Mehrstufiger Überspannungsschutz: Planen, Systeme vergleichen, Kosten kalkulieren und nachrüsten

Eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer. Im Mittelpunkt: Geräte, Leitungswege, Montage, Prüfungen. Dazu kommen planen, Systeme vergleichen, nachrüsten und sicher prüfen.

Überspannungsschutzgeräte und Leitungsschutzschalter auf einer Hutschiene im Verteiler
Überspannungsschutzgeräte und Leitungsschutzschalter auf einer Hutschiene im VerteilerFoto: Fabexplosive / Wikimedia CommonsCC BY 3.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
  • Die Seite trennt alternative Systeme nach einheitlichen Sicherheitskriterien.
  • Der Beitrag liefert eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer.
  • Ein eigener Abschnitt deckt Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.

Dieser Ratgeber führt zusammen, was bei Mehrstufiger Überspannungsschutz nacheinander ansteht: Planen, Systeme vergleichen, Kosten kalkulieren, nachrüsten und sicher prüfen.

Planen

Mehrstufig heißt: Energie in Etappen abbauen

Der Begriff mehrstufiger Überspannungsschutz beschreibt kein Produktpaket, sondern ein Prinzip. DIN EN IEC 62305-4 behandelt den Schutz elektrischer und elektronischer Systeme in baulichen Anlagen und beschreibt dafür das Blitzschutzzonenkonzept. Das Gebäude wird gedanklich in Zonen zerlegt: außen der Bereich, in dem ein direkter Einschlag möglich ist, dahinter der Bereich ohne Direkteinschlag, aber mit unvermindertem elektromagnetischem Feld, dann der Innenraum hinter der ersten Schutzstufe, schließlich der besonders geschützte Bereich um empfindliche Geräte.

An jeder Zonengrenze wird die Energie reduziert und der Potentialausgleich hergestellt. Ein einzelnes Bauteil kann das nicht leisten: Ein Ableiter, der einen Blitzteilstrom von zehntausenden Ampere verkraftet, hat konstruktionsbedingt einen höheren Restspannungspegel als ein Gerät, das nur noch geringe Restenergie begrenzen muss. Deshalb arbeitet ein tragfähiges Konzept mit gestaffelten Stufen, die energetisch aufeinander abgestimmt sind.

Der normative Auslöser: DIN VDE 0100-443

DIN VDE 0100-443 regelt den Schutz bei transienten Überspannungen infolge atmosphärischer Einflüsse und infolge von Schaltvorgängen. Die Norm benennt Fälle, in denen der Schutz ohne weitere Prüfung vorzusehen ist, weil die Folgen einer Überspannung besonders schwer wiegen: wenn Menschenleben betroffen sein können, wenn öffentliche Dienstleistungen ausfallen, wenn gewerbliche oder industrielle Tätigkeit unterbrochen wird oder wenn eine große Zahl von Personen betroffen ist. In den übrigen Fällen ist eine Risikoabschätzung durchzuführen.

Seit dem Ende der Übergangsfrist im Dezember 2018 ist der Überspannungsschutz bei Neuanlagen und bei wesentlichen Änderungen bestehender Anlagen im Wohnungsbau der Regelfall geworden. Für Sie als Eigentümer folgt daraus ein praktischer Hinweis: Wenn ein Angebot für einen Zählerschranktausch, eine neue Unterverteilung oder eine Wallbox keinen Überspannungsschutz enthält, sollte im Angebot stehen, warum nicht.

Schutzpegel und Bemessungsstoßspannung: die Rechnung dahinter

Ein Ableiter ist nicht dadurch gut, dass er viel Strom verträgt, sondern dadurch, dass die Spannung hinter ihm niedrig genug bleibt. Diese Restspannung heißt Schutzpegel und muss unterhalb der Bemessungsstoßspannung des dahinterliegenden Betriebsmittels liegen. DIN VDE 0100-443 ordnet den Betriebsmitteln dafür Überspannungskategorien zu.

Überspannungskategorie Typische Betriebsmittel im Wohngebäude Bemessungsstoßspannung bei 230/400 Volt Bedeutung für die Auslegung
IV Betriebsmittel am Speisepunkt, Zählerplatz, Hauptleitungen 6 kV robusteste Ebene, hier setzt die erste Schutzstufe an
III fest installierte Anlage, Verteiler, Leitungen, Steckdosen, Schalter 4 kV Zielebene für die Schutzstufe in der Verteilung
II angeschlossene Verbrauchsmittel, Haushaltsgeräte, Werkzeuge 2,5 kV Zielebene für den geräteseitigen Schutz
I besonders empfindliche Elektronik in Geräten 1,5 kV erfordert die geräteseitige Stufe unmittelbar davor

Aus dieser Staffelung ergibt sich unmittelbar, warum ein Ableiter am Zählerschrank allein nicht ausreicht, wenn empfindliche Elektronik weit entfernt in der Wohnung sitzt: Auf dem Weg dorthin kann sich die Spannung durch Induktion in der Leitungsschleife wieder erhöhen.

Die drei Gerätetypen und ihre Einbauorte

Die erste Stufe ist der Blitzstrom-Ableiter, geprüft mit der Wellenform eines direkten Blitzteilstroms. Er gehört an den Speisepunkt der Anlage und ist erforderlich, wenn ein äußerer Blitzschutz vorhanden ist oder die Anlage über eine Freileitung gespeist wird.

