Hauptpotentialausgleich nachrüsten: Montage, Prüfung und Übergabe
So verbinden Sie Haupterdungsschiene, Rohrleitungen und Gebäudeerdung normgerecht. Querschnitte, Montagefolge, Messwerte und Übergabedokumentation nach DIN VDE 0100.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Haupterdungsschiene wird im Hausanschlussraum montiert; jeder Anschluss muss einzeln trennbar sein.
- Schutzpotentialausgleichsleiter brauchen mindestens 6 mm² Kupfer, 16 mm² Aluminium oder 50 mm² Stahl.
- Wasser-, Gas-, Heizungs- und Klimaleitungen sowie die Gebäudeerdung werden mit der Schiene verbunden.
- Die Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 misst Durchgängigkeit, Isolationswiderstand und Abschaltzeiten.
- Übergabe umfasst Messprotokoll, Anlagendokumentation und eine Besichtigung der Hauptpotentialausgleichsstelle.
Vorbereitung: Was vor dem ersten Montagetag geklärt sein muss
Eine Nachrüstung im bewohnten Haus scheitert selten an der Technik, sondern an der Abstimmung. Klären Sie deshalb vorab vier Punkte schriftlich. Erstens den Umfang: Welche Rohrsysteme, Schirme und Konstruktionsteile werden angeschlossen, und an welcher Stelle jeweils? Zweitens die Abschaltung: Wie lange ist das Gebäude oder ein Teil davon ohne Strom, und an welchem Tag? Drittens die Plomben: Muss im plombierten Bereich des Zählerplatzes gearbeitet werden, ist eine Abstimmung mit dem Netzbetreiber nach dessen technischen Anschlussbedingungen erforderlich. Viertens die Nebengewerke: Wer öffnet Verkleidungen, wer verschließt Durchbrüche, wer stellt Putz und Anstrich wieder her?
Bereiten Sie den Arbeitsbereich selbst vor. Räumen Sie den Hausanschlussraum frei, machen Sie Rohreintritte zugänglich, entfernen Sie Regale vor der vorgesehenen Schienenposition. Kündigen Sie die Stromunterbrechung im Haushalt an und denken Sie an Geräte, die eine Unterbrechung übelnehmen: Server, Aquarien, Gefriertruhen, medizinische Geräte, Heizungsregelungen mit Zeitprogramm.
Montagefolge in der Reihenfolge, die sich bewährt hat
- Aufnahme des Ist-Zustands mit Fotos, bevor etwas verändert wird. Diese Bilder sind später Bestandteil der Dokumentation.
- Freischalten des betroffenen Anlagenteils durch die Elektrofachkraft unter Anwendung der fünf Sicherheitsregeln nach DIN VDE 0105-100.
- Setzen der Haupterdungsschiene an zugänglicher Stelle, mit ausreichend freien Klemmstellen für spätere Erweiterungen.
- Anschluss des Erdungsleiters zur Erdungsanlage, mit auftrennbarer Mess- und Trennstelle, damit der Erder später ohne Grabung geprüft werden kann.
- Anbindung des Schutzleiters der Hauptstromversorgung.
- Anschluss der Rohrsysteme jeweils möglichst nahe an der Eintrittsstelle in das Gebäude, bei Gas hinter der Hauptabsperreinrichtung und hinter dem isolierenden Zwischenstück.
- Dauerhafte Überbrückung des Wasserzählers, damit die Verbindung auch beim Zählerwechsel bestehen bleibt.
- Anbindung von Antennenanlage, Telekommunikationszuführung und metallenen Konstruktionsteilen.
- Bei vorhandener Blitzschutzanlage Anbindung nach DIN EN IEC 62305-3, entweder direkt blitzstromtragfähig oder über Blitzstrom-Ableiter, wo eine direkte Verbindung betrieblich nicht möglich ist.
- Beschriftung jeder Klemmstelle, sodass ohne Rückverfolgung erkennbar ist, welcher Leiter zu welchem System gehört.
Die Querschnitte richten sich dabei nach DIN VDE 0100-540: Der Schutzpotentialausgleichsleiter zur Schiene wird mit dem halben Querschnitt des größten Schutzleiters der Anlage bemessen, mindestens jedoch mit 6 Quadratmillimetern Kupfer, wobei eine Begrenzung auf 25 Quadratmillimeter Kupfer zulässig ist. Für blitzstromtragfähige Verbindungen gelten die höheren Werte der Blitzschutznorm.
Funktionsprüfung: was gemessen wird und warum
Nach der Montage steht die Prüfung nach DIN VDE 0100-600 an. Sie besteht aus drei Teilen, die aufeinander aufbauen und nicht gegeneinander austauschbar sind.
Das Besichtigen prüft, ob die Ausführung zur Planung passt: richtige Anschlussstellen, geeignete Klemmen für den jeweiligen Werkstoff, mechanischer Schutz der Leitungen, Kennzeichnung, Korrosionsschutz an feuchten Stellen.
