Steckdosen- und Schalterplanung: Die Mindestausstattung verteilt sechs Stromkreise auf 120 Quadratmeter
DIN 18015-2 bemisst die Zahl der Stromkreise nach Wohnfläche, RAL-RG 678 ab Ausstattungswert 2 nach Räumen. Dieser Wechsel der Bezugsgröße ist der eigentliche Unterschied zwischen Mindest- und Standardausstattung.

Das Wichtigste in Kürze
- Bei der Mindestausstattung nach DIN 18015-2 richtet sich die Zahl der Beleuchtungs- und Steckdosenstromkreise allein nach der Wohnfläche: drei bis sieben Kreise, für eine 120-Quadratmeter-Wohnung genau sechs.
- Ab Ausstattungswert 2 der RAL-RG 678 erhält jeder Nutzungsbereich einen eigenen Beleuchtungs- und Steckdosenstromkreis – das ist der entscheidende Unterschied, nicht die Zahl der Dosen.
- Die Kreise für besondere Verbrauchsmittel wie Herd, Geschirrspüler, Waschmaschine oder Wallbox kommen in jedem Ausstattungswert zusätzlich hinzu.
- Die Standardausstattung kostet rund 125 Prozent der Mindestausstattung, die Komfortausstattung rund 150 Prozent – eine zusätzliche Steckdose im Rohbau 30 bis 50 Euro, nachträglich 150 bis 300 Euro.
- DIN 18015-3 legt fest, wo Leitungen liegen dürfen: waagerechte Zonen von 30 Zentimetern Breite, senkrechte von 20 Zentimetern, die mittlere Zone in Arbeitsräumen zwischen 100 und 130 Zentimetern.
Die Frage, mit der fast jede Elektroplanung beginnt, lautet: Wie viele Steckdosen braucht dieser Raum? Es ist die falsche Frage. Zwei Wohnungen können dieselbe Zahl an Dosen haben und trotzdem völlig verschieden nutzbar sein – weil in der einen acht Dosen an einem einzigen Automaten hängen und in der anderen an dreien.
Die maßgeblichen Regelwerke wissen das. DIN 18015-2 legt Art und Umfang der Mindestausstattung fest, die Güterichtlinie RAL-RG 678 baut darauf drei Ausstattungswerte auf. Und zwischen Ausstattungswert 1 und 2 wechselt nicht bloß eine Stückzahl – es wechselt die Bezugsgröße, nach der gerechnet wird.
Die Mindestausstattung rechnet in Quadratmetern
Ausstattungswert 1 der RAL-RG 678 entspricht der Mindestausstattung nach DIN 18015-2. Für die Beleuchtungs- und Steckdosenstromkreise gilt dort eine einzige Tabelle, und sie kennt nur eine Eingangsgröße: die Wohnfläche.
| Wohnfläche der Wohnung | Beleuchtungs- und Steckdosenstromkreise |
|---|---|
| bis 50 m² | 3 |
| über 50 bis 75 m² | 4 |
| über 75 bis 100 m² | 5 |
| über 100 bis 125 m² | 6 |
| über 125 m² | 7 |
Eine Wohnung mit 120 Quadratmetern hat damit sechs Kreise für alles, was Licht und Steckdose heißt – Wohnzimmer, Schlafzimmer, zwei Kinderzimmer, Flur, Bad, Abstellraum, Terrasse zusammengenommen. Zwei bis drei Räume teilen sich also regelmäßig einen Automaten.
Was zusätzlich dazukommt, sind die Anschlüsse für besondere Verbrauchsmittel, die schon in der Mindestausstattung jeweils einen eigenen Stromkreis erhalten: Elektroherd, Mikrowellenkochgerät oder Dampfgarer, Geschirrspülmaschine, Waschmaschine, Wäschetrockner, Warmwassergerät, Heizgerät und – sofern vorhanden – die Ladeeinrichtung für Elektrofahrzeuge. Eine vollständig ausgestattete Wohnung kommt damit auch im Minimum schnell auf zwölf bis vierzehn Stromkreise.
Ab Ausstattungswert 2 zählt die Richtlinie Räume
Bei Ausstattungswert 2, der Standardausstattung, verschwindet die Flächentabelle. An ihrer Stelle steht in jeder Raumspalte dieselbe Zahl: eine 1. Jeder Nutzungsbereich – Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, jedes Schlaf- und Kinderzimmer, Arbeitszimmer, Bad, Freisitz, Hausarbeitsraum, Hobbyraum, Keller – erhält einen eigenen Beleuchtungs- und Steckdosenstromkreis. Bei Ausstattungswert 3 bleibt es dabei.
