Hauptpotentialausgleich sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien
Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
- Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
- Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.
Was Sie im Hausanschlussraum ohne Werkzeug feststellen können
Eine sinnvolle Eigenkontrolle beginnt mit den Augen und endet, bevor eine Schraube gedreht wird. Suchen Sie zunächst die Haupterdungsschiene. Sie sitzt üblicherweise im Hausanschlussraum oder in dessen Nähe, ist eine flache Metallschiene mit mehreren Klemmstellen und trägt im Idealfall eine Beschriftung, welcher Leiter wohin führt. Finden Sie überhaupt keine solche Schiene, sondern nur einzelne Rohrschellen mit angeklemmten Drähten, ist das der wichtigste Befund des ganzen Rundgangs.
Prüfen Sie danach rein optisch: Sind alle Klemmen belegt oder hängt ein Leiter lose herab? Sitzen Leiterenden sauber unter der Klemmschraube oder ragen einzelne Litzen heraus? Gibt es grüne oder weiße Beläge an Kupferklemmen, Rostfahnen an Stahlteilen, Feuchtigkeitsspuren an der Wand dahinter? Notieren Sie jede Auffälligkeit mit einem Foto und der Angabe, an welchem System sie sitzt.
Die vier häufigsten Mängel und wie sie sich zeigen
Der mit Abstand häufigste Mangel entsteht nach Sanitärarbeiten. Wird ein Abschnitt einer metallenen Wasser- oder Heizungsleitung gegen Kunststoff ersetzt, bleibt die alte Anschlussschelle sitzen, ist elektrisch aber wirkungslos. Erkennbar ist das daran, dass die Schelle auf einem Metallstück sitzt, das nach wenigen Zentimetern in ein Kunststoffrohr übergeht.
Der zweite Mangel ist die Klemme am falschen Ort. An der Gasleitung muss der Anschluss hinter dem isolierenden Zwischenstück liegen. Sitzt er davor oder überbrückt er das Isolierstück, hebt er dessen Funktion auf.
Der dritte Mangel ist die fehlende Überbrückung des Wasserzählers. Nach dem Ausbau des Zählers ist die Leitung unterbrochen, sofern keine dauerhafte Brücke vorhanden ist.
Der vierte Mangel ist der Erdungsleiter, der nirgends ankommt. In Altbauten führt gelegentlich ein Leiter aus der Schiene in Richtung Boden und endet an einem verrosteten Stumpf oder an einer Wasserleitung. Ein Wasserleitungsrohr darf nach DIN VDE 0100-540 nicht als Erder verwendet werden, es ersetzt keine Erdungsanlage.
Sicherheitscheck mit Prioritäten
| Befund | Priorität | Was Sie tun | Wer zuständig ist |
|---|---|---|---|
| Kribbeln oder Stromgefühl an Armaturen, Heizkörpern, Rohren | sofort | betroffene Bereiche meiden, Personen warnen, keine Metallteile berühren | Elektrofachbetrieb noch am selben Tag, außerhalb der Geschäftszeit Notdienst |
| Sichtbare Funken, Brandgeruch oder warme Klemmstelle an der Schiene | sofort | Bereich verlassen, Zugang sichern, nichts abdecken oder berühren | Elektrofachbetrieb, bei Rauchentwicklung Feuerwehr |
| Wasser oder Kondensat an der Haupterdungsschiene oder am Zählerschrank | sofort | Ursache oberhalb suchen, Raum nicht betreten, Türen sichern | Elektrofachbetrieb, parallel Ursachenbeseitigung durch das jeweilige Gewerk |
| Fehlerstrom-Schutzeinrichtung löst wiederholt ohne erkennbaren Anlass aus | sofort bis bald | betroffenen Stromkreis notieren, nicht dauerhaft wieder einschalten | Elektrofachbetrieb zur Fehlersuche |
| Loser oder abgeklemmter Leiter an der Schiene | bald | fotografieren, nicht selbst wieder anklemmen | Elektrofachbetrieb, Prüfung des gesamten Ausgleichs |
| Anschlussschelle sitzt auf einem Rohrstück vor einem Kunststoffabschnitt | bald | Rohrverlauf fotografieren, Sanierungsdatum recherchieren | Elektrofachbetrieb gemeinsam mit dem Sanitärgewerk |