Das Erproben und Messen liefert die Zahlen. Für den Potentialausgleich ist die Messung der Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter zentral. Sie wird mit einem ausreichend hohen Prüfstrom durchgeführt, damit auch ein schlechter Übergang auffällt, den ein einfacher Summerprüfer als in Ordnung meldet. Hinzu kommen je nach Umfang der Arbeiten die Messung des Isolationswiderstands, die Prüfung der Abschaltbedingungen über die Schleifenimpedanz und die Auslöseprüfung der Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen.
Verlangen Sie, dass die Messwerte im Protokoll stehen und nicht nur ein Häkchen bei “in Ordnung”. Ein Zahlenwert lässt sich bei der nächsten Prüfung vergleichen, ein Häkchen nicht.
Funktions- und Übergabecheckliste
| Prüfpunkt | Nachweisform | Woran Sie erkennen, dass er erledigt ist |
|---|---|---|
| Vollständigkeit der Anschlüsse | Liste im Protokoll, ein Eintrag je System | Wasser, Gas, Heizung, Fernwärme, Antenne, Telekommunikation, Konstruktion und Blitzschutz sind einzeln aufgeführt |
| Anschlussstelle Gasleitung | Foto der Klemmstelle | Klemme liegt hinter Hauptabsperreinrichtung und Isolierstück, das Isolierstück ist nicht überbrückt |
| Wasserzählerbrücke | Foto und Protokolleintrag | Brücke bleibt beim Ausbau des Zählers wirksam |
| Durchgängigkeit | Messwerte je Anschlusspunkt | für jeden Punkt ein Zahlenwert, nicht nur eine Sammelaussage |
| Erdungsanlage | Trennstelle und Messwert | Trennstelle ist zugänglich, Erdungswiderstand ist protokolliert |
| Kennzeichnung | Foto der Schiene | jede Klemme trägt eine Bezeichnung, die zum Protokoll passt |
| Reserve | Sichtprüfung | mindestens zwei freie Klemmstellen für spätere Erweiterungen |
| Erstprüfung | Prüfprotokoll nach DIN VDE 0100-600 | mit Datum, Messgerät, Prüfer und Unterschrift |
| Anmeldung und Plomben | Bestätigung des Netzbetreibers | falls im plombierten Bereich gearbeitet wurde |
| Einweisung | kurzes Übergabegespräch | Sie wissen, wo Schiene und Trennstelle sitzen und was Sie nicht anfassen dürfen |
Einweisung: die drei Dinge, die Sie danach wissen sollten
Eine gute Übergabe dauert zehn Minuten und beantwortet drei Fragen. Wo befindet sich die Haupterdungsschiene, und wie sieht sie aus? Woran erkennen Sie, dass etwas verändert wurde, also welche Klemme gehört wozu? Und was ist bei künftigen Arbeiten anderer Gewerke zu beachten, insbesondere beim Austausch von Rohrleitungen, beim Einbau einer Wärmepumpe oder bei der Erneuerung des Wasserzählers?
Der dritte Punkt ist der wichtigste, weil hier die meisten Anlagen später ihre Wirkung verlieren. Legen Sie sich einen kurzen Vermerk an: Vor jeder Sanitär-, Heizungs- oder Dacharbeit ist zu prüfen, ob eine Anschlussstelle des Potentialausgleichs betroffen ist. Diesen Hinweis geben Sie dem ausführenden Betrieb vorab weiter.
Dokumentation, die später gebraucht wird
Bewahren Sie folgende Unterlagen gemeinsam auf: Prüfprotokoll mit Messwerten, Fotos der Anschlussstellen vor dem Verschließen von Verkleidungen, Angabe der verwendeten Querschnitte, Bestätigung über die Anmeldung beim Netzbetreiber und die Rechnung mit Leistungsverzeichnis. Beim Verkauf des Hauses, bei einem Versicherungsfall oder beim nächsten Betriebswechsel ersetzt diese Sammlung eine aufwendige Nachforschung.
Was Sie beim Betriebsstart selbst tun dürfen
Sie dürfen Möbel zurückstellen, Geräte wieder einschalten, den Zugang zur Schiene frei halten und die Dokumentation ablegen. Sie dürfen außerdem regelmäßig hinsehen, ob an der Schiene ein Leiter lose hängt oder ob sich Feuchtigkeit zeigt.
Nicht zu Ihren Aufgaben gehören das Nachziehen von Klemmschrauben, das Anklemmen zusätzlicher Leiter, das Öffnen von Abdeckungen im Zählerschrank und jede Art von Messung an der Anlage. Diese Arbeiten sind einer Elektrofachkraft vorbehalten. Ausführen darf sie nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung nur ein Betrieb, der im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Fragen Sie diesen Nachweis vor der Beauftragung ab, denn ohne ihn kann die Anlage weder angemeldet noch plombiert werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 — Schutz gegen elektrischen Schlag
- DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2024-06 – Erdungsanlagen und Schutzleiter (DKE-Dokumentblatt)
- DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 – Prüfungen von Niederspannungsanlagen (DKE-Dokumentblatt)
- Elektrofachkraft.de — Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600