Dieselbe Wohnung mit 120 Quadratmetern und sieben Nutzungsbereichen springt damit von sechs auf sieben bis neun allgemeine Kreise, und der Unterschied ist im Alltag größer, als die Zahl vermuten lässt: Ein ausgelöster Automat legt dann ein Zimmer still, nicht ein halbes Geschoss. Wer den Verteiler dokumentiert hat, findet die Ursache in Minuten – wie das geht, steht im Beitrag zu Stromlaufplan und Beschriftung.
Auch bei der Zahl der Auslässe ändert sich mehr, als viele erwarten. Für Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer nennt die Richtlinie bei Standardausstattung 8 allgemeine Steckdosen im kleineren und 11 im größeren Raum, bei Komfortausstattung 10 und 13. Das Bad steigt von 2 über 4 auf 5, das WC von 1 auf 2, der kurze Flur von 1 über 2 auf 3.
Die Küche rechnet nach laufendem Meter Arbeitsfläche
Für die Küche gibt es eine eigene Bezugsgröße, und sie ist die einzige im ganzen Regelwerk, die sich an einem Bauteil orientiert statt an einem Raum: Steckdosen je 1,20 Meter Arbeitsfläche. Die Mindestausstattung verlangt 2, Standard- und Komfortausstattung jeweils 3. Hinzu kommen allgemeine Steckdosen im Raum – 3 bei Mindest- und Standardausstattung, 5 bei Komfort – sowie eigene Anschlüsse für Kühl- und Gefriergerät und Dunstabzug.
Eine Küchenzeile von 3,60 Metern bekommt nach dieser Regel also 6 Dosen über der Arbeitsplatte bei Mindest- und 9 bei Standardausstattung. Das klingt üppig, bis man Wasserkocher, Kaffeemaschine, Toaster, Mixer, Ladeschale und ein Küchenradio abzählt, die dort dauerhaft stehen.
Wie viele dieser Geräte gleichzeitig laufen dürfen, ist allerdings eine zweite, davon unabhängige Frage. Sie wird nicht über die Zahl der Dosen beantwortet, sondern über die Anschlussleistung je Kreis; der Beitrag zu Stromkreisen in Küche und Bad rechnet das durch.
Schalter werden nach Wegen geplant, nicht nach Wänden
Bei den Schaltern zählt die Richtlinie nicht Schalter, sondern Beleuchtungsanschlüsse – also Auslässe, an denen eine Leuchte hängen kann. Wie viele Schalter dafür nötig sind, ergibt sich erst aus den Wegen im Raum.
Ein Wohn- oder Schlafzimmer erhält bei Mindestausstattung einen Beleuchtungsanschluss, ab 16 beziehungsweise 20 Quadratmetern zwei. Bei Standardausstattung sind es zwei und drei, bei Komfortausstattung drei und vier. Die Küche steigt von 2 auf 3, das Bad ebenfalls von 2 auf 3, das WC von 1 auf 2. Der Sprung von einem auf zwei Anschlüsse ist derjenige, der einen Raum wirklich verändert: Erst mit zwei getrennt schaltbaren Auslässen lassen sich Arbeits- und Ruhelicht trennen.
Die Regel für die Zahl der Schaltstellen ist einfach und steht in keiner Norm: Ein Raum mit zwei Türen braucht eine Wechselschaltung, ein Durchgangsflur mit drei Zugängen eine Kreuzschaltung. Jede zusätzliche Schaltstelle bedeutet eine zusätzliche Leitung zwischen den Dosen – im Rohbau zwanzig Minuten Arbeit, später eine aufgestemmte Wand. Schlafzimmer bekommen sinnvollerweise eine zweite Schaltstelle am Bett, Kellertreppen eine oben und eine unten.
Ab Ausstattungswert 2 nennt die Richtlinie außerdem Antriebe für Rollläden und Sonnenschutz „entsprechend der Anzahl der Antriebe“. Auch das ist eine Leitungsentscheidung, keine Gerätewahl: Ohne Leitung am Rollladenkasten bleibt später nur der Funkmotor. Was das für die Motorisierung von Rollläden bedeutet, ist gesondert beschrieben.
Wo eine Dose überhaupt sitzen darf
Die Positionen sind nicht frei wählbar. DIN 18015-3 legt Installationszonen fest, in denen Leitungen und Geräte liegen müssen – damit später jeder weiß, wo gebohrt werden darf und wo nicht.
- Untere waagerechte Zone: 15 bis 45 Zentimeter über dem fertigen Fußboden, 30 Zentimeter breit. Hier liegen die üblichen Steckdosen mit dem Vorzugsmaß 30 Zentimeter.
- Obere waagerechte Zone: 15 bis 45 Zentimeter unter der fertigen Decke, ebenfalls 30 Zentimeter breit.
