Filter der Wohnraumlüftung: Ein Wechsel der Filterklasse verstellt die ganze Anlage

Der Filter sieht aus wie Verbrauchsmaterial, ist aber Teil der Auslegung. Wer eine andere Klasse einsetzt, verändert den Druckverlust – und damit die eingeregelten Luftmengen.

Zentrales Lüftungsgerät mit Anschlussleitungen in einem Technikraum
Zentrales Lüftungsgerät mit Anschlussleitungen in einem TechnikraumFoto: Wolfmann / Wikimedia CommonsCC BY-SA 4.0

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 30. Juni 2018 klassifiziert ISO 16890 die Luftfilter; die alten Bezeichnungen G4 und F7 nach EN 779 gelten nicht mehr als Prüfgrundlage.
  • Für die Außenluft wird ISO ePM1 50 Prozent empfohlen, für die Abluft genügt ein Grobstaubfilter der Klasse ISO Coarse.
  • Zwei nach alter Norm als F7 eingestufte Filter können unter ISO 16890 in völlig verschiedene Gruppen fallen.
  • Jede Filterklasse bringt einen eigenen Anfangsdruckverlust mit – ein Wechsel auf eine feinere Klasse verändert die eingeregelten Luftmengen.
  • Feinstaubfilter dürfen nicht gewaschen, ausgeklopft oder zugeschnitten werden.

Zwei flache Pappkassetten, ein paar Euro das Stück, zweimal im Jahr getauscht: So sieht der Filter einer Wohnraumlüftung von außen aus. Nach dieser Logik kauft man ihn auch — möglichst günstig, möglichst passend zugeschnitten, gern eine Klasse feiner, weil feiner ja besser sein muss.

Diese Logik geht schief. Der Filter ist kein Zubehör, sondern das Bauteil mit dem größten Anteil am Druckverlust der Anlage. Wer ihn verändert, verändert die Luftmengen in jedem Raum.

Zwei Filter, zwei völlig verschiedene Aufgaben

Eine zentrale Anlage mit Wärmerückgewinnung hat mindestens zwei Filter, und sie stehen aus unterschiedlichen Gründen dort.

Der Außenluftfilter sitzt im Zuluftweg vor dem Wärmeübertrager. Er hält zurück, was von draußen ins Haus soll: Pollen, Ruß, Feinstaub, Insekten. Er ist der Filter, der etwas für die Bewohner tut, und er ist derjenige, dessen Klasse zählt.

Der Abluftfilter sitzt im Fortluftweg und schützt das Gerät, nicht die Menschen. Seine Aufgabe ist es, Hausstaub, Textilfasern und Fett aus der Raumluft davon abzuhalten, sich im Wärmeübertrager festzusetzen. Ein verschmutzter Wärmeübertrager verliert Rückgewinnungsgrad und lässt sich kaum reinigen; deshalb ist dieser billige Filter der wirtschaftlich wichtigere.

Die Empfehlung, die fast alle Hersteller teilen, lautet deshalb: für die Außenluft ein Feinstaubfilter, für die Abluft ein Grobstaubfilter. Wer beide Positionen mit demselben groben Filter bestückt, spart ein paar Euro und atmet die Pollensaison mit.

ISO 16890 statt G4 und F7

Die vertrauten Bezeichnungen G4, M5, F7 stammen aus der EN 779. Sie ist seit dem 30. Juni 2018 nicht mehr die verbindliche Klassifizierungsgrundlage; an ihre Stelle trat ISO 16890. Die neue Norm bewertet Filter nicht mehr mit einem synthetischen Prüfstaub am beladenen Medium, sondern anhand ihrer Abscheidung realer Außenluftpartikel in den Größengruppen PM1, PM2,5 und PM10 — im unbeladenen Zustand.

Alte Bezeichnung (EN 779) Näherungsweise nach ISO 16890 Übliche Position
G4 ISO Coarse 60 bis 95 % Abluft, Geräteschutz
M5 ISO ePM10 50 bis 70 % Zwischenstufe, Vorfilter
F7 ISO ePM1 50 bis 65 % Außenluft, Pollen und Feinstaub

Die Tabelle ist als Orientierung zu lesen, nicht als Umrechnung. Der entscheidende Satz lautet: Zwei Filter, die nach alter Norm beide als F7 galten, können unter ISO 16890 in völlig unterschiedliche Gruppen fallen — weil das Prüfverfahren ein anderes ist. Ein Filter, der mit „F7-Qualität“ beworben wird, ohne eine ISO-Klasse zu nennen, ist deshalb ein Filter ohne belastbare Angabe.

