Gebläsekonvektoren für die Wärmepumpe: bei 35 Grad Vorlauf das Vierfache eines gleich großen Heizkörpers

Ein Gebläsekonvektor gibt bei 35/30 Grad rund viermal so viel Wärme ab wie ein baugleich großer Typ-22-Heizkörper. Bezahlt wird das mit Ventilatorstrom, einem hörbaren Betriebsgeräusch und im Kühlbetrieb mit literweise Kondensat.

Wandmontierter Gebläsekonvektor in einem Esszimmer mit großer Fensterfront
Wandmontierter Gebläsekonvektor in einem Esszimmer mit großer FensterfrontFoto: Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.Honorarfrei für redaktionelle Berichterstattung

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Gebläsekonvektor von 1.399 mm Länge gibt bei 45/40 °C auf mittlerer Stufe 3.050 Watt ab, ein gleich langer Typ-22-Heizkörper rechnerisch 825 Watt.
  • Der Katalogwert gilt für die höchste Lüfterstufe: dort steigt der Schallleistungspegel desselben Geräts von 32 auf 55 dB(A).
  • Ventilator und Standby von vier Geräten summieren sich auf rund 370 Kilowattstunden Strom im Jahr und zehren etwa ein Drittel des Effizienzgewinns auf.
  • Im Kühlbetrieb bei 7/12 °C fallen an einem Gerät bis zu zwei Liter Kondensat je Stunde an – ohne gesicherten Ablauf ist das ein Wasserschaden mit Ansage.

Die Wärmepumpe ist entschieden, die raumweise Heizlast liegt vor – und in zwei Räumen geht die Rechnung nicht auf. Im Wohnzimmer mit den beiden Außenwänden und im Zimmer über der Durchfahrt müsste der vorhandene Heizkörper bei 40 Grad Vorlauf ungefähr die dreifache Baulänge haben. Die Wand gibt sie nicht her, unter dem Fenster sitzt eine Brüstung, und eine Fußbodenheizung nachzurüsten steht in diesem Haus nicht zur Debatte.

An dieser Stelle bringt der Heizungsbauer den Gebläsekonvektor ins Spiel: gleiche Baugröße, ein Ventilator dahinter, plötzlich passt die Leistung. Das stimmt, und es lässt sich auf zwei Nachkommastellen belegen. In derselben Herstellertabelle steht allerdings auch, was der Ventilator kostet – einen eigenen Stromanschluss, ein Betriebsgeräusch, das in einem Schlafzimmer hörbar bleibt, und im Kühlbetrieb einen Ablauf für Wasser, das literweise anfällt.

Warum der Ventilator die fehlende Fläche ersetzt

Ein Heizkörper gibt seine Wärme an ruhende Luft ab, die sich an den Lamellen erwärmt und von selbst nach oben steigt. Der Wärmeübergang ist dabei schwach und hängt stark von der Temperaturdifferenz zwischen Heizfläche und Raumluft ab – deshalb bricht die Leistung eines Radiators bei niedriger Vorlauftemperatur überproportional ein. Die genaue Umrechnung nach DIN EN 442 mit dem Exponenten 1,3 und die Frage, ob Ihr Bestand eine niedrige Systemtemperatur überhaupt trägt, stehen in unserem Beitrag zu Vorlauftemperatur und Heizflächen.

Ein Gebläsekonvektor umgeht dieses Gefälle, indem er die Luft mit einem Tangentialventilator durch den Wärmetauscher drückt — je nach Stufe 246, 410 oder 566 Kubikmeter pro Stunde. Die folgenden Zahlen stammen aus den öffentlich einsehbaren Datenblättern zweier konkreter Geräte, weil sich nur so nachrechnen lässt, worum es geht; eine Empfehlung für diese Fabrikate ist damit nicht verbunden, vergleichbare Produkte gibt es von mehreren Herstellern. Herangezogen sind ein Wärmepumpenkonvektor (Daikin FWXV20ATV3) und ein Flachheizkörper (Kermi Typ 22) in praktisch identischer Bauform. Der Konvektor misst 1.399 × 601 × 135 Millimeter; der Heizkörper mit 600 × 1.400 Millimetern und 100 Millimetern Bautiefe belegt praktisch dieselbe Wandfläche und leistet nach Herstellerangabe 2.332 Watt im Normpunkt 75/65/20 sowie 1.195 Watt bei 55/45.

