PV-Anlage am bestehenden Zählerschrank sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien
Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
- Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
- Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.
Die Besonderheit, die alles andere bestimmt
Eine Photovoltaikanlage lässt sich nicht vollständig abschalten. DIN VDE 0100-712 beschreibt diese Eigenheit für Photovoltaik-Stromversorgungssysteme: Solange Licht auf die Module fällt, liefert der Generator Spannung. Die Gleichstromseite bleibt aktiv, auch wenn im Zählerschrank alles ausgeschaltet ist und das Netz vollständig freigeschaltet wurde.
Daraus folgt der wichtigste Merksatz für jede Eigenkontrolle: Auf der Gleichstromseite wird nichts geöffnet, nichts getrennt und nichts gesteckt. Ein Gleichstromlichtbogen erlischt nicht von selbst, wie es beim Wechselstrom im Nulldurchgang geschieht. Genau deshalb sind Steckverbinder, Lasttrennstellen und Leitungen auf dieser Seite besonderen Anforderungen unterworfen, und genau deshalb ist ein gezogener Stecker unter Last ein ernstes Risiko.
Was Sie ohne jedes Werkzeug prüfen können
Beginnen Sie am Zählerschrank und arbeiten Sie sich zum Wechselrichter vor. Alles Folgende ist von außen und bei geschlossenen Abdeckungen möglich.
Prüfen Sie zuerst die Kennzeichnung. Nach DIN VDE 0100-712 ist eine Anlage mit Rückspeisung dauerhaft zu kennzeichnen. Am Zählerschrank sollte ein Warnhinweis auf die Erzeugungsanlage vorhanden sein, dazu ein Anlagenschild und ein Übersichtsschaltplan, aus dem hervorgeht, wo sich Wechselrichter, Trennstellen und Schutzeinrichtungen befinden. Fehlt der Übersichtsplan, weiß im Ernstfall weder die Feuerwehr noch ein fremder Fachbetrieb, wie die Anlage aufgebaut ist. Das ist ein Mangel und keine Kleinigkeit.
Sehen Sie zweitens den Wechselrichter an. Statusanzeige, Fehlermeldungen im Display oder in der zugehörigen Anwendung, Betriebsgeräusche und Wärmeentwicklung sind aussagekräftig. Ein Wechselrichter wird im Betrieb warm; er soll aber nicht heiß sein, nicht ungewöhnlich brummen und keine Fehlermeldungen ansammeln.
Prüfen Sie drittens die Umgebung: freie Kühlluftwege, keine Kartons oder Textilien vor den Lüftungsöffnungen, kein Kondensat an der Wand, keine Verfärbungen an Gehäuse oder Kabeleinführungen.
Kontrollieren Sie viertens den Ertrag. Ein anhaltender Rückgang gegenüber vergleichbaren Zeiträumen der Vorjahre ist häufig das erste Signal für ein technisches Problem, lange bevor eine Fehlermeldung erscheint.
Sicherheitscheck mit Prioritäten
| Befund | Priorität | Ihre Reaktion | Wer handelt |
|---|---|---|---|
| Brandgeruch, Rauch, sichtbarer Lichtbogen oder Schmorspuren an Wechselrichter, Leitung oder Zählerschrank | sofort | Bereich verlassen, Notruf, ausdrücklich auf die Photovoltaikanlage hinweisen, nichts selbst trennen | Feuerwehr, danach Fachbetrieb |
| Gehäuse oder Leitung auffällig heiß, knisternde Geräusche | sofort | Bereich sichern, Abstand halten, Anlage nicht selbst öffnen | Elektrofachbetrieb noch am selben Tag |
| Isolationsfehler- oder Erdschlussmeldung des Wechselrichters | sofort bis bald | Meldung mit Datum und Wortlaut notieren, Fehler nicht wiederholt quittieren | Elektrofachbetrieb, Messung der Gleichstromseite |
| Fehlerstrom-Schutzeinrichtung des Erzeugungskreises löst aus | sofort bis bald | nicht mehrfach zuschalten, betroffenen Stromkreis notieren | Elektrofachbetrieb, Ursachenklärung vor dem Wiedereinschalten |
| Wasser oder Feuchtigkeit an Wechselrichter, Verteiler oder Zählerschrank | sofort | Ursache oberhalb klären lassen, Raum meiden | Elektrofachbetrieb und das verursachende Gewerk |
| Sichtbar beschädigte oder herabhängende Leitung im Außenbereich | sofort | Bereich absperren, Kinder und Haustiere fernhalten, nicht berühren | Elektrofachbetrieb |
| Module sichtbar beschädigt, Glasbruch, verfärbte Zellen, gelöste Klemmen | bald | fotografieren, Dach nicht betreten, Bereich darunter absperren | Fachbetrieb für Photovoltaik, Prüfung der Gleichstromseite |
| Anhaltender Ertragsrückgang ohne Fehlermeldung | bald | Ertragsdaten der Vorjahre zusammenstellen | Fachbetrieb, Anlagenprüfung |
| Fehlende Kennzeichnung, kein Übersichtsschaltplan | planbar | Unterlagen der Errichtung durchsehen | Errichterbetrieb, Nachtrag der Dokumentation |
| Kein Prüfprotokoll der Inbetriebnahme auffindbar | planbar | Betrieb kontaktieren, Unterlagen anfordern | Errichterbetrieb |
Was die Fachkraft prüft und Sie nicht
Die Prüfung der Anlage folgt DIN VDE 0100-600 mit Besichtigen, Erproben und Messen, ergänzt um die besonderen Anforderungen der Photovoltaiknorm. Vier Punkte davon lassen sich ausschließlich mit Messtechnik beurteilen.
