursache der Abweichung nicht belegt

Quelle: SMARD, Einzelhandelsdaten Strom und Gas, 27.10.2026; Nachrechnung Hausbesitzer News. Die Tabelle ist keine Sparzusage und kein aktuelles Tarifangebot.

Auch 406 Euro sind keine heutige Wechselprämie. Der modellierte Neukundenpreis lag im September bereits bei 11,33 ct/kWh. Dieser spätere Wert und der April-Bestandskundenpreis gehören nicht zum selben Stichtag; ihre Differenz belegt keine aktuelle November-Ersparnis. Ebenso wenig darf man die nationale Summe durch die eigene Wohnfläche teilen.

Für Eigentümer folgt daraus eine klare Reihenfolge: Nutzen Sie die Statistik als Anlass zum Vergleichen, nicht als Ergebnis. Ermitteln Sie zuerst Ihre tatsächlichen Jahreskosten und dann ein verfügbares Angebot für dieselbe Verbrauchsmenge. Wer weniger als den Modellverbrauch benötigt, etwa nach einer Sanierung, darf den ausgewiesenen Modellvorteil nicht unverändert übernehmen. Der folgende Tarifvergleich zeigt zusätzlich, wie ein höherer Grundpreis die Ersparnis verringert.

Jahreskosten statt einzelner Centpreise vergleichen

Für einen Vergleich brauchen Sie den Jahresverbrauch in Kilowattstunden, den Bruttoarbeitspreis und den jährlichen Bruttogrundpreis. Die Grundrechnung lautet:

Jahreskosten = Verbrauch × Arbeitspreis + Jahresgrundpreis.

Die folgende eigene Modellrechnung verwendet frei gewählte Tarifannahmen. Es sind keine aktuellen Marktangebote oder bundesweiten Durchschnittspreise. Ein Bonus bleibt unberücksichtigt.

Jahresverbrauch Vertrag A: 11 ct/kWh + 180 € Angebot B: 10 ct/kWh + 240 € Günstiger Ersparnis mit B
6.000 kWh 840 € 840 € gleich teuer 0 €
15.000 kWh 1.830 € 1.740 € B 90 €
20.000 kWh 2.380 € 2.240 € B 140 €

Modellannahmen: Bruttopreise, ohne Bonus, Jahreskosten = Verbrauch × Arbeitspreis + Jahresgrundpreis (zum Beispiel 20.000 kWh × 0,11 € + 180 € = 2.380 €).

Der um 60 Euro höhere Grundpreis von B verbraucht zunächst einen Teil des günstigeren Arbeitspreises. Gleich teuer sind beide Tarife bei 6.000 kWh: 60 Euro geteilt durch 0,01 Euro je Kilowattstunde. Darüber ist B günstiger, darunter A. Das zeigt, warum ein Angebot mit niedrigerem Centpreis nicht für jedes Haus das bessere ist.

Bei 20.000 kWh spart ein um 1 Cent niedrigerer Arbeitspreis zunächst 200 Euro im Jahr. Bleibt der Grundpreis gleich, ist das auch die Jahresersparnis. Den Vergleich mit Ihren eigenen Vertragswerten können Sie im Gastarif-Wechselschwelle-Rechner durchführen. Die gesonderte Einordnung zu den vorläufigen Gasnetzentgelten 2027 behandelt einen weiteren Preisbestandteil. Auch dort ersetzt ein Einzelwert nicht den Vergleich der vollständigen Vertragskosten.

Vergleichen Sie dieselbe Verbrauchsmenge und denselben Zeitraum. Rechnen Sie einen zugesagten Bonus getrennt aus und prüfen Sie dessen Bedingungen. Notieren Sie außerdem das Ende der Preisgarantie und welche Preisbestandteile sie tatsächlich umfasst. Ohne diese Angaben lässt sich aus einem günstigen ersten Vertragsjahr keine Aussage über das zweite ableiten. Weitere Einzelheiten erläutert der Ratgeber zum Wechseln und Kündigen von Energieverträgen.

