Hauptpotentialausgleich planen: Anforderungen, Schutz und Reserven festlegen

Eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot. Im Mittelpunkt: Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Nutzung, technische Anforderungen, Gefährdungen.
  • Der Beitrag liefert eine Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot.
  • Die Seite beantwortet ausschließlich die sichere Systemplanung.

Wogegen der Schutzpotentialausgleich tatsächlich wirkt

Der Begriff Hauptpotentialausgleich stammt aus älteren Normenausgaben, die heutige Fachsprache nennt dieselbe Einrichtung Schutzpotentialausgleich. Die Aufgabe ist unverändert geblieben: Alle leitfähigen Teile, die von außen in das Gebäude geführt werden oder sich über größere Strecken im Haus erstrecken, werden auf ein gemeinsames Potential gebracht. Zwischen der Heizungsleitung im Bad und dem Schutzkontakt einer Steckdose im selben Raum kann dann keine gefährliche Spannungsdifferenz mehr stehen bleiben.

Nach DIN VDE 0100-410 ist dieser Ausgleich kein Zubehör, sondern fester Bestandteil der Schutzmaßnahme “Schutz durch automatische Abschaltung der Stromversorgung”. Fehlt er, trennt die Überstrom-Schutzeinrichtung im Fehlerfall zwar weiterhin, doch die Spannung, die während der Abschaltzeit an berührbaren Metallteilen ansteht, ist nicht mehr begrenzt. Ist zusätzlich eine Blitzschutzanlage vorhanden, kommt nach DIN EN IEC 62305-3 eine zweite Aufgabe hinzu: Der Ausgleich muss dann auch Blitzteilströme führen können, ohne dass an den Verbindungsstellen unzulässige Spannungsdifferenzen entstehen. Diese Doppelfunktion entscheidet in der Planung über Material und Querschnitt.

Bestandsaufnahme vor der Auslegung

Nach DIN VDE 0100-540 laufen alle Verbindungen an einer Haupterdungsschiene zusammen. Bevor über Klemmen und Leitungen gesprochen wird, gehört deshalb eine vollständige Liste dessen auf den Tisch, was dort ankommen muss:

  • der Erdungsleiter zur Erdungsanlage, also zum Fundamenterder, Ringerder oder Tiefenerder
  • der Schutzleiter der Hauptstromversorgung
  • metallene Rohrleitungssysteme für Wasser, Gas, Heizung und Fernwärme sowie metallene Abwasserleitungen
  • metallene Bauteile der Gebäudekonstruktion, Aufzugsschienen, Lüftungskanäle, Schornsteinbekleidungen
  • Kabelschirme der Antennenanlage und der Telekommunikationszuführung
  • die Blitzschutzanlage, sofern vorhanden

Zwei Details werden in Angeboten regelmäßig übergangen. Erstens: Metallene Wasserleitungsrohre dürfen nach DIN VDE 0100-540 nicht als Erder benutzt werden. Sie werden angeschlossen, ersetzen aber keine Erdungsanlage. Zweitens: Der Anschluss erfolgt so nah wie möglich an der Eintrittsstelle in das Gebäude, bei der Gasleitung hinter der Hauptabsperreinrichtung und hinter dem isolierenden Zwischenstück. Wird stattdessen irgendwo im Keller an ein Rohr geklemmt, hängt die Wirksamkeit davon ab, ob dazwischen später ein Kunststoffabschnitt eingebaut wird.

Querschnitte festlegen: die Regel hinter der Zahl

Querschnitte werden nicht geschätzt, sondern aus dem größten Schutzleiter der Anlage abgeleitet. Die folgende Übersicht fasst die Bemessungsregeln zusammen, die in der Planung anzuwenden sind.

Leiterart Bemessungsregel Mindestwert Kupfer Anmerkung
Schutzpotentialausgleichsleiter zur Haupterdungsschiene halber Querschnitt des größten Schutzleiters der Anlage 6 mm² Begrenzung auf 25 mm² Kupfer zulässig
Zusätzlicher Ausgleich zwischen zwei Körpern Querschnitt des kleineren der beiden Schutzleiter 2,5 mm² bei mechanisch geschützter Verlegung ohne mechanischen Schutz 4 mm²
Zusätzlicher Ausgleich Körper zu fremdem leitfähigem Teil halber Querschnitt des zugehörigen Schutzleiters 2,5 mm² bei mechanisch geschützter Verlegung ohne mechanischen Schutz 4 mm²
Blitzstromtragfähige Verbindung nach DIN EN IEC 62305-3 nach Blitzschutzfachplanung 16 mm² Aluminium 25 mm², Stahl 50 mm²
Erdungsleiter zur Erdungsanlage abhängig von Korrosions- und mechanischem Schutz 16 mm² bei Korrosionsschutz ohne mechanischen Schutz ohne Korrosionsschutz 25 mm² Kupfer beziehungsweise 50 mm² Stahl

Aus dieser Tabelle ergibt sich eine praktische Konsequenz: Sobald eine Blitzschutzanlage vorhanden ist oder in absehbarer Zeit errichtet werden soll, ist die blitzstromtragfähige Auslegung maßgebend. Wer den Ausgleich vorher knapp nach der Schutzleiterregel auslegt, baut die spätere Nacharbeit schon ein.

