Erdungsanlage im Altbau: Planen, Systeme vergleichen, Kosten kalkulieren und nachrüsten

Eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer. Im Mittelpunkt: Geräte, Leitungswege, Montage, Prüfungen. Dazu kommen planen, Systeme vergleichen, nachrüsten und sicher prüfen.

Potentialausgleichsschiene mit grün-gelben Erdungsleitern an einer Wand
Potentialausgleichsschiene mit grün-gelben Erdungsleitern an einer WandFoto: Koefbac / Wikimedia CommonsPublic domain

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
  • Die Seite trennt alternative Systeme nach einheitlichen Sicherheitskriterien.
  • Der Beitrag liefert eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer.
  • Ein eigener Abschnitt deckt Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.

Dieser Ratgeber führt zusammen, was bei Erdungsanlage im Altbau nacheinander ansteht: Planen, Systeme vergleichen, Kosten kalkulieren, nachrüsten und sicher prüfen.

Planen

Der Ausgangszustand: was in Altbauten wirklich im Boden liegt

Vor jeder Auslegung steht eine unangenehme Wahrheit: In vielen Gebäuden aus der Zeit vor den siebziger Jahren gibt es keine Erdungsanlage im heutigen Sinn. Was stattdessen vorgefunden wird, lässt sich in vier Befunde einteilen.

Erstens: gar kein Erder. Der Schutzleiter existiert, eine Verbindung zum Erdreich fehlt. Zweitens: ein Draht von der Verteilung zur metallenen Wasserleitung. Diese sogenannte Wasserrohrerdung war früher üblich und ist heute unzulässig, weil DIN VDE 0100-540 die Verwendung metallener Wasserleitungsrohre als Erder ausschließt. Sobald ein Abschnitt gegen Kunststoff getauscht wird, ist die Verbindung ohnehin tot. Drittens: ein alter Bandstahl im Beton oder im Erdreich, dessen Zustand und Verlauf niemand kennt. Viertens: eine Erdungsanlage, die nur für die Blitzschutzanlage errichtet wurde und mit der Elektroinstallation nicht verbunden ist.

Nur der letzte Fall lässt sich unter Umständen weiternutzen. In den drei anderen Fällen wird geplant, nicht ergänzt.

Wofür der Erder im Haus tatsächlich gebraucht wird

Eine Erdungsanlage erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig, und die Auslegung richtet sich nach der anspruchsvollsten davon. Sie ist Bezugspunkt der Schutzmaßnahme gegen elektrischen Schlag, sie ist Bezugserde für den Überspannungsschutz, sie nimmt bei vorhandener Blitzschutzanlage Blitzströme auf, und sie dient als Funktionserde für Antennen-, Kommunikations- und Photovoltaiktechnik.

Ein Kriterium ist dabei rechnerisch fassbar und für die Planung im Bestand besonders wichtig. Ist das Gebäude in einem System angeschlossen, bei dem die Körper der Anlage über einen eigenen Erder mit dem Erdreich verbunden sind, muss der Erdungswiderstand nach DIN VDE 0100-410 so niedrig sein, dass die Berührungsspannung im Fehlerfall unter 50 Volt bleibt. Der Erdungswiderstand multipliziert mit dem Bemessungsdifferenzstrom der vorgeschalteten Fehlerstrom-Schutzeinrichtung darf diesen Wert nicht überschreiten. Aus dieser Bedingung folgt unmittelbar, welcher Erder ausreicht und welcher nicht.

Ist zusätzlich eine Blitzschutzanlage vorhanden oder geplant, gilt die Empfehlung der Blitzschutznormen, einen Ausbreitungswiderstand im niedrigen einstelligen Ohm-Bereich anzustreben. Das ist die anspruchsvollere Vorgabe und bestimmt dann die Auslegung.

Was DIN 18014 vorgibt und was daraus für den Bestand folgt

DIN 18014 in der Ausgabe 2023-06 regelt Planung, Ausführung und Dokumentation von Erdungsanlagen für Gebäude. Sie ist auf neu zu errichtende Gebäude zugeschnitten und verlangt dort einen Fundament- oder Ringerder, der als geschlossener Ring ausgeführt wird und dessen Maschenweite 20 mal 20 Meter nicht überschreitet.

Für die Werkstoffe unterscheidet die Norm nach Einbauort. Im Beton eingebettet kommen feuerverzinkter Bandstahl mit einem Querschnitt in der Größenordnung von 30 mal 3,5 Millimetern oder Rundstahl mit 10 Millimetern Durchmesser in Betracht, mit einer ausreichenden Betondeckung von mindestens fünf Zentimetern. Im Erdreich und an allen Übergängen zwischen Erdreich und Luft wird nichtrostender Stahl verwendet, weil verzinkte Bauteile genau dort am schnellsten abzehren. Die Anschlussfahnen werden so weit über die Bezugsebene hinausgeführt, dass sie später ohne Nacharbeit erreichbar sind.

Für den Altbau lassen sich diese Vorgaben nicht eins zu eins anwenden, weil das Fundament vorhanden ist. Sinngemäß umgesetzt bedeutet das: ein nachträglicher Ringerder im Erdreich rings um das Gebäude oder eine Anordnung aus Tiefenerdern, in beiden Fällen mit korrosionsbeständigen Werkstoffen, dokumentiertem Verlauf und einer zugänglichen Trenn- und Messstelle.

