Luftkanäle der zentralen Lüftung: Die Anlage kann nur so gut sein wie ihr Kanalnetz
Doppelte Luftgeschwindigkeit bedeutet den vierfachen Druckverlust und den vierfachen Stromverbrauch. Ein zu eng geplantes Kanalnetz lässt sich später durch kein stärkeres Gerät heilen — nur hörbar machen.

Das Wichtigste in Kürze
- In Hauptleitungen sollte die Luft höchstens 2,5 Meter je Sekunde erreichen, in Nebenleitungen höchstens 2,0 — bei doppelter Geschwindigkeit vervierfachen sich Druckverlust und Stromaufnahme.
- DIN EN 16798-3 verlangt für Luftverteilungsanlagen mindestens die Dichtheitsklasse B nach DIN EN 12237 und empfiehlt Klasse C.
- Außenluft- und Fortluftleitungen brauchen einen feuchteunempfindlichen Dämmstoff, weil an ihnen im Winter beziehungsweise im Sommer Kondensat ausfällt.
- Nicht reinigbare Aluminium- und Kunststoffflexrohre gehören nicht ins Kanalnetz; was dort verbaut ist, lässt sich später weder prüfen noch säubern.
Ein Lüftungsgerät wird nach Datenblatt gekauft: Volumenstrom, Wärmerückgewinnungsgrad, Leistungsaufnahme, Schallleistungspegel. Alle vier Werte gelten unter Prüfbedingungen — und die wichtigste dieser Bedingungen ist ein Kanalnetz mit einem bestimmten Druckverlust. Ist das gebaute Netz enger, verwinkelter oder länger als vorausgesetzt, stimmt keine der vier Zahlen mehr.
Das ist der Grund, warum Beschwerden über Wohnungslüftungen fast immer dieselben drei Formen haben: Es rauscht, es zieht in einem Raum und in einem anderen tut sich nichts, und der Stromzähler läuft schneller als versprochen. Die Ursache liegt selten im Gerät.
Doppelte Geschwindigkeit, vierfacher Widerstand
Die Auslegungsregel ist einfach und wird trotzdem regelmäßig verletzt: In Hauptleitungen sollte die Luft 2,5 Meter je Sekunde nicht überschreiten, in Nebenleitungen 2,0. Oberhalb von etwa 2 Metern je Sekunde beginnen Strömungsgeräusche hörbar zu werden.
Warum das keine Komfortempfehlung ist, zeigt die Physik dahinter: Verdoppelt sich die Luftgeschwindigkeit, vervierfacht sich der Druckverlust — und damit der Strombedarf der Ventilatoren. Eine Anlage, die 24 Stunden am Tag läuft, verwandelt diesen Faktor in eine dauerhafte Position auf der Stromrechnung.
Aus der Geschwindigkeitsgrenze folgen die Querschnitte unmittelbar. Ein rundes Rohr DN 125 transportiert bei 2,5 Metern je Sekunde rund 110 Kubikmeter Luft je Stunde, ein DN 160 rund 180. Ein Verteilrohr DN 75 schafft bei 2,0 Metern je Sekunde knapp 32 Kubikmeter je Stunde — also gerade den Bedarf eines einzelnen Schlafzimmers. Wer diese drei Zahlen kennt, kann jeden Lüftungsplan in fünf Minuten grob nachrechnen: Zählen Sie zusammen, was hinter einem Rohr hängt, und vergleichen Sie mit seiner Nennweite.
Der zweite Hebel sind die Umlenkungen. Jeder enge Bogen, jedes T-Stück und jeder Querschnittssprung kostet Druck; ein Netz mit wenigen, weiten Bögen ist einem kürzeren mit vielen Winkeln überlegen. Deshalb ist die Sternverrohrung — jeder Raum bekommt sein eigenes Rohr von einem zentralen Verteiler — trotz größerer Rohrlänge oft die bessere Lösung: Sie ist einfacher zu reinigen, leichter einzuregulieren und kommt mit kleineren Einzelquerschnitten aus. Wie die Mengen anschließend eingestellt werden, beschreibt der Beitrag zur Einregulierung der Luftmengen.