Die zweite Stufe ist der Überspannungs-Ableiter in der Unterverteilung, geprüft mit einer kürzeren Wellenform. Er begrenzt die vom ersten Gerät durchgelassene Restenergie auf das Niveau der fest installierten Anlage.

Die dritte Stufe sitzt unmittelbar vor dem zu schützenden Gerät. Sie kommt zum Tragen, wenn zwischen der Verteilung und dem Endgerät eine längere Leitungsstrecke liegt; als Faustwert gilt eine Entfernung von etwa zehn Metern als Anlass, diese Stufe vorzusehen.

Entscheidend ist die energetische Koordination: Die Stufen müssen so abgestimmt sein, dass die vorgelagerte Stufe zündet, bevor die nachgelagerte überlastet wird. Diese Abstimmung erfolgt entweder über die Leitungslänge zwischen den Geräten oder über Bauteile, die der Hersteller dafür freigegeben hat. Sie lässt sich nicht durch Zusammenstellen beliebiger Fabrikate herstellen.

Was in der Planung mitgedacht werden muss

Überspannungen gelangen nicht nur über die Stromleitung ins Haus. Jede leitfähige Zuführung ist ein Eintrittsweg: Telekommunikationsanschluss, Koaxialleitung der Antennen- oder Satellitenanlage, Datenleitungen zu Nebengebäuden, Bus- und Steuerleitungen, Signalleitungen von Wetterstationen oder Außensensoren, die Gleichstromseite einer Photovoltaikanlage sowie Zuleitungen zu Wallbox, Wärmepumpen-Außeneinheit, Poolanlage und Gartenhaus.

Bleibt einer dieser Wege ungeschützt, kann eine Überspannung über ihn eintreten und über die geschützte Seite abfließen. Das Ergebnis ist ein Schaden trotz vorhandenem Schutz. Verlangen Sie deshalb, dass die Planung alle Zuführungen einzeln benennt.

Planen Sie außerdem Platz ein. Ableiter belegen Teilungseinheiten im Verteiler, und ein voll belegter Verteiler zwingt bei jeder Erweiterung zum Umbau. Zwei bis vier freie Teilungseinheiten je Verteilung sind eine der günstigsten Reserven überhaupt.

Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot

  1. Aussage, ob ein äußerer Blitzschutz vorhanden oder geplant ist, und daraus abgeleitet die Notwendigkeit einer Blitzstrom-Ableiterstufe.
  2. Vollständige Liste aller leitfähigen Zuführungen mit Angabe, welche Stufe sie jeweils erhalten.
  3. Angabe des Schutzpegels je Stufe und Gegenüberstellung mit der Bemessungsstoßspannung der zu schützenden Ebene.
  4. Nachweis der energetischen Koordination zwischen den Stufen, entweder über Leitungslängen oder über Herstellerangaben.
  5. Einbauorte mit Angabe der Anschlussleitungslängen.
  6. Netzform der Anlage und daraus abgeleitete Schaltungsvariante der Ableiter.
  7. Anordnung gegenüber der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung.
  8. Vorsicherung beziehungsweise Nachweis, dass die vorhandene Absicherung als Backup ausreicht.
  9. Freie Teilungseinheiten nach Fertigstellung, ausdrücklich beziffert.
  10. Zustandsanzeige und, wo sinnvoll, Fernmeldekontakt, damit ein Ansprechen nicht unbemerkt bleibt.

Wo Ihre Planungsbeteiligung endet

Sie können erfassen, welche Zuführungen Ihr Haus hat, welche Geräte besonders schutzbedürftig sind, wo die Verteilungen sitzen und wie lang die Leitungswege zu kritischen Verbrauchern ungefähr sind. Diese Angaben verkürzen die Auslegung erheblich.

Die Auswahl der Geräte, die Festlegung der Schutzpegel und der Nachweis der Koordination gehören zur Fachplanung. Öffnen Sie zur Vorbereitung keine Abdeckung im Zählerschrank oder in der Unterverteilung, um Platz zu zählen; fotografieren Sie stattdessen die geschlossene Front. Der Einbau selbst ist ohnehin nicht frei vergebbar: Nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen Errichtung, Erweiterung und Änderung der elektrischen Anlage nur durch den Netzbetreiber oder durch ein in dessen Installateurverzeichnis eingetragenes Installationsunternehmen erfolgen. Für die erste Stufe am Speisepunkt kommt hinzu, dass dort im plombierten Bereich gearbeitet wird.

Systeme vergleichen

Die Kenngrößen, nach denen überhaupt verglichen wird

Ableiter lassen sich nur anhand ihrer geprüften Kenngrößen vergleichen, und DIN EN 61643-11 schreibt vor, welche das sind und wie sie ermittelt werden. Fünf Angaben tragen die Entscheidung.

Die höchste dauernd zulässige Betriebsspannung beschreibt, welche Netzspannung das Gerät dauerhaft ohne Ansprechen aushält. Ist sie zu knapp gewählt, altert das Gerät bei Netzüberhöhungen vorzeitig. Der Schutzpegel beschreibt die Spannung, die hinter dem Gerät verbleibt; er muss unterhalb der Bemessungsstoßspannung des zu schützenden Bereichs liegen, die DIN VDE 0100-443 den Überspannungskategorien zuordnet. Der Blitzstoßstrom beziehungsweise der Nennableitstoßstrom beschreibt die Belastbarkeit. Das Folgestrom-Löschvermögen sagt, ob das Gerät nach dem Ansprechen den nachfließenden Netzstrom selbst wieder unterbricht. Und die Prüfklasse ordnet das Gerät einer Einbauebene zu.

