Erdungsanlage im Altbau sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien

Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.

03Elektrik

Das Wichtigste in Kürze

  • Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
  • Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.

Die erste Frage lautet: Gibt es überhaupt einen Erder

Bei Altbauten beginnt die Zustandsbewertung nicht mit einem Messwert, sondern mit einer Suche. Gehen Sie in den Hausanschlussraum und verfolgen Sie, ob von der Haupterdungsschiene oder von der Verteilung ein Leiter in Richtung Boden, Außenwand oder Fundament führt. Häufig gibt es drei mögliche Ergebnisse.

Es führt kein Leiter nach unten. Dann besitzt das Gebäude vermutlich keine Erdungsanlage, und alles Weitere ist eine Planungsfrage.

Es führt ein Leiter zur Wasserleitung. Diese früher übliche Ausführung ist heute nicht mehr zulässig, weil DIN VDE 0100-540 metallene Wasserleitungsrohre als Erder ausschließt. Das Rohr gehört in den Schutzpotentialausgleich, ersetzt aber keinen Erder.

Es führt ein Leiter in den Boden oder in eine Wand und endet dort. In diesem Fall ist unbekannt, ob dahinter ein wirksamer Erder liegt. Ohne Trenn- und Messstelle lässt sich das nicht klären, und genau deshalb ist deren Fehlen selbst ein Befund.

Der Rundgang außen: worauf Sie achten

Die Erdungsanlage ist zum größten Teil unsichtbar. Sichtbar ist die kritischste Stelle: der Übergang zwischen Erdreich und Luft. Gehen Sie einmal um das Haus und suchen Sie an Sockel, Kellerwand und Erdeintritten nach Metallteilen, die aus dem Boden kommen.

Achten Sie auf drei Dinge. Erstens Korrosion: Rostfahnen, abgeplatzte Verzinkung, sichtbar abgezehrter Querschnitt. Zweitens Bedeckung: Erdreich, Rindenmulch, Kies oder eine neu angelegte Beetkante, die bis an den Übergang heranreicht und ihn dauerfeucht hält. Drittens Überbauung: Eine Terrasse, ein Podest, eine Pflasterfläche oder eine Fassadendämmung, die einen Erdeintritt oder eine Trennstelle unzugänglich gemacht hat.

Fotografieren Sie jeden Fundort mit einem Maßstab und notieren Sie die Himmelsrichtung. Diese Bilder ersparen dem Fachbetrieb beim Ortstermin viel Suchzeit.

Warnzeichen im Inneren der Anlage

Bestimmte Befunde deuten darauf hin, dass die Elektroinstallation insgesamt auf einem alten Stand ist und die Erdungsfrage nur ein Teil des Problems darstellt. Diese Zeichen sind für Sie erkennbar, ohne dass Sie etwas öffnen.

Alte Schraubsicherungen mit Porzellansockel und Stoffummantelung der Leitungen deuten auf eine Installation hin, die weder Schutzleiter noch Erdung im heutigen Sinn kennt. Steckdosen ohne Schutzkontakt in Wohnräumen sind ein deutliches Signal. Ebenso auffällig sind Räume, in denen Schutzkontaktsteckdosen nachträglich eingebaut wurden, obwohl die restliche Installation erkennbar aus derselben alten Bauphase stammt: Der Schutzkontakt kann dann ohne wirksame Verbindung sein.

Fehlt eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung vollständig, ist das ein weiterer Hinweis. Und wenn im Zählerschrank keine Haupterdungsschiene erkennbar ist, sondern nur einzelne Klemmstellen an Rohren, fehlt der definierte Sammelpunkt, den DIN VDE 0100-540 vorsieht.

