Heizkörpertausch in einzelnen Räumen: Das Anlagenwasser entscheidet über die Reihenfolge

Ein neuer Heizkörper ist schnell bestellt. Ob er raumweise oder in einem Termin eingebaut wird, hängt an einer Zahl, die kaum jemand nachrechnet: der Wassermenge, die die Anlage über ihre Nutzungsdauer verträgt.

Weißer Flachheizkörper an einer Wohnraumwand
Weißer Flachheizkörper an einer WohnraumwandFoto: Sahaib / Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Hat der Heizkörper eine absperrbare Rücklaufverschraubung, laufen nur seine 3 bis 13 Liter ab statt der 100 bis 175 Liter der ganzen Anlage.
  • Die VDI 2035 Blatt 1 begrenzt die Summe aus Füll- und Ergänzungswasser über die gesamte Nutzungsdauer auf das Dreifache des Anlagenvolumens – drei Vollentleerungen schöpfen dieses Budget aus.
  • Ein Typ 33 mit 600 mal 1000 Millimetern wiegt gefüllt 53 Kilogramm, ein gleich großer Typ 11 nur 21 Kilogramm; Konsolen und Untergrund müssen neu bewertet werden.
  • Größere Heizflächen vergrößern das Anlagenvolumen: Neun Heizkörper von Typ 11 auf Typ 33 bringen rund 55 Liter zusätzlich ins Netz.
  • Nach dem Tausch gehören Fülldruck, Vordruck des Ausdehnungsgefäßes und eine dokumentierte Nachspeisemenge zur Abnahme.

Das Arbeitszimmer wird nicht warm, der Rest des Hauses schon. Ein größerer Heizkörper ist binnen Minuten bestellt. Was dann tatsächlich den Ausschlag gibt, steht in keinem Produktdatenblatt: ob sich dieser eine Heizkörper vom Netz trennen lässt, ohne dass das Wasser aus dem ganzen Haus in den Eimer läuft.

Denn Heizungswasser ist im Bestand kein Verbrauchsmittel, das man beliebig nachkippt. Die VDI 2035 Blatt 1 in der Fassung von März 2021 setzt eine Obergrenze: Die Summe aus Füll- und Ergänzungswasser darf über die gesamte Nutzungsdauer der Anlage das Dreifache ihres Nennvolumens nicht überschreiten. Wer vier Räume in vier Jahren nacheinander angeht und jedes Mal entleert, hat dieses Budget verbraucht, bevor die erste echte Reparatur ansteht.

Absperren, einfrieren oder entleeren

Ein Zweirohrsystem, wie es seit den späten 1970er-Jahren üblich ist, hat oben das Thermostatventil und unten die Rücklaufverschraubung. Ist Letztere absperrbar – erkennbar an einer Kappe, unter der ein Innensechskant sitzt –, lässt sich der Heizkörper beidseitig zudrehen und abnehmen, während der Rest der Anlage weiterläuft. Das ist der Normalfall und der Grund, warum ein Einzeltausch überhaupt raumweise vertretbar ist.

Fehlt die Absperrmöglichkeit, bleiben zwei Wege. Beim Gefrierverfahren legt der Betrieb Manschetten um Vor- und Rücklauf und erzeugt mit Kohlendioxid Eispfropfen; Geräte wie das REMS Eskimo arbeiten bis minus 79 Grad und decken Rohre von 1/8 bis 2 Zoll ab, ein 3/4-Zoll-Stahlrohr friert in etwa fünf Minuten zu. Voraussetzung ist stehendes Wasser: Pumpe aus, Strang zu, Rohr auf Raumtemperatur abgekühlt. Bleibt eine Restströmung, bildet sich kein Pfropfen. Der dritte Weg, das Entleeren von Strang oder Anlage, ist technisch der einfachste und wasserseitig der teuerste.

Verfahren Wassermenge Voraussetzung
Absperrbare Rücklaufverschraubung nur der Körperinhalt, 3–13 l Zweirohr, Armaturen gangbar
Gefrierverfahren nur der Körperinhalt stehendes Wasser, Rohr 10–60 mm
Strang oder Anlage entleeren 30 bis über 175 l keine

Rechnen Sie in jedem Fall neue Armaturen ein: Konus- und Hanfverschraubungen, die seit vierzig Jahren nicht bewegt wurden, dichten nach dem Öffnen häufig nicht mehr zuverlässig.

Wie viel Wasser wirklich im Spiel ist

Die Wasserinhalte stehen in den technischen Daten der Hersteller. Bei einem Flachheizkörper der Bauhöhe 600 Millimeter und einem Meter Länge sind es 3,04 Liter beim Typ 11, 6,08 Liter beim Typ 22 und 9,12 Liter beim Typ 33; bei 1.400 Millimetern Länge steigt der Typ 33 auf 12,78 Liter. Das ist die Menge, die bei einem abgesperrten Tausch in den Eimer geht – der Nasssauger im Raum ist die Antwort auf schwarzes, magnetithaltiges Heizungswasser, das auf Teppich und unversiegeltem Parkett bleibende Flecken hinterlässt.