Wer zwei Angebote ohne diese fünf Werte vergleicht, vergleicht Bauformen. Verlangen Sie die Datenblattauszüge zu jedem angebotenen Gerät.

Vergleichsmatrix der Anlagenvarianten

Variante Sinnvoll bei Schutzwirkung Verhalten bei Ausfall Mindestanforderung
Kombiableiter am Speisepunkt, ein Gerät für die ersten beiden Stufen vorhandener äußerer Blitzschutz, kompakte Gebäude mit kurzen Leitungswegen deckt Blitzteilstrom und Restenergie in einem Gerät ab Modul trennt thermisch ab, Anlage läuft ungeschützt weiter Zustandsanzeige sichtbar ohne Öffnen der Abdeckung
Getrennte Ausführung: Blitzstrom-Ableiter am Speisepunkt, Überspannungs-Ableiter in jeder Unterverteilung verzweigte Anlagen, mehrere Verteilungen, große Gebäude beste Staffelung, niedrigster Restpegel an den Endstromkreisen Ausfall einer Stufe bleibt lokal, die übrigen wirken weiter Nachweis der energetischen Koordination zwischen den Stufen
Nur Überspannungs-Ableiter in der Verteilung kein äußerer Blitzschutz, Einspeisung über Erdkabel schützt gegen eingekoppelte und Schaltüberspannungen wie oben, thermische Abtrennung Begründung im Angebot, warum keine Blitzstromstufe erforderlich ist
Geräteseitige Stufe fest eingebaut größere Entfernung zwischen Verteilung und Endgerät, empfindliche Elektronik senkt den Restpegel unmittelbar vor dem Gerät fällt geräuschlos aus, Anzeige nur bei entsprechender Bauform fester Einbau statt Zwischenstecker, wo dauerhaft geschützt werden soll
Zwischenstecker vor dem Endgerät Mietsituationen, nachträglicher Einzelschutz, mobile Geräte punktuell wirksam, sofern Erdungsanbindung besteht wird beim Umstecken vergessen oder entfernt funktionierender Schutzleiter in der Steckdose, Zustandsanzeige am Stecker

Über alle Varianten hinweg gilt eine Untergrenze, die kein Angebot unterschreiten sollte: Jedes eingebaute Gerät braucht einen definierten Weg zur Haupterdungsschiene, eine dokumentierte Anschlussleitungslänge und eine von außen ablesbare Zustandsinformation.

Funkenstrecke oder Varistor: der Unterschied im Verhalten

Bei den Bauelementen stehen sich zwei Technologien gegenüber, und ihr Unterschied zeigt sich nicht im Normalbetrieb, sondern im Ereignis- und im Ausfallfall.

Funkenstreckenbasierte Geräte zünden erst bei Überschreiten einer Zündspannung und wirken dann als sehr niederohmige Verbindung. Sie tragen hohe Blitzteilströme und altern durch Vorbelastung kaum. Die Herausforderung ist der nach dem Zünden nachfließende Netzstrom, der sicher gelöscht werden muss; das Folgestrom-Löschvermögen ist deshalb bei diesen Geräten die entscheidende Angabe. Sie führen zudem im Normalbetrieb keinen Ableitstrom.

Varistorbasierte Geräte begrenzen kontinuierlich und ohne Zündverzug, sind daher gut für niedrige Schutzpegel geeignet, altern aber durch jedes Ereignis. Am Lebensende trennt eine thermische Abtrennvorrichtung das Bauteil vom Netz. Das ist die typische Ausfallart und der Grund, warum die Zustandsanzeige bei dieser Bauart unverzichtbar ist.

Kombinationen beider Prinzipien in einem Gerät verbinden hohe Belastbarkeit mit niedrigem Schutzpegel und sind deshalb am Speisepunkt verbreitet.

Schaltungsvarianten und die Anordnung im Verteiler

Die Netzform bestimmt die Schaltungsvariante. In einem System mit getrenntem Schutz- und Neutralleiter werden die Außenleiter und der Neutralleiter üblicherweise direkt gegen den Schutzleiter beschaltet. In einem System, in dem die Anlage über einen eigenen Erder mit dem Erdreich verbunden ist, wird häufig eine Beschaltung gewählt, bei der die Außenleiter gegen den Neutralleiter und der Neutralleiter über ein gesondertes Bauelement gegen den Schutzleiter geführt werden. Welche Variante zutrifft, ergibt sich nicht aus dem Katalog, sondern aus der vorgefundenen Netzform.

Zweiter Punkt: die Lage gegenüber der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung. Bevorzugt wird der Ableiter vor der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung angeordnet, weil ein Ableitvorgang sonst als Fehlerstrom gewertet wird und die Anlage abschaltet. Ist eine Anordnung dahinter unvermeidbar, muss eine stoßstromfeste Ausführung verwendet werden.

Dritter Punkt, und der wird am häufigsten falsch gemacht: die Länge der Anschlussleitungen. DIN VDE 0100-534 verlangt, dass die Gesamtlänge der Zuleitung und der Erdungsverbindung eines Ableiters möglichst 0,5 Meter nicht überschreitet und einen Meter keinesfalls übersteigt. Der Grund ist physikalisch: Auf der Leitung entsteht während des Ableitvorgangs ein zusätzlicher Spannungsfall, der sich zum Schutzpegel addiert. Ein hervorragendes Gerät mit einer zu langen Anschlussleitung ist schlechter als ein einfacheres Gerät, das kurz angebunden ist. Wo die Länge nicht einzuhalten ist, wird die sogenannte V-Verdrahtung eingesetzt, bei der der Betriebsstrom über die Anschlussklemmen des Ableiters geführt wird.

