Äußerer Blitzschutz – Systeme vergleichen: Sicherheit, Kompatibilität und Ausfallverhalten

Eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen. Im Mittelpunkt: Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen, Datenschutz.

03Elektrik

Das Wichtigste in Kürze

  • Systemvarianten, Schutzwirkung, Schnittstellen.
  • Der Beitrag liefert eine Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen.
  • Die Seite trennt alternative Systeme nach einheitlichen Sicherheitskriterien.

Die eine Frage, die alle Varianten sortiert

Beim äußeren Blitzschutz gibt es keine Auswahl aus einem Katalog, sondern eine Weggabelung. Sie lautet: Lässt sich der nach DIN EN IEC 62305-3 berechnete Trennungsabstand zwischen den blitzstromführenden Teilen und den leitfähigen Bauteilen des Gebäudes einhalten oder nicht? Von dieser Antwort hängen Bauart, Aufwand, Erscheinungsbild und das gesamte Innenschutzkonzept ab.

Wird der Abstand eingehalten, bleibt der Blitzstrom auf der Außenhaut. Wird er unterschritten, ist eine direkte, blitzstromtragfähige Anbindung erforderlich. Dann fließen Teilströme über Rohrleitungen, Bewehrung und Kabelschirme durch das Gebäude, und die elektrische Anlage braucht zwingend Blitzstrom-Ableiter am Speisepunkt. Wer Varianten vergleicht, ohne diese Frage geklärt zu haben, vergleicht Preise für unterschiedliche Schutzniveaus.

Fünf Ausführungsvarianten im Überblick

Die nicht getrennte Ausführung führt Fangleitungen unmittelbar auf der Dachfläche und Ableitungen an der Fassade. Sie ist die verbreitetste Bauart bei Wohngebäuden mit einfacher Geometrie.

Die getrennte Ausführung arbeitet mit Fangstangen und hochspannungsfesten, isolierten Ableitungen. Sie hält den erforderlichen Abstand auf kurzer Strecke ein, wo es baulich sonst nicht möglich wäre, etwa bei Reetdächern, Dachaufbauten aus Metall oder dicht stehenden Anlagenteilen.

Die Nutzung natürlicher Bestandteile bindet vorhandene Bauteile ein: Metalleindeckungen, Attikableche, Stahlkonstruktionen, durchverbundene Bewehrung. DIN EN IEC 62305-3 macht dafür Vorgaben zur Blechdicke. Soll ein Durchschmelzen an der Einschlagstelle sicher verhindert werden, sind deutlich dickere Bleche erforderlich, in der Größenordnung von vier Millimetern bei Eisen, fünf bei Kupfer und sieben bei Aluminium. Soll lediglich der Schutz vor Zerstörung des Bauteils sichergestellt sein, genügen erheblich geringere Dicken im Bereich eines halben Millimeters.

Bei der Fangeinrichtung selbst stehen Maschennetz und Fangstangen zur Wahl. Das Netz schützt die Fläche, Fangstangen schützen einzelne herausragende Objekte und erzeugen definierte Schutzbereiche.

Bei der Erdungsanlage unterscheidet die Norm zwischen Anordnung Typ A mit einzelnen Erdern an jeder Ableitung und Typ B als Ring- oder Fundamenterder, der alle Ableitungen verbindet.

Vergleichsmatrix mit Mindestanforderungen

Variante Stärke Schwäche Verhalten bei Alterung oder Ausfall Mindestanforderung
Nicht getrennte Anlage auf dem Dach geringster Materialaufwand, einfache Prüfbarkeit Trennungsabstand muss überall nachgewiesen sein Halter lösen sich, Leitung scheuert an der Eindeckung rechnerischer Nachweis des Trennungsabstands für jeden kritischen Punkt
Getrennte Ausführung mit isolierten Ableitungen hält Abstände auf engem Raum ein, schützt empfindliche Aufbauten hoher Materialpreis, aufwendige Befestigung, begrenzte Leitungslängen Isolierung altert unter UV-Belastung, Endabschluss ist der kritische Punkt Einhaltung der herstellerseitig zulässigen Längen und Endabschlüsse
Natürliche Bestandteile keine zusätzlichen Aufbauten, unauffällig nur zulässig bei ausreichender Blechdicke und sicherer Durchverbindung Falzverbindungen und Nietstellen verlieren die elektrische Durchgängigkeit Nachweis der Blechdicke und der dauerhaft leitenden Verbindung aller Abschnitte
Maschennetz als Fangeinrichtung flächiger Schutz, gut kombinierbar viele Halter und Durchdringungspunkte auf der Dachfläche Ausdehnung bei Aluminium reißt starre Verbindungen Maschenweite nach der festgelegten Blitzschutzklasse
Fangstangen nach Blitzkugelverfahren gezielter Schutz einzelner Aufbauten, wenig Material auf der Fläche Standsicherheit und Windlast sind nachzuweisen Fußbefestigung lockert sich, Stange verstellt sich Nachweis des Schutzbereichs für jeden abgedeckten Aufbau
Erdung Typ A mit Einzelerdern einfacher nachrüstbar, geringer Grabungsaufwand Ausbreitungswiderstand schwankt stärker, Potentialsteuerung fehlt einzelne Erder korrodieren unbemerkt mindestens ein Erder je Ableitung, zugängliche Trennstelle
Erdung Typ B als Ringerder gleichmäßige Stromaufteilung, gute Potentialsteuerung Grabung rings um das Gebäude, Eingriff in Außenanlagen Verbindungsstellen im Erdreich sind die Schwachstelle umlaufende Verbindung aller Ableitungen, korrosionsbeständige Verbinder

