PV-Anlage am bestehenden Zählerschrank nachrüsten: Montage, Funktionsprüfung und Übergabe
Eine Funktions- und Übergabecheckliste. Im Mittelpunkt: Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen, Konfiguration.
Das Wichtigste in Kürze
- Vorbereitung, Montagefolge, Abschaltungen.
- Der Beitrag liefert eine Funktions- und Übergabecheckliste.
- Die Seite deckt ausschließlich Nachrüstung, Prüfung und sicheren Betriebsstart ab.
Die Reihenfolge, die der Netzbetreiber vorgibt
Bei einer Photovoltaikanlage ist die Montage nicht der erste Schritt. VDE-AR-N 4105 legt fest, dass die Erzeugungsanlage vor der Errichtung beim Netzbetreiber angemeldet wird. Der Netzbetreiber prüft, ob sein Netz die geplante Leistung an dieser Stelle aufnehmen kann, und teilt die Bedingungen mit. Erst danach wird gebaut.
Der vollständige Ablauf hat sechs Stufen: Anmeldung durch das eingetragene Installationsunternehmen, Rückmeldung und Zustimmung des Netzbetreibers, Errichtung der Anlage, Anzeige der Fertigstellung mit den erforderlichen Nachweisen, Inbetriebsetzung mit Zählerwechsel durch den Messstellenbetreiber und schließlich die Registrierung im Marktstammdatenregister innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme.
Klären Sie zu Beginn, wer welche Stufe übernimmt. In der Praxis führt der Errichterbetrieb die Anmeldung und die Fertigstellungsanzeige, während die Registrierung im Marktstammdatenregister häufig beim Anlagenbetreiber liegt, also bei Ihnen. Wird diese Frist versäumt, kann das Folgen für die Vergütung haben.
Vorbereitung am Zählerplatz
Vor dem Montagetermin sollten drei Dinge feststehen. Erstens der Umfang der Arbeiten am Zählerplatz: Wird er weitergenutzt, ergänzt oder ersetzt? Zweitens das Zeitfenster für die Freischaltung, denn im plombierten Bereich darf nur mit Abstimmung nach den technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers gearbeitet werden. Drittens der Standort des Wechselrichters, weil er den gesamten Leitungsweg bestimmt.
Bereiten Sie den Zugang vor: Räumen Sie den Bereich vor dem Zählerschrank und vor dem geplanten Wechselrichterstandort frei, sorgen Sie für Beleuchtung und fahren Sie empfindliche Geräte vorher geordnet herunter. Notieren Sie Einstellungen von Heizungsregelung, Zeitschaltuhren und Netzwerktechnik.
Montagefolge auf der Anschlussseite
- Aufnahme des Ist-Zustands mit Fotos vom Zählerschrank, von der Verteilung und vom geplanten Leitungsweg.
- Freischalten durch die Elektrofachkraft unter Anwendung der fünf Sicherheitsregeln nach DIN VDE 0105-100.
- Herrichten des Zählerplatzes: Anpassung oder Austausch nach DIN VDE 0603-1 und den technischen Anschlussbedingungen, mit ausreichendem Einbauraum für Zusatzanwendungen.
- Einbau des Erzeugungsstromkreises mit Absicherung und der zum Wechselrichter passenden Fehlerstrom-Schutzeinrichtung.
- Verlegen der Wechselstromleitung zum Wechselrichter, mit Kennzeichnung an beiden Enden.
- Montage des Wechselrichters mit ausreichendem Freiraum für die Kühlluft und mit erreichbarer Gleichstrom-Lasttrennstelle.
- Anschluss der Gleichstromseite, kurz- und erdschlusssicher verlegt und gegen mechanische Beschädigung geschützt.
- Einbau des Überspannungsschutzes auf der Wechselstrom- und, sofern erforderlich, auf der Gleichstromseite. Bei vorhandener Blitzschutzanlage und nicht einhaltbarem Trennungsabstand sind Blitzstrom-Ableiter vorzusehen und das Modulgestell blitzstromtragfähig anzubinden.
- Potentialausgleich des Modulgestells und Anbindung an die Haupterdungsschiene.
- Kennzeichnung: Warnhinweis auf die Rückspeisung am Zählerschrank, Anlagenschild und Übersichtsschaltplan an gut sichtbarer Stelle.
Parametrierung und Nachweise
Der Netz- und Anlagenschutz überwacht Spannung und Frequenz und trennt die Anlage vom Netz, wenn diese außerhalb der zulässigen Bereiche liegen. Bei Anlagen bis zu einer Scheinleistung von 30 Kilovoltampere darf er nach VDE-AR-N 4105 im Wechselrichter integriert sein, darüber ist ein zentraler Netz- und Anlagenschutz mit eigenem Kuppelschalter erforderlich.
