Heizkörperleistung bei niedriger Vorlauftemperatur: Zwischen Typ 11 und Typ 33 liegen an derselben Wand 705 Watt

Der Heizkörper an Ihrer Wand trägt kein Typenschild — aber alles, was ein Planer braucht, lässt sich mit dem Zollstock messen. Bautiefe, Plattenzahl und Nabenabstand entscheiden über Leistung und Tauschaufwand.

Weißer Röhrenheizkörper mit Thermostatkopf an einer gefliesten Badezimmerwand
Weißer Röhrenheizkörper mit Thermostatkopf an einer gefliesten BadezimmerwandFoto: Tiia Monto / Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • An derselben Wand gibt ein Typ 33 mit 600 × 1.000 Millimetern bei 55/45 °C rund 1.182 Watt ab, ein gleich großer Typ 11 nur 477 Watt.
  • Typ 11 und Typ 21 sind mit rund 65 Millimetern fast gleich tief, unterscheiden sich in der Leistung aber um ein Drittel — nur der Blick von oben trennt sie.
  • Ein 16-gliedriger Gussradiator mit 220 Millimetern Bautiefe leistet bei 55/45 °C rund 990 Watt und schlägt damit den gleich großen Typ 22.
  • Je tiefer die Bauform, desto kleiner ihr Strahlungsanteil: beim Röhrenradiator 49 Prozent als 2-Säuler, 27 Prozent als 6-Säuler — Verkleidungen und Vorhänge kosten tiefe Heizkörper deshalb mehr.
  • Der Nabenabstand entscheidet darüber, ob der Tausch eine Verschraubung oder eine Stemmarbeit ist.

Wer ein Angebot für eine Wärmepumpe einholt, bekommt früher oder später die Frage gestellt, was die vorhandenen Heizkörper eigentlich leisten. Auf dem Gerät selbst steht dazu nichts. Typenschilder an Plattenheizkörpern sitzen unter dem Abdeckgitter, sind überstrichen oder waren nie da; bei einem Gussradiator aus den Fünfzigern hat es sie ohnehin nie gegeben. Die Folge ist eine Auslegung nach Gefühl — und die endet meist mit dem Satz, dass „alle Heizkörper raus müssen“.

Das ist selten nötig und fast immer teuer. Die Angaben, die ein Planer braucht, sind mit einem Zollstock und einer Taschenlampe in zehn Minuten je Raum erhoben. Drei Maße und zwei Zählungen genügen, um aus jedem Bestandsheizkörper eine belastbare Wattzahl zu machen.

Die Bautiefe verrät den Typ — bis auf eine Ausnahme

Die zweistellige Typbezeichnung eines Plattenheizkörpers ist keine Modellnummer. Die erste Ziffer nennt die Zahl der wasserführenden Platten, die zweite die Zahl der aufgeschweißten Konvektorbleche — jener gefalteten Bleche zwischen und hinter den Platten, die die Oberfläche vervielfachen. Ein Typ 22 hat zwei Platten und zwei Konvektorbleche, ein Typ 33 drei und drei. Typ 10 und Typ 20 sind die konvektorlosen Flachvarianten.

Weil jede Platte und jedes Blech Bauraum kostet, lässt sich der Typ an der Bautiefe ablesen:

Typ Platten Konvektorbleche Bautiefe
11 1 1 rund 61–65 mm
21 2 1 rund 64–66 mm
22 2 2 rund 100 mm
33 3 3 rund 155–161 mm

Die Ausnahme steht in den ersten beiden Zeilen: Typ 11 und Typ 21 unterscheiden sich um einen Millimeter Bautiefe und um ein Drittel Leistung. Hier hilft nur der Blick senkrecht von oben durch das Abdeckgitter. Zählen Sie die glatten, senkrecht stehenden Platten und die gefalteten Bleche dazwischen; ein Foto mit Blitz von oben reicht als Beleg für den Fachbetrieb. Halten Sie im selben Zug fest, ob die Anschlüsse seitlich sitzen (Kompaktheizkörper) oder unten aus dem Gerät kommen (Ventilheizkörper).