Wie sich Varianten bei Netzstörungen und Ausfall verhalten

Ein Ableiter darf nicht die Versorgung gefährden. Deshalb verlangt jedes Gerät eine Vorsicherung oder den Nachweis, dass die vorhandene Absicherung als Backup ausreicht. Spricht diese Sicherung an, ist die betroffene Anlage stromlos, und das ist beabsichtigt: Ein durchlegierter Ableiter würde sonst dauerhaft einen Kurzschlusspfad bilden.

Für den Vergleich bedeutet das: Fragen Sie nicht nur nach dem Schutz, sondern nach dem Verhalten am Lebensende. Geräte mit thermischer Abtrennung und optischer Anzeige zeigen ihren Zustand, verhalten sich aber ab diesem Moment wie nicht vorhanden. Geräte mit Fernmeldekontakt können den Zustand an eine Gebäudetechnik oder eine Meldeleuchte weitergeben. Bei einem unbewohnten Ferienhaus, einer vermieteten Einheit oder einer Anlage in einem selten betretenen Technikraum ist dieser Kontakt der Unterschied zwischen einem bemerkten und einem unbemerkten Schutzverlust.

Was Sie selbst entscheiden und was nicht

Sie entscheiden, welche Geräte und Zuführungen Ihnen wichtig sind, ob eine Fernmeldung sinnvoll ist und ob steckbare Module eingebaut werden sollen. Sie können Angebote daraufhin prüfen, ob Schutzpegel, Prüfklasse, Schaltungsvariante, Anschlussleitungslänge und Vorsicherung benannt sind.

Die Auswahl der zueinander passenden Stufen, die Beurteilung der Netzform und die Bewertung der Koordination gehören zur Fachplanung. Öffnen Sie zur Prüfung keine Abdeckung. Und beauftragen Sie ausschließlich Betriebe, die nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen sind, denn nur sie dürfen an der Anlage arbeiten und am Speisepunkt Plomben abnehmen.

Kosten kalkulieren

Der Gerätepreis ist der kleinere Teil

Bei Ableitern führt der Blick auf den Katalogpreis regelmäßig in die Irre. Der Einbau eines Überspannungsschutzes verursacht Aufwand, der mit dem Gerät selbst wenig zu tun hat: Platz im Verteiler, Anschlussleitungen mit vorgeschriebenen Querschnitten, ein sauberer Weg zur Haupterdungsschiene, eine Freischaltung des Gebäudes, gegebenenfalls die Abnahme und Wiederanbringung von Plomben und am Ende die Prüfung mit Protokoll.

Zerlegen Sie ein Angebot deshalb in vier Blöcke: Geräte, Einbauumgebung, Arbeitszeit einschließlich Abschaltung, Prüfung und Dokumentation. Erst dann lassen sich zwei Angebote vergleichen, die auf den ersten Blick weit auseinanderliegen.

Was die Geräteauswahl kostet und was sie leisten muss

Die Produktanforderungen an Ableiter für Niederspannungsanlagen legt DIN EN 61643-11 fest. Dort sind die Prüfklassen definiert, nach denen die Geräte eingeteilt werden, ebenso die Kenngrößen, die auf jedem Gerät stehen müssen: die höchste dauernd zulässige Betriebsspannung, der Schutzpegel, der Blitzstoßstrom beziehungsweise der Nennableitstoßstrom und der Folgestrom-Löschvermögen. Diese Angaben sind der eigentliche Vergleichsmaßstab, nicht die Bauform.

Preistreibend wirken drei Eigenschaften. Erstens die Prüfklasse: Ein Gerät für Blitzteilströme am Speisepunkt ist deutlich aufwendiger aufgebaut als ein Ableiter für die Unterverteilung. Zweitens ein niedriger Schutzpegel, der zusätzliche Bauteile erfordert. Drittens Zusatzfunktionen wie steckbare Module, Fernmeldekontakt und Zustandsanzeige.

Die steckbare Bauform verdient dabei eine eigene Betrachtung, weil sie die Betriebskosten über zwei Jahrzehnte deutlich senkt: Nach einem Ansprechen wird nur das verbrauchte Modul getauscht, nicht das gesamte Gerät, und der Tausch ist ohne Umverdrahtung möglich.

Positionsraster für den Angebotsvergleich

Position Einheit Was den Betrag bestimmt Fällt wiederkehrend an
Ableiterstufe am Speisepunkt Stück Prüfklasse, Netzform, Schaltungsvariante, steckbare Module nur bei Modultausch nach Ansprechen
Ableiterstufe in der Verteilung Stück je Verteilung Anzahl der Unterverteilungen, geforderter Schutzpegel nur bei Modultausch
Geräteseitige Stufe Stück je Schutzort Anzahl der zu schützenden Endgeräte, Bauform fest oder steckbar selten
Schutz für Daten- und Antennenleitungen Stück je Zuführung Anzahl der Zuführungen, Übertragungsrate, Steckverbindertyp selten
Anschlussleitungen und Erdungsanbindung Meter geforderte Querschnitte, Weg zur Haupterdungsschiene nein
Vorsicherung oder Backup-Absicherung Stück Vorgabe des Geräteherstellers, vorhandene Absicherung nein
Verteilererweiterung oder Zählerschranktausch Pauschale fehlende Teilungseinheiten, Alter und Bauart des Bestands nein
Freischaltung, Plombenabnahme, Wiederanmeldung Pauschale Vorgaben der technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers bei jeder Änderung am Speisepunkt
Prüfung und Protokoll Pauschale Umfang der Messungen bei jeder Änderung
Wiederkehrende Sichtkontrolle Termin Kopplung an andere Elektroarbeiten ja

Der teuerste Einzelposten ist in Bestandsgebäuden häufig nicht das Gerät, sondern der fehlende Platz. Ein Zählerschrank ohne freie Teilungseinheiten und ohne einen für Zusatzanwendungen vorgesehenen Bereich zwingt zur Erweiterung oder zum Austausch. Klären Sie deshalb vor der Angebotsanfrage, wie viel Einbauraum vorhanden ist.