Vorlauf/Rücklauf Heizkörper Typ 22, 600 × 1.400 Konvektor, leiseste Stufe mittlere Stufe höchste Stufe
45/40 °C 825 W (gerechnet) 1.900 W 3.050 W 3.880 W
35/30 °C 379 W (gerechnet) 930 W 1.660 W 2.150 W

Die Konvektorwerte stammen aus dem Datenblatt, die Heizkörperwerte aus der Umrechnung der Normleistung; dass diese Umrechnung stimmt, zeigt der Herstellerwert bei 55/45, den sie auf vier Watt genau trifft. Das Ergebnis: Bei 45/40 Grad liefert der Konvektor auf mittlerer Stufe das 3,7-Fache, bei 35/30 Grad das 4,4-Fache. Selbst auf der leisesten Stufe bleibt bei 35/30 noch das 2,5-Fache übrig. Genau das ist der Grund, warum ein einzelner kritischer Raum die Heizkurve des ganzen Hauses nicht mehr nach oben zwingen muss.

Der Katalogwert steht auf der lautesten Stufe

Die vierte Spalte der Tabelle hat einen Preis, der selten mit angeboten wird. Beim selben Gerät steigt der Schallleistungspegel von 32 dB(A) im Flüstermodus über 35 dB(A) auf der niedrigsten regulären Stufe auf 55 dB(A) bei Volllast; der Schalldruckpegel in einem Meter Abstand geht von 23 auf 45 dB(A). Zwanzig Dezibel mehr Schallleistung werden subjektiv als etwa vierfache Lautheit empfunden. Wer ein Gerät auf seinen Maximalwert auslegt, plant also ein Schlafzimmer mit dauerhaftem Lüftergeräusch.

Ein Grenzwert schützt Sie davor nicht. DIN 4109-1 begrenzt Geräusche haustechnischer Anlagen auf 30 dB(A) – aber nur in fremden schutzbedürftigen Räumen, also beim Nachbarn. In der eigenen Wohnung darf ein Gerät so laut sein, wie der Hersteller es baut. Die Spannen zwischen den Fabrikaten sind erheblich: Ein Truhengerät für den Wohnbereich beginnt bei rund 30 dB(A) Schallleistung, während ein robusteres Ventilatorkonvektor-Gehäuse mit 4,3 Kilowatt Heizleistung nach Datenblatt zwischen 43 und 59 dB(A) liegt und damit in einem Nutzraum, nicht neben einem Bett gehört.

Die praktische Konsequenz: Legen Sie jedes Gerät auf der mittleren Stufe auf die Raumheizlast aus und lassen Sie sich die Schallleistung je Stufe ins Angebot schreiben. In Schlafräumen wird die leiseste Stufe zur Auslegungsgrundlage – das führt fast immer zur nächstgrößeren Baugröße. Wie stark Betriebsgeräusche im Wohnalltag wiegen, zeigt sich auch beim Außengerät; die Systematik dazu steht unter Schallschutz am Wärmepumpen-Aufstellort.

Was der Ventilator an Strom zurückholt

Der Konvektor braucht 230 Volt. Das Beispielgerät nimmt auf mittlerer Stufe 27 Watt auf, maximal 32 Watt, im Standby 5 Watt. Rechnen wir vier Geräte über eine Heizperiode von 1.800 Betriebsstunden: 4 × 27 W × 1.800 h ergibt 194 Kilowattstunden. Der Standby läuft dagegen das ganze Jahr: 4 × 5 W × 8.760 h sind 175 Kilowattstunden – fast derselbe Betrag, und der Posten, den keine Angebotskalkulation ausweist. Zusammen rund 370 Kilowattstunden; beim BDEW-Haushaltsstrompreis von 37,0 Cent je Kilowattstunde (Stand August 2026) sind das etwa 137 Euro im Jahr, mit einem separaten Wärmepumpentarif entsprechend weniger.

Dem steht der Gewinn gegenüber. Senken die Konvektoren die Auslegungsvorlauftemperatur von 50 auf 40 Grad, arbeitet die Wärmepumpe je Kelvin rund 2,5 Prozent effizienter, also etwa ein Viertel sparsamer. Bei einem Jahresstromverbrauch von 4.500 Kilowattstunden sind das gut 1.100 Kilowattstunden oder rund 415 Euro. Der Ventilatorstrom frisst davon etwa ein Drittel. Die Rechnung bleibt positiv, aber sie ist kein Selbstläufer: Jede Kilowattstunde im Ventilator wird zwar vollständig zu Raumwärme, jedoch mit dem Wirkungsgrad eines Tauchsieders statt mit dem einer Wärmepumpe. Wer die Geräte in Räumen platziert, die ohnehin selten genutzt werden, verschiebt das Verhältnis schnell ins Negative.

