Stromkreise in Küche und Bad: 3,7 Kilowatt je Kreis – und warum das Bad seit Juni 2025 anders geplant wird

Ein Steckdosenstromkreis mit 16 Ampere trägt 3.680 Watt. Wasserkocher, Toaster und Mikrowelle zusammen liegen darüber – deshalb ist die Kreisaufteilung in der Küche keine Komfortfrage.

Geöffneter Zählerschrank mit Stromzähler und Sicherungsautomaten
Geöffneter Zählerschrank mit Stromzähler und SicherungsautomatenFoto: Сизарев Евгений / Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein mit 16 Ampere abgesicherter Steckdosenstromkreis trägt 3.680 Watt – drei gleichzeitig laufende Küchenkleingeräte liegen regelmäßig darüber.
  • DIN 18015-2 staffelt die Mindestzahl der Stromkreise nach Wohnfläche: drei bis 50 Quadratmeter, sieben ab 125 Quadratmetern.
  • Elektroherd, Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner bekommen jeweils einen eigenen Stromkreis; ab etwa 2.000 Watt Anschlusswert ist ein eigener Kreis fachlich empfohlen.
  • DIN VDE 0100-701:2025-06 gilt seit dem 1. Juni 2025 und streicht die alte Ausnahme für fest angeschlossene Durchlauferhitzer – auch sie brauchen nun einen 30-Milliampere-RCD.
  • Für Anlagen, die vor dem Stichtag in Planung oder im Bau waren, läuft eine Übergangsfrist bis zum 6. Dezember 2027.

Der Klassiker passiert am 24. Dezember gegen elf Uhr: Wasserkocher an, Toaster an, Mikrowelle an – und das halbe Erdgeschoss ist dunkel. Die meisten Menschen halten das für eine Macke der alten Installation. Es ist schlichte Arithmetik.

Ein Steckdosenstromkreis mit 16 Ampere Absicherung an 230 Volt trägt 3.680 Watt. Ein Wasserkocher zieht rund 2.200, ein Toaster 1.000, eine Mikrowelle 900 Watt. Zusammen sind das 4.100 Watt und damit knapp 18 Ampere. Der Leitungsschutzschalter tut genau das, wofür er gebaut wurde. Die Frage ist nicht, warum er auslöst, sondern warum diese drei Geräte am selben Kreis hängen.

Was die Norm als Mindestzahl vorgibt

DIN 18015-2 legt die Mindestausstattung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden fest und staffelt die Zahl der Stromkreise für Beleuchtung und allgemeine Steckdosen nach Wohnfläche:

Wohnfläche Stromkreise
bis 50 m² 3
über 50 bis 75 m² 4
über 75 bis 100 m² 5
über 100 bis 125 m² 6
über 125 m² 7

Diese Zahlen sind eine Untergrenze, kein Planungsziel – und sie gelten für die gesamte Wohnung. Dazu kommen die Geräte, die ohnehin einen eigenen Kreis beanspruchen: Elektroherd über eine Drehstromleitung, Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner jeweils mit 16 Ampere über NYM-J 3 × 2,5 mm², gegebenenfalls ein Warmwassergerät und eine Ladestation für ein Elektrofahrzeug mit 32 Ampere. Wie sich Querschnitt und Absicherung im Einzelfall zusammenfügen, behandelt der Beitrag zu Leitungsquerschnitt und Absicherung.

Die Küche rechnet man über Anschlusswerte, nicht über Steckdosen

Küchengeräte sind die leistungsstärksten Verbraucher im Haus, und ihre Anschlusswerte sind höher, als die meisten vermuten: Ein Elektroherd im Drehstromanschluss liegt bei 14,5 Kilowatt, eine Einbaukochmulde bei 10, ein Einbaubackofen bei 6,6 und ein Dampfgarer bei 2,5 Kilowatt am Wechselstrom oder 5,1 Kilowatt am Drehstrom. Ein Fachplaner sieht deshalb für jedes geplante Gerät ab etwa 2.000 Watt einen eigenen Stromkreis vor.

