Mehrstufiger Überspannungsschutz sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien

Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
  • Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
  • Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.

Das stille Versagen: warum diese Prüfung überhaupt nötig ist

Überspannungsschutz hat eine unangenehme Eigenschaft: Sein Ausfall verändert nichts. Licht brennt, Steckdosen liefern Spannung, die Heizung läuft. Ein Ableiter, dessen Bauelement am Lebensende thermisch abgetrennt wurde, sitzt weiter im Verteiler und tut nichts mehr. Erst das nächste Ereignis macht den Zustand sichtbar, und dann ist es zu spät.

Deshalb ist die wichtigste Eigenkontrolle beim Überspannungsschutz auch die einfachste: das regelmäßige Ablesen der Zustandsanzeige. Sie besteht bei den meisten Geräten aus einem Sichtfenster, das im ungestörten Zustand eine Farbe zeigt und nach dem Ansprechen oder bei erschöpftem Bauelement auf eine andere wechselt. Bei Verteilungen mit Sichtfenster in der Abdeckung ist die Anzeige ablesbar, ohne dass irgendetwas geöffnet wird.

Ihre Kontrollroutine in fünf Minuten

Legen Sie einen festen Rhythmus fest, etwa zweimal im Jahr, und zusätzlich nach jedem schweren Gewitter in Ihrer Umgebung. Der Ablauf ist immer derselbe.

Sehen Sie zuerst alle Zustandsanzeigen an: am Zählerschrank, in jeder Unterverteilung, an geräteseitigen Ableitern und an Schutzgeräten für Antennen- und Datenleitungen. Notieren Sie den Zustand mit Datum. Ein Foto der Verteilerfront reicht und ist später ein Vergleichsmaßstab.

Achten Sie zweitens auf die Umgebung: Riecht es im Bereich der Verteilung ungewöhnlich? Ist die Abdeckung an einer Stelle verfärbt oder auffällig warm? Zeigt sich Feuchtigkeit an Wand oder Gehäuse?

Prüfen Sie drittens, ob eine Sicherung oder ein Leitungsschutzschalter ausgelöst hat, der zum Ableiterzweig gehört. Beim Einbau sollte dieser Zweig beschriftet worden sein.

Kontrollieren Sie viertens Ihre Geräte auf Auffälligkeiten, die auf durchgelassene Energie hindeuten: Netzteile, die nicht mehr starten, Netzwerktechnik mit sporadischen Ausfällen, Wechselrichter mit Fehlermeldungen, Rollladen- oder Heizungssteuerungen, die neuerdings Zeitprogramme verlieren.

Sicherheitscheck mit Prioritäten

Befund Priorität Ihre Reaktion Wer handelt
Brandgeruch, Rauch oder Schmorspuren an Verteilung oder Zählerschrank sofort Raum verlassen, Tür schließen, bei Rauchentwicklung Notruf, nichts selbst abschalten Feuerwehr, danach Elektrofachbetrieb
Gehäuse oder Abdeckung deutlich warm, Knistern oder Brummen hörbar sofort Bereich meiden, Zugang sichern, Kinder fernhalten Elektrofachbetrieb noch am selben Tag
Wasser oder Kondensat im oder am Verteiler sofort Ursache oberhalb suchen lassen, Raum nicht betreten Elektrofachbetrieb, parallel das verursachende Gewerk
Zustandsanzeige eines Ableiters hat gewechselt bald Datum und betroffenes Gerät notieren, Foto anfertigen Elektrofachbetrieb, Modultausch und Prüfung
Vorsicherung des Ableiterzweigs hat ausgelöst bald nicht wiederholt zuschalten, betroffenen Zweig notieren Elektrofachbetrieb, Ursachenklärung vor dem Wiedereinschalten
Nach Gewitter mehrere Geräte gleichzeitig defekt bald Schadensliste mit Fotos anlegen, Versicherung informieren Elektrofachbetrieb, Prüfung der gesamten Anlage
Keine Zustandsanzeige erkennbar, Bauart unbekannt planbar Verteilerfront fotografieren, Unterlagen suchen Elektrofachbetrieb, Bestandsaufnahme
Anlage besitzt keinen Überspannungsschutz planbar Zuführungen und schutzbedürftige Technik auflisten Fachplanung, Nachrüstung nach DIN VDE 0100-534
Kein Prüfprotokoll zur letzten Änderung auffindbar planbar Unterlagen zusammenstellen Elektrofachbetrieb, Prüfung nach DIN VDE 0100-600

Was die Fachkraft prüft und Sie nicht sehen können

Bei einer fachlichen Kontrolle geht es um mehr als die Anzeige. DIN VDE 0100-534 macht Vorgaben für Auswahl und Errichtung von Überspannungs-Schutzeinrichtungen, und mehrere davon lassen sich nur bei geöffneter Abdeckung überprüfen.