Laufender Aufwand: gering, aber nicht null

Ableiter nehmen im Betrieb praktisch keine Leistung auf. Ein Ansatz für Stromkosten ist damit entbehrlich. Der laufende Aufwand entsteht an anderer Stelle.

Varistorbasierte Geräte altern durch Vorbelastung. Jedes Ereignis, auch ein kleines, verändert das Bauteil geringfügig. Erreicht es das Ende seiner Lebensdauer, trennt eine eingebaute thermische Abtrennvorrichtung das Bauteil vom Netz, und die Zustandsanzeige wechselt. Das Gerät schützt dann nicht mehr, die Anlage arbeitet aber unverändert weiter. Genau deshalb ist die Anzeige kein Zubehör, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Verschleiß überhaupt bemerkt wird.

Rechnen Sie für eine Nutzungsdauer von zwanzig Jahren mit drei wiederkehrenden Posten: einer regelmäßigen Sichtkontrolle der Zustandsanzeigen, dem Ersatz von Modulen nach einem Ansprechen und einer Überprüfung, wenn sich die Anlage ändert. Die Häufigkeit des Modultauschs hängt stark vom Standort ab; in gewitterreichen Regionen und bei Gebäuden mit äußerem Blitzschutz fällt sie höher aus als in dicht bebauten Lagen.

Der Kostenvergleich, auf den es eigentlich ankommt

Die betriebswirtschaftliche Frage lautet nicht, was der Schutz kostet, sondern was er ersetzt. Betroffen sind bei einer Überspannung typischerweise nicht einzelne Geräte, sondern alles, was gerade angeschlossen ist: Heizungsregelung, Wärmepumpe, Wechselrichter der Photovoltaikanlage, Wallbox, Netzwerktechnik, Rollladensteuerung, Herd, Fernseher, Router. Der Schaden ist dabei selten nur materiell. Eine ausgefallene Heizungsregelung im Januar oder ein zerstörter Wechselrichter im Sommer verursacht zusätzlich Ausfallzeit und Folgekosten.

Prüfen Sie parallel Ihre Wohngebäude- und Hausratversicherung. Schäden durch einen direkten Blitzeinschlag sind üblicherweise abgedeckt, Überspannungsschäden an Geräten dagegen häufig nur, wenn sie ausdrücklich eingeschlossen wurden. Manche Bedingungswerke setzen für den Einschluss einen normgerecht ausgeführten Schutz voraus. Das ist ein handfestes Argument für die Dokumentation der Ausführung.

Wann sich Bündeln lohnt

Der günstigste Zeitpunkt für den Einbau ist jeder ohnehin anstehende Eingriff in die Verteilung: Zählerschranktausch, neue Unterverteilung, Anschluss einer Wallbox, Errichtung einer Photovoltaikanlage, Nachrüstung einer Blitzschutzanlage. In diesen Fällen sind Freischaltung, Plombenarbeiten, Anmeldung und Prüfung ohnehin fällig und werden nur einmal bezahlt.

Umgekehrt gilt: Ein nachträglicher Einzeleinbau am Speisepunkt verursacht überproportional viel Aufwand für Abschaltung, Abstimmung und Wiederinbetriebnahme im Verhältnis zum Materialwert.

Grenzen Ihrer eigenen Kalkulation

Sie können Zuführungen zählen, Verteilungen auflisten, den vorhandenen Einbauraum fotografisch dokumentieren und Angebote auf Vollständigkeit prüfen. Sie können außerdem die Frage nach dem Wiederbeschaffungswert der angeschlossenen Technik selbst beantworten, denn diese Zahl kennt kein Fachbetrieb besser als Sie.

Nicht selbst festlegen können Sie, welcher Schutzpegel im konkreten Fall erforderlich ist, ob eine Blitzstrom-Ableiterstufe nötig wird und ob zwei Geräte energetisch zusammenpassen. Und selbst montieren dürfen Sie nichts davon: Nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung sind Arbeiten an der elektrischen Anlage einem Installationsunternehmen vorbehalten, das in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Auch der Tausch eines verbrauchten Ableitermoduls fällt darunter, obwohl er technisch nach einem Handgriff aussieht.

Nachrüsten

Vor dem Termin: Abschaltung, Plomben, Platz

Die Nachrüstung eines gestaffelten Überspannungsschutzes ist kein Handgriff, sondern ein Eingriff in die Einspeisung. Sobald die erste Stufe am Speisepunkt eingebaut wird, wird im plombierten Bereich des Zählerplatzes gearbeitet. Das setzt eine Abstimmung mit dem Netzbetreiber nach dessen technischen Anschlussbedingungen voraus, und es setzt eine Freischaltung des Gebäudes voraus.