Bei einer Preisänderung: Fristen nach Vertragsart

Die Vertragsunterlagen nennen, ob Sie in der Grundversorgung oder in einem Sondervertrag beliefert werden. Für die Kündigung gelten unterschiedliche Regeln.

Vertragslage Ankündigung und Kündigungsrecht Gesetzliche Grundlage
Grundversorgung mit Preisänderung Bekanntgabe mindestens sechs Wochen vorher und zeitgleich briefliche Mitteilung; Änderung zum Monatsbeginn. Kündigung ohne Frist zum Wirksamwerden möglich. § 5 Abs. 2 und 3 GasGVV
Grundversorgung ohne Preisänderung Ordentliche Kündigung mit zwei Wochen Frist in Textform; kein gesondertes Kündigungsentgelt. § 20 GasGVV
Sondervertrag mit einseitigem Preisänderungsrecht Haushaltskunden sind spätestens einen Monat vorher zu informieren. Bei Ausübung des Änderungsrechts können sie ohne Frist zum Wirksamwerden kündigen, ohne gesondertes Entgelt. § 41 Abs. 5 EnWG

In der Grundversorgung wird die Preisänderung gegenüber einem kündigenden Kunden nicht wirksam, wenn er innerhalb eines Monats nach Zugang der Kündigung den Abschluss eines neuen Liefervertrags als Einleitung des Anbieterwechsels nachweist (§ 5 Abs. 3 GasGVV).

§ 41 Abs. 6 EnWG enthält Ausnahmen für Sonderverträge: Die unveränderte Weitergabe einer gesetzlichen Umsatzsteueränderung oder bestimmter gesunkener staatlicher Kalkulationsbestandteile löst das dortige außerordentliche Kündigungsrecht nicht aus. Nicht jede Preisänderung eröffnet also automatisch dieselben Rechte.

Wenn Sie sonderkündigen, stimmen Sie den neuen Lieferbeginn auf das Vertragsende ab und bewahren die Kündigungsbestätigung auf. Bei unklaren oder strittigen Vertragsklauseln ist eine individuelle Prüfung sinnvoll.

Was Sie jetzt am Haus und Vertrag prüfen können

Legen Sie Abrechnung und Vertragsübersicht nebeneinander. Berechnen Sie die Jahreskosten ohne Bonus, vergleichen Sie örtliche Angebote und wechseln Sie nur, wenn Kosten und Bedingungen insgesamt besser passen. Bei einem unveränderten günstigen Vertrag ist die neue Speicherzahl allein kein Wechselgrund. Den Unterschied zwischen Großhandelsnotierung, Prognose und privater Rechnung erläutert der Beitrag Gaspreis über 90 Euro.

Unabhängig vom Anbieter können Sie den Verbrauch angehen: Der Ratgeber zur Heizkurve erklärt, wie Vorlauftemperatur und Außentemperatur zusammenpassen. Die Witterungsbereinigung des Heizverbrauchs hilft dabei, einen milden Winter von einer tatsächlichen Verbrauchssenkung zu unterscheiden.

Aktualisierung vom 6. November 2026: Lagebewertung vom 5. November eingearbeitet. Ergänzt sind die methodische Prüfung der SMARD-Wechselersparnis und eine eigene Nachrechnung mit gerundeten Eingaben. Die Tarifbeispiele bleiben fiktiv; aus Speicherfüllstand und nationaler Wechselstatistik folgt keine persönliche Sparzusage.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Bundesnetzagentur / SMARD: Einzelhandelsdaten Strom und Gas, 27.10.2026, abgerufen am 06.11.2026
  2. Bundesnetzagentur: Aktuelle Lage der Gasversorgung, Lagebewertung vom 05.11.2026, abgerufen am 06.11.2026
  3. Gesetze im Internet: § 41 EnWG, insbesondere Absätze 5 und 6, abgerufen am 06.11.2026
  4. Gesetze im Internet: § 5 GasGVV, Preisänderungen in der Grundversorgung, abgerufen am 06.11.2026
  5. Gesetze im Internet: § 20 GasGVV, ordentliche Kündigung, abgerufen am 06.11.2026
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