Der Isolationswiderstand der Gleichstromseite ist der wichtigste Wert. Er verschlechtert sich durch beschädigte Leitungen, eingedrungene Feuchtigkeit in Steckverbindern und gealterte Modulanschlussdosen. Ein sinkender Wert über mehrere Prüfungen hinweg ist ein Frühwarnzeichen.
Die Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter zum Modulgestell wird gemessen, ebenso der Anschluss an die Haupterdungsschiene.
Die Kennlinie der Strings zeigt, ob einzelne Module oder Verbindungen Leistung verlieren.
Die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme auf der Wechselstromseite wird über Schleifenimpedanz und die Prüfung der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung nachgewiesen. Deren Bauart muss zum Wechselrichter passen, weil Geräte ohne galvanische Trennung Fehlerströme mit Gleichanteil hervorrufen können, die eine einfache Ausführung nicht sicher erfasst.
Abschalten: was zulässig ist und in welcher Reihenfolge
Im Notfall gilt für Sie eine einzige Handlung als zulässig: das Ausschalten des Erzeugungsstromkreises auf der Wechselstromseite über den dafür vorgesehenen und beschrifteten Schutzschalter in der Verteilung, sofern dieser gefahrlos erreichbar ist. Damit trennt sich der Wechselrichter vom Netz, und der Netz- und Anlagenschutz nach VDE-AR-N 4105 beendet die Einspeisung.
Nicht zulässig ist es, den Gleichstrom-Lasttrennschalter zu betätigen, wenn Sie dessen Bedienung nicht ausdrücklich in der Einweisung gezeigt bekommen haben, und in keinem Fall bei erkennbarem Fehler. Ebenfalls nicht zulässig ist das Öffnen des Wechselrichters, das Ziehen von Steckverbindern und jeder Eingriff im Zählerschrank.
Weisen Sie im Ernstfall die Einsatzkräfte ausdrücklich auf die Photovoltaikanlage hin und nennen Sie die Standorte von Modulen, Leitungsweg und Wechselrichter. Genau dafür ist der Übersichtsschaltplan gedacht.
Wo Ihre Prüfung endet
Ihre Eigenkontrolle erfasst Kennzeichnung, Dokumentation, sichtbare Schäden, Betriebsmeldungen, Wärmeentwicklung, Gerüche und Ertragsverläufe. Das deckt einen großen Teil der praktisch auftretenden Probleme ab und liefert dem Fachbetrieb eine belastbare Ausgangslage.
Nicht selbst beurteilen können Sie den Zustand der Gleichstromverkabelung, den Isolationswiderstand, die Eignung der Schutzeinrichtungen und die Parametrierung des Netz- und Anlagenschutzes. Betreten Sie kein Dach, um Module zu kontrollieren; nutzen Sie ein Fernglas oder Aufnahmen vom Boden aus. Für Arbeiten an der Anlage gilt § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung: Sie sind dem Netzbetreiber oder einem in dessen Installateurverzeichnis eingetragenen Installationsunternehmen vorbehalten. Für den Betrieb gilt ergänzend DIN VDE 0105-100 mit den fünf Sicherheitsregeln, die sich an Elektrofachkräfte richten und bei Photovoltaikanlagen ohnehin nur auf der Wechselstromseite vollständig anwendbar sind.