Geprüft wird, ob die Gesamtlänge der Anschluss- und Erdungsleitungen des Ableiters die zulässige Länge einhält. Die Norm fordert, dass sie möglichst 0,5 Meter nicht überschreitet und einen Meter keinesfalls übersteigt, weil sich der Spannungsfall auf dieser Leitung zum Schutzpegel addiert. Geprüft wird ferner, ob der Weg zur Haupterdungsschiene mit ausreichendem Querschnitt und ohne unnötige Umwege ausgeführt ist, ob die geforderte Vorsicherung vorhanden ist, ob die Schaltungsvariante zur Netzform passt und ob der Ableiter richtig zur Fehlerstrom-Schutzeinrichtung angeordnet ist.

Hinzu kommen die Messungen der Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600, insbesondere die Prüfung der Durchgängigkeit der Schutzleiter und der Erdungsverbindungen sowie der Isolationswiderstand. Bei der Isolationsmessung müssen Ableiter berücksichtigt werden, weil sie das Messergebnis sonst verfälschen. Auch das ist ein Grund, warum die Messung nicht mit einem Baumarktgerät nachvollzogen werden kann.

Was nach einem Gewitter richtig ist

Wenn in Ihrer Umgebung ein Einschlag stattgefunden hat, gehen Sie in dieser Reihenfolge vor. Kontrollieren Sie zunächst aus sicherer Entfernung, ob es irgendwo im Haus nach Schmoren riecht oder Rauch sichtbar ist; in diesem Fall gilt der Notruf, nicht die weitere Suche. Lesen Sie danach die Zustandsanzeigen ab und fotografieren Sie sie. Erstellen Sie eine Liste der Geräte, die nicht mehr funktionieren, mit Typ und Anschaffungsjahr; diese Liste braucht Ihre Versicherung. Schalten Sie ausgelöste Schutzeinrichtungen nicht mehrfach wieder ein.

Melden Sie den Fall dann Ihrem Elektrofachbetrieb und, falls eine Blitzschutzanlage vorhanden ist, zusätzlich dem Blitzschutzfachbetrieb. Nach einem bekannten Einschlag ist eine außerordentliche Prüfung der Blitzschutzanlage vorgesehen, und die Ableiter der ersten Stufe sind zu bewerten.

Die Grenze Ihrer Eigenprüfung

Ihre Kontrolle endet an der geschlossenen Abdeckung. Öffnen Sie keine Verteilerabdeckung, um eine Anzeige besser zu sehen, entfernen Sie kein Ableitermodul und setzen Sie kein Ersatzmodul ein, auch wenn es aussieht wie das Wechseln einer Steckkarte. Das Modul sitzt in einem Bereich, in dem betriebsmäßig Spannung ansteht, und der Einbau muss anschließend geprüft werden.

Für den Betrieb elektrischer Anlagen gilt DIN VDE 0105-100. Danach sind Arbeiten und Prüfungen Elektrofachkräften vorbehalten, die vor Arbeiten im spannungsfreien Zustand die fünf Sicherheitsregeln anwenden: Freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, Erden und Kurzschließen sowie benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken. Für Arbeiten an der Anlage hinter dem Hausanschluss gilt zusätzlich § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung, wonach nur ein im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragener Betrieb tätig werden darf. Ihre Aufgabe bleibt das Beobachten, Dokumentieren und rechtzeitige Melden, und genau daran scheitert der Schutz in der Praxis am häufigsten.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE 0100-534 (VDE 0100-534):2016-10 – Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPDs)
  2. DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 – Prüfungen von Niederspannungsanlagen (DKE-Dokumentblatt)
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