Für den Außenluftfilter einer Wohnungslüftung ist ISO ePM1 50 % der sinnvolle Zielwert; er hält den überwiegenden Teil der Pollen und einen erheblichen Anteil des Feinstaubs zurück. Feiner muss es nur in besonderen Lagen sein, und das hat einen Preis, der nicht in Euro anfällt.

Warum eine feinere Klasse die Anlage verstellt

Jeder Filter erzeugt einen Anfangsdruckverlust, und er wächst mit der Beladung. Der Ventilator muss diesen Widerstand überwinden. Setzt man in eine eingeregelte Anlage einen feineren Filter mit höherem Anfangsdruckverlust ein, passiert eines von zwei Dingen: Entweder regelt der Ventilator nach und verbraucht mehr Strom, oder — bei Geräten mit fester Kennlinie — sinkt der Volumenstrom.

Das zweite ist das eigentliche Problem, denn es trifft nicht alle Räume gleich. Die Luftmengen sind beim Einbau an den Ventilen abgeglichen worden, und dieser Abgleich gilt für einen bestimmten Betriebspunkt. Verschiebt er sich, stimmt die Verteilung nicht mehr: Der entfernteste Raum bekommt zuerst zu wenig. Wie dieser Abgleich zustande kommt und woran man erkennt, dass er nicht mehr passt, behandelt der Beitrag zur Einregulierung der Luftmengen.

Die Regel daraus ist einfach: Setzen Sie die Filterklasse ein, die der Hersteller für das Gerät vorsieht. Wollen Sie bewusst feiner filtern, lassen Sie den Volumenstrom danach neu prüfen — das ist ein Termin, keine Sanierung.

Wie viel Strom ein zugesetzter Filter kostet, lässt sich überschlägig zeigen. Die Ventilatorleistung ergibt sich aus Volumenstrom mal Druckdifferenz geteilt durch den Wirkungsgrad. Bei 150 Kubikmetern je Stunde, einem Anstieg des Druckverlusts um 100 Pascal und einem Gesamtwirkungsgrad von 0,5 sind das rund 8 Watt zusätzlich — über ein Jahr Dauerbetrieb etwa 70 Kilowattstunden oder bei 37 Cent je Kilowattstunde rund 26 Euro. Der Betrag ist also spürbar, aber nicht das Hauptargument. Das Hauptargument ist die Luftmenge, die nicht mehr ankommt.

Wechseln: wann, und was Sie dabei nicht tun dürfen

Gewechselt wird, wenn das Gerät es meldet — spätestens aber halbjährlich. Geräte mit Differenzdruckmessung sind dabei verlässlicher als solche mit reinem Betriebsstundenzähler, weil die tatsächliche Beladung stark von der Lage abhängt: Ein Haus an einer Hauptstraße oder neben einem Acker setzt den Außenluftfilter deutlich schneller zu als eines im Wald.

Ein praktikabler Rhythmus für ein Einfamilienhaus:

  1. Außenluftfilter zweimal jährlich, sinnvollerweise nach der Pollensaison im Frühsommer und im Spätherbst.
  2. Abluftfilter mindestens einmal jährlich, in Haushalten mit Haustieren häufiger.
  3. Filtervliese in den Abluftventilen, sofern vorhanden, alle drei Monate reinigen oder tauschen.
  4. Datum notieren — auf dem Filterrahmen oder im Geräteprotokoll. Ohne Notiz verlässt man sich auf ein Gefühl.

Drei Dinge sind zu unterlassen. Feinstaubfilter nicht waschen und nicht ausklopfen: Das Medium arbeitet über eine feine Faserstruktur, teilweise elektrostatisch aufgeladen; Wasser und mechanische Behandlung zerstören beides, während der Filter danach sauber aussieht. Nicht selbst zuschneiden: Ein selbst konfektionierter Filter dichtet am Rahmen nicht ab, und Luft, die am Filter vorbeiströmt, ist ungefiltert — der gemessene Druckverlust wirkt dann sogar günstig. Nicht feucht lagern: Ersatzfilter gehören verpackt und trocken; ein im feuchten Keller gelagerter Filter kann Schimmel ins Gerät tragen.