Flexrohr ist der Fehler, der sich nicht mehr beheben lässt
Geeignet sind verzinkte Wickelfalzrohre, Kunststoffrohre und flexible Schläuche mit glatter Innenwand. Nicht reinigbare Aluminium- und Kunststoffflexrohre sind dagegen tabu — und zwar aus einem Grund, der über die Strömung hinausgeht.
Die gewellte Innenfläche eines Flexschlauchs bremst die Luft nicht nur, sie hält auch Staub fest. Sie lässt sich mit keiner Bürste sauber machen, weil die Wellentäler nicht erreichbar sind, und sie lässt sich nicht inspizieren, weil eine Kamera an jedem Bogen hängen bleibt. Was in einer Betondecke oder im Estrich liegt, ist damit für die gesamte Lebensdauer des Hauses dem Zugriff entzogen.
Praktisch bedeutet das: Flexschlauch ist allenfalls als kurzes Anschlussstück am Gerät oder am Luftauslass vertretbar, wo er zugänglich bleibt und Körperschall entkoppelt. Als Verteilleitung ist er ein Baumangel, der sich später nur durch Öffnen des Bodens beheben lässt.
Was die Dichtheitsklasse über die Anlage verrät
Luftleitungen sind nie vollständig dicht; die Frage ist, wie viel Luft an den Verbindungen verloren geht. DIN EN 12237 klassifiziert runde Luftleitungen dafür in die Dichtheitsklassen A bis D, DIN EN 1507 tut dasselbe für rechteckige Kanäle. Jede Stufe ist gegenüber der vorherigen etwa um den Faktor drei dichter.
DIN EN 16798-3 gibt für Luftverteilungsanlagen die Klasse B als Mindestanforderung vor und empfiehlt Klasse C. Als Ziel gilt eine Leckage unterhalb von zwei Prozent des Gesamtvolumenstroms. Was das im Haus bedeutet, ist unmittelbar einleuchtend: Luft, die im Estrich oder in der abgehängten Decke verschwindet, ist Luft, die im Schlafzimmer fehlt und für die der Ventilator trotzdem Strom verbraucht hat. Und bei Zuluftleitungen ist es Luft, die bereits durch die Wärmerückgewinnung gelaufen ist.
Für die Praxis heißt das zweierlei. Erstens gehört die geforderte Dichtheitsklasse in die Leistungsbeschreibung, nicht in ein Gespräch. Zweitens entscheidet die Verbindungstechnik: Steckverbindungen mit werkseitig integrierter Lippendichtung erreichen sie zuverlässiger als nachträglich umwickeltes Klebeband, dessen Kleber nach Jahren im Estrich nachgibt.
Wo Kondensat entsteht, und wie viel Dämmung dagegen hilft
Vier Leitungsarten treffen in einer Anlage mit Wärmerückgewinnung aufeinander, und sie haben sehr unterschiedliche Temperaturen. Außenluft- und Fortluftleitungen führen im Winter kalte beziehungsweise feuchtwarme Luft und liegen häufig in beheizten Bereichen. Genau an ihnen fällt Kondensat aus — außen an der kalten Außenluftleitung, innen in der abkühlenden Fortluftleitung.
Die übliche Ausführung sieht deshalb unterschiedliche Dämmungen vor: rund 6 Zentimeter Mineralwolle an Zu- und Abluftleitungen, um Wärmeverluste und Schall zu begrenzen, und rund 3 Zentimeter eines feuchtegeeigneten, geschlossenzelligen Dämmstoffs an Außenluft- und Fortluftleitungen, dessen Ziel nicht die Dämmwirkung, sondern die Dampfdichtheit ist. Mineralwolle an dieser Stelle nimmt Feuchte auf und verliert damit beides.
Der häufigste Schadensfall entsteht dort, wo eine Leitung durch einen unbeheizten Raum oder durch die Dämmebene geführt wird und dabei die Dämmung unterbrochen ist — an einer Rohrschelle, an einem Wanddurchbruch, an einer Verbindung. Wassertropfen an einer Lüftungsleitung sind kein kosmetisches Problem: Sie durchfeuchten den Untergrund und führen in der Dämmschicht selbst zu Schimmel.