Sicherheitscheck mit Prioritäten

Befund Priorität Ihre Reaktion Zuständigkeit
Kribbeln an Wasserhähnen, Heizkörpern oder Geräten sofort Bereich meiden, niemanden Metallteile berühren lassen, nicht selbst suchen Elektrofachbetrieb noch am selben Tag
Fehlerstrom-Schutzeinrichtung löst wiederholt aus oder lässt sich nicht mehr einschalten sofort betroffenen Stromkreis notieren, nicht erzwingen Elektrofachbetrieb, Fehlersuche vor dem Wiedereinschalten
Erdeintritt sichtbar durchkorrodiert oder abgerissen sofort bis bald fotografieren, Bereich freihalten, nichts anfassen Fachbetrieb, bei vorhandener Blitzschutzanlage zusätzlich Blitzschutzfachbetrieb
Erdungsleiter endet an der Wasserleitung bald Verlauf fotografieren, Sanierungsstand der Rohre klären Elektrofachbetrieb, Planung einer Erdungsanlage
Keine Haupterdungsschiene vorhanden bald Bestand dokumentieren, Angebote einholen eingetragenes Installationsunternehmen
Keine Trenn- und Messstelle vorhanden bald im nächsten Angebot ausdrücklich fordern Elektrofachbetrieb
Trennstelle überbaut oder unter Bewuchs verschwunden planbar Zugang wieder freilegen lassen Garten- oder Baugewerk, danach Messung
Erdübergang in Erdreich oder Mulch eingebettet planbar Material vom Übergang entfernen lassen, Abstand herstellen Garten- oder Baugewerk
Kein Messwert und kein Protokoll bekannt planbar Unterlagen sichten, Erstprüfung beauftragen Elektrofachbetrieb, Prüfung nach DIN VDE 0100-600

Was die Fachkraft misst und warum Sie es nicht nachvollziehen können

Die Prüfung der Erdungsanlage ist Teil der Prüfungen nach DIN VDE 0100-600, die aus Besichtigen, Erproben und Messen bestehen. Für den Erder sind zwei Messungen entscheidend, und beide setzen Ausrüstung und Fachkenntnis voraus.

Die erste ist die Messung der Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter. Sie wird mit einem Prüfstrom durchgeführt, der hoch genug ist, um schlechte Übergänge sichtbar zu machen. Ein einfacher Durchgangsprüfer mit Batterie zeigt bei einer korrodierten Klemme oft ein einwandfreies Ergebnis, obwohl die Verbindung im Fehlerfall versagt.

Die zweite ist die Messung des Ausbreitungswiderstands des Erders. Dafür muss der Erder über die Trennstelle vom übrigen Netz getrennt und mit einem geeigneten Verfahren gemessen werden. Das Ergebnis ist stark von der Bodenfeuchte abhängig, weshalb Datum und Witterung im Protokoll stehen sollten. Erst der Vergleich mehrerer Messungen über Jahre zeigt, ob der Erder korrodiert.

Verlangen Sie deshalb Zahlenwerte. Ein Protokoll, das nur ein Häkchen bei in Ordnung trägt, lässt sich beim nächsten Termin nicht heranziehen.

Abschaltkriterien und Verhalten im Ernstfall

Es gibt Situationen, in denen nicht weiter untersucht, sondern abgeschaltet wird. Dazu gehören eine spürbare Spannung an berührbaren Metallteilen, Wasser im Bereich von Verteilung oder Zählerschrank, Brandgeruch aus einem Verteiler und eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung, die nach dem Auslösen nicht mehr in der Einschaltstellung bleibt.

Das Freischalten selbst ist Aufgabe der Elektrofachkraft. Nach DIN VDE 0105-100 sind vor Arbeiten im spannungsfreien Zustand die fünf Sicherheitsregeln einzuhalten, also Freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, Erden und Kurzschließen sowie benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken. Diese Regeln richten sich an Fachpersonal.

Wo Ihre Prüfung endet

Ihre Kontrolle erfasst zuverlässig, was sichtbar ist: fehlende Schiene, fehlender Erdungsleiter, Korrosion an Erdübergängen, überbaute Trennstellen, veralteter Installationsstand, fehlende Unterlagen. Das genügt, um zu entscheiden, ob und wie dringend ein Fachbetrieb kommen muss.

Nicht selbst feststellen können Sie, ob ein vorhandener Erder wirksam ist, ob die Abschaltbedingungen eingehalten werden und ob ein Querschnitt ausreicht. Lösen Sie deshalb keine Trennstelle, um selbst zu messen, klemmen Sie nichts ab und schließen Sie nichts an. Arbeiten an der elektrischen Anlage hinter dem Hausanschluss sind nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung ausschließlich dem Netzbetreiber oder einem in dessen Installateurverzeichnis eingetragenen Installationsunternehmen gestattet. Und graben Sie nicht selbst nach dem Erder: In Hausnähe liegen Anschlussleitungen oft flacher als vermutet.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 – Prüfungen von Niederspannungsanlagen (DKE-Dokumentblatt)
  2. DIN 18014:2023-06 – Erdungsanlagen für Gebäude: Planung, Ausführung und Dokumentation (DIN Media)
Weiterlesen

Mehr zum Thema

016 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

026 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

036 Artikel