Der Boden entscheidet mit

Der erreichbare Ausbreitungswiderstand hängt vom spezifischen Widerstand des Erdreichs ab, und der schwankt erheblich. Bindige Böden wie Lehm und Ton leiten deutlich besser als Sand, Kies oder felsiger Untergrund. Hinzu kommt die jahreszeitliche Schwankung: In einem trockenen Sommer und bei gefrorenem Oberboden steigt der Widerstand oberflächennaher Erder spürbar an.

Daraus folgt eine Planungsregel: Je oberflächennäher der Erder liegt, desto stärker schwankt sein Wert. Tiefenerder, die bis in dauerfeuchte Schichten reichen, liefern über das Jahr stabilere Ergebnisse, sind aber vom Untergrund abhängig, weil sie sich in steinigem Boden nicht setzen lassen. Verlangen Sie deshalb eine Aussage zum Untergrund, bevor eine Variante festgelegt wird, und rechnen Sie damit, dass der endgültige Umfang erst nach der ersten Messung feststeht.

Entscheidungspfad für die Auslegung

  • Ist eine Blitzschutzanlage vorhanden oder in den nächsten Jahren geplant, wird der Erder nach den Anforderungen der Blitzschutzplanung ausgelegt, nicht nach dem Mindestmaß der Elektroinstallation.
  • Steht rings um das Gebäude ohnehin eine Baumaßnahme an, etwa eine Perimeterdämmung, eine Drainage oder eine neue Pflasterfläche, ist der Ringerder die wirtschaftlich klar überlegene Variante.
  • Ist das Grundstück vollständig befestigt und bepflanzt, spricht das für eine Lösung mit Tiefenerdern an wenigen Setzpunkten.
  • Ist der Untergrund steinig oder felsig, scheiden Tiefenerder aus, und es bleibt der oberflächennahe Erder mit entsprechend größerer Länge.
  • Liegt ein bewohntes Haus ohne jede Erdungsverbindung vor, hat die Herstellung Vorrang vor allen anderen Optimierungen an der Elektroanlage.
  • Ist bereits eine Erdungsanlage vorhanden, aber weder dokumentiert noch messbar, wird zuerst eine Trenn- und Messstelle geschaffen und gemessen, bevor über eine Erweiterung entschieden wird.

Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot

  1. Feststellung und Beschreibung des vorgefundenen Zustands, ausdrücklich mit der Aussage, ob eine nutzbare Erdungsverbindung existiert.
  2. Angabe der Netzform der Anlage, weil daraus die Anforderung an den Erdungswiderstand folgt.
  3. Zielwert für den Ausbreitungswiderstand mit Begründung aus Schutzmaßnahme und gegebenenfalls Blitzschutz.
  4. Gewählte Erderbauart mit Angabe von Länge, Tiefe, Anordnung und Anzahl der Setzpunkte.
  5. Werkstoffkonzept mit besonderer Aussage zu den Übergängen zwischen Erdreich und Luft.
  6. Querschnitt und Verlegeart des Erdungsleiters bis zur Haupterdungsschiene.
  7. Lage und Ausführung der Trenn- und Messstelle, dauerhaft zugänglich.
  8. Umfang der Wiederherstellung von Pflaster, Rasen und Bepflanzung, mit Zuordnung zum jeweiligen Gewerk.
  9. Dokumentation nach DIN 18014 einschließlich Fotos und Lageplan vor dem Verfüllen.
  10. Messung nach Fertigstellung mit protokolliertem Zahlenwert und Nachweis der Eintragung des Betriebs im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers.

Wo Ihre Vorbereitung endet

Sie können den Bestand fotografieren, alte Bauunterlagen und Schnitte heraussuchen, Leitungspläne von Wasser, Gas und Abwasser bereitstellen und den Verlauf befestigter Flächen dokumentieren. Diese Angaben verhindern, dass beim Aushub eine Leitung getroffen wird, und sie sorgen dafür, dass mehrere Angebote von denselben Voraussetzungen ausgehen.

Nicht selbst beurteilen können Sie, welcher Zielwert im konkreten Fall gilt, welche Erderlänge zu Ihrem Untergrund passt und ob ein vorhandenes Bauteil noch nutzbar ist. Diese Bewertung setzt eine Messung unter definierten Bedingungen voraus. Der Anschluss an die Haupterdungsschiene und jede Arbeit an der elektrischen Anlage hinter dem Hausanschluss sind nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung einem Installationsunternehmen vorbehalten, das im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist.

Systeme vergleichen

Was verglichen wird und was nicht

Beim Nachrüsten einer Erdungsanlage im Bestand stehen nicht Produkte zur Auswahl, sondern Bauformen. Fünf davon sind praxisrelevant: der Ringerder rings um das Gebäude, der Tiefenerder als senkrecht eingebrachter Stab, der Oberflächen- oder Strahlenerder als waagerecht verlegtes Band, der Fundamenterder in einem neu errichteten Anbau und die Kombination aus mehreren Bauformen.

Nicht zur Auswahl steht die Wasserleitung. DIN VDE 0100-540 schließt metallene Wasserleitungsrohre als Erder ausdrücklich aus. Sie werden in den Schutzpotentialausgleich einbezogen, übernehmen aber keine Erdungsfunktion. Wo im Bestand noch eine solche Verbindung als Erder dient, geht es nicht um einen Vergleich, sondern um Ersatz.