Sonderfälle und die Grenzen des Filters

Drei Situationen rechtfertigen eine Abweichung vom Standard, und in allen dreien lohnt eine Rückfrage beim Hersteller, bevor bestellt wird.

Starke Pollenallergie. Hier ist ein Außenluftfilter mit höherem Abscheidegrad in der Gruppe ePM1 sinnvoll. Der Gewinn ist real, der Preis ist ein höherer Druckverlust und eine kürzere Standzeit. Prüfen Sie vorher, ob das Gerät den Volumenstrom halten kann.

Geruchsbelastung von außen, etwa durch Landwirtschaft, eine stark befahrene Straße oder eine Gaststätte. Dagegen hilft kein Partikelfilter, weil Gerüche gasförmig sind. Nötig wäre ein Aktivkohlefilter — der allerdings einen deutlich höheren Druckverlust mitbringt, sich mit der Zeit sättigt und dann wirkungslos wird, ohne dass man es sieht. Viele Wohnungslüftungsgeräte sind dafür nicht ausgelegt.

Baustellenbetrieb. Wird in der Fertigstellungsphase gelüftet, gehören billige Bauschutzfilter hinein, die nach Abschluss vollständig getauscht werden. Ein mit Estrich- und Schleifstaub zugesetzter Feinstaubfilter ist nach wenigen Wochen verbraucht.

Und eine Abgrenzung, die häufig fehlt: Ein Filter entfernt Partikel. Er senkt weder den Kohlendioxidgehalt noch die Luftfeuchte, und er hält kein Radon zurück. Für diese Größen zählt allein die Luftmenge und deren Steuerung — Thema der Feuchtesteuerung und CO₂-Sensoren. Wer den Eindruck hat, die Luft sei „stickig“, braucht in aller Regel keinen besseren Filter, sondern mehr Luftwechsel.

Was neben dem Filter zur Wartung gehört

Der Filterwechsel ist die häufigste, aber nicht die einzige Maßnahme. Prüfen Sie bei jedem zweiten Wechsel zusätzlich den Kondensatablauf des Geräts samt Siphon, die Außenluft- und Fortluftgitter an der Fassade auf Laub und Insektennester sowie den Wärmeübertrager auf sichtbare Verschmutzung. Wie er arbeitet und was seine Verschmutzung kostet, steht im Beitrag zur Wärmerückgewinnung; die Kanäle selbst behandelt der Beitrag zu den Luftkanälen der zentralen Lüftung.

Für dezentrale Geräte gelten dieselben Grundsätze in kleinerem Maßstab, allerdings mit einem Filter je Gerät und entsprechend mehr Wechselstellen — nachzulesen bei den dezentralen Lüftungsgeräten.

Der Jahressatz und der Kalendereintrag

Sehen Sie im Gerätehandbuch nach, welche Filterklasse für welche Position vorgesehen ist, und notieren Sie die Maße samt Rahmenbauform. Bestellen Sie einen Jahressatz auf einmal — das ist günstiger, und der Filter, der im Schrank liegt, wird auch eingebaut.

Tragen Sie beide Wechseltermine als wiederkehrenden Kalendereintrag ein und schreiben Sie das Datum beim Einbau auf den Filterrahmen. Wenn Ihr Gerät eine Differenzdruckanzeige besitzt, notieren Sie zusätzlich den Wert beim frischen Filter — er ist der Bezugspunkt, an dem Sie künftig erkennen, wann gewechselt werden muss, statt es zu schätzen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Raumluftwissen – ISO 16890: Filterklassen ePM1, ePM2,5 und ePM10
  2. tab – Den richtigen Filtereinsatz nach DIN EN ISO 16890-1 wählen
  3. Komfortlüftung.at – Filter in der Wohnraumlüftung
  4. Dein Heizungsbauer – Die richtigen Filter für Ihre Lüftungsanlage
  5. Filtercaps – Filterklassen im Vergleich: ISO 16890 und EN 779
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