Mehrstufiger Überspannungsschutz nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe
Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.
Das Wichtigste in Kürze
- Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
- Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
- Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.
Vor dem Termin: Abschaltung, Plomben, Platz
Die Nachrüstung eines gestaffelten Überspannungsschutzes ist kein Handgriff, sondern ein Eingriff in die Einspeisung. Sobald die erste Stufe am Speisepunkt eingebaut wird, wird im plombierten Bereich des Zählerplatzes gearbeitet. Das setzt eine Abstimmung mit dem Netzbetreiber nach dessen technischen Anschlussbedingungen voraus, und es setzt eine Freischaltung des Gebäudes voraus.
Klären Sie deshalb vorab drei Punkte. Erstens die Dauer der Unterbrechung und den Tag. Zweitens den vorhandenen Einbauraum: Wie viele Teilungseinheiten sind frei, gibt es einen für Zusatzanwendungen vorgesehenen Bereich, reicht der Platz für alle geplanten Stufen? Drittens den Umfang: Welche Zuführungen erhalten Schutz, also neben der Stromeinspeisung auch Telekommunikation, Antennen- und Datenleitungen sowie gegebenenfalls die Gleichstromseite einer Photovoltaikanlage.
Bereiten Sie den Haushalt vor. Fahren Sie Rechner und Netzwerktechnik geordnet herunter, notieren Sie Einstellungen von Heizungsregelung, Zeitschaltuhren und Rollladensteuerung, und denken Sie an Gefriergeräte und medizinische Technik.
Montagefolge von der Einspeisung nach innen
- Ist-Aufnahme mit Fotos des geschlossenen und, durch die Fachkraft, des geöffneten Verteilers. Diese Bilder gehören später zur Dokumentation.
- Freischalten durch die Elektrofachkraft unter Anwendung der fünf Sicherheitsregeln nach DIN VDE 0105-100.
- Einbau der Blitzstromstufe am Speisepunkt, sofern ein äußerer Blitzschutz vorhanden ist oder die Anlage über eine Freileitung gespeist wird.
- Anbindung dieser Stufe an die Haupterdungsschiene auf kürzestem Weg. DIN VDE 0100-534 begrenzt die Gesamtlänge der Anschluss- und Erdungsleitung eines Ableiters auf möglichst 0,5 Meter und keinesfalls mehr als einen Meter; ist das nicht einzuhalten, wird die V-Verdrahtung ausgeführt.
- Einbau der Ableiterstufe in jeder Unterverteilung, mit passender Schaltungsvariante für die vorgefundene Netzform.
- Einbau der Vorsicherung beziehungsweise Nachweis, dass die vorhandene Absicherung als Backup zulässig ist.
- Anordnung gegenüber der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung klären: Der Ableiter wird bevorzugt davor gesetzt; ist eine Anordnung dahinter unvermeidbar, ist eine stoßstromfeste Ausführung erforderlich.
- Einbau der geräteseitigen Stufe dort, wo empfindliche Technik weit von der Verteilung entfernt sitzt.
- Einbau der Schutzgeräte für Antennen-, Telekommunikations- und Datenleitungen, jeweils mit Anbindung an dieselbe Potentialausgleichsebene.
- Beschriftung: Jeder Ableiterzweig, jede Vorsicherung und jede Zustandsanzeige wird eindeutig bezeichnet.
Der neunte Punkt entscheidet über die Wirksamkeit des Ganzen. Werden Strom- und Datenwege auf unterschiedliche Potentialebenen geführt, entsteht genau die Spannungsdifferenz, die der Schutz verhindern soll.
Prüfung nach der Montage
Die Erstprüfung richtet sich nach DIN VDE 0100-600 und besteht aus Besichtigen, Erproben und Messen. Für den Überspannungsschutz sind vier Punkte besonders zu betrachten.
Besichtigt werden die Anschlussleitungslängen, der Erdungsweg, die Schaltungsvariante, die Vorsicherung, die Kennzeichnung und die Frage, ob der Schutzpegel der eingebauten Geräte zur Bemessungsstoßspannung der jeweiligen Ebene nach DIN VDE 0100-443 passt.