Die Kriterien, die den Ausschlag geben

Der erreichbare Ausbreitungswiderstand ist das erste Kriterium, aber nicht das einzige. Ebenso wichtig ist die Stabilität dieses Werts über das Jahr, weil Oberflächenerder bei Trockenheit und Frost deutlich schlechter werden. Das dritte Kriterium ist die Eignung für den Blitzschutz: Eine ringförmige Anordnung, die alle Ableitungen verbindet, verteilt den Strom gleichmäßig und wirkt zugleich potentialsteuernd, während Einzelerder das nicht leisten. Viertens zählt die Prüfbarkeit, also die Frage, ob sich der Erder später ohne Grabung messen lässt. Und fünftens die Erweiterbarkeit, wenn der Zielwert beim ersten Anlauf nicht erreicht wird.

Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen

Bauform Erreichbarer Widerstand Jahreszeitliche Schwankung Eignung bei Blitzschutz Aufwand im Bestand Mindestanforderung
Ringerder um das Gebäude niedrig und gleichmäßig, weil große Länge im Erdreich mäßig, da in frostfreier Tiefe verlegt sehr gut, verbindet alle Ableitungen und wirkt potentialsteuernd hoch, Grabung rings um das Haus einschließlich Oberflächenwiederherstellung geschlossener Ring, korrosionsbeständige Verbinder, mindestens eine Trennstelle je Ableitung
Tiefenerder senkrecht gesetzt niedrig, wenn dauerfeuchte Schichten erreicht werden gering, weil unabhängig von der Oberbodenfeuchte gut, sofern Anzahl und Verteilung zur Blitzschutzplanung passen gering, nur einzelne Setzpunkte ausreichende Setztiefe, Erdübergang aus nichtrostendem Stahl, zugängliche Trennstelle
Oberflächen- oder Strahlenerder mittel, stark von der verlegten Länge abhängig hoch, verschlechtert sich bei Trockenheit und Frost deutlich eingeschränkt, meist nur in Kombination sinnvoll mittel, flache Gräben ohne Ringschluss möglich ausreichende Verlegetiefe, dokumentierter Verlauf, keine Verlegung in aufgefülltem Boden
Fundamenterder im Anbau niedrig und sehr stabil, weil im Beton eingebettet sehr gering gut, wenn er mit der übrigen Anlage verbunden ist nur bei ohnehin geplantem Neubauteil realisierbar Ausführung und Dokumentation nach DIN 18014, Betondeckung mindestens fünf Zentimeter
Kombination aus Ring und Tiefenerdern am niedrigsten, weil sich die Wirkungen ergänzen gering sehr gut am höchsten, dafür planungssicher durchgehende Verbindung aller Teile, gemeinsame Trenn- und Messstelle

Die Zielwerte, an denen sich alle Varianten messen lassen

Ohne Zielwert ist jeder Vergleich beliebig. Zwei Vorgaben sind maßgebend, und sie stammen aus unterschiedlichen Regelwerken.

Ist die Anlage so angeschlossen, dass die Körper über einen eigenen Erder mit dem Erdreich verbunden sind, gilt nach DIN VDE 0100-410 die Bedingung, dass die Berührungsspannung im Fehlerfall unter 50 Volt bleiben muss. Aus dem Produkt von Erdungswiderstand und Bemessungsdifferenzstrom der vorgeschalteten Fehlerstrom-Schutzeinrichtung ergibt sich der zulässige Höchstwert. Bei empfindlichen Schutzschaltern liegt die Grenze rechnerisch hoch, sodass sie in der Praxis fast immer eingehalten wird.

Bei vorhandener Blitzschutzanlage gilt eine deutlich strengere Vorgabe. Die Blitzschutznormen empfehlen einen Ausbreitungswiderstand im niedrigen einstelligen Ohm-Bereich. Diese Anforderung bestimmt dann die Bauform, und der Ringerder ist ihr am nächsten.

Für Ihre Angebotsprüfung heißt das: Fragen Sie zuerst nach dem Zielwert und seiner Begründung. Erst danach hat die Diskussion über Bauformen einen Maßstab.

Werkstoffe und die Stelle, an der Anlagen sterben

Über alle Bauformen hinweg gilt dieselbe Schwachstelle: der Übergang zwischen Erdreich und Luft. Dort wechseln Feuchte und Sauerstoffangebot laufend, und dort zehrt feuerverzinkter Stahl innerhalb weniger Jahrzehnte ab. DIN 18014 trägt dem Rechnung und verlangt für Bauteile im Erdreich und an den Erdübergängen nichtrostenden Stahl.

Eine zweite Regel betrifft Materialkombinationen. Werden im Erdreich unterschiedliche Metalle direkt verbunden, entsteht ein Element, das eines der beiden Metalle beschleunigt auflöst. Deshalb sind für Verbindungen im Erdreich ausschließlich dafür zugelassene, korrosionsbeständige Verbinder zu verwenden, und deshalb ist der Übergang zwischen einer Kupferleitung im Gebäude und einem Stahlerder im Boden ein Punkt, der in jedem Angebot ausdrücklich beschrieben sein sollte.

Wie sich die Varianten im Betrieb unterscheiden

Ein Erder fällt nicht aus, er wird schlechter. Der Unterschied zwischen den Bauformen liegt darin, wie schnell und wie unbemerkt das geschieht.