Kühlen ist der eigentliche Vorteil – und es fällt Wasser an

Der Punkt, an dem der Gebläsekonvektor jede Flächenheizung schlägt, ist der Sommer. Eine Fußboden- oder Wandkühlung muss über dem Taupunkt bleiben: Bei 24 Grad Raumluft und 60 Prozent relativer Feuchte liegt der bei 15,8 Grad, weshalb solche Systeme mit 16 bis 18 Grad Wasser fahren und nur trockene Wärme abführen. Der Konvektor arbeitet mit 7 Grad Vorlauf unter dem Taupunkt und entfeuchtet damit aktiv – deshalb kühlt er spürbar.

Genau daraus entsteht die Nebenwirkung. Das Beispielgerät gibt bei 7/12 Grad eine Gesamtkühlleistung von 3,20 Kilowatt an, davon 1,78 Kilowatt sensibel. Die Differenz von 1,42 Kilowatt ist Kondensation: Bei rund 2.450 Kilojoule Verdampfungswärme je Kilogramm entspricht das etwa zwei Litern Wasser je Stunde, an einem heißen Nachmittag also gut zehn Litern aus einem einzigen Gerät. Ein Kondensatablauf mit Gefälle, bei ungünstiger Lage eine Hebeanlage, ist damit kein Zubehör, sondern Voraussetzung – bei einigen Bauformen ist selbst die Kondensatwanne für die waagerechte Montage eine Option der Preisliste. Fährt die Anlage dagegen nur passiv mit 16 bis 18 Grad, bleibt von der Katalogkühlleistung ein Bruchteil; wie weit diese sanfte Variante trägt, zeigt der Beitrag zur passiven Kühlung mit Erdwärme.

Wann der größere Heizkörper die klügere Wahl bleibt

Der Preisabstand ist deutlich. Der genannte Typ-22-Heizkörper kostet im Onlinehandel rund 260 Euro brutto und wird oft an den vorhandenen Anschlüssen getauscht. Wohnraum-Gebläsekonvektoren derselben Baulänge liegen bei rund 630 bis 880 Euro brutto je Gerät (Stand September 2026), einfachere Truhengeräte beginnen um 500 Euro; die Montage inklusive Anbindung an den Heizkreis und Elektrozuleitung wird je Gerät mit etwa 300 bis 1.000 Euro veranschlagt. Preistreiber sind die Zahl der Geräte, die Länge der Elektroleitung, der Kondensatweg und die Frage, ob Ventil, Raumregler und Wanne im Angebot stecken oder als Zubehör nachlaufen. Ob die Geräte als Umfeldmaßnahme einer Wärmepumpenförderung mitzählen, klärt der Fachbetrieb im Einzelfall; die Förderkonditionen sind derzeit in Bewegung.

Fünf Fragen entscheiden die Bauart:

  1. Passt ein tieferer Heizkörper? Ein Typ 33 bringt an derselben Wandfläche rund die Hälfte mehr als ein Typ 22 – ohne Strom, ohne Geräusch, ohne Filter. Die Auswahl beschreibt der Heizkörpertausch in einzelnen Räumen.
  2. Soll der Raum gekühlt werden? Dann ist der Konvektor die einzige Heizfläche, die das mit Entfeuchtung leistet – aber nur mit Ablauf.
  3. Wird im Raum geschlafen oder konzentriert gearbeitet? Dann gilt die leiseste Stufe als Auslegungswert.
  4. Ist eine ordentliche Elektrozuleitung möglich? Eine Steckdose in der Nähe ist kein Anschluss und keine Freigabe.
  5. Wer reinigt den Filter? Ein Radiator hat keine bewegten Teile, ein Konvektor hat Motor, Filter und im Kühlbetrieb feuchte Lamellen.

Für den nächsten Schritt genügt eine schmale Unterlage: die raumweise Heizlast, dazu je Raum die verfügbare Wandfläche und die Frage nach dem Kühlwunsch. Verlangen Sie im Angebot für jedes Gerät die Leistung bei 45/40 und bei 35/30 Grad auf mittlerer Lüfterstufe, die Schallleistung je Stufe, den geplanten Kondensatweg und die Elektroarbeiten als eigene Position. Wo eine dieser vier Angaben fehlt, ist das Angebot nicht vergleichbar – und meistens ist es die, die später teuer wird.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Daikin – Technische Daten Altherma Wärmepumpenkonvektor FWXV/T/M-ATV3
  2. Haustec – Wärmepumpen-Heizkörper, Gebläsekonvektoren, Fan Coils: Was ist was
  3. Verbraucherzentrale – Wärmepumpe im Eigenheim: Welche Voraussetzungen muss mein Haus erfüllen?
  4. Verbraucherzentrale Berlin – Wärmepumpen: Alle reden von Heizung, manche auch von Kühlung
  5. BDEW – Strompreisanalyse (Haushaltsstrompreise)
  6. BauNetz Wissen – Mindestschallschutz nach DIN 4109-1:2018
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