Klären Sie deshalb vorab drei Punkte. Erstens die Dauer der Unterbrechung und den Tag. Zweitens den vorhandenen Einbauraum: Wie viele Teilungseinheiten sind frei, gibt es einen für Zusatzanwendungen vorgesehenen Bereich, reicht der Platz für alle geplanten Stufen? Drittens den Umfang: Welche Zuführungen erhalten Schutz, also neben der Stromeinspeisung auch Telekommunikation, Antennen- und Datenleitungen sowie gegebenenfalls die Gleichstromseite einer Photovoltaikanlage.

Bereiten Sie den Haushalt vor. Fahren Sie Rechner und Netzwerktechnik geordnet herunter, notieren Sie Einstellungen von Heizungsregelung, Zeitschaltuhren und Rollladensteuerung, und denken Sie an Gefriergeräte und medizinische Technik.

Montagefolge von der Einspeisung nach innen

  1. Ist-Aufnahme mit Fotos des geschlossenen und, durch die Fachkraft, des geöffneten Verteilers. Diese Bilder gehören später zur Dokumentation.
  2. Freischalten durch die Elektrofachkraft unter Anwendung der fünf Sicherheitsregeln nach DIN VDE 0105-100.
  3. Einbau der Blitzstromstufe am Speisepunkt, sofern ein äußerer Blitzschutz vorhanden ist oder die Anlage über eine Freileitung gespeist wird.
  4. Anbindung dieser Stufe an die Haupterdungsschiene auf kürzestem Weg. DIN VDE 0100-534 begrenzt die Gesamtlänge der Anschluss- und Erdungsleitung eines Ableiters auf möglichst 0,5 Meter und keinesfalls mehr als einen Meter; ist das nicht einzuhalten, wird die V-Verdrahtung ausgeführt.
  5. Einbau der Ableiterstufe in jeder Unterverteilung, mit passender Schaltungsvariante für die vorgefundene Netzform.
  6. Einbau der Vorsicherung beziehungsweise Nachweis, dass die vorhandene Absicherung als Backup zulässig ist.
  7. Anordnung gegenüber der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung klären: Der Ableiter wird bevorzugt davor gesetzt; ist eine Anordnung dahinter unvermeidbar, ist eine stoßstromfeste Ausführung erforderlich.
  8. Einbau der geräteseitigen Stufe dort, wo empfindliche Technik weit von der Verteilung entfernt sitzt.
  9. Einbau der Schutzgeräte für Antennen-, Telekommunikations- und Datenleitungen, jeweils mit Anbindung an dieselbe Potentialausgleichsebene.
  10. Beschriftung: Jeder Ableiterzweig, jede Vorsicherung und jede Zustandsanzeige wird eindeutig bezeichnet.

Der neunte Punkt entscheidet über die Wirksamkeit des Ganzen. Werden Strom- und Datenwege auf unterschiedliche Potentialebenen geführt, entsteht genau die Spannungsdifferenz, die der Schutz verhindern soll.

Prüfung nach der Montage

Die Erstprüfung richtet sich nach DIN VDE 0100-600 und besteht aus Besichtigen, Erproben und Messen. Für den Überspannungsschutz sind vier Punkte besonders zu betrachten.

Besichtigt werden die Anschlussleitungslängen, der Erdungsweg, die Schaltungsvariante, die Vorsicherung, die Kennzeichnung und die Frage, ob der Schutzpegel der eingebauten Geräte zur Bemessungsstoßspannung der jeweiligen Ebene nach DIN VDE 0100-443 passt.

Gemessen werden die Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter, der Isolationswiderstand und die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme durch automatische Abschaltung. Bei der Isolationsmessung sind die Ableiter zu berücksichtigen, weil sie das Ergebnis sonst verfälschen; entweder werden sie abgetrennt oder es wird nach dem in der Norm vorgesehenen Verfahren gemessen.

Erprobt wird die Funktion der Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, denn deren Verhalten kann sich durch die Anordnung der Ableiter ändern.

Dokumentiert wird alles in einem Prüfprotokoll mit Messwerten, Datum, verwendetem Messgerät und Unterschrift. Ein Protokoll ohne Zahlenwerte ist für spätere Vergleiche wertlos.

Funktions- und Übergabecheckliste

Prüfpunkt Nachweis Erfüllt, wenn
Stufenkonzept Einbauplan oder Schema jede Stufe ist mit Einbauort und Prüfklasse benannt
Energetische Koordination Herstellerangabe oder Leitungslängennachweis die Stufen sind ausdrücklich als zueinander passend ausgewiesen
Anschlussleitungslänge Foto und Protokolleintrag je Gerät die Gesamtlänge liegt im zulässigen Bereich oder es wurde V-Verdrahtung ausgeführt
Erdungsanbindung Protokolleintrag Weg zur Haupterdungsschiene ist kurz, durchgehend und mit ausreichendem Querschnitt
Vorsicherung Protokolleintrag vorhanden oder als entbehrlich begründet, beschriftet
Anordnung zur Fehlerstrom-Schutzeinrichtung Schema Ableiter davor oder stoßstromfeste Ausführung dahinter
Datenwege Liste der Zuführungen jede leitfähige Zuführung ist einzeln aufgeführt und zugeordnet
Zustandsanzeigen Foto der geschlossenen Front alle Anzeigen sind ohne Öffnen ablesbar
Freie Teilungseinheiten Sichtprüfung Anzahl ist im Protokoll beziffert
Erstprüfung Protokoll nach DIN VDE 0100-600 Messwerte statt Häkchen
Anmeldung und Plomben Bestätigung des Netzbetreibers Speisepunkt ist wieder ordnungsgemäß verplombt

Einweisung und Betriebsstart

Lassen Sie sich bei der Übergabe drei Dinge zeigen. Erstens: wo jede Zustandsanzeige sitzt und welche Farbe den ungestörten Zustand bedeutet. Zweitens: welcher Schalter oder welche Sicherung zum Ableiterzweig gehört und wie sie beschriftet ist. Drittens: was bei einem Ansprechen zu tun ist, nämlich melden statt selbst tauschen.

