Thermostatventile und Voreinstellung: Was die Stufen bedeuten und warum die zweite Zahl wichtiger ist
Stufe 3 am Thermostatkopf entspricht etwa 20 Grad, jede Stufe rund 4 Grad. Ob ein Raum überhaupt warm wird, entscheidet aber die verdeckte Voreinstellung im Ventilunterteil: Sie begrenzt den Wasserdurchfluss jedes Heizkörpers.

Das Wichtigste in Kürze
- Bei Standard-Thermostatköpfen entspricht Stufe 1 etwa 12, Stufe 2 etwa 16, Stufe 3 etwa 20, Stufe 4 etwa 24 und Stufe 5 etwa 28 Grad; die Striche dazwischen stehen für je ein Grad.
- Der Kopf begrenzt die Raumtemperatur nach oben, die Voreinstellung im Ventilunterteil begrenzt den maximalen Volumenstrom des Heizkörpers und verteilt so das Heizwasser im Haus.
- Den kv-Wert geben Hersteller nach DIN EN 215 meist für 2 Kelvin Regelabweichung an: Den vollen Auslegungsdurchfluss gibt das Ventil erst frei, wenn der Raum 2 Grad unter dem Schließpunkt liegt.
- § 60c GModG schreibt den hydraulischen Abgleich nach Verfahren B nur in Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen oder Nutzungseinheiten vor.
- Ein Abgleich im Einfamilienhaus kostet nach co2online 650 bis 1.250 Euro und spart nach Verbraucherzentrale 5 bis 15 Prozent Heizenergie.
Die Zahlen auf dem Thermostatkopf stehen für eine Raumtemperatur, bei der das Ventil schließt. Bei Standardköpfen gilt:
| Stufe | Raumtemperatur etwa | Typischer Raum |
|---|---|---|
| Stern oder Schneeflocke | 6 °C | Frostschutz, Keller |
| 1 | 12 °C | Treppenhaus |
| 2 | 16 °C | wenig genutzte Räume |
| 2,5 | 18 °C | Schlafzimmer |
| 3 | 20 °C | Wohnzimmer, Küche |
| 4 | 24 °C | Bad |
| 5 | 28 °C | nur kurzzeitig sinnvoll |
Die Striche zwischen den Zahlen stehen für je ein Grad. Hersteller justieren die Köpfe unterschiedlich, die Abstände liegen bei 3 bis 4 Grad je Stufe. Bleibt ein Raum auf Stufe 5 trotzdem kalt, liegt das fast nie am Kopf, sondern an der zweiten, verdeckten Zahl: der Voreinstellung im Ventilunterteil.
| Thermostatkopf | Voreinstellung | |
|---|---|---|
| Was er regelt | schließt, wenn der Raum die eingestellte Temperatur erreicht | begrenzt den größten Wasserdurchfluss dieses Heizkörpers |
| Wer ihn einstellt | Sie, täglich | der Heizungsbauer, einmal beim Abgleich |
| Wirkung bei einem kalten Raum | keine, das Ventil steht ohnehin offen | entscheidet, ob genug Heizwasser ankommt |
Warum der Kopf einen kalten Raum nicht warm macht
Ein Thermostatventil arbeitet ohne Strom. Ein Dehnstoffelement im Kopf dehnt sich bei Wärme aus und schiebt den Ventilstift zu. Das Ventil öffnet also nur, solange der Raum kühler ist als eingestellt, und den vollen Durchfluss gibt es erst bei einer Abweichung von einigen Grad. Die Hersteller geben den kv-Wert, also den Durchfluss bei 1 bar Druckverlust, nach DIN EN 215 üblicherweise für eine Regelabweichung von 2 Kelvin an. Die zulässige Schalthysterese liegt nach der Norm bei 1 Kelvin.
Daraus folgt: Der Kopf begrenzt die Temperatur nach oben, er stellt sie nicht her. Ist ein Raum unterversorgt, steht sein Ventil dauernd offen, und ein Dreh auf Stufe 5 ändert nichts.
Die Voreinstellung verteilt das Wasser im Haus
Heizwasser nimmt den Weg des geringsten Widerstands. Der Heizkörper nahe am Kessel hat die kürzeste Leitung und zieht so lange überproportional viel Wasser, bis er warm ist und sein Kopf schließt. Bis dahin bleibt für den letzten Heizkörper im Strang zu wenig übrig. Wer das mit mehr Pumpenleistung oder höherer Vorlauftemperatur ausgleicht, heizt den bevorzugten Heizkörper weiter auf, ohne die Verteilung zu ändern.
