DIHK-Barometer: Hohe Energiepreise bremsen Investitionen

Das Energiewende-Barometer 2026 der DIHK zeigt, wie stark hohe Strom- und Wärmekosten Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen belasten.

Strommasten in Brandenburg vor blauem Himmel
Strommasten in Brandenburg vor blauem HimmelFoto: Isohypse, Zuschnitt und Umwandlung in WebPCC0 1.0

Das Wichtigste in Kürze

  • 49 Prozent der befragten Unternehmen berichten von höheren Stromkosten in den vergangenen zwölf Monaten.
  • Rund ein Drittel verschiebt wegen hoher Energiekosten Investitionen in Kernprozesse.
  • Die DIHK fordert wettbewerbsfähige Energiepreise sowie einen verlässlichen Ausbau der Energieinfrastruktur.

Hohe Energiepreise sind nach Einschätzung vieler Unternehmen längst nicht mehr nur ein Kostenposten, sondern ein Standortproblem. Das zeigt das Energiewende-Barometer 2026, das die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) am 27. Juli veröffentlicht hat. An der Umfrage beteiligten sich im Juni rund 3.100 Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen.

Die zentrale Botschaft: Strom und Wärme haben sich für einen erheblichen Teil der Betriebe weiter verteuert. Zugleich fehlen vielen Unternehmen finanzielle Spielräume für Investitionen. Für Eigentümer ist die Entwicklung relevant, weil sie den Druck auf Energiepreise, Infrastruktur und politische Entlastungen erneut sichtbar macht – und weil Unternehmen ihre Kosten häufig entlang der Wertschöpfungskette weitergeben.

Strom und Wärme verteuern sich weiter

In den zwölf Monaten vor der Befragung ist Strom für 49 Prozent der Unternehmen teurer geworden. Bei Wärme – dazu zählen Gas, Fernwärme und Heizöl – berichten sogar 67 Prozent von gestiegenen Kosten. Die DIHK bewertet Energiekosten deshalb als eines der größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung am Standort Deutschland.

Das Barometer misst die wahrgenommenen Folgen der Energiewende für die Wettbewerbsfähigkeit. Auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 liegt der Saldo 2026 bei minus 11,48 Punkten. Besonders kritisch fällt das Urteil in Industrie und Handel aus: Beide Branchen kommen auf einen Wert von jeweils minus 22 Punkten.

DIHK-Präsident Peter Adrian ordnet die Lage als Zusammentreffen äußerer Krisen und innerer Standortprobleme ein. Globale Konflikte belasteten die Märkte, während zugleich Fragen zu Energieinfrastruktur, Abgaben und langfristig planbaren Rahmenbedingungen offen blieben. Die DIHK verweist darauf, dass energieintensive Unternehmen besonders unmittelbar betroffen sind. Im Handel erhöhen hohe Energiepreise zudem Material-, Transport- und Logistikkosten, während eine schwächere Kaufkraft die Nachfrage dämpfen kann.

Investitionen in Kernprozesse werden verschoben

Die Folgen zeigen sich laut Umfrage nicht nur in laufenden Kosten. Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Investitionen in Kernprozesse, weil hohe Energiekosten Mittel binden. Bei Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen betrifft dies rund ein Viertel der Fälle, bei Forschung und Innovation noch 16 Prozent.

In der Industrie ist der Befund noch deutlicher: 35 Prozent der Betriebe geben an, Investitionen in ihre Kernprozesse wegen der Energiekosten aufzuschieben. Für den Standort ist das ein doppeltes Risiko. Kurzfristig fehlen Investitionen in Produktion und Effizienz. Langfristig können verzögerte Modernisierungen die Wettbewerbsfähigkeit weiter schwächen.

Auch bei der Verlagerung von Aktivitäten ins Ausland nennt die DIHK konkrete Größenordnungen: Rund 20 Prozent aller Unternehmen beschäftigen sich mit einer Verlagerung von Investitionen oder Produktionskapazitäten, haben sie bereits umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung. In der Industrie beträgt der Anteil rund 40 Prozent, unter großen Industrieunternehmen 60 Prozent.

Die Zahlen bedeuten nicht, dass jede Absicht in eine Verlagerung mündet. Sie zeigen aber, wie stark Energie- und Transformationskosten in Standortentscheidungen einfließen. Gerade bei Unternehmen mit hohem Strom- oder Gasbedarf kann der Vergleich mit internationalen Energiepreisen Investitionsentscheidungen beeinflussen.

Was die Unternehmen von der Politik erwarten

Die im Barometer befragten Unternehmen bewerten Maßnahmen positiv, die Versorgungssicherheit, Infrastruktur und wettbewerbsfähige Energiekosten stärken. Besonders hohe Zustimmung erhalten eine Senkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis, ein beschleunigter Ausbau der Energieinfrastruktur sowie mehr Verlässlichkeit bei den Rahmenbedingungen.

Skeptisch sehen die Unternehmen weitere Belastungen durch Regulierung oder steigende CO₂-Preise. Die DIHK verlangt deshalb keine Abkehr von der Dekarbonisierung, sondern eine Energiepolitik, die Klimaschutz und internationale Wettbewerbsfähigkeit zusammenführt. Für die Betriebe zählt dabei vor allem, ob Netze, Erzeugung, Speicher und Genehmigungen rechtzeitig verfügbar sind und ob Kosten langfristig kalkulierbar bleiben.

Warum das auch private Haushalte betrifft

Die Unternehmensumfrage ist keine Prognose für private Strom- oder Gastarife. Haushaltsverträge folgen eigenen Beschaffungszyklen, Preisgarantien und regionalen Netzentgelten. Dennoch teilen private Eigentümer und Unternehmen wesentliche Kostenfaktoren: den Großhandelspreis für Energie, staatliche Preisbestandteile und den Zustand der Netzinfrastruktur.

Wer seine eigenen Energiekosten nachvollziehen möchte, sollte Verbrauch und Arbeitspreis getrennt betrachten. Bei Strom können flexible Verbräuche etwa mit einem dynamischen Stromtarif stärker an Marktpreise gekoppelt sein. Das kann Chancen in günstigen Stunden eröffnen, erhöht aber auch die Bedeutung einer passenden Steuerung und eines realistischen Verbrauchsprofils.

Für Gas und Strom zeigt der Energiekosten-Rechner, wie stark sich eine Änderung des Arbeitspreises auf Jahr und Monat auswirkt. Er ersetzt keine Tarifprognose, macht aber sichtbar, welche Größenordnung bereits wenige Cent pro Kilowattstunde im eigenen Haushalt haben.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIHK: Energiewende-Barometer 2026 – Kosten werden zum Standortproblem
  2. Energy News Beat: German industry warns energy-price shock is crippling investment and growth
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