PV-Anlage am bestehenden Zählerschrank – Kosten kalkulieren: Gerät, Installation, Prüfung und Wartung
Eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer. Im Mittelpunkt: Geräte, Leitungswege, Montage, Prüfungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Geräte, Leitungswege, Montage.
- Der Beitrag liefert eine Gesamtkostenrechnung über eine realistische Nutzungsdauer.
- Die Seite behandelt nur Budget und laufenden Aufwand.
Der Anschlussteil ist kein Nebenposten
In Photovoltaikangeboten wird der Anschluss häufig als eine Zeile geführt, während Module und Wechselrichter detailliert aufgelistet sind. Für die Budgetplanung ist das die falsche Gewichtung. Bei einem Bestandsgebäude entscheidet der Zustand des Zählerplatzes darüber, ob der Anschluss ein überschaubarer Posten bleibt oder zum zweitgrößten Block der gesamten Maßnahme wird.
Zerlegen Sie die Anschlussseite deshalb in fünf Blöcke: den Zählerplatz selbst, die Wechselstromseite vom Wechselrichter bis zur Verteilung, die Gleichstromseite vom Generator zum Wechselrichter, die Mess- und Steuerungstechnik und schließlich Anmeldung, Prüfung und Dokumentation. Jeder dieser Blöcke hat eigene Auslöser, und die lassen sich vorab abfragen.
Was auf der Gleichstromseite Kosten verursacht
DIN VDE 0100-712 behandelt Photovoltaik-Stromversorgungssysteme und beschreibt die Besonderheit, die diesen Anlagenteil teurer macht als eine gewöhnliche Installation: Der Generator liefert bei Lichteinfall Spannung und lässt sich nicht abschalten. Alles auf dieser Seite muss deshalb so ausgeführt sein, dass es auch unter Spannung sicher bleibt.
Daraus folgen konkrete Positionen. Die Leitungen werden als doppelt oder verstärkt isolierte Ausführung verlegt und so geführt, dass Kurz- und Erdschlüsse weitgehend ausgeschlossen sind. Der Wechselrichter erhält eine Lasttrennstelle auf der Gleichstromseite. Bei größeren Abständen zwischen Generator und Wechselrichter kommt Überspannungsschutz auf der Gleichstromseite hinzu; als Faustwert gilt eine Leitungslänge von etwa zehn Metern als Anlass. Bei vorhandener Blitzschutzanlage und nicht einhaltbarem Trennungsabstand sind Blitzstrom-Ableiter erforderlich, die deutlich aufwendiger sind.
Der Leitungsweg vom Dach zum Wechselrichter ist der stille Kostentreiber. Ein kurzer Weg über den Spitzboden ist etwas anderes als eine Führung über drei Geschosse mit Kernbohrungen und Brandabschottungen.
Positionsraster für den Angebotsvergleich
| Block | Position | Auslöser für hohe Kosten | Was Sie vorab klären können |
|---|---|---|---|
| Zählerplatz | Weiternutzung, Erweiterung oder vollständiger Austausch | offene Zählertafel alter Bauart, fehlender Berührungsschutz, kein Platz für Zusatztechnik | Fotos des geschlossenen Schranks, Baujahr, Unterlagen früherer Änderungen |
| Zählerplatz | Anpassung an DIN VDE 0603-1 und die technischen Anschlussbedingungen | abweichende Bauform, fehlender oberer oder unterer Anschlussraum | Rückfrage beim Netzbetreiber nach den geltenden Bedingungen |
| Wechselstromseite | Zuleitung, Absicherung, Schutzeinrichtungen | langer Weg, dreiphasige Ausführung, zusätzliche Unterverteilung | Standort des Wechselrichters vorab festlegen |
| Wechselstromseite | Fehlerstrom-Schutzeinrichtung passender Bauart | Erfordernis abhängig von der Wechselrichterbauart und den Herstellerangaben | Datenblatt des Wechselrichters anfordern |
| Gleichstromseite | Leitungen, Lasttrennstelle, Überspannungsschutz | Abstand Generator zu Wechselrichter, vorhandener Blitzschutz | Leitungsweg mit Metermaß abschätzen |
| Messtechnik | Zweirichtungszähler, gegebenenfalls intelligentes Messsystem | installierte Leistung über der Schwelle von 7 Kilowatt nach dem Messstellenbetriebsgesetz | geplante Anlagengröße genau beziffern |
| Steuerung | Kommunikationstechnik und Einbauraum dafür | fehlender Raum für Zusatzanwendungen im Zählerschrank | Fotos und Angaben zur Bauform |
| Abwicklung | Anmeldung, Inbetriebsetzung, Prüfung, Dokumentation | mehrfache Termine, Nachforderungen des Netzbetreibers | vollständige Unterlagen frühzeitig bereitstellen |
| Zugang | Gerüst oder Hubarbeitsbühne | Gebäudehöhe, Dachneigung, beengte Zufahrt | Kopplung mit anderen Dacharbeiten prüfen |
Die Schwellen, die den Preis sprunghaft verändern
Drei Grenzwerte sorgen dafür, dass die Kosten nicht gleichmäßig mit der Anlagengröße steigen, sondern in Stufen.