Telefonieschall nimmt den Weg, den die Luft nimmt
Ein Punkt, den man erst bemerkt, wenn die Anlage läuft: Ein durchgehendes Rohr zwischen zwei Räumen überträgt Sprache. Wer im Kinderzimmer flüstert, ist im Elternschlafzimmer zu verstehen, wenn beide am selben Strang hängen und nichts dazwischenliegt. Der Effekt heißt Telefonieschall und ist ein Grund für die Sternverrohrung: Sie führt jeden Raum einzeln zum Verteiler, wo die Schallwege deutlich länger werden.
Wo mit Abzweigen gearbeitet wird, gehören Schalldämpfer zwischen die Räume und nicht nur hinter das Gerät. Zusätzlich dämpft jede Umlenkung, und flexible, schallschluckende Anschlussstücke am Auslass helfen dort, wo der Platz für einen Dämpfer fehlt. Das dritte Element ist die Überströmung: Türkürzungen oder Überströmelemente sind notwendig, damit die Luft vom Zuluftraum zum Abluftraum gelangt — sie sind aber zugleich der offensichtlichste Schallweg und sollten deshalb nicht zwischen zwei Schlafräumen liegen.
Revisionsöffnungen fallen beim Sparen zuerst weg
Die Richtlinienreihe VDI 6022 behandelt die Hygiene raumlufttechnischer Anlagen; DIN 1946-6 regelt für die Wohnungslüftung Auslegung, Ausführung, Inbetriebnahme, Übergabe und Instandhaltung. Beides setzt voraus, dass die Anlage zugänglich ist — und genau daran fehlt es in vielen Bestandsanlagen.
Konkret gehören Revisionsöffnungen an den Verteiler, vor und hinter jeden Schalldämpfer, an Richtungsänderungen und an jede Stelle, an der zwei Bauabschnitte zusammenstoßen. Sie kosten beim Einbau wenig und sind später nicht nachrüstbar, ohne die Decke zu öffnen.
Die regelmäßigen Arbeiten selbst sind überschaubar: Der Filter der ersten Stufe ist spätestens nach einem Jahr zu wechseln, weitere Stufen spätestens nach zwei; Sichtprüfungen auf Verschmutzung, Beschädigung und Durchfeuchtung stehen vierteljährlich an. Was beim Filterwechsel im Einzelnen zu tun ist, steht im Beitrag zu den Filtern der Wohnraumlüftung.
Was Sie an einer vorhandenen Anlage prüfen
Öffnen Sie zuerst das Gerät und sehen Sie sich an, was dort ankommt: Material und Nennweite der vier Leitungen, Art der Verbindung, Zustand der Dämmung an Außenluft- und Fortluftleitung. Fotografieren Sie den Anschlussbereich — er verrät mehr über die Ausführungsqualität des gesamten Netzes als jedes Datenblatt.
Prüfen Sie danach an zwei, drei Auslässen, ob sich ein Flexschlauch anschließt, und suchen Sie nach Revisionsöffnungen. Finden Sie keine, ist das die Information, die Ihre weitere Planung bestimmt: Ein nicht zugängliches Netz kann man weder prüfen noch säubern, und jede Diskussion über Reinigung ist dann zuerst eine Diskussion über Öffnungen.
Halten Sie zuletzt die Anlagenwerte fest — Volumenstrom je Stufe, Leistungsaufnahme, Datum der letzten Einregulierung. Wer erwägt, statt des zentralen Netzes auf Einzelgeräte zu wechseln, findet die Abwägung im Vergleich von zentraler und dezentraler Lüftung; wer neu plant, klärt vorher den Nachweis nach dem Lüftungskonzept.
Quellen und weiterführende Informationen
- Komfortlüftung.at – Luftleitungen: Anforderungen, Materialien, Geschwindigkeiten
- BauNetz Wissen – Leitungsführung bei Lüftungsanlagen im Bestand
- Baunormenlexikon – DIN EN 12237: Lüftung von Gebäuden, Festigkeit und Dichtheit runder Luftleitungen
- IKZ – Dichtheitsklassen von RLT-Anlagen
- VDI – Richtlinienreihe VDI 6022: Hygiene in raumlufttechnischen Anlagen

