Was der Typ bei identischer Baugröße bringt

Die folgenden Werte stammen aus der Leistungstabelle einer gängigen Baureihe für Bauhöhe 600 und Baulänge 1.000 Millimeter — gleiche Wand, gleiche Konsolen, gleicher Platzbedarf in der Breite:

Typ Bautiefe 70/55/20 °C 55/45/20 °C
11 65 mm 744 W 477 W
21 66 mm 1.008 W 640 W
22 100 mm 1.346 W 854 W
33 155 mm 1.875 W 1.182 W

Der Tausch eines Typ 11 gegen einen Typ 22 bringt bei 55/45 °C also 377 Watt zusätzlich, gegen einen Typ 33 sind es 705 Watt — bei unveränderter Wandfläche und unverändertem Rohrnetz. Das ist der Grund, warum die Maßnahme in Angeboten so oft untergeht: Sie sieht nach nichts aus. Wie sich diese Werte auf beliebige andere Betriebspunkte umrechnen lassen, steht in der Auslegungsrechnung zu Vorlauftemperatur und Heizflächen.

Gegen den tiefen Heizkörper wird gern eingewendet, er gebe seine Wärme überwiegend konvektiv ab und breche deshalb bei niedriger Vorlauftemperatur stärker ein. Das stimmt — und ist messbar klein. Von 70/55 auf 55/45 fällt der Typ 11 auf 64,1 Prozent seiner Leistung, der Typ 33 auf 63,0 Prozent. Die Datenblattreihe eines Röhrenradiators zeigt dieselbe Staffelung über die ganze Spanne: Der Heizkörperexponent steigt von 1,31 beim 65 Millimeter tiefen 2-Säuler auf 1,41 beim 225 Millimeter tiefen 6-Säuler, der Strahlungsanteil fällt dabei von 49 auf 27 Prozent. Die Bautiefe kostet über diese ganze Spanne zwei bis drei Prozentpunkte im Temperaturverhalten und bringt das Zweieinhalbfache an Leistung. Der Einwand ist rechnerisch richtig und praktisch bedeutungslos.

Guss und Röhren: die alten Heizkörper sind besser als ihr Ruf

Gussradiatoren nach DIN 4703 haben eine Gliederbaulänge von 60 Millimetern; Sie zählen also einfach die Glieder ab. Die Normleistung hängt danach nur noch an Bauhöhe und Bautiefe. Für die im Bestand häufigste Bauhöhe von 580 Millimetern (Nabenabstand 500) gilt je Glied:

Bautiefe 75/65/20 °C 55/45/20 °C Wasserinhalt
110 mm 72 W 37 W 0,78 l
160 mm 96 W 49 W 1,02 l
220 mm 122 W 62 W 1,30 l

Ein 16-gliedriger Gussradiator dieser Bauhöhe misst 960 Millimeter in der Länge — und leistet in der 220-Millimeter-Ausführung bei 55/45 °C rund 992 Watt. Der gleich große Typ 22 kommt auf 854 Watt. Wer diesen Heizkörper pauschal als „wärmepumpenuntauglich“ ausbaut, tauscht 992 Watt gegen 854 Watt und zahlt dafür. Erst die schlanke 110-Millimeter-Variante fällt mit rund 592 Watt hinter einen Typ 21 zurück.

Bezahlt wird die Leistung mit Masse: 7,5 Kilogramm und 1,3 Liter je Glied summieren sich auf gut 140 Kilogramm im gefüllten Zustand. Der Körper reagiert entsprechend träge — was an einer Wärmepumpe eher nützt als schadet, weil das Wasservolumen die Laufzeiten verlängert.

Röhrenradiatoren rechnen sich analog, nur mit anderer Teilung: 45 Millimeter Baulänge je Glied, und statt der Bautiefe zählen Sie die Rohre hintereinander. Bei 600 Millimetern Bauhöhe reicht die Normleistung von 46 Watt je Glied beim 2-Säuler bis 117 Watt beim 6-Säuler. Ein 990 Millimeter langes Gerät hat 22 Glieder und liegt damit zwischen 1.008 und 2.574 Watt — ein Faktor von zweieinhalb, den man dem Heizkörper von vorn nicht ansieht.

Der Nabenabstand entscheidet über den Aufwand

Der Nabenabstand ist der Abstand zwischen den Mitten der beiden Anschlüsse, und er ist beim Tausch das wichtigste Maß überhaupt. Bei Gussradiatoren nach DIN 4703 liegt die Bauhöhe konstant 80 Millimeter darüber: 580 zu 500, 680 zu 600, 980 zu 900 Millimeter. Genau diese Abstände — 500, 600, 900 Millimeter — decken Austauschheizkörper ab, die auf die vorhandene Rohrführung passen. Fällt die Wahl dagegen auf einen modernen Ventilheizkörper, sitzen beide Anschlüsse unten im Abstand von 50 Millimetern. Auf seitlich aus der Wand kommende Altbau-Anschlüsse passt das nicht.