| Korrosion an Klemmen, Übergänge zwischen verschiedenen Metallen | bald bis planbar | Zustand dokumentieren, Feuchtequelle klären | Elektrofachbetrieb bei der nächsten Prüfung |
| Keine Haupterdungsschiene vorhanden, nur Einzelschellen | planbar, aber vor jeder Anlagenänderung | Bestand aufnehmen, Angebote einholen | Installationsunternehmen mit Eintragung beim Netzbetreiber |
| Kein Prüfprotokoll auffindbar | planbar | Unterlagen des Voreigentümers durchsehen, Betrieb nach Erstprüfung fragen | Elektrofachbetrieb, Prüfung nach DIN VDE 0100-600 |
Warum ein Prüfprotokoll mehr wert ist als jede Sichtprüfung
Nach DIN VDE 0100-600 umfasst die Erstprüfung Besichtigen, Erproben und Messen. Für den Potentialausgleich ist die Messung der Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter der entscheidende Teil. Sie wird mit einem Prüfstrom durchgeführt, der ausreichend hoch ist, um auch schlechte Übergänge zu erkennen. Ein Durchgangsprüfer mit Batterie und Summer schafft das nicht: Eine korrodierte Klemme kann bei geringem Prüfstrom durchgängig erscheinen und im Fehlerfall trotzdem versagen.
Suchen Sie deshalb in Ihren Unterlagen nach einem Protokoll der letzten Prüfung. Es sollte die geprüften Stromkreise, die Messwerte, das Datum und den ausführenden Betrieb nennen. Liegt kein Protokoll vor, ist der Zustand der Anlage schlicht unbekannt, unabhängig davon, wie ordentlich sie aussieht. Für selbstgenutzte Einfamilienhäuser gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Prüffrist. Wer vermietet, trägt jedoch als Betreiber die Verkehrssicherungspflicht und sollte den Zustand in nachvollziehbaren Abständen dokumentieren lassen.
Abschaltkriterien und Verhalten im Ernstfall
Es gibt Befunde, bei denen nicht geprüft, sondern gehandelt wird. Spüren Sie an Wasserhähnen, Duschen, Heizkörpern oder metallenen Türzargen ein Kribbeln, ist das ein Hinweis auf eine Potentialdifferenz, die dort nicht sein darf. Schalten Sie in diesem Fall nichts selbst frei und versuchen Sie keine Eingrenzung durch Ausprobieren. Halten Sie Kinder und Haustiere fern und rufen Sie einen Elektrofachbetrieb.
Ebenso eindeutig ist Wasser im Bereich elektrischer Betriebsmittel. Ein tropfender Heizungsanschluss über der Haupterdungsschiene oder eine feuchte Wand hinter dem Zählerschrank sind Abschaltgründe, nicht Beobachtungsfälle. Das Freischalten selbst ist Aufgabe der Fachkraft: Nach DIN VDE 0105-100 sind vor Arbeiten im spannungsfreien Zustand die fünf Sicherheitsregeln einzuhalten, also Freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, Erden und Kurzschließen sowie benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken. Diese Regeln sind für Elektrofachkräfte geschrieben, nicht als Anleitung für Bewohner.
Wo Ihre Kontrolle endet
Ihre Eigenkontrolle deckt zuverlässig ab, was sichtbar ist: fehlende Schiene, lose Leiter, Korrosion, Feuchtigkeit, offensichtlich funktionslose Klemmstellen, fehlende Unterlagen. Das ist ein erheblicher Teil der praktisch auftretenden Mängel, und es reicht aus, um zu entscheiden, ob ein Termin nötig ist.
Nicht selbst feststellen können Sie, ob ein Leiterquerschnitt der Bemessungsregel entspricht, ob der Übergangswiderstand einer Klemme im zulässigen Bereich liegt, ob der Erder wirksam ist und ob die Abschaltbedingungen der DIN VDE 0100-410 eingehalten werden. Öffnen Sie deshalb keine Abdeckungen im Zählerschrank, lösen Sie keine Klemme an der Haupterdungsschiene und legen Sie keinen Leiter neu auf, auch nicht als vermeintliche Sofortmaßnahme. Arbeiten an der Anlage hinter dem Hausanschluss sind nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung Unternehmen vorbehalten, die in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen sind.