Beim Oberflächenerder schwankt der Wert ohnehin stark, sodass eine Verschlechterung im Rauschen untergeht. Beim Tiefenerder bleibt der Wert lange stabil und bricht dann vergleichsweise deutlich ein, wenn der Erdübergang abzehrt. Beim Ringerder verteilt sich der Effekt: Eine schadhafte Stelle wird von den übrigen Abschnitten teilweise aufgefangen, was die Anlage robust macht, aber die Erkennung erschwert.

In allen Fällen ist die Antwort dieselbe und sie ist mechanisch, nicht elektrisch: eine zugängliche Trenn- und Messstelle. Nur über sie lässt sich der Erder vom Rest der Anlage isolieren und einzeln messen. Eine Ausführung ohne Trennstelle ist bei jeder Bauform die schlechtere Wahl, unabhängig vom Messwert am Abnahmetag.

Was Sie beitragen können

Sie können den Rundgang machen, befestigte Flächen und Bepflanzung erfassen, Leitungspläne beschaffen und angeben, welche Baumaßnahmen in den nächsten Jahren ohnehin anstehen. Diese letzte Information verschiebt die Wirtschaftlichkeit zwischen den Varianten oft deutlicher als jedes technische Argument.

Die Auswahl selbst gehört in die Fachplanung, weil sie den Zielwert, den Untergrund und die Blitzschutzanforderung zusammenführt. Messen Sie nicht selbst: Eine Erdungsmessung verlangt ein geeignetes Verfahren, definierte Bedingungen und die Trennung vom übrigen Netz. Und beauftragen Sie ausschließlich Betriebe, die nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers geführt werden, denn der Anschluss der Erdungsanlage an die Haupterdungsschiene ist ein Eingriff in die elektrische Anlage.

Kosten kalkulieren

Die Erdungsanlage ist ein Tiefbauprojekt mit Elektroanteil

Wer bei einer nachträglichen Erdungsanlage an Material denkt, unterschätzt die Rechnung erheblich. Der Wert des verlegten Stahls oder Edelstahls ist selten der größte Posten. Bestimmend sind Aushub, Zugänglichkeit, Wiederherstellung der Oberflächen und die Frage, wie viele Setzpunkte oder Meter überhaupt nötig sind, um den geforderten Widerstandswert zu erreichen.

Für die Budgetplanung heißt das: Sie kalkulieren zwei Gewerke. Das eine bewegt Erde und stellt Oberflächen wieder her, das andere stellt die elektrische Verbindung her, misst und dokumentiert. Ein Angebot, das nur den zweiten Teil enthält, ist nicht günstiger, sondern unvollständig.

Kostentreiber und ihre Wirkung

Einflussgröße Wirkung auf das Budget Woran Sie sie im Voraus erkennen
Erderbauart Ringerder verursacht Grabung rings um das Gebäude, Tiefenerder nur wenige Setzpunkte Ergebnis der Fachplanung, abhängig von Zielwert und Untergrund
Bodenart steinig oder felsig verhindert Tiefenerder und verlängert oberflächennahe Erder Erfahrungen aus dem Baugrund der Nachbarschaft, alte Baugrundgutachten
Befestigte Flächen Pflaster, Platten, Asphalt und Terrassen müssen geöffnet und wieder geschlossen werden Rundgang um das Haus, Anteil unbefestigter Fläche schätzen
Bepflanzung Hecken, Wurzelbereiche und angelegte Beete verteuern Aushub und Wiederherstellung Sichtprüfung entlang der geplanten Trasse
Zufahrt für Gerät fehlende Zufahrt bedeutet Handaushub statt Kleinbagger Breite der Zuwegung, Torbreiten, Höhenversprünge
Vorhandene Leitungen Wasser, Gas, Abwasser, Strom und Telekommunikation im Grabungsbereich erzwingen Handschachtung Leitungspläne, Schachtdeckel, Hausanschlusspunkte
Werkstoffwahl nichtrostender Stahl an Erdübergängen kostet mehr, hält aber deutlich länger Angabe im Angebot, häufig fehlend
Erdungsleiter ins Gebäude Länge und Querschnitt, Kernbohrung, Abdichtung der Durchführung Abstand zwischen Erdeintritt und Haupterdungsschiene
Messung und Dokumentation Aufwand steigt mit der Zahl der Messpunkte und der Erstellung eines Lageplans Leistungsverzeichnis des Angebots
Nachbesserung wird der Zielwert nicht erreicht, sind zusätzliche Erder nötig Regelung im Vertrag, wer diesen Fall trägt

Der letzte Punkt ist der häufigste Streitfall. Ob ein Erder den geforderten Wert erreicht, steht erst nach der Messung fest. Lassen Sie vertraglich klären, was passiert, wenn nachgelegt werden muss, und ob dafür ein Einheitspreis je zusätzlichem Setzpunkt oder Meter vereinbart ist.

Ringerder oder Tiefenerder: die Kostenstruktur ist gegensätzlich

Ein Ringerder hat hohe Aushubkosten und geringe Materialkosten. Er ist im Bestand teuer, wenn das Gebäude vollständig von Pflaster, Terrasse und Bepflanzung umgeben ist, und ausgesprochen günstig, wenn ohnehin gegraben wird.

Tiefenerder kehren das Verhältnis um. Der Aushub beschränkt sich auf wenige Punkte, dafür steigt der Materialaufwand mit jedem zusätzlichen Meter, und das Setzen ist an geeigneten Untergrund gebunden. Wird der Zielwert mit dem ersten Erder nicht erreicht, kommen weitere hinzu, und die Kosten steigen in Stufen statt gleichmäßig.