Für die Arbeitsplatte heißt das: Die Steckdosen über der Arbeitsfläche gehören auf mindestens zwei getrennte Kreise, sinnvollerweise links und rechts der Kochstelle aufgeteilt. Dann laufen Wasserkocher und Toaster nicht mehr über dieselbe Leitung. Im Durchschnitt stehen zehn bis fünfzehn Kleingeräte in einem Haushalt, und in der Küche kommen mehr davon gleichzeitig zum Einsatz als in jedem anderen Raum – wo sie sitzen sollen, ordnet der Beitrag zur Steckdosen- und Schalterplanung ein.

Der Kühlschrank gehört nicht auf den Arbeitsplattenkreis

Ein Detail, das Planungen selten enthalten und Haushalte regelmäßig teuer zu stehen kommt: Kühl- und Gefriergeräte bekommen einen eigenen Stromkreis, und zwar aus zwei verschiedenen Gründen gleichzeitig.

Der erste ist der Leitungsschutz. Fällt der Küchenkreis wegen eines defekten Föhns aus, taut das Gefrierfach mit ab – bemerkt wird das oft erst nach dem Urlaub. Der zweite Grund ist der Fehlerstromschutz. Löst eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung aus, nimmt sie alle daran hängenden Stromkreise mit. Kühlgeräte an einem eigenen Kreis, der einem eigenen RCD zugeordnet ist, überstehen den Ausfall eines Nachbarkreises. Welche RCD-Typen im Bestand sinnvoll sind und wie eine Aufteilung aussieht, beschreibt der Beitrag zum FI-Schutzschalter im Bestand.

Der praktische Test dafür kostet nichts: Schalten Sie nacheinander jeden Leitungsschutzschalter ab und notieren Sie, was ausgeht. Wenn am selben Kreis Gefriertruhe und Steckdosen hängen, wissen Sie, was beim nächsten Renovierungsschritt zuerst getrennt gehört – und Sie haben nebenbei die Grundlage für eine saubere Beschriftung, wie sie der Beitrag zu Stromlaufplan und Beschriftung beschreibt.

Im Bad zählt der Abstand zum Wasser

Die Elektroinstallation in Räumen mit Badewanne oder Dusche folgt DIN VDE 0100-701. Sie teilt den Raum nicht nach Feuchtigkeit, sondern nach Abstand zum Wasseraustritt in Schutzbereiche ein. Einen Bereich 3 gibt es seit der Ausgabe von 2008 nicht mehr.

Bereich 0 ist der Innenraum der Wanne oder Dusche. Zulässig sind dort ausschließlich Betriebsmittel mit Schutzkleinspannung bis 12 Volt Wechsel- oder 30 Volt Gleichspannung, mit der Stromquelle außerhalb des Bereichs, in mindestens IPX7.

Bereich 1 reicht über der Wanne oder Dusche bis in 2,25 Meter Höhe über dem fertigen Fußboden und bei Duschen ohne Wanne horizontal 1,20 Meter um den Wasseraustritt. Mindestschutzart IPX4.

Bereich 2 umfasst 60 Zentimeter rund um Bereich 1, ebenfalls mindestens IPX4.

Schalter und Steckdosen sind in allen drei Bereichen unzulässig. Die einzige Ausnahme ist die Rasiersteckdose mit Trenntransformator nach DIN EN 61558-2-5 im Bereich 2. Zuleitungen in Wänden der Schutzbereiche werden senkrecht geführt und mindestens sechs Zentimeter tief verlegt; die Ausgabe von 2025 überträgt diese Anforderung an die Restwanddicke ausdrücklich auch auf Fußböden.

Was ein Durchlauferhitzer vom Hausanschluss verlangt

Der elektronische Durchlauferhitzer ist der Grund, warum Bad und Küche in derselben Planung auftauchen müssen. Er ist mit Abstand der größte Einzelverbraucher im Haus, und er wird dort eingebaut, wo die Leitungswege am längsten sind.

Rechnen Sie den Strom je Außenleiter selbst nach: Bei Drehstrom ergibt er sich aus der Leistung geteilt durch das Produkt aus Wurzel drei und 400 Volt. Ein Gerät mit 18 Kilowatt zieht damit rund 26 Ampere je Phase, eines mit 21 Kilowatt rund 30 Ampere und eines mit 24 Kilowatt rund 35 Ampere. Jedes dieser Geräte braucht einen eigenen, dreiphasigen Stromkreis mit passender Absicherung und einem Querschnitt, der zur Verlegeart und Leitungslänge passt.

