Äußerer Blitzschutz sicher prüfen: Zustand, Warnzeichen und Abschaltkriterien
Einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar. Im Mittelpunkt: sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle, Warnzeichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sichtbarer Zustand, gefahrlose Eigenkontrollen, Prüfprotokolle.
- Der Beitrag liefert einen Sicherheitscheck mit Prioritäten für sofort, bald und planbar.
- Die Seite prüft eine vorhandene Anlage, ohne unzulässige Eigenarbeiten anzuleiten.
Drei Prüfanlässe, die man nicht verwechseln sollte
DIN EN IEC 62305-3 unterscheidet für die Instandhaltung drei Anlässe. Die Sichtprüfung stellt fest, ob die Anlage vollständig, unbeschädigt und richtig befestigt ist. Die umfassende Prüfung ergänzt Messungen, insbesondere die Durchgängigkeit aller Verbindungen und den Ausbreitungswiderstand der Erdungsanlage. Die außerordentliche Prüfung wird ausgelöst, nicht terminiert: nach einem bekannten Blitzeinschlag und nach jeder baulichen Veränderung an Dach, Fassade oder einlaufenden Leitungen.
Die Intervalle richten sich nach der Blitzschutzklasse. Für Klasse I und II sieht die Norm eine jährliche Sichtprüfung und eine umfassende Prüfung im Abstand von zwei Jahren vor, für Klasse III und IV eine Sichtprüfung alle zwei und eine umfassende Prüfung alle vier Jahre. Anlagen mit besonderer Gefährdung werden häufiger geprüft. Wenn Sie nicht wissen, welche Klasse für Ihr Gebäude festgelegt wurde, steht das im Prüfbericht oder im Bestandsplan der Anlage. Fehlen beide Unterlagen, ist das bereits ein Befund.
Was Sie vom Boden aus beurteilen können
Ein Kontrollgang mit dem Fernglas, ohne Leiter und ohne Dachzugang, liefert erstaunlich viel. Gehen Sie einmal um das Haus und arbeiten Sie von unten nach oben.
Beginnen Sie an den Erdeintritten. Dort verlässt die Ableitung die Fassade und geht in den Boden. Achten Sie auf Rostfahnen, aufgeplatzte Beschichtungen, abgeblätterten Korrosionsschutz und auf Erdreich oder Rindenmulch, das bis an den Übergang heranreicht. Dieser Punkt ist die häufigste Schwachstelle der gesamten Anlage.
Sehen Sie danach die Trenn- und Messstellen an. Sie sitzen oberhalb der Erdeintritte und müssen zugänglich sein. Sind sie hinter einer Verkleidung, unter einer Terrassendiele oder hinter einem Blumenkasten verschwunden, kann bei der nächsten Prüfung nicht gemessen werden.
Folgen Sie dann den Ableitungen an der Fassade nach oben. Fehlende Halter, ausgerissene Dübel, Bögen, an denen die Leitung an der Wand scheuert, oder Leitungsenden, die nach einer Fassadensanierung schlicht abgeschnitten wurden, sind eindeutige Befunde.
Die Veränderungen, die eine Anlage unbemerkt entwerten
Blitzschutzanlagen werden selten beschädigt, sie werden überholt. Fünf Veränderungen sind besonders häufig und in der Regel vom Boden aus erkennbar.
Neue Dachaufbauten stehen ungeschützt heraus. Satellitenspiegel, Klimaaußengeräte, Dunstrohre, Solarthermiekollektoren, Dachfenster mit Metallrahmen und Photovoltaikmodule wurden nach der Errichtung montiert und liegen außerhalb des ursprünglich geplanten Schutzbereichs.
Eine erneuerte Regenrinne oder ein neues Fallrohr wurde nicht wieder angebunden, obwohl das alte Bauteil Teil des Konzepts war.
Eine nachträgliche Fassadendämmung hat Ableitungen überbaut. Manchmal liegen sie noch darunter, manchmal wurden sie entfernt.
Eine Terrasse, ein Anbau oder eine Pflasterfläche hat einen Erdeintritt überdeckt oder eine Trennstelle unzugänglich gemacht.
Und schließlich: Bäume und Sträucher sind in die Anlage hineingewachsen und berühren Leitungen oder Fangstangen.