Eine passende Verschraubung ist eine Stunde Arbeit, eine geänderte Rohrführung bedeutet Stemmen, Verputzen und Streichen. Notieren Sie deshalb vor jedem Angebot je Heizkörper den Nabenabstand, die Anschlussseite und ob die Rohre aus Wand oder Boden kommen. Ob die neue Heizfläche ihre Leistung anschließend auch abruft, hängt zusätzlich an der Voreinstellung der Thermostatventile und am hydraulischen Abgleich — ein größerer Körper ohne passenden Durchfluss bleibt oben kalt.

Was ohne jeden Tausch geht — und wen es am härtesten trifft

Bevor Geld fließt, lohnt der Blick auf das, was den vorhandenen Heizkörper bremst. Die Verbraucherzentrale nennt drei Punkte: mindestens 30 Zentimeter Abstand von Sofas und Schränken, Vorhänge, die oberhalb des Heizkörpers enden statt bodenlang zu fallen, und der Verzicht auf Verkleidungen. Dazu kommt die Sauberkeit, denn Flusen und Staub mindern die Wärmeabgabe.

Entscheidend ist, dass diese Verluste nicht alle Bauformen gleich treffen. Ein Typ 33 gibt rund drei Viertel seiner Wärme über den Luftstrom ab, der unten einströmt und oben austritt — beim flachen Typ 11 ist es etwa die Hälfte. Ein bodenlanger Vorhang oder eine geschlossene Sitzbank vor dem Heizkörper kappt also genau den Anteil, für den bei der tiefen Bauform bezahlt wurde. Wer einen Typ 33 einbaut und ihn anschließend zustellt, kauft sich einen Teil des Typ-22-Wertes zurück.

Für die Reinigung nehmen Sie Abdeckgitter und Seitenblenden ab — meist werkzeuglos — und saugen die Spalten zwischen den Konvektorblechen mit der Fugendüse aus. Bleibt ein Heizkörper oben kalt, gehört er entlüftet und der Anlagendruck geprüft, bevor über größere Flächen gesprochen wird.

Die Aufnahme für den Fachbetrieb

Legen Sie je Raum ein Blatt an mit: Bauhöhe, Baulänge und Bautiefe in Millimetern; bei Plattenheizkörpern der Anzahl der Platten und Konvektorbleche von oben gezählt; bei Gliederkörpern der Gliederzahl und der Zahl der Rohre hintereinander; dem Nabenabstand und der Anschlussseite; sowie der freien Höhe unter dem Gerät und dem Abstand zur Fensterbank. Ein Foto senkrecht von oben und eines von der Seite gehören dazu.

Für die Größenordnung der Kosten, Marktspannen mit Stand September 2026 und ohne Anspruch, ein Angebot zu ersetzen:

Position Spanne
Kompaktheizkörper Typ 22, 600 × 1.000 mm, Material rund 90–180 €
Kompaktheizkörper Typ 33, 600 × 1.000 mm, Material rund 150–280 €
Tausch je Heizkörper inkl. Montage, ohne Rohrarbeit rund 350–900 €

Ein handelsüblicher Typ 33 dieser Größe steht derzeit mit knapp 200 Euro brutto im Onlinehandel — der Materialpreis ist selten das Problem. Teuer wird der Anfahrts- und Entleerungsaufwand, weshalb es sich lohnt, alle kritischen Räume in einem Termin zu erledigen. Wo die Wand einen tieferen Heizkörper nicht mehr hergibt, bleibt der Gebläsekonvektor die nächste Stufe; er kostet aber Strom und ist hörbar. Mit dem ausgefüllten Blatt in der Hand lässt sich das erste Angebot in einer Minute prüfen: Wer alle zwölf Heizkörper tauschen will, ohne den Nabenabstand notiert zu haben, hat nicht gemessen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Buderus Logatrend – Wattleistungen der Heizkörpertypen 11, 21, 22 und 33 (PDF)
  2. Gussradiatoren nach DIN 4703 / EN 442 – technische Daten je Glied (PDF)
  3. Arbonia – Röhrenradiator: Bautiefen, Exponenten und Wärmeleistungen je Glied (PDF)
  4. Verbraucherzentrale – Heizung: 10 einfache Tipps zum Heizkosten sparen
  5. BauNetz Wissen – Gliederheizkörper und Radiatoren
  6. Haustechnik verstehen – Berechnung von alten Heizkörpern im Bestand
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