- Mittlere waagerechte Zone: 100 bis 130 Zentimeter über dem Fußboden, Vorzugshöhe 115 Zentimeter. Sie gilt in Küchen und Arbeitsräumen und nimmt die Dosen über der Arbeitsplatte auf.
- Senkrechte Zonen: 10 bis 30 Zentimeter neben Rohbaukanten von Türen, Fenstern und Raumecken, 20 Zentimeter breit.
Lichtschalter liegen üblicherweise bei 105 Zentimetern über Fertigfußboden. Dieses Vorzugsmaß ist eine Gewohnheit, keine Vorschrift – und es widerspricht dem Maß, das für barrierefreie Wohnungen gilt. Welche Bedienhöhe dort vorgeschrieben ist und warum sie außerhalb der üblichen Installationszone liegt, klärt der Beitrag zu Bedienhöhen für Fenster und Schalter.
Reserve ist die Voraussetzung für alles Weitere
RAL-RG 678 verlangt in Mehrraumwohnungen mindestens einen vierreihigen, in Einraumwohnungen mindestens einen dreireihigen Stromkreisverteiler. Ab Ausstattungswert 2 kommt ein Satz hinzu, der in der Praxis mehr entscheidet als jede Steckdosenzahl: Die Größe richtet sich nach der Anzahl der einzubauenden Betriebsmittel zuzüglich der Reserveplätze.
Reserve ist kein Luxus. Jede spätere Ergänzung – Wallbox, Wärmepumpe, Klimasplitgerät, ein zweiter Arbeitsplatz, ein Fehlerlichtbogen-Schutzschalter – braucht Platz im Verteiler, und der ist die teuerste Größe der ganzen Installation, wenn er fehlt. Was ein zu kleiner Zählerschrank auslöst, sobald man ihn anfasst, beschreibt der Beitrag zur Modernisierung des Zählerschranks.
Was das Mehr kostet
Die Ausstattungswerte lassen sich in Kosten übersetzen. Legt man die Mindestausstattung als 100 Prozent an, liegt die Standardausstattung bei rund 125 Prozent, die Komfortausstattung bei etwa 150 Prozent. Eine komplette Elektroinstallation im Neubau wird 2026 mit etwa 80 bis 150 Euro je Quadratmeter Wohnfläche veranschlagt; im bewohnten Altbau liegt sie wegen Stemmarbeiten und Provisorien höher. Der Anteil des Arbeitslohns beträgt dabei rund die Hälfte bis zwei Drittel.
Entscheidend ist der Zeitpunkt. Eine zusätzliche Steckdose kostet im Rohbau etwa 30 bis 50 Euro, nachträglich in der verputzten Wand 150 bis 300 Euro – der Faktor liegt also bei vier bis sechs. Bei zwanzig zusätzlichen Auslässen ist das der Unterschied zwischen rund 800 Euro und mehreren tausend. Die Spanne treibt vor allem der Untergrund: In einer Massivwand ist eine Dose eine Bohrung, in einer Leichtbauwand eine Frage der Ständerlage, in einem Altbau mit unklarem Mauerwerk ein eigener Arbeitsgang – dazu der Beitrag zur Elektroinstallation im Altbau.
Womit Sie in die Planung gehen
Zeichnen Sie jeden Raum im Maßstab und tragen Sie zuerst die Möbel ein: Bett, Schrank, Sofa, Arbeitsplatte, Türanschläge. Erst danach die Auslässe. Notieren Sie je Raum, welche ortsfesten Geräte dauerhaft laufen und von welchen Positionen aus Licht geschaltet werden soll.
Legen Sie dann den gewünschten Ausstattungswert schriftlich fest – nicht als Stückliste, sondern als Verweis: „Ausstattungswert 2 nach RAL-RG 678, Verteiler mit mindestens 25 Prozent Reserveplätzen.“ Das ist eine Zeile im Vertrag und beschreibt mehr als drei Seiten Auflistung. Prüfen Sie zuletzt, ob die gewählte Aufteilung zu Querschnitt und Absicherung passt; dazu rechnet der Beitrag zu Leitungsquerschnitt und Absicherung die Grenzen vor.
Quellen und weiterführende Informationen
- HEA: RAL-RG 678 – Anforderungen an elektrische Anlagen in Wohngebäuden (Ausstattungswerte 1 bis 3plus, Tabellen)
- HEA: Richtlinie RAL-RG 678 – Ausstattungsstandards der Elektroinstallation
- BauNetz Wissen: Installationsumfang und Ausstattungswerte
- Baunormenlexikon: DIN 18015-2, Ausgabe 2021-10
- Gira: Elektroinstallationszonen nach DIN 18015-3
- Blauarbeit: Elektroinstallation – Kosten und Preise 2026

