Die Konsequenz für Ihre Planung ist eindeutig: Der günstigste Zeitpunkt für einen Ringerder ist jede Baumaßnahme, die den Bereich um das Haus ohnehin öffnet. Perimeterdämmung, Drainage, Kellerabdichtung, Erneuerung der Grundleitungen, Neuanlage des Gartens, Verlegung einer Zuleitung zur Garage oder zum Gartenhaus, Errichtung einer Blitzschutzanlage mit Erdeintritten. Wer diese Gelegenheit ungenutzt lässt, zahlt später die Grabung ein zweites Mal.

Was über die Nutzungsdauer hinzukommt

Eine Erdungsanlage verbraucht nichts und bewegt nichts. Ihre Lebensdauer wird ausschließlich durch Korrosion begrenzt, und die konzentriert sich auf eine einzige Stelle: den Übergang zwischen Erdreich und Luft. Dort wechseln Feuchte und Sauerstoffangebot ständig, und dort zehrt verzinkter Stahl am schnellsten ab. Deshalb ist die Werkstoffentscheidung an diesem Punkt keine Ausstattungsfrage, sondern die zentrale Kostenentscheidung über dreißig Jahre.

Rechnen Sie über die Nutzungsdauer mit drei Posten. Erstens einer wiederkehrenden Messung des Ausbreitungswiderstands über die Trennstelle; sie ist ohne Grabung möglich, wenn die Trennstelle zugänglich ist, und sinnvoll bei jeder größeren Prüfung der Elektroanlage sowie im Rhythmus der Blitzschutzprüfung, sofern eine Blitzschutzanlage vorhanden ist. Zweitens einer Sichtkontrolle der Erdeintritte, die Sie selbst übernehmen können. Drittens dem Ersatz von Erdeintritten, wenn sich Abzehrung zeigt.

Ein steigender Messwert über mehrere Jahre ist das wichtigste Frühsignal. Er zeigt Korrosion an, lange bevor eine Verbindung ganz ausfällt. Ohne dokumentierte Vergleichswerte ist dieses Signal nicht erkennbar, und genau deshalb ist die protokollierte Messung kein verzichtbarer Angebotsposten.

Wo Sparen berechtigt ist und wo es zurückschlägt

Berechtigt ist Sparen bei Eigenleistungen ohne Fachbezug. Sie können Bepflanzung selbst entfernen und wieder setzen, Pflaster aufnehmen, Aushub abfahren lassen, Zufahrten freimachen und die Baustelle vorbereiten. Das reduziert Stunden, ohne die Qualität zu berühren. Klären Sie diese Abgrenzung vorher schriftlich, damit nicht beide Seiten dieselbe Position kalkulieren.

Nicht sparen sollten Sie an drei Stellen. Der Verzicht auf nichtrostenden Stahl an den Erdübergängen verschiebt die Kosten um wenige Jahrzehnte und verdoppelt sie dann, weil erneut gegraben werden muss. Der Verzicht auf eine zugängliche Trenn- und Messstelle macht jede spätere Messung zur Grabungsarbeit. Und der Verzicht auf die Dokumentation nach DIN 18014, also auf Fotos und Lageplan vor dem Verfüllen, kostet nichts und ist trotzdem unersetzlich: Was zugeschüttet ist, lässt sich nicht rekonstruieren.

Grenzen Ihrer Kalkulation

Sie können Trassenlängen abschreiten, befestigte Flächen ausmessen, Leitungspläne beschaffen, Eigenleistungen abgrenzen und Angebote auf Vollständigkeit prüfen. Sie können außerdem darauf bestehen, dass Einheitspreise für den Fall einer notwendigen Nachbesserung im Vertrag stehen.

Nicht selbst kalkulieren können Sie die erforderliche Erderlänge, weil sie vom spezifischen Widerstand des Bodens abhängt, und Sie können nicht beurteilen, ob ein vorhandenes Bauteil weitergenutzt werden darf. Führen Sie außerdem keine Grabung in Eigenregie durch, um Kosten zu sparen: Hausanschlussleitungen liegen oft flacher als vermutet, und ihre Beschädigung ist gefährlich und teuer. Der elektrische Anschluss und jede Arbeit an der Anlage hinter dem Hausanschluss bleiben nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung einem im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragenen Unternehmen vorbehalten.

Nachrüsten

Was vor dem Bagger geklärt sein muss

Bei einer nachgerüsteten Erdungsanlage entscheidet die Vorbereitung über Termin und Kosten. Vier Punkte gehören vor den ersten Spatenstich geklärt.

Der Leitungsbestand: Wo verlaufen Hausanschlussleitungen für Strom, Gas, Wasser, Abwasser und Telekommunikation? Holen Sie Pläne ein und markieren Sie bekannte Trassen. In Hausnähe liegen Anschlussleitungen oft flacher als angenommen, und im Zweifel wird von Hand geschachtet.

Die Trasse: Wo verläuft der geplante Ring oder wo werden Tiefenerder gesetzt, und welche Flächen sind betroffen? Legen Sie fest, welche Pflanzen umgesetzt statt entfernt werden.

Die Schnittstellen: Wer öffnet und schließt Pflaster, wer stellt Rasen und Bepflanzung wieder her, wer führt die Kernbohrung für den Erdungsleiter aus und wer dichtet sie ab?