Der entscheidende Punkt liegt eine Ebene höher. Läuft der 21-Kilowatt-Durchlauferhitzer, während auf dem Herd gekocht wird, stehen allein diese beiden Geräte bei über 50 Ampere je Phase. Hausanschlüsse älterer Einfamilienhäuser sind oft mit 3 × 35 Ampere abgesichert, neuere häufig mit 3 × 50 oder 3 × 63 Ampere; welcher Wert bei Ihnen gilt, steht auf den Hausanschlusssicherungen im Anschlusskasten. Bevor Sie einen großen Durchlauferhitzer einplanen, lassen Sie diese Zahl ablesen und mit dem Netzbetreiber abstimmen – die Alternative, zwei kleinere Geräte nahe an den Zapfstellen zu setzen, ist häufig billiger als eine Verstärkung des Hausanschlusses und spart nebenbei die Wartezeit auf warmes Wasser in der langen Leitung.

Die Änderung, die seit dem 1. Juni 2025 gilt

Die Neuausgabe DIN VDE 0100-701:2025-06 hat eine Ausnahme gestrichen, die siebzehn Jahre lang Bestand hatte: Fest angeschlossene Warmwasserbereiter, also vor allem Durchlauferhitzer, brauchten bis dahin keine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung. Jetzt verlangt die Norm für alle betroffenen Stromkreise zusätzlichen Schutz durch RCDs mit einem Bemessungsdifferenzstrom von höchstens 30 Milliampere. Ausgenommen bleiben nur Schutzkleinspannung, PELV und Schutztrennung.

Die RCD-Pflicht greift dabei zweifach: für Stromkreise, die den Raum mit Badewanne oder Dusche versorgen, und für Stromkreise, die lediglich durch die Bereiche 1 oder 2 hindurchführen, ohne diesen Raum zu versorgen. Letzteres trifft im Altbau häufig Leitungen zu dahinterliegenden Zimmern.

Erweitert wurde außerdem der Anwendungsbereich: Aus „Räumen“ sind „Orte“ geworden, womit überdachte Außenduschen und Duschen an Schwimmbädern eingeschlossen sind. Für Duschen ohne Wanne führt die Norm einen fiktiven Bereich 0 ein. Für Anlagen, die vor dem Stichtag bereits in Planung oder im Bau waren, gilt eine Übergangsfrist bis zum 6. Dezember 2027.

Wichtig für Eigentümer im Bestand: Eine funktionierende Altanlage muss nicht allein wegen einer neuen Normausgabe umgebaut werden. Die neuen Anforderungen greifen bei wesentlichen Änderungen und Erweiterungen – also bei genau dem Anlass, zu dem ohnehin jemand die Wand aufstemmt.

Der Moment, in dem Sie es festlegen müssen

Die Kreisaufteilung entsteht in einer einzigen Stunde: wenn die Leitungen zwischen Verteiler und Raum verlegt werden. Danach ist sie für Jahrzehnte fest, weil jede spätere Änderung Putz kostet.

Nehmen Sie deshalb vor der nächsten Bad- oder Küchensanierung drei Dinge in den Auftrag auf. Erstens die Liste aller geplanten Geräte mit Anschlusswert – auch der Geräte, die erst in fünf Jahren kommen. Zweitens die Vorgabe, dass Arbeitsplatte, Kühlgeräte und jedes Gerät ab 2.000 Watt getrennte Kreise erhalten. Drittens für das Bad die ausdrückliche Ausführung nach DIN VDE 0100-701 in der Ausgabe 2025-06 samt RCD für den Durchlauferhitzer. Wer zusätzlich über Brandschutz nachdenkt, findet die Abwägung im Beitrag zur Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. VDE Verlag: DIN VDE 0100-701 (VDE 0100-701):2025-06 – Orte mit Badewanne oder Dusche
  2. Elektrikerwissen: Neue VDE 0100-701 – RCD-Pflicht auch für Warmwasserbereiter
  3. Elektrofachkraft: DIN VDE 0100-701 – Niederspannungsanlagen an Orten mit Badewanne oder Dusche
  4. HEA-Fachwissen: Elektroinstallation in der Küchenplanung mit Anschlusswerten
  5. Grimm Schaltanlagen: DIN 18015 – Stromkreise nach Wohnfläche und eigene Kreise
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