Bad, Technikraum und Außenanlagen richtig einordnen

Der zusätzliche Schutzpotentialausgleich im Badezimmer ist kein Automatismus mehr. Nach DIN VDE 0100-701 kann er entfallen, wenn drei Bedingungen zusammen erfüllt sind: Alle Stromkreise des Raumes sind durch eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung mit einem Bemessungsdifferenzstrom von höchstens 30 Milliampere geschützt, alle Körper sind über Schutzleiter in den Schutzpotentialausgleich einbezogen, und die fremden leitfähigen Teile des Raumes sind an den Schutzpotentialausgleich des Gebäudes angeschlossen. Fehlt eine dieser Bedingungen, bleibt der örtliche Ausgleich erforderlich.

Anders liegt der Fall bei Schwimmbecken nach DIN VDE 0100-702 und bei landwirtschaftlich genutzten Betriebsstätten nach DIN VDE 0100-705. Dort ist der zusätzliche Ausgleich unabhängig von der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung vorzusehen. Bei Wärmepumpen-Außeneinheiten, Poolanlagen, Gartenhäusern und Carports mit Metallkonstruktion gehört die Frage in die Planung, weil der Weg zur Haupterdungsschiene später schwer nachzurüsten ist.

Reserven, die den Unterschied machen

Ein Schutzkonzept altert nicht durch Verschleiß, sondern durch neue Verbraucher. Wallbox, Wärmepumpe, Batteriespeicher und Photovoltaik verändern Ströme, Leitungswege und Erdungsanforderungen. Verlangen Sie deshalb eine Haupterdungsschiene mit freien Klemmstellen statt einer voll belegten Schiene, eine zugängliche Trenn- und Messstelle im Erdungsleiter, damit die Erdungsanlage später ohne Aufgraben gemessen werden kann, und ein Leerrohr vom Hausanschlussraum zu den vorgesehenen Erweiterungsflächen. Diese drei Positionen kosten bei der Errichtung wenig und ersparen später eine offene Wand.

Anforderungsliste für Fachplanung und Angebot

  1. Vollständige Aufstellung der anzuschließenden fremden leitfähigen Teile mit Eintrittsstelle und Rohrmaterial.
  2. Angabe des größten Schutzleiterquerschnitts der Anlage als Bemessungsgrundlage.
  3. Festlegung, ob blitzstromtragfähig auszulegen ist, mit Begründung aus der Blitzschutzplanung.
  4. Position und Zugänglichkeit der Haupterdungsschiene, Anzahl der Klemmstellen und Reserve.
  5. Art der Erdungsanlage und Nachweis, dass keine Wasserleitung als Erder herangezogen wird.
  6. Behandlung von Gas-Isolierstück und Wasserzähler-Überbrückung.
  7. Aussage zum zusätzlichen Schutzpotentialausgleich je Raum mit Verweis auf die zutreffende Errichtungsnorm.
  8. Kennzeichnung und Beschriftung aller Anschlüsse an der Schiene.
  9. Umfang der Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 und Form des Prüfprotokolls.
  10. Nachweis der Eintragung des ausführenden Betriebs im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers.

Wo Ihre eigene Vorbereitung endet

Sie können den Hausanschlussraum fotografieren, Rohrmaterialien notieren, alte Unterlagen zusammensuchen und die Liste der Eintrittsstellen selbst anlegen. Diese Vorarbeit verkürzt den Ortstermin und sorgt dafür, dass mehrere Angebote von denselben Voraussetzungen ausgehen.

Was Sie nicht selbst tun dürfen: Klemmen an der Haupterdungsschiene lösen oder setzen, Leiter auflegen, Abdeckungen im Zählerschrank öffnen oder Messungen an unter Spannung stehenden Teilen vornehmen. Nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen Arbeiten an der elektrischen Anlage hinter dem Hausanschluss ausschließlich vom Netzbetreiber oder von einem Installationsunternehmen ausgeführt werden, das in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Diese Eintragung sollten Sie sich vor der Beauftragung zeigen lassen, denn sie ist zugleich die Voraussetzung dafür, dass der Betrieb Plomben abnehmen und die Anlage anmelden darf.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 – Schutz gegen elektrischen Schlag (VDE VERLAG)
  2. DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2024-06 – Erdungsanlagen und Schutzleiter (DKE-Dokumentblatt)
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