Die Abschaltung: Für den Anschluss an die Haupterdungsschiene und die anschließende Prüfung ist eine Freischaltung erforderlich. Kündigen Sie das Zeitfenster im Haushalt an.

Montagefolge

  1. Aufnahme des Ist-Zustands mit Fotos, insbesondere von vorhandenen Erdeintritten und von der Haupterdungsschiene.
  2. Absteckung der Trasse, Handschachtung im Bereich bekannter Leitungen, maschineller Aushub nur in freigegebenen Abschnitten.
  3. Einbringen des Erders: Verlegen des Bandes im Graben beziehungsweise Setzen der Tiefenerder an den geplanten Punkten.
  4. Herstellen der Verbindungen ausschließlich mit Verbindern, die für den Einsatz im Erdreich zugelassen sind. Unterschiedliche Metalle dürfen im Boden nicht ungeschützt aneinandergefügt werden, weil sich sonst eines der beiden beschleunigt auflöst.
  5. Ausführung der Erdübergänge in nichtrostendem Stahl. DIN 18014 verlangt für Bauteile im Erdreich und an den Übergängen korrosionsbeständige Werkstoffe, weil feuerverzinkter Stahl genau an dieser Stelle am schnellsten abzehrt.
  6. Herausführen der Anschlussfahnen so weit über die Bezugsebene, dass sie nach Fertigstellung der Außenanlagen ohne Nacharbeit erreichbar bleiben.
  7. Dokumentation vor dem Verfüllen: Fotos jeder Verbindungsstelle mit Maßstab, Lageplan mit eingemessener Trasse, Angabe von Werkstoff, Abmessungen und Verlegetiefe. Dieser Schritt ist nach DIN 18014 Bestandteil der Ausführung und lässt sich später nicht nachholen.
  8. Verfüllen und Verdichten, danach Wiederherstellung der Oberflächen.
  9. Setzen der Trenn- und Messstelle an dauerhaft zugänglicher Stelle, damit der Erder künftig ohne Grabung gemessen werden kann.
  10. Verlegen des Erdungsleiters bis zur Haupterdungsschiene, mit abgedichteter Durchführung und ausreichendem Querschnitt nach DIN VDE 0100-540.

Funktionsprüfung: welche Messungen wirklich etwas aussagen

Nach dem Anschluss steht die Prüfung nach DIN VDE 0100-600 an, die aus Besichtigen, Erproben und Messen besteht. Für die Erdungsanlage sind drei Ergebnisse von Bedeutung.

Der Ausbreitungswiderstand des Erders wird über die Trennstelle gemessen, nachdem der Erder vom übrigen Netz getrennt wurde. Das Ergebnis hängt stark von der Bodenfeuchte ab, weshalb Datum und Witterungslage im Protokoll stehen sollten. Ein Wert, der kurz nach dem Verfüllen gemessen wurde, verbessert sich in der Regel noch, wenn sich der Boden gesetzt hat.

Die Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter wird mit einem ausreichend hohen Prüfstrom gemessen, damit schlechte Übergänge auffallen. Geprüft wird der gesamte Weg von der Haupterdungsschiene bis zum Erder.

Die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme wird abschließend nachgewiesen. Ist die Anlage so ausgeführt, dass die Körper über einen eigenen Erder mit dem Erdreich verbunden sind, gilt nach DIN VDE 0100-410 die Bedingung, dass die Berührungsspannung im Fehlerfall unter 50 Volt bleibt; der gemessene Erdungswiderstand ist zusammen mit dem Bemessungsdifferenzstrom der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung daraufhin zu bewerten.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfpunkt Nachweis Erfüllt, wenn
Trassenverlauf Lageplan mit Maßen der Verlauf ist ohne Grabung nachvollziehbar
Verbindungsstellen Fotos vor dem Verfüllen jede Verbindung ist einzeln dokumentiert
Werkstoffe Angabe im Protokoll Erdübergänge in nichtrostendem Stahl, Abmessungen genannt
Verlegetiefe Protokolleintrag Tiefe je Abschnitt ist angegeben
Trenn- und Messstelle Sichtprüfung vor Ort ohne Werkzeugaufwand erreichbar, nicht überbaut
Ausbreitungswiderstand Messprotokoll Zahlenwert mit Datum, Verfahren und Witterungsangabe
Durchgängigkeit Messprotokoll Zahlenwert für den Weg von der Schiene zum Erder
Anschluss an die Haupterdungsschiene Foto und Protokolleintrag Querschnitt genannt, Klemmstelle beschriftet
Durchführung durch die Gebäudehülle Sichtprüfung dauerhaft abgedichtet gegen Wasser und Radon, sofern relevant
Oberflächen Abnahme mit dem ausführenden Gewerk Pflaster, Rasen und Bepflanzung sind wiederhergestellt
Erstprüfung Protokoll nach DIN VDE 0100-600 mit Messwerten, Datum, Messgerät und Unterschrift

Einweisung und die Frage, was Sie künftig melden

Die Übergabe sollte drei Punkte klären. Wo sitzt die Trenn- und Messstelle, und wie sieht sie aus? Wo liegen die Erdübergänge, damit Sie sie bei Gartenarbeiten freihalten? Und welche künftigen Arbeiten berühren die Anlage?