Über alle Varianten hinweg gilt eine gemeinsame Untergrenze: mindestens zwei Ableitungen je Gebäude, eine zugängliche Trenn- und Messstelle je Ableitung und die Anbindung der Erdungsanlage an die Haupterdungsschiene.

Schnittstelle zur Photovoltaik

Kaum eine Entscheidung hat so unmittelbare Folgen wie die Kombination mit einer Aufdachanlage. Liegen die Module vollständig im Schutzbereich der Fangeinrichtung und ist der Trennungsabstand zu Gestell, Modulrahmen und Leitungen eingehalten, bleibt die Photovoltaik von Blitzteilströmen frei. Dann genügt für das Gestell ein Potentialausgleich mit einem Leiter, der nicht blitzstromtragfähig sein muss.

Lässt sich der Abstand nicht einhalten, ändert sich das Konzept grundlegend: Das Gestell wird blitzstromtragfähig angebunden, wofür DIN EN IEC 62305-3 mindestens 16 Quadratmillimeter Kupfer vorsieht, und auf der Gleichstrom- wie auf der Wechselstromseite sind Blitzstrom-Ableiter erforderlich. Der scheinbar kleine Unterschied auf dem Dach entscheidet damit über mehrere Bauteile im Zählerschrank.

Wie sich Varianten im Ausfall unterscheiden

Eine Blitzschutzanlage meldet ihren Ausfall nicht. Sie verliert Wirkung schleichend, und jede Bauart hat ihr eigenes Muster.

Bei der nicht getrennten Anlage sind es gelöste Halter, gebrochene Leitungen an Ausdehnungspunkten und Ableitungen, die bei einer nachträglichen Fassadendämmung eingeputzt oder abgeschnitten wurden. Bei der getrennten Ausführung ist der Endabschluss der isolierten Leitung die empfindlichste Stelle. Bei natürlichen Bestandteilen ist es die Durchgängigkeit: Ein erneuertes Blechfeld oder eine neu abgedichtete Falz kann die elektrische Verbindung unterbrechen, ohne dass sich optisch etwas ändert. Bei Erdern ist es die Korrosion am Übergang zwischen Erdreich und Luft.

Für die Variantenwahl bedeutet das: Bevorzugen Sie Ausführungen, deren Zustand sich später ohne Zerstörung feststellen lässt. Eine Trennstelle, an der die Ableitung vom Erder getrennt und gemessen werden kann, ist mehr wert als jede Materialverbesserung an unzugänglicher Stelle.

Was Sie selbst entscheiden können

Sie können festlegen, welche Aufbauten geschützt werden sollen, welche gestalterischen Einschränkungen für Sie gelten und ob eine Photovoltaikanlage in absehbarer Zeit hinzukommt. Sie können Angebote daraufhin lesen, ob Trennungsabstand, Ableitungszahl, Erdungstyp und Prüfumfang benannt sind.

Die Auswahl der Variante selbst gehört zur Blitzschutzfachplanung, weil sie auf berechneten Größen beruht. Und sobald der Blitzschutzpotentialausgleich, Blitzstrom-Ableiter oder der Zählerplatz betroffen sind, greift § 13 Absatz 2 der Niederspannungsanschlussverordnung: Diese Arbeiten darf ausschließlich ein im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers geführtes Unternehmen ausführen. Kontrollgänge auf dem Dach oder Eingriffe an Ableitungen sind für Sie in keiner Variante vorgesehen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. DIN EN IEC 62305-2 (VDE 0185-305-2):2026-02 – Blitzschutz, Teil 2: Risiko-Management (DKE-Dokumentblatt)
  2. DIN EN IEC 62305-3 (VDE 0185-305-3):2025-10 – Blitzschutz, Teil 3: Schutz von baulichen Anlagen und Personen (VDE VERLAG)
Weiterlesen

Mehr zum Thema

016 Artikel
Von Leserinnen und Lesern entdeckt

Besonders beliebte Artikel

026 Artikel
Noch mehr Wissen für Ihr Zuhause

Das könnte Sie auch interessieren

036 Artikel