Gemessen werden die Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter, der Isolationswiderstand und die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme durch automatische Abschaltung. Bei der Isolationsmessung sind die Ableiter zu berücksichtigen, weil sie das Ergebnis sonst verfälschen; entweder werden sie abgetrennt oder es wird nach dem in der Norm vorgesehenen Verfahren gemessen.
Erprobt wird die Funktion der Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, denn deren Verhalten kann sich durch die Anordnung der Ableiter ändern.
Dokumentiert wird alles in einem Prüfprotokoll mit Messwerten, Datum, verwendetem Messgerät und Unterschrift. Ein Protokoll ohne Zahlenwerte ist für spätere Vergleiche wertlos.
Funktions- und Übergabecheckliste
| Prüfpunkt | Nachweis | Erfüllt, wenn |
|---|---|---|
| Stufenkonzept | Einbauplan oder Schema | jede Stufe ist mit Einbauort und Prüfklasse benannt |
| Energetische Koordination | Herstellerangabe oder Leitungslängennachweis | die Stufen sind ausdrücklich als zueinander passend ausgewiesen |
| Anschlussleitungslänge | Foto und Protokolleintrag je Gerät | die Gesamtlänge liegt im zulässigen Bereich oder es wurde V-Verdrahtung ausgeführt |
| Erdungsanbindung | Protokolleintrag | Weg zur Haupterdungsschiene ist kurz, durchgehend und mit ausreichendem Querschnitt |
| Vorsicherung | Protokolleintrag | vorhanden oder als entbehrlich begründet, beschriftet |
| Anordnung zur Fehlerstrom-Schutzeinrichtung | Schema | Ableiter davor oder stoßstromfeste Ausführung dahinter |
| Datenwege | Liste der Zuführungen | jede leitfähige Zuführung ist einzeln aufgeführt und zugeordnet |
| Zustandsanzeigen | Foto der geschlossenen Front | alle Anzeigen sind ohne Öffnen ablesbar |
| Freie Teilungseinheiten | Sichtprüfung | Anzahl ist im Protokoll beziffert |
| Erstprüfung | Protokoll nach DIN VDE 0100-600 | Messwerte statt Häkchen |
| Anmeldung und Plomben | Bestätigung des Netzbetreibers | Speisepunkt ist wieder ordnungsgemäß verplombt |
Einweisung und Betriebsstart
Lassen Sie sich bei der Übergabe drei Dinge zeigen. Erstens: wo jede Zustandsanzeige sitzt und welche Farbe den ungestörten Zustand bedeutet. Zweitens: welcher Schalter oder welche Sicherung zum Ableiterzweig gehört und wie sie beschriftet ist. Drittens: was bei einem Ansprechen zu tun ist, nämlich melden statt selbst tauschen.
Vereinbaren Sie eine Kontrollroutine und schreiben Sie sie auf: zweimal jährlich Zustandsanzeigen ablesen, zusätzlich nach jedem schweren Gewitter. Halten Sie die Ergebnisse mit Datum fest. Diese Notizen sind der einzige Weg, ein stilles Versagen rechtzeitig zu bemerken.
Fahren Sie beim Betriebsstart die abgeschalteten Geräte geordnet wieder hoch und kontrollieren Sie die Einstellungen der Regelungen, die Sie vorher notiert haben. Prüfen Sie Warmwasserbereitung, Heizung, Lüftung und Netzwerktechnik auf normale Funktion.
Was Sie selbst tun dürfen und was nicht
Sie dürfen vorbereiten, koordinieren, den Verteilerbereich freiräumen, Fotos machen, Einstellungen notieren und die Dokumentation ablegen. Sie dürfen die Zustandsanzeigen ablesen und Auffälligkeiten melden.
Sie dürfen keine Abdeckung öffnen, kein Ableitermodul ziehen oder stecken, keine Vorsicherung wechseln und nach einem Ansprechen nichts selbst zurücksetzen. Ein verbrauchtes Modul zu tauschen sieht nach einem Handgriff aus, ist aber eine Arbeit an einer unter Spannung stehenden Anlage mit anschließender Prüfpflicht. Nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen solche Arbeiten ausschließlich vom Netzbetreiber oder von einem Installationsunternehmen ausgeführt werden, das in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Lassen Sie sich diesen Nachweis vor der Beauftragung zeigen; ohne ihn wird der plombierte Bereich am Speisepunkt gar nicht erst geöffnet werden dürfen.