Der dritte Punkt ist der praktisch wichtigste. Melden Sie dem Fachbetrieb vorab jede Maßnahme, die den Bereich rings um das Haus verändert: neue Terrasse, Pflasterarbeiten, Anbau, Wintergarten, Poolbecken, Erneuerung der Grundleitungen, Fassadendämmung, Errichtung einer Blitzschutzanlage oder einer Photovoltaikanlage. Jede dieser Maßnahmen kann einen Erdübergang überbauen, eine Trennstelle unzugänglich machen oder eine Erweiterung der Erdungsanlage erfordern.

Dokumentation und was Sie selbst übernehmen dürfen

Legen Sie Lageplan, Bilder der Verbindungsstellen, Messprotokoll, Prüfprotokoll nach DIN VDE 0100-600 und die Rechnung mit Leistungsverzeichnis gemeinsam ab. Für ein Gebäude, dessen Erdungsanlage nachträglich hergestellt wurde, ist diese Sammlung der einzige Beleg über das, was im Boden liegt. Beim Verkauf, bei einer späteren Erweiterung und bei jedem Betriebswechsel ersetzt sie eine aufwendige Suche.

Selbst übernehmen dürfen Sie die Vorbereitung und die Nachsorge: Bepflanzung entfernen und wieder setzen, Zufahrten freimachen, Pflaster aufnehmen, Fotos beisteuern, den Bereich um die Erdübergänge dauerhaft von Erde und Mulch freihalten und die Trennstelle zugänglich lassen.

Nicht übernehmen dürfen Sie das Setzen von Erdern in der Nähe von Hausanschlussleitungen, das Herstellen von Verbindungen im Erdreich, den Anschluss an die Haupterdungsschiene und jede Messung an der Anlage. Der elektrische Teil dieser Arbeiten ist nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung ausschließlich dem Netzbetreiber oder einem Installationsunternehmen gestattet, das in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Lassen Sie sich diesen Nachweis vorlegen, bevor Sie den Auftrag erteilen.

Sicher prüfen

Die erste Frage lautet: Gibt es überhaupt einen Erder

Bei Altbauten beginnt die Zustandsbewertung nicht mit einem Messwert, sondern mit einer Suche. Gehen Sie in den Hausanschlussraum und verfolgen Sie, ob von der Haupterdungsschiene oder von der Verteilung ein Leiter in Richtung Boden, Außenwand oder Fundament führt. Häufig gibt es drei mögliche Ergebnisse.

Es führt kein Leiter nach unten. Dann besitzt das Gebäude vermutlich keine Erdungsanlage, und alles Weitere ist eine Planungsfrage.

Es führt ein Leiter zur Wasserleitung. Diese früher übliche Ausführung ist heute nicht mehr zulässig, weil DIN VDE 0100-540 metallene Wasserleitungsrohre als Erder ausschließt. Das Rohr gehört in den Schutzpotentialausgleich, ersetzt aber keinen Erder.

Es führt ein Leiter in den Boden oder in eine Wand und endet dort. In diesem Fall ist unbekannt, ob dahinter ein wirksamer Erder liegt. Ohne Trenn- und Messstelle lässt sich das nicht klären, und genau deshalb ist deren Fehlen selbst ein Befund.

Der Rundgang außen: worauf Sie achten

Die Erdungsanlage ist zum größten Teil unsichtbar. Sichtbar ist die kritischste Stelle: der Übergang zwischen Erdreich und Luft. Gehen Sie einmal um das Haus und suchen Sie an Sockel, Kellerwand und Erdeintritten nach Metallteilen, die aus dem Boden kommen.

Achten Sie auf drei Dinge. Erstens Korrosion: Rostfahnen, abgeplatzte Verzinkung, sichtbar abgezehrter Querschnitt. Zweitens Bedeckung: Erdreich, Rindenmulch, Kies oder eine neu angelegte Beetkante, die bis an den Übergang heranreicht und ihn dauerfeucht hält. Drittens Überbauung: Eine Terrasse, ein Podest, eine Pflasterfläche oder eine Fassadendämmung, die einen Erdeintritt oder eine Trennstelle unzugänglich gemacht hat.

Fotografieren Sie jeden Fundort mit einem Maßstab und notieren Sie die Himmelsrichtung. Diese Bilder ersparen dem Fachbetrieb beim Ortstermin viel Suchzeit.

Warnzeichen im Inneren der Anlage

Bestimmte Befunde deuten darauf hin, dass die Elektroinstallation insgesamt auf einem alten Stand ist und die Erdungsfrage nur ein Teil des Problems darstellt. Diese Zeichen sind für Sie erkennbar, ohne dass Sie etwas öffnen.

Alte Schraubsicherungen mit Porzellansockel und Stoffummantelung der Leitungen deuten auf eine Installation hin, die weder Schutzleiter noch Erdung im heutigen Sinn kennt. Steckdosen ohne Schutzkontakt in Wohnräumen sind ein deutliches Signal. Ebenso auffällig sind Räume, in denen Schutzkontaktsteckdosen nachträglich eingebaut wurden, obwohl die restliche Installation erkennbar aus derselben alten Bauphase stammt: Der Schutzkontakt kann dann ohne wirksame Verbindung sein.

Fehlt eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung vollständig, ist das ein weiterer Hinweis. Und wenn im Zählerschrank keine Haupterdungsschiene erkennbar ist, sondern nur einzelne Klemmstellen an Rohren, fehlt der definierte Sammelpunkt, den DIN VDE 0100-540 vorsieht.