Vereinbaren Sie eine Kontrollroutine und schreiben Sie sie auf: zweimal jährlich Zustandsanzeigen ablesen, zusätzlich nach jedem schweren Gewitter. Halten Sie die Ergebnisse mit Datum fest. Diese Notizen sind der einzige Weg, ein stilles Versagen rechtzeitig zu bemerken.

Fahren Sie beim Betriebsstart die abgeschalteten Geräte geordnet wieder hoch und kontrollieren Sie die Einstellungen der Regelungen, die Sie vorher notiert haben. Prüfen Sie Warmwasserbereitung, Heizung, Lüftung und Netzwerktechnik auf normale Funktion.

Was Sie selbst tun dürfen und was nicht

Sie dürfen vorbereiten, koordinieren, den Verteilerbereich freiräumen, Fotos machen, Einstellungen notieren und die Dokumentation ablegen. Sie dürfen die Zustandsanzeigen ablesen und Auffälligkeiten melden.

Sie dürfen keine Abdeckung öffnen, kein Ableitermodul ziehen oder stecken, keine Vorsicherung wechseln und nach einem Ansprechen nichts selbst zurücksetzen. Ein verbrauchtes Modul zu tauschen sieht nach einem Handgriff aus, ist aber eine Arbeit an einer unter Spannung stehenden Anlage mit anschließender Prüfpflicht. Nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen solche Arbeiten ausschließlich vom Netzbetreiber oder von einem Installationsunternehmen ausgeführt werden, das in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Lassen Sie sich diesen Nachweis vor der Beauftragung zeigen; ohne ihn wird der plombierte Bereich am Speisepunkt gar nicht erst geöffnet werden dürfen.

Sicher prüfen

Das stille Versagen: warum diese Prüfung überhaupt nötig ist

Überspannungsschutz hat eine unangenehme Eigenschaft: Sein Ausfall verändert nichts. Licht brennt, Steckdosen liefern Spannung, die Heizung läuft. Ein Ableiter, dessen Bauelement am Lebensende thermisch abgetrennt wurde, sitzt weiter im Verteiler und tut nichts mehr. Erst das nächste Ereignis macht den Zustand sichtbar, und dann ist es zu spät.

Deshalb ist die wichtigste Eigenkontrolle beim Überspannungsschutz auch die einfachste: das regelmäßige Ablesen der Zustandsanzeige. Sie besteht bei den meisten Geräten aus einem Sichtfenster, das im ungestörten Zustand eine Farbe zeigt und nach dem Ansprechen oder bei erschöpftem Bauelement auf eine andere wechselt. Bei Verteilungen mit Sichtfenster in der Abdeckung ist die Anzeige ablesbar, ohne dass irgendetwas geöffnet wird.

Ihre Kontrollroutine in fünf Minuten

Legen Sie einen festen Rhythmus fest, etwa zweimal im Jahr, und zusätzlich nach jedem schweren Gewitter in Ihrer Umgebung. Der Ablauf ist immer derselbe.

Sehen Sie zuerst alle Zustandsanzeigen an: am Zählerschrank, in jeder Unterverteilung, an geräteseitigen Ableitern und an Schutzgeräten für Antennen- und Datenleitungen. Notieren Sie den Zustand mit Datum. Ein Foto der Verteilerfront reicht und ist später ein Vergleichsmaßstab.

Achten Sie zweitens auf die Umgebung: Riecht es im Bereich der Verteilung ungewöhnlich? Ist die Abdeckung an einer Stelle verfärbt oder auffällig warm? Zeigt sich Feuchtigkeit an Wand oder Gehäuse?

Prüfen Sie drittens, ob eine Sicherung oder ein Leitungsschutzschalter ausgelöst hat, der zum Ableiterzweig gehört. Beim Einbau sollte dieser Zweig beschriftet worden sein.

Kontrollieren Sie viertens Ihre Geräte auf Auffälligkeiten, die auf durchgelassene Energie hindeuten: Netzteile, die nicht mehr starten, Netzwerktechnik mit sporadischen Ausfällen, Wechselrichter mit Fehlermeldungen, Rollladen- oder Heizungssteuerungen, die neuerdings Zeitprogramme verlieren.