Die eingestellten Werte sind zu dokumentieren. Zu den Nachweisen, die bei der Fertigstellungsanzeige verlangt werden, gehören außerdem das Einheitenzertifikat beziehungsweise die Konformitätserklärung des Wechselrichters und die Angaben zur Einhaltung der Symmetrieanforderung, wonach eine einphasige Einspeisung nur bis zu einer Scheinleistung von 4,6 Kilovoltampere zulässig ist.
Prüfung vor der Übergabe
Die Erstprüfung erfolgt nach DIN VDE 0100-600 durch Besichtigen, Erproben und Messen und umfasst beide Seiten der Anlage.
Auf der Gleichstromseite werden der Isolationswiderstand, die Polarität, die Leerlaufspannung und der Kurzschlussstrom je String erfasst. Diese Werte sind der Ausgangspunkt für alle späteren Vergleiche und gehören deshalb zwingend ins Protokoll.
Auf der Wechselstromseite werden die Durchgängigkeit der Schutz- und Potentialausgleichsleiter, der Isolationswiderstand, die Schleifenimpedanz und die Funktion der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung geprüft.
Zusätzlich wird die Abschaltung der Erzeugungsanlage bei Netztrennung erprobt, und es wird kontrolliert, ob die Kennzeichnung vollständig ist.
Funktions- und Übergabecheckliste
| Punkt | Nachweis | Erfüllt, wenn |
|---|---|---|
| Anmeldung und Zustimmung | Schreiben des Netzbetreibers | vor Baubeginn erteilt, Bedingungen sind bekannt |
| Zählerplatz | Fotos und Protokoll | Bauform entspricht den technischen Anschlussbedingungen, plombierte Bereiche sind wieder verschlossen |
| Zählerwechsel | Bestätigung des Messstellenbetreibers | Zweirichtungszähler eingebaut, Zählernummer und Anfangsstände notiert |
| Netz- und Anlagenschutz | Einstellprotokoll | eingestellte Werte sind dokumentiert und der Ausführungsart zugeordnet |
| Wechselrichter | Einheitenzertifikat oder Konformitätserklärung | liegt vollständig vor und ist der Anlage zugeordnet |
| Gleichstromseite | Messprotokoll je String | Isolationswiderstand, Leerlaufspannung, Kurzschlussstrom und Polarität sind als Zahlenwerte erfasst |
| Wechselstromseite | Prüfprotokoll nach DIN VDE 0100-600 | Durchgängigkeit, Isolation, Schleifenimpedanz und Auslöseprüfung sind dokumentiert |
| Überspannungsschutz | Protokolleintrag und Foto | Einbauorte, Anschlussleitungslängen und Zustandsanzeigen sind erfasst |
| Potentialausgleich Modulgestell | Messwert | Anbindung an die Haupterdungsschiene ist nachgewiesen |
| Kennzeichnung | Foto | Warnhinweis, Anlagenschild und Übersichtsschaltplan sind angebracht |
| Marktstammdatenregister | Registrierungsbestätigung | innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme erfolgt |
Einweisung und Betriebsstart
Lassen Sie sich bei der Übergabe vier Dinge zeigen: welcher Schutzschalter den Erzeugungsstromkreis abschaltet und wie er beschriftet ist, wo die Gleichstrom-Lasttrennstelle sitzt und unter welchen Bedingungen sie betätigt werden darf, wie Sie Betriebszustand und Erträge ablesen, und wo der Übersichtsschaltplan hängt.
Notieren Sie am Tag der Inbetriebnahme die Zählerstände beider Zählwerke und die erste Ertragsanzeige. Diese Ausgangswerte sind die Grundlage für alle späteren Plausibilitätsprüfungen. Legen Sie Anmeldeunterlagen, Zustimmung des Netzbetreibers, Einstellprotokoll, Messprotokolle, Zertifikate, Anlagenschema und Registrierungsbestätigung gemeinsam ab.
Was Sie beitragen dürfen und was nicht
Sie dürfen vorbereiten, koordinieren, Flächen freiräumen, Zählerstände notieren, die Registrierung im Marktstammdatenregister vornehmen und die Dokumentation führen. Sie dürfen den Betrieb beobachten und Auffälligkeiten melden.
Sie dürfen keine Steckverbinder auf der Gleichstromseite betätigen, den Wechselrichter nicht öffnen, im Zählerschrank keine Abdeckung abnehmen und keine Einstellung am Netz- und Anlagenschutz verändern. Errichtung, Änderung und Inbetriebsetzung sind nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung dem Netzbetreiber oder einem Installationsunternehmen vorbehalten, das im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Prüfen Sie diesen Nachweis vor der Beauftragung, denn ohne ihn wird die Anlage weder angemeldet noch in Betrieb gesetzt.