Sicherheitscheck mit Prioritäten

Befund Priorität Ihre Reaktion Zuständigkeit
Kribbeln an Wasserhähnen, Heizkörpern oder Geräten sofort Bereich meiden, niemanden Metallteile berühren lassen, nicht selbst suchen Elektrofachbetrieb noch am selben Tag
Fehlerstrom-Schutzeinrichtung löst wiederholt aus oder lässt sich nicht mehr einschalten sofort betroffenen Stromkreis notieren, nicht erzwingen Elektrofachbetrieb, Fehlersuche vor dem Wiedereinschalten
Erdeintritt sichtbar durchkorrodiert oder abgerissen sofort bis bald fotografieren, Bereich freihalten, nichts anfassen Fachbetrieb, bei vorhandener Blitzschutzanlage zusätzlich Blitzschutzfachbetrieb
Erdungsleiter endet an der Wasserleitung bald Verlauf fotografieren, Sanierungsstand der Rohre klären Elektrofachbetrieb, Planung einer Erdungsanlage
Keine Haupterdungsschiene vorhanden bald Bestand dokumentieren, Angebote einholen eingetragenes Installationsunternehmen
Keine Trenn- und Messstelle vorhanden bald im nächsten Angebot ausdrücklich fordern Elektrofachbetrieb
Trennstelle überbaut oder unter Bewuchs verschwunden planbar Zugang wieder freilegen lassen Garten- oder Baugewerk, danach Messung
Erdübergang in Erdreich oder Mulch eingebettet planbar Material vom Übergang entfernen lassen, Abstand herstellen Garten- oder Baugewerk
Kein Messwert und kein Protokoll bekannt planbar Unterlagen sichten, Erstprüfung beauftragen Elektrofachbetrieb, Prüfung nach DIN VDE 0100-600

Was die Fachkraft misst und warum Sie es nicht nachvollziehen können

Die Prüfung der Erdungsanlage ist Teil der Prüfungen nach DIN VDE 0100-600, die aus Besichtigen, Erproben und Messen bestehen. Für den Erder sind zwei Messungen entscheidend, und beide setzen Ausrüstung und Fachkenntnis voraus.

Die erste ist die Messung der Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter. Sie wird mit einem Prüfstrom durchgeführt, der hoch genug ist, um schlechte Übergänge sichtbar zu machen. Ein einfacher Durchgangsprüfer mit Batterie zeigt bei einer korrodierten Klemme oft ein einwandfreies Ergebnis, obwohl die Verbindung im Fehlerfall versagt.

Die zweite ist die Messung des Ausbreitungswiderstands des Erders. Dafür muss der Erder über die Trennstelle vom übrigen Netz getrennt und mit einem geeigneten Verfahren gemessen werden. Das Ergebnis ist stark von der Bodenfeuchte abhängig, weshalb Datum und Witterung im Protokoll stehen sollten. Erst der Vergleich mehrerer Messungen über Jahre zeigt, ob der Erder korrodiert.

Verlangen Sie deshalb Zahlenwerte. Ein Protokoll, das nur ein Häkchen bei in Ordnung trägt, lässt sich beim nächsten Termin nicht heranziehen.

Abschaltkriterien und Verhalten im Ernstfall

Es gibt Situationen, in denen nicht weiter untersucht, sondern abgeschaltet wird. Dazu gehören eine spürbare Spannung an berührbaren Metallteilen, Wasser im Bereich von Verteilung oder Zählerschrank, Brandgeruch aus einem Verteiler und eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung, die nach dem Auslösen nicht mehr in der Einschaltstellung bleibt.

Das Freischalten selbst ist Aufgabe der Elektrofachkraft. Nach DIN VDE 0105-100 sind vor Arbeiten im spannungsfreien Zustand die fünf Sicherheitsregeln einzuhalten, also Freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, Erden und Kurzschließen sowie benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken. Diese Regeln richten sich an Fachpersonal.

Wo Ihre Prüfung endet

Ihre Kontrolle erfasst zuverlässig, was sichtbar ist: fehlende Schiene, fehlender Erdungsleiter, Korrosion an Erdübergängen, überbaute Trennstellen, veralteter Installationsstand, fehlende Unterlagen. Das genügt, um zu entscheiden, ob und wie dringend ein Fachbetrieb kommen muss.

Nicht selbst feststellen können Sie, ob ein vorhandener Erder wirksam ist, ob die Abschaltbedingungen eingehalten werden und ob ein Querschnitt ausreicht. Lösen Sie deshalb keine Trennstelle, um selbst zu messen, klemmen Sie nichts ab und schließen Sie nichts an. Arbeiten an der elektrischen Anlage hinter dem Hausanschluss sind nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung ausschließlich dem Netzbetreiber oder einem in dessen Installateurverzeichnis eingetragenen Installationsunternehmen gestattet. Und graben Sie nicht selbst nach dem Erder: In Hausnähe liegen Anschlussleitungen oft flacher als vermutet.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN 18014:2023-06 – Erdungsanlagen für Gebäude: Planung, Ausführung und Dokumentation (DIN Media)
  2. DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2024-06 – Erdungsanlagen und Schutzleiter (DKE-Dokumentblatt)
  3. § 13 Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) – Elektrische Anlage
  4. DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 – Prüfungen von Niederspannungsanlagen (DKE-Dokumentblatt)
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