Sicherheitscheck mit Prioritäten

Befund Priorität Ihre Reaktion Wer handelt
Brandgeruch, Rauch oder Schmorspuren an Verteilung oder Zählerschrank sofort Raum verlassen, Tür schließen, bei Rauchentwicklung Notruf, nichts selbst abschalten Feuerwehr, danach Elektrofachbetrieb
Gehäuse oder Abdeckung deutlich warm, Knistern oder Brummen hörbar sofort Bereich meiden, Zugang sichern, Kinder fernhalten Elektrofachbetrieb noch am selben Tag
Wasser oder Kondensat im oder am Verteiler sofort Ursache oberhalb suchen lassen, Raum nicht betreten Elektrofachbetrieb, parallel das verursachende Gewerk
Zustandsanzeige eines Ableiters hat gewechselt bald Datum und betroffenes Gerät notieren, Foto anfertigen Elektrofachbetrieb, Modultausch und Prüfung
Vorsicherung des Ableiterzweigs hat ausgelöst bald nicht wiederholt zuschalten, betroffenen Zweig notieren Elektrofachbetrieb, Ursachenklärung vor dem Wiedereinschalten
Nach Gewitter mehrere Geräte gleichzeitig defekt bald Schadensliste mit Fotos anlegen, Versicherung informieren Elektrofachbetrieb, Prüfung der gesamten Anlage
Keine Zustandsanzeige erkennbar, Bauart unbekannt planbar Verteilerfront fotografieren, Unterlagen suchen Elektrofachbetrieb, Bestandsaufnahme
Anlage besitzt keinen Überspannungsschutz planbar Zuführungen und schutzbedürftige Technik auflisten Fachplanung, Nachrüstung nach DIN VDE 0100-534
Kein Prüfprotokoll zur letzten Änderung auffindbar planbar Unterlagen zusammenstellen Elektrofachbetrieb, Prüfung nach DIN VDE 0100-600

Was die Fachkraft prüft und Sie nicht sehen können

Bei einer fachlichen Kontrolle geht es um mehr als die Anzeige. DIN VDE 0100-534 macht Vorgaben für Auswahl und Errichtung von Überspannungs-Schutzeinrichtungen, und mehrere davon lassen sich nur bei geöffneter Abdeckung überprüfen.

Geprüft wird, ob die Gesamtlänge der Anschluss- und Erdungsleitungen des Ableiters die zulässige Länge einhält. Die Norm fordert, dass sie möglichst 0,5 Meter nicht überschreitet und einen Meter keinesfalls übersteigt, weil sich der Spannungsfall auf dieser Leitung zum Schutzpegel addiert. Geprüft wird ferner, ob der Weg zur Haupterdungsschiene mit ausreichendem Querschnitt und ohne unnötige Umwege ausgeführt ist, ob die geforderte Vorsicherung vorhanden ist, ob die Schaltungsvariante zur Netzform passt und ob der Ableiter richtig zur Fehlerstrom-Schutzeinrichtung angeordnet ist.

Hinzu kommen die Messungen der Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600, insbesondere die Prüfung der Durchgängigkeit der Schutzleiter und der Erdungsverbindungen sowie der Isolationswiderstand. Bei der Isolationsmessung müssen Ableiter berücksichtigt werden, weil sie das Messergebnis sonst verfälschen. Auch das ist ein Grund, warum die Messung nicht mit einem Baumarktgerät nachvollzogen werden kann.

Was nach einem Gewitter richtig ist

Wenn in Ihrer Umgebung ein Einschlag stattgefunden hat, gehen Sie in dieser Reihenfolge vor. Kontrollieren Sie zunächst aus sicherer Entfernung, ob es irgendwo im Haus nach Schmoren riecht oder Rauch sichtbar ist; in diesem Fall gilt der Notruf, nicht die weitere Suche. Lesen Sie danach die Zustandsanzeigen ab und fotografieren Sie sie. Erstellen Sie eine Liste der Geräte, die nicht mehr funktionieren, mit Typ und Anschaffungsjahr; diese Liste braucht Ihre Versicherung. Schalten Sie ausgelöste Schutzeinrichtungen nicht mehrfach wieder ein.

Melden Sie den Fall dann Ihrem Elektrofachbetrieb und, falls eine Blitzschutzanlage vorhanden ist, zusätzlich dem Blitzschutzfachbetrieb. Nach einem bekannten Einschlag ist eine außerordentliche Prüfung der Blitzschutzanlage vorgesehen, und die Ableiter der ersten Stufe sind zu bewerten.

Die Grenze Ihrer Eigenprüfung

Ihre Kontrolle endet an der geschlossenen Abdeckung. Öffnen Sie keine Verteilerabdeckung, um eine Anzeige besser zu sehen, entfernen Sie kein Ableitermodul und setzen Sie kein Ersatzmodul ein, auch wenn es aussieht wie das Wechseln einer Steckkarte. Das Modul sitzt in einem Bereich, in dem betriebsmäßig Spannung ansteht, und der Einbau muss anschließend geprüft werden.

Für den Betrieb elektrischer Anlagen gilt DIN VDE 0105-100. Danach sind Arbeiten und Prüfungen Elektrofachkräften vorbehalten, die vor Arbeiten im spannungsfreien Zustand die fünf Sicherheitsregeln anwenden: Freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, Erden und Kurzschließen sowie benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken. Für Arbeiten an der Anlage hinter dem Hausanschluss gilt zusätzlich § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung, wonach nur ein im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragener Betrieb tätig werden darf. Ihre Aufgabe bleibt das Beobachten, Dokumentieren und rechtzeitige Melden, und genau daran scheitert der Schutz in der Praxis am häufigsten.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE 0100-443 (VDE 0100-443):2016-10 – Schutz bei transienten Überspannungen (DKE-Dokumentblatt)
  2. DIN EN IEC 62305-4 (VDE 0185-305-4):2026-02 – Blitzschutz, Teil 4: Elektrische und elektronische Systeme (DKE-Dokumentblatt)
  3. DIN EN 61643-11 (VDE 0675-6-11):2019-03 – Überspannungsschutzgeräte für Niederspannung, Teil 11 (DKE-Dokumentblatt)
  4. DIN VDE 0100-534 (VDE 0100-534):2016-10 – Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPDs)
  5. DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 – Prüfungen von Niederspannungsanlagen (DKE-Dokumentblatt)
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