Interessanter ist die Gegenrichtung. Ein Reihenhaus mit neun Plattenheizkörpern und einem Wandgerät hat inklusive Verteilung typischerweise 100 bis 150 Liter Anlagenvolumen. Werden alle neun Körper von Typ 11 auf Typ 33 vergrößert, kommen rund 55 Liter dauerhaft hinzu. Sie sind Ergänzungswasser und zählen gegen das Dreifach-Budget – bei 120 Litern Ausgangsvolumen rund 15 Prozent davon, ohne dass ein einziges Mal entleert wurde. Welcher Typ an dieser Wand welche Leistung bringt, ordnet der Beitrag zur Heizkörperleistung bei niedriger Vorlauftemperatur ein.

Die zweite Zahl ist das Gewicht: Ein Typ 11 mit 600 mal 1.000 Millimetern wiegt gefüllt gut 21 Kilogramm, der gleich große Typ 33 mit 44,32 Kilogramm Leergewicht kommt auf 53,4. Bei einer Ständerwand mit Gipskartonbeplankung ist das die Frage nach Konsolen und Befestigungsebene – zu klären, bevor der alte Körper abgehängt wird.

Nachfüllen ist ein Budget, kein Vorgang

Bleiben wir bei den 120 Litern. Das Dreifach-Limit der VDI 2035 bedeutet 360 Liter Füll- und Ergänzungswasser über die gesamte Lebensdauer. Eine Vollentleerung für einen Raum kostet 120 davon; nach der dritten ist das Budget erschöpft, und die Richtlinie verlangt dann die Entsalzung statt der bloßen Enthärtung, weil mit jeder Charge Leitungswasser erneut Härtebildner und gelöster Sauerstoff ins System gelangen.

Wie viel Kalk das ist, lässt sich ausrechnen. Ein Grad deutscher Härte entspricht rund 17,8 Milligramm Calciumcarbonat je Liter; der Härtebereich „hart“ beginnt nach § 9 des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes bei 2,5 Millimol Calciumcarbonat je Liter, also 14 °dH. Bei 16 °dH bringt eine Füllung mit 120 Litern rund 34 Gramm Kalk ins Netz, vier Entleerungen etwa 137 Gramm. Der fällt dort aus, wo es am heißesten ist: auf dem Wärmeübertrager. Ein Millimeter Belag kostet dort bis zu zehn Prozent Wirkungsgrad.

Deshalb hängt der zulässige Härtewert an der Anlagengröße. Tabelle 1 der VDI 2035 Blatt 1 bindet ihn an das leistungsspezifische Anlagenvolumen, also den Wasserinhalt geteilt durch die kleinste Wärmeerzeugerleistung:

Anlage bis 50 kW bis 20 l/kW über 20 l/kW
Wärmeerzeuger mit ≥ 0,3 l/kW Inhalt keine Anforderung 16,8 °dH
Wandgeräte unter 0,3 l/kW, Elektro-Heizelemente 16,8 °dH 8,4 °dH

Ein 18-Kilowatt-Wandgerät mit 120 Litern liegt bei 6,7 l/kW und damit im entspannten Feld. Kommt bei einer späteren Wärmepumpe ein 300-Liter-Puffer dazu, sind es 23,3 l/kW – und der Grenzwert fällt auf 8,4 °dH, den viele Versorgungsgebiete überschreiten. Für das Heizungswasser selbst gilt unabhängig davon: salzarme Fahrweise über 10 bis maximal 100 Mikrosiemens je Zentimeter, salzhaltige bis 1.500, pH-Wert zwischen 8,2 und 10,0 – bei Aluminiumbauteilen nur bis 9,0. Ein Wasserzähler an der Nachspeisung und ein Eintrag mit Datum im Betriebsbuch sind die einzige Möglichkeit, das Budget überhaupt zu kennen.

Druck, Ausdehnungsgefäß und Entlüften danach

Nach dem Wiederbefüllen wird der Fülldruck nicht nach Gefühl eingestellt. Der Vordruck des Membran-Ausdehnungsgefäßes ergibt sich aus der statischen Höhe zwischen Gefäß und oberstem Heizkörper: je Meter 0,1 bar, plus rund 0,3 bar Reserve. Bei sieben Metern sind das 1,0 bar Vordruck, der Fülldruck liegt etwa 0,3 bar darüber. Für Einfamilienhäuser bewegen sich die Werte meist zwischen 0,8 und 1,3 bar Vordruck; maßgeblich bleibt die Angabe des Herstellers und die grüne Markierung am Manometer.