Die Voreinstellung ist ein zweiter, fest eingestellter Drosselquerschnitt im selben Ventilkörper. Sie legt den höchsten kv-Wert fest, den dieser Heizkörper erreichen kann. Der nahe Heizkörper wird gezielt gebremst, damit der ferne genug bekommt. Welcher Wert je Heizkörper richtig ist, ergibt sich aus der raumweisen Heizlast und der Spreizung im Heizkreis; geschätzt werden kann er nicht.
Für gute Regelung zählt außerdem die Ventilautorität: das Verhältnis des Druckverlusts über dem geöffneten Ventil zum Druckverlust im ganzen Kreis. Fallen über dem Ventil 50 mbar an und im Strang insgesamt 100 mbar, beträgt sie 0,5. Fachliteratur nennt 0,3 bis 0,5 als sinnvollen Bereich und 0,7 als obere Grenze. Darunter regelt das Ventil nicht mehr, es schaltet: Die Raumtemperatur pendelt, und Ventile beginnen zu rauschen.
Was das Gesetz verlangt und für wen
§ 60c GModG verlangt den hydraulischen Abgleich nach Einbau einer Heizungsanlage nur in Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen oder sonstigen selbständigen Nutzungseinheiten. Für Ihr Einfamilienhaus gilt die Pflicht nicht. Der Paragraf ist trotzdem der Maßstab für ein gutes Angebot: raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1, Prüfung der Heizflächen auf eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur, Anpassung der Regelung und Durchführung nach Verfahren B der ZVSHK-Fachregel. Das schriftliche Ergebnis enthält Einstellwerte, Gebäudeheizlast, eingestellte Kesselleistung, Auslegungstemperatur, Reglereinstellung und den Druck im Ausdehnungsgefäß; mehr dazu im Beitrag zur Dokumentation des hydraulischen Abgleichs. In der Eigentümergemeinschaft greift die Pflicht ab sechs Einheiten; was dann zu beschließen ist, steht im Beitrag zum hydraulischen Abgleich in der WEG.
Kosten und Ersparnis
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus nennt co2online 650 bis 1.250 Euro, im Mittel rund 925 Euro; die Verbraucherzentrale gibt 600 bis 1.200 Euro und vier bis fünf Stunden Arbeitszeit an. Die Einsparung beziffert sie auf 5 bis 15 Prozent der Heizenergie. Eine Untersuchung der Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel kam im Schnitt auf 7 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr.
Rechenbeispiel: 130 Quadratmeter × 7 kWh = 910 kWh im Jahr. Bei 12 Cent je Kilowattstunde Gas sind das rund 109 Euro, bei 16 Cent rund 146 Euro. Ein Abgleich für 925 Euro hat sich damit nach etwa sechs bis neun Jahren bezahlt gemacht, ohne Förderung und ohne die gesparte Pumpenenergie. Welche Posten ein Angebot enthalten sollte, erklärt der Beitrag zu den Kosten des hydraulischen Abgleichs.
Womit Sie anfangen
Drehen Sie an einem kalten Tag alle Köpfe auf dieselbe Stufe und ertasten Sie nach einer Stunde die Rücklaufverschraubungen. Sind einzelne heiß und andere kalt, ist die Verteilung schief, und keine Einstellung am Kopf ändert das.
Nehmen Sie danach einen Thermostatkopf ab und sehen Sie nach, ob das Unterteil eine Voreinstellskala trägt. Ältere Unterteile haben oft keine; dann gehört der Tausch der Ventile in dasselbe Angebot wie der Abgleich. Bleibt ein Heizkörper kalt, obwohl der Kopf ganz offen ist, sitzt häufig nur der Ventilstift fest: Kopf ab, Stift mit der Zange vorsichtig bewegen. Und klären Sie, ob einzelne Räume zu kleine Heizflächen haben. Ein Raum, dessen Heizkörper bei niedriger Vorlauftemperatur rechnerisch zu wenig leistet, wird auch mit perfekter Voreinstellung nicht warm.
Quellen und weiterführende Informationen
- Verbraucherzentrale – Heizung: 10 einfache Tipps (Thermostatstufen und Temperaturen)
- co2online – Thermostate richtig einstellen (Frostschutzstufe, Stufenabstand)
- § 60c GModG – Hydraulischer Abgleich und weitere Maßnahmen zur Heizungsoptimierung
- Baunormenlexikon – DIN EN 215, Ausgabe 2019-12
- hydraulischer-abgleich.de – Ventilautorität
- hydraulischer-abgleich.de – kv-Wert und Voreinstellung
- Verbraucherzentrale Energieberatung – Hydraulischer Abgleich (Kosten, Einsparung, Studie Ostfalia)
- co2online – Hydraulischer Abgleich: Kosten, Nutzen und Förderung

