Sicherheitscheck mit Prioritäten
| Befund | Priorität | Ihre Reaktion | Wer handelt |
|---|---|---|---|
| Abgerissene oder herabhängende Ableitung, lose Fangstange | sofort | Bereich darunter absperren, Personen fernhalten, bei Gewitter Abstand zur Fassade halten | Blitzschutzfachbetrieb, außerordentliche Prüfung |
| Bekannter Blitzeinschlag am oder nahe am Gebäude | sofort | Gebäude nicht besteigen, Geräteschäden dokumentieren, elektrische Anlage nicht selbst wieder zuschalten | Blitzschutzfachbetrieb und Elektrofachbetrieb gemeinsam |
| Brandgeruch, Schmorspuren oder Rußfahnen an Anschlusspunkten | sofort | Bereich meiden, bei Rauchentwicklung Notruf | Feuerwehr, danach Fachbetrieb |
| Erdeintritt stark korrodiert, Querschnitt sichtbar abgezehrt | bald | fotografieren, Bewuchs und Erdreich vom Übergang entfernen lassen | Blitzschutzfachbetrieb, Ersatz des Erdeintritts |
| Neuer Dachaufbau ohne erkennbare Fangeinrichtung | bald | Montagedatum und Aufbau notieren, Fotos anfertigen | Blitzschutzfachplanung, Erweiterung der Fangeinrichtung |
| Trennstelle unzugänglich oder überbaut | bald | Zugang wiederherstellen lassen | Blitzschutzfachbetrieb, gegebenenfalls Garten- oder Baugewerk |
| Fehlende Halter, gelockerte Befestigungen | planbar | im nächsten Prüftermin ansprechen | Blitzschutzfachbetrieb |
| Prüfbericht älter als das Intervall der Schutzklasse | planbar | Termin vereinbaren | Blitzschutzfachbetrieb |
| Kein Bestandsplan und kein Prüfbericht vorhanden | planbar | Unterlagen des Voreigentümers durchsehen | Blitzschutzfachbetrieb, Bestandsaufnahme mit Erstprüfbericht |
Warum das Prüfprotokoll das eigentliche Ergebnis ist
Eine Blitzschutzprüfung ohne schriftlichen Bericht ist wertlos. Der Bericht hält fest, welche Blitzschutzklasse zugrunde liegt, welche Bauteile geprüft wurden, welche Messwerte ermittelt wurden und welche Mängel offen sind. Erst der Vergleich zweier Berichte zeigt Entwicklungen: Ein Ausbreitungswiderstand, der über die Jahre steigt, deutet auf Korrosion im Erdreich hin, lange bevor die Verbindung ganz ausfällt.
Verlangen Sie deshalb Messwerte statt Bewertungen. Als Orientierung nennt DIN EN IEC 62305-3 für die Erdungsanlage einen Wert im niedrigen einstelligen Ohm-Bereich als empfehlenswert; entscheidend ist aber, dass ein Zahlenwert dokumentiert ist, der beim nächsten Termin verglichen werden kann.
Was Sie ausdrücklich nicht tun
Die Blitzschutzanlage endet nicht an der Fassade, sondern hängt über den Blitzschutzpotentialausgleich unmittelbar mit der elektrischen Anlage zusammen. Daraus ergeben sich klare Verbote für die Eigenkontrolle.
Betreten Sie kein Dach, auch nicht für ein Foto. Lösen Sie keine Trennklemme, auch nicht, um selbst zu messen. Setzen Sie keine zusätzlichen Klemmen und schließen Sie keine Metallteile eigenhändig an eine Ableitung an. Öffnen Sie im Zählerschrank keine Abdeckung, um den Zustand eines Blitzstrom-Ableiters zu beurteilen. Und führen Sie während eines Gewitters keinerlei Kontrolle am Gebäude oder an der Anlage durch.
Für den Betrieb der elektrischen Anlage gilt DIN VDE 0105-100. Danach sind Prüfungen und Arbeiten Elektrofachkräften vorbehalten, die vor Arbeiten im spannungsfreien Zustand die fünf Sicherheitsregeln anwenden. Arbeiten an der elektrischen Anlage hinter dem Hausanschluss darf nach § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung ohnehin nur ein Betrieb ausführen, der im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Ihre Rolle ist die Beobachtung von außen und die vollständige Dokumentation dessen, was Sie sehen. Das ist eine wichtige Rolle, weil kein Fachbetrieb mitbekommt, wann bei Ihnen ein Klimagerät oder ein Satellitenspiegel montiert wurde.