Der Punkt, der beim Einzeltausch regelmäßig übersehen wird: Ein größeres Anlagenvolumen braucht mehr Ausdehnungsraum. Wasser dehnt sich beim Aufheizen von 10 auf 70 Grad um gut 2,2 Prozent aus – aus 120 Litern werden 2,7 Liter Ausdehnung, aus 175 Litern 3,9. Ein knapp bemessenes Gefäß kippt hier, und der Druck steigt bis zum Ansprechen des Sicherheitsventils; die Nachrechnung nach DIN EN 12828 gehört zum Leistungsumfang. Beim Prüfen des Vordrucks muss das Gefäß wasserseitig drucklos sein, sonst misst man nur den Anlagendruck. Ob danach noch Luft im System steht, klärt die Anleitung zum Entlüften und Anlagendruck prüfen.

Die Reihenfolge folgt der Absperrbarkeit

Daraus folgt eine klare Regel für den bewohnten Bestand. Lassen sich alle Heizkörper einzeln absperren, dürfen die Räume nacheinander drankommen; pro Termin gehen nur 3 bis 13 Liter verloren, das Budget bleibt unangetastet. Fehlen absperrbare Rücklaufverschraubungen, gehören alle Körper in eine Kampagne mit einer Entleerung, einem Befüllen und einer Aufbereitung.

Im Einrohrsystem sitzt der Heizkörper an einem Verteilventil mit Bypass. Er lässt sich meist absperren, aber seine Leistung hängt an der Position im Strang: Ein vergrößerter Körper kühlt das Wasser stärker ab und verschlechtert die Bedingungen für alle nachfolgenden Räume.

Hydraulisch gilt in beiden Fällen: Die Voreinstellung des alten Körpers wird nicht übernommen. Ein Typ 33 braucht bei gleicher Vorlauftemperatur einen anderen Massenstrom als der Typ 11, den er ersetzt, und sein geringerer Widerstand zieht Wasser aus dem Strang ab. Wechselt mehr als ein Heizkörper, wird der raumweise Abgleich für die gesamte Anlage neu gerechnet – wie das dokumentiert wird, zeigt die Dokumentation des hydraulischen Abgleichs. Ob die Vorlauftemperatur danach sinken darf, klärt das Verfahren aus dem Beitrag zu Vorlauftemperatur und Heizflächen.

Kosten, Dauer und der alte Körper

Ein einfacher Tausch mit passenden Anschlüssen liegt Stand September 2026 bei 300 bis 700 Euro je Heizkörper, mit neuem Ventilunterteil und neuer Rücklaufverschraubung eher bei 400 bis 900 Euro; der Arbeitsanteil beträgt 2,5 bis 4 Stunden je Körper bei Stundensätzen von 60 bis 85 Euro. Teurer wird es, sobald Rohre verlegt oder Wandflächen wiederhergestellt werden müssen. Aufbereitung des Füllwassers, Einfrierstellen und ein neues Ausdehnungsgefäß stehen als eigene Positionen im Angebot – ebenso der Abgleich, dessen Spannen der Beitrag zu den Kosten des hydraulischen Abgleichs führt.

Der alte Stahlblechkörper wiegt 18 bis 45 Kilogramm und ist Altmetall, kein Sperrmüll. Nimmt ihn der Betrieb mit, erscheint die Entsorgung auf der Rechnung; auf dem kommunalen Wertstoffhof fallen für Haushaltsmengen meist keine Gebühren an, ein Schrotthändler zahlt wenige Cent bis rund 20 Cent je Kilogramm.

Der nächste Schritt kostet nichts: Ziehen Sie an jedem Heizkörper die Kappe der unteren Verschraubung ab und sehen Sie nach, ob dort ein Innensechskant sitzt. Notieren Sie den Manometerstand und, falls vorhanden, den Zählerstand der Nachspeisung. Mit diesen drei Angaben kann ein Fachbetrieb am Telefon sagen, ob Ihr Tausch raumweise laufen darf oder ein Termin für das ganze Haus wird.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. VDI 2035 Blatt 1 (2021-03) – Geltungsbereich und Anforderungen
  2. Reflex Expertenkarte B30/B31 – Tabelle 1 der VDI 2035 Blatt 1
  3. § 9 Wasch- und Reinigungsmittelgesetz – Härtebereiche des Trinkwassers
  4. Kermi therm-x2 Flachheizkörper – technische Daten, Gewicht und Wasserinhalt
  5. Verbraucherzentrale: Heizung optimieren und Heizkosten sparen
  6. REMS Eskimo – Rohr-Einfriergerät, technische Daten
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