Die erste Schwelle liegt bei einer Scheinleistung von 4,6 Kilovoltampere. Bis dorthin ist eine einphasige Einspeisung zulässig, darüber ist dreiphasig auszuführen. Das ändert Leitung, Absicherung und gegebenenfalls den Wechselrichtertyp.
Die zweite Schwelle liegt bei 7 Kilowatt installierter Leistung. Oberhalb davon sieht das Messstellenbetriebsgesetz den Pflichteinbau eines intelligenten Messsystems vor. Damit ändern sich Einbauraum, Kommunikationsanbindung und die laufenden Entgelte für den Messstellenbetrieb.
Die dritte Schwelle liegt bei einer Scheinleistung von 30 Kilovoltampere. Bis dorthin darf der Netz- und Anlagenschutz nach VDE-AR-N 4105 im Wechselrichter integriert sein; oberhalb ist ein zentraler Netz- und Anlagenschutz mit eigenem Kuppelschalter erforderlich. Für Wohngebäude ist diese Grenze selten relevant, für größere Dächer mit Nebengebäuden gelegentlich schon.
Planen Sie die Anlagengröße nicht knapp an einer dieser Schwellen entlang, ohne die Folgekosten zu kennen.
Laufender Aufwand über die Nutzungsdauer
Die Module sind der langlebigste Teil der Anlage, die Anschlusstechnik ist es nicht. Rechnen Sie über zwanzig bis dreißig Jahre mit vier wiederkehrenden Posten.
Erstens dem Entgelt für den Messstellenbetrieb, das je nach eingebauter Messtechnik unterschiedlich ausfällt und über die gesamte Laufzeit anfällt.
Zweitens mindestens einem Austausch des Wechselrichters. Er ist das Bauteil mit der kürzesten Lebensdauer im System, und beim Austausch ist erneut die Konformität nachzuweisen und die Anlage anzumelden.
Drittens der wiederkehrenden Prüfung der elektrischen Anlage. Bei jeder Änderung ist nach DIN VDE 0100-600 zu prüfen und zu protokollieren; unabhängig davon ist eine regelmäßige fachliche Kontrolle der Anlage sinnvoll, weil Steckverbinder auf der Gleichstromseite altern.
Viertens dem Ersatz von Überspannungsschutzmodulen nach einem Ansprechen.
Nicht zu vergessen ist die Versicherung. Klären Sie, ob die Photovoltaikanlage in Ihrer Wohngebäudeversicherung mitversichert ist, ob Überspannungsschäden eingeschlossen sind und ob sich der Betrieb auf bestehende Verträge auswirkt.
Wo Sie wirklich sparen können
Der größte Hebel ist die Bündelung. Wird der Zählerplatz ohnehin wegen einer Wallbox, einer Wärmepumpe oder einer Sanierung erneuert, ist der Mehraufwand für die Photovoltaikvorbereitung gering. Wer beides nacheinander beauftragt, bezahlt Freischaltung, Plombenarbeiten, Anmeldung und Prüfung zweimal.
Der zweitgrößte Hebel ist die Auslegung auf den Endzustand. Ein Zählerschrank, der von vornherein Platz für Speicher, Wallbox und Steuerungstechnik vorsieht, kostet bei der Errichtung wenig mehr und erspart einen kompletten zweiten Umbau.
Nicht sparen sollten Sie an der Dokumentation und an der Prüfung. Ohne Prüfprotokoll, Anlagenschema und Nachweise fehlen Ihnen die Unterlagen, die bei Versicherungsfällen, beim Verkauf und beim nächsten Wechselrichtertausch verlangt werden.
Grenzen Ihrer Kalkulation
Sie können Leitungswege abschätzen, Anlagengrößen gegen die drei Schwellen prüfen, Angebote auf Vollständigkeit lesen und beim Netzbetreiber die geltenden Anschlussbedingungen erfragen. Sie können außerdem festlegen, welche Erweiterungen später kommen sollen, und damit die Auslegung steuern.
Nicht selbst beurteilen können Sie, ob der vorhandene Zählerplatz weitergenutzt werden darf und welche Schutzeinrichtungen im konkreten Fall erforderlich sind. Und ausführen dürfen Sie nichts davon: Nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung sind Errichtung, Änderung und Instandhaltung der elektrischen Anlage einem Installationsunternehmen vorbehalten, das im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Das gilt auch für vermeintlich einfache Arbeiten auf